Wolkenlücken über Grönland

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Kurz reißen die Wolken unter mir auf, und mein Blick fällt für wenige Minuten auf Felsen, Wasser und Eis. Gletscher. Wir sind über Grönland. Wer hätte gedacht, dass ich mal einen, wenn auch nur kurzen Blick auf die größte Insel der Welt werfen würde. Irgendwo da unten sind vor mehr als 1000 Jahren die Wikinger mit ihren Drachenbooten unterwegs gewesen, und irgendwann sogar in Amerika angekommen.

Die Erinnerung kam hoch, als ich beim Stöbern in meiner üppigen Fotosammlung auf ein paar Schnappschüsse stieß, die ich im Oktober 2013 auf dem Weg zur Paleoamerican Odyssey Conference in Santa Fe eilig mit meinem Smartphone gemacht hatte. Ich hatte zwar einen Fensterplatz in der Boeing 777, aber wir flogen praktisch die ganze Zeit über einer geschlossenen Wolkendecke, und vom Atlantik habe ich, nachdem wir die Nordküste Irlands hinter uns gelassen hatten, überhaupt nichts gesehen. Da war es schon ein Glück, dass ausgerechnet über Grönland ein paar Löcher in den Wolken waren.

Beim Blick auf das Foto frage ich mich jedesmal, wie hoch diese Berge sind. Sie müssen schon recht gewaltig sein, denn das Flugzeug war nicht im Tiefflug unterwegs.

Die Sicht wurde erst besser, als wir schon weit über dem amerikanischen Kontinent waren und der Tag dem Ende entgegenging. Die Landschaft war nicht so aufregend, aber immerhin habe ich den Mississippi gesehen. Die spektakulärste Aussicht gab es beim Anflug auf Dallas, wo ich umsteigen musste. Unter mir breitete sich beim Landeanflug ein schier endloses Lichtermeer aus.

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Unter mir liegt New York

Auf dem Rückflug zehn Tage später hatte ich das Glück, dass die Route weiter südlich verlief. Wir sind an New York vorbeigeflogen. Obwohl es schon Abend war, konnte ich die Konturen von Manhatten und Long Island allein an den Lichtern erkennen. Die drei, vier Fotos davon sind natürlich nicht der Hit, zu erkennen ist darauf nur dank Nachbearbeitung etwas. Aber es bleibt ein nettes Souvenir.

Fotos aus dem Flieger aufzunehmen ist ohnehin eine schwierige Angelegenheit. Wenn das Flugzeug nicht gerade eine Kurve fliegt und das Motiv dadurch das Fenster ausfüllt, muss man schräg nach unten fotografieren. Die Bullaugen sind nicht besonders groß und meistens zerkratzt; manchmal bilden sich Eisblumen, man hat Gegenlicht oder eine Tragfläche ist im Weg. Bei den New Yorker Nachtaufnahmen störten zudem Reflexe aus dem Inneren der Maschine. Es ist auch so gut wie unmöglich, mit einer voluminösen Spiegelreflexkamera zu fotografieren, weil überhaupt kein Platz ist. Also musste das Smartphone herhalten. Mein Samsung S 3 war damals zwar nagelneu, weil ich es mir extra für die Reise gekauft hatte, aber die kleine Kamera darin stößt in solchen Situationen doch schnell an ihre Grenzen.

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