Interstellar – na ja

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Ich wollte eine Rezension über »Interstellar« schreiben. Aber ich habe es mir anders überlegt, denn über den Film ist schon genug mehr oder weniger Schlaues geschrieben worden. Also mache ich es ganz kurz: »Interstellar« ist zu lang, an vielen Stellen vorhersehbar, an anderen unlogisch und am Ende auch noch kitschig. In Erinnerung bleiben die zum Teil großartigen Bilder.

Völlig überflüssig finde ich übrigens die Diskussion darüber, wie wissenschaftlich exakt der Film in Bezug auf Relativitätstheorie, Schwarzen und Wurmlöcher ist. Das ist das Letzte, was ich von einem guten SF-Film erwarte. Darum hat sich schon Georges Méliès nicht geschert, als er 1902 den ersten Science-Fiction-Film –  Le Voyage dans la Lune – drehte.

Erdogan schreibt die Geschichte um

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Das ist wirklich schon lächerlich: Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hat in einer Fernsehsendung behauptet, nicht Columbus habe Amerika entdeckt, sondern Muslime im 12. Jahrhundert. Er beruft sich dabei auf die angebliche Erwähnung einer Moschee in Columbus‘ Bordbuch. Das berichten verschiedene Medien (Die Welt,  ABC.es, Yahoo News). Diese Behauptung ist nicht neu und wird durch Wiederholung nicht besser.

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»Promet« kommt nicht richtig in Fahrt

TB Cover Promet 1 webChristian Montillon: Aufbruch (Raumschiff Promet. Von Stern zu Stern. Band 1). Blitz-Verlag. ISBN 978-3-89840-344-3. 160 Seiten, 12,95 Euro.

Offenbar weitgehend unbemerkt selbst vom harten Kern des deutschen Science-Fiction-Fandoms hat der Blitz-Verlag mit einem Relaunch der »Raumschiff Promet«-Reihe, eines Klassikers der 70er Jahre, begonnen. Dabei wurde der erste Band, »Aufbruch«, von Christian Montillon geschrieben, immerhin Chefautor der Perry-Rhodan-Serie, des Dauerbrenners der deutschen SF.

»Raumschiff Promet« war 1972 von Kurt Brand an den Start gebracht worden – einer von mehreren gescheiterten Versuchen, Konkurrenz für Perry Rhodan aufzubauen. Nach 65 Folgen war Schluss. Die Romane hatten aber ihre Fans; 25 Jahre später gab es im Blitz-Verlag eine Neuauflage der alten und danach eine Fortsetzung mit neuen Romanen. Nun also ein weiterer Versuch, den »Promet« zum Fliegen zu bekommen.

So richtig geht es aber nicht ab. Der Plot atmet den Geist der 50er Jahre: Der menschenähnliche Außerirdische Arn Borul, Ziehsohn eines genialen Wissenschaftlers, havariert mit seinem Raumschiff in der Nähe des Mondes und wird von Peet Orell, dem Sohn eines stinkreichen Raumschifffabrikanten, und dessen Freunden gerettet, vor der Öffentlichkeit versteckt und aufgepäppelt. Die beiden werden Freunde und erleben an Bord des Raumschiffs »Promet« gemeinsam Abenteuer.

So schlicht wie die Handlung ist Montillons Erzählweise. Dabei kann er es eindeutig besser. Das Team muss noch einige Schippen drauflegen, damit der »Promet« in Fahrt kommt.

(Ostfriesen-Zeitung, 29.11.2013)

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Unbekümmert durch den Krieg der Welten

palmaFélix J. Palma: Die Landkarte des Himmels. Verlag Kindler. ISBN: 978-3-463-40625-1, 896 Seiten, 24,95 Euro.

Science-Fiction aus Spanien: Die gibt es, und was für welche: Da ist erst einmal die sehr lebendige, bildhafte Sprache, die »Die Landkarte des Himmels« von Félix J. Palma über den Durchschnitt selbst der anspruchsvolleren Genre-Literatur hebt. Und dann der einfallsreiche Plot: Im Mittelpunkt der Handlung steht, neben einigen fiktiven Figuren, der Schriftsteller H. G. Wells – und das in dreifacher Ausführung. Dessen Roman »Der Krieg der Welten« wird Wirklichkeit, im Jahr 1898 fallen außerirdische Invasoren über die Erde her und radieren die Menschheit fast aus.
In großen Teilen ist »Die Landkarte des Himmels« eine spannende und gelungene Neuerzählung von Wells‘ Geschichte, ergänzt um einige Wendungen, die stark an Szenen aus der Verfilmung des Romans mit Tom Cruise aus dem Jahr 2005 erinnern. Die 70 Jahre vorher spielende Vorgeschichte bedient sich bei dem Film »Das Ding aus einer anderen Welt«, der eine oder andere SF-Klassiker wird auch noch zitiert, Zeitreisende tauchen auf, eine Prise Steampunk wird einstreut, und hinzu kommt eine zu Tränen rührende Liebesgeschichte. Das Ganze ist in zahlreiche miteinander verwobenen Rück- und Vorblenden verpackt, die vom Leser einiges an Konzentration erforden, weil man in dem Wälzer manche lose Erzählfäden schnell aus dem Auge verlieren kann.
Auch wenn der eine oder andere Anachronismus stört – die Unbekümmertheit, mit der sich Palma bei den literarischen Vorbildern bedient, macht Spaß.

(Ostfriesen-Zeitung, 25.07.2014)

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Skurrile Fälle und originelle Lösungen

tinyGert Prokop: Wer stiehlt schon Unterschenkel?/Der Samenbankraub. Das Neue Berlin. Je 7,99 Euro. ISBN 978-3-360-50044-1/ISBN 978-3-360-01230-2.

Es bereitet großes Vergnügen, die Timothy-Truckle-Geschichten von Gert Prokop zu lesen. Sie sind flott erzählt, witzig, geistreich und verblüffend. Mehr als 30 Jahre nach der Erstveröffentlichung in der DDR sind »Wer stiehlt schon Unterschenkel?« und »Der Samenbankraub« im Verlag Neues Berlin als E-Books neu aufgelegt worden.

Timothy Truckle, genannt Tiny, ist ein kleinwüchsiger Privatdetektiv. Er lebt Mitte des 21. Jahrhunderts in einem luxuriösen Appartement in Chicago und arbeitet heimlich für den Widerstand. Während im ersten Band skurrile Fälle und originelle Lösungen im Vordergrund stehen, rücken im »Samenbankraub« die gesellschaftlichen Verhältnisse in den Vordergrund. Denn die USA haben die Weltgemeinschaft, das »Draußen«, hinter einen undurchdringlichen Energieschirm, die »Isolation«, verbannt. Unterdrückung, Bespitzelung, staatliche Willkür, menschenverachtende Genexperimente und Umweltverschmutzung sind an der Tagesordnung. Es ist offensichtlich, dass das Anspielungen auf die Verhältnisse in der DDR sind, versteckt hinter Kapitalismuskritik.

Erstaunlicherweise hat die staatliche Zensur sich nicht daran gestört. Es zeichnet das Werk Prokops aus, dass wir es noch immer mit Gewinn lesen können, obwohl die DDR längst untergegangen ist.

(ursprünglich erschienen in Ostfriesen-Zeitung, 27.12.2013)

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