Ein grandioses Buch

capekKarel Čapek: Der Krieg mit den Molchen ((Originaltitel: Válka s mloky, Prag 1937). Antiquarisch.

Nach 30 Jahren habe ich den »Krieg mit den Molchen« von  Karel Čapek wieder in die Hand genommen. Ein grandioses Buch, auch nach 80 Jahren noch sehr lesenswert. Im Moment ist es nur antiquarisch zu bekommen, aber ich habe ein Exemplar aus der Heynes »Bibliothek der Science Fiction Literatur« (Nr. 46), das ich 1985 gekauft habe.

Čapek (1890-1938) gilt als einer der wichtigsten tschechischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Er hat sich in seinen Werken vor allem kritisch mit den gesellschaftlichen Entwicklungen seiner Zeit auseinandergesetzt und dabei oft zum Mittel der Satire gegriffen. In seinem Theaterstück R.U.R. (tschechisch Rossumovi Univerzální Roboti) von 1920 taucht erstmals das Wort »Roboter« auf; den Begriff hat aber nicht Karel Čapek erfunden, sondern sein Bruder Josef. Čapek war ein erklärter Antifaschischt, seine Bücher waren bei den Nazis verboten. Sein Bruder starb 1945 im KZ Bergen-Belsen, er selbst 1938 an den Folgen einer Lungenentzündung, die er sich infolge eines Hungerstreiks zugezogen hatte.

»Der Krieg mit den Molchen«, das 1937 in Wien auf Deutsch erschien, ist heute das international bekannteste Werk von Čapek. Der titelgebende Krieg beginnt damit, dass ein tschechischer Kapitän in der Lagune einer Südseeinsel eine noch unbekannte Art von Riesenmolchen entdeckt, die sich als sehr lernfähig und sehr geschickt erweisen. Bisher wurden sie von Haien daran gehindert, sich über die Insel hinaus zu verbreiten.  Mit Hilfe der Menschen, die sie als billige Arbeitskräfte vor allem im Wasserbau einsetzen, vermehren sie sich und bevölkern bald zu Abermillionen die Küsten aller Kontinente. Gleichzeitig werden sie immer intelligenter und ziehen schließlich mit den Menschen gleich. Der Konflikt zwischen den Arten bleibt nicht aus, und es kommt schließlich zum Krieg.

Das Buch beginnt als klassische Abenteuergeschichte, entwickelt sich aber, als die Sache mit den Molchen immer größere Dimensionen annimmt allmählich zu einer fiktiven Dokumentation, in die Čapek ebenso fiktive Zeitungsartikel, Kongress- und Forschungsberichte einbaut.  Das ist brillant geschrieben und an vielen Stellen sehr witzig; manchmal bleibt einem das Lachen aber im Hals stecken, wenn Čapek Forscher berichten lässt, wie Molchen im Dienste der Wissenschaft bei lebendigem Leib Gliedmaßen ausgerissen werden.

Obwohl das Buch, das 1936 geschrieben wurde, viele Anspielungen auf die damalige Zeit enthält, spricht es noch immer zu uns. Denn viele der angesprochenen Themen – die Ausbeutung der unterprivilegierten Molche, Massenproduktion, Kartellbildung, Fremdenfeindlichkeit und ähnliches – sind heute ebenso relevant, vielleicht sogar noch mehr als am Vorabend des Zweiten Weltkriegs.

Absolut empfehlenswert.

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