Römische Impressionen

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Die Buchhandlung Fahrenheit 451 am Campo de‘ Fiori in Rom.
Statue für Giordano Bruno

Am Campo dei Fiori in Rom, auf dem im Februar 1600 Giordano Bruno verbrannt wurde, gibt es einen kleinen Buchladen. Er nennt sich »Fahrenheit 451«. Das ist der Titel eines Romans von Ray Bradbury über eine Gesellschaft, in der Bücher verboten sind und verbrannt werden. Der Schriftsteller wählte den Titel in der Annahme, 451° Fahrenheit sei die Selbstentzündungstemperatur von Papier.

Giordano Bruno, ein ehemaliger Mönch, wurde im Alter von 52 Jahren wegen Ketzerei verbrannt. Seine Bücher auch. Er hatte geschrieben, dass das Universum unendlich und voller belebter Welten wie die Erde sei. Die Sterne hielt er für Sonnen wie die unsere. Er hatte also für seine Zeit ein sehr modernes Weltbild, das spätere Naturphilosophen beeinflusste. In dieses Weltbild passte kein Jenseits, und im Grunde war darin auch kein Platz für Gott.

Auf dem Campo de’ Fiori, dem Blumenfeld, wurde Bruno 1889 gegen den Willen der Kirche ein Denkmal gesetzt, das von Ettore Ferrari geschaffen wurde. In dessen Sockel zeigen drei Bronzereliefs Szenen seines Verfahrens vor der Inquisition und von der Verbrennung (mehr Infos, auf Italienisch).

Wie’s der Zufall will, ist in der gerade erschienen Anthologie »Meuterei auf Titan«, die meine Kurzgeschichte »Das letzte Mammut« enthält (hier), ein Zitat von Giordano Bruno vorangestellt. Denn ohne ihn gäbe es Science Fiction vielleicht gar nicht. Das Zitat lautet:

Nur ein ganz Törichter kann die Ansicht haben, im unendlichen Raum, auf den zahllosen Riesenwelten, gebe es nichts anderes als das Licht, das wir auf ihnen wahrnehmen. Es ist geradezu albern, anzunehmen, es gebe keine anderen Lebewesen, keine anderen Denkvermögen und keine anderen Sinne als die uns bekannten.

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Die Hinrichtung von Giordano Bruno (Relief vom Sockel des Denkmals auf dem Campo de‘ Fiori).

Das letzte Mammut – gedruckt

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Die letzten Eiszeitriesen sind vor 5600 Jahren von der Bildfläche verschwunden. Bild: Tracy O. CC BY-SA 2.0

Vor 5600 Jahren sind auf der Sankt-Paul-Insel im Nordpazifik die letzten Mammuts gestorben. Diese seit Jahrtausenden isoliert lebende Population ist letztlich verdurstet: Der steigende Meeresspiegel sorgte dafür, dass die Süßwasservorräte schrumpften (Spektrum.de). Das ist der wissenschaftliche Hintergrund für meine Zeitreise-Kurzgeschichte »Das letzte Mammut«, die jetzt in der Science-Fiction-Anthologie »Meuterei auf Titan« erschienen ist. Es geht darin um einen Großwildjäger, der eine einmalige Chance bekommt. Read More

Busfahren in Rom

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Der Bus kommt – tatsächlich.

Während meines Urlaubs habe ich ein einige Tage in Rom verbracht. Wie immer, habe ich öffentliche Verkehrsmittel benutzt, um irgendwohin zu kommen. Meine Erfahrung: Wer mit dem ÖPNV in Rom fahren will, braucht vor allem Geduld. Die U-Bahn ist dort zwar einigermaßen zuverlässig, die roten Busse dagegen nicht. An der Haltestelle kann man viel Zeit verlieren.

Als ökologisch bewusster, wenn auch nicht immer so handelnder Mensch und Sohn einer Bahntjers nutze ich im Urlaub fast ausschließlich öffentliche Verkehrsmittel. Anreise mit der Bahn, am Urlaubsort mit Bus und Bahn. Ich bin zwar in den letzten Jahren auch in den Urlaub geflogen, aber nach Kanada fährt kein Zug, da musste es der Flieger sein. Von Toronto aus lassen sich aber zum Beispiel die Niagarafälle problemlos auch ohne Auto erreichen. Man sucht sich eben von vornherein andere Ausflugsziele aus, wenn man mit Bus oder Bahn dorthin kommen muss.

Also Rom. Eine wirklich sehenswerte Stadt, voller Trümmer und Architektur. Zur Not kann man, eine Unterkunft im Zentrum vorausgesetzt, die meisten Attraktionen sogar zu Fuß erreichen. Aber es gibt ja U-Bahn und Busse.

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Heruntergekommen, zerschlissen, marode, muffig – U-Bahnstationen in Rom.

Die U-Bahn – ein Loch

Rom hat zwei U-Bahnstrecken, A und B; eine dritte ist in Bau. Meinen ersten Eindruck von der römischen U-Bahn bekam ich in der Station Barberini. Das war wirklich die heruntergekommenste, muffigste, dreckigste und dunkelste U-Bahnstation, die ich jemals betreten habe. Ein Loch. Die vier oder fünf anderen Stationen, die ich in den folgenden Tagen zu Gesicht bekam, waren zum Teil nur unwesentlich besser. Aber immerhin, die Züge sind modern, hell und klimatisiert und pünktlich, so weit ich das erlebt habe. Zu Stoßzeiten sind sie allerdings brechend voll. Das ist in London aber nicht anders.

Apropos Stoßzeiten, man hat als Kurzzeiteinwohner der Stadt nicht den Eindruck, als ob die städtischen Verkehrsbetriebe (ATAC) in irgendeiner Form auf das sehr hohe Fahrgastaufkommen während der Stoßzeiten reagieren und etwa die Takte kürzer werden. Vor allem in den Bussen im Zentrum ist es enger als in jeder Sardinenbüchse. Man wird regelrecht reingestopft, kann sich nicht mehr bewegen und Probleme bekommen, an der richtigen Haltestelle auszusteigen.

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Leere Versprechungen auf der Anzeigetafel: Der Bus kommt gleich oder auch nicht.

Manchmal ist man aber froh, wenn überhaupt ein Bus kommt, egal wie voll er ist. Denn Unzuverlässigkeit scheint eine Maxime der ATAC zu sein. Ich habe es mehrmals erlebt, dass ein auf einer der seltenen elektronischen Anzeigetafeln mit »in arrivo« angekündigter Bus nicht kam bzw. zur richtigen Zeit ein vollkommen leerer Bus einfach vorbeifuhr oder Busse, die gerade noch auf der Anzeigetafel auftauchten, bei der nächsten Aktualisierung verschwunden waren. Häufig überschritten die Wartezeiten auch deutlich die Intervalle, die zwischen zwei Bussen liegen sollten.

Wann kommt der Bus?

Das ist auch so ein Problem: Man weiß meist gar nicht, wie oft die Busse fahren und wann. Elektronische Anzeigen sind rar. Normalerweise steht an der Haltestelle ein Schild, auf dem die dort bedienenden Buslinie mit deren Streckenführung (immerhin eine wichtige Information) angegeben sind. Hinweise auf Abfahrtzeiten sucht man vergebens.

Wer mit einem Bus fährt, sollte genau darauf achten, wann er aussteigen muss. Die Haltestellen werden nicht angesagt. Es gibt zwar Anzeigetafeln, aber in den älteren Bussen zeigen sie entweder nur die Endhaltestelle oder auch gar nichts an.

In Rom funktioniert auch die Verbindung ÖPNV mit der digitalen Welt nicht richtig. Die ATAC-Homepage kennt zwar einen Routenplaner, aber der ist umständlich zu bedienen und funktioniert nur auf dem PC. Eine mobile Version oder gar eine App fürs Smartphone gibt es nicht; dabei laufen gerade die Italiener gefühlt alle mit einem »telefonino« in der Hand rum. Man kann zwar den Routenplaner von Google Maps oder anderen Diensten benutzen, wegen der Unzuverlässigkeit der Busse nützt der aber auch nicht wirklich.

Lieber umsteigen…

Um in Rom mit Bussen einigermaßen schnell von A nach B zu kommen, hilft nach meiner Erfahrung nur eine Strategie: Man wartet nicht auf die richtige Linie, sondern steigt in den erstbesten Bus ein, der ungefähr in die richtige Richtung fährt – ganz nach der Devise »Lieber ein paar Mal umsteigen als gar nicht fahren«. Denn schon an der nächsten Haltestelle gibt es eventuell einen anderen Linienmix, und der Bus, mit dem man eigentlichen fahren wollte, ist ja auf jeden Fall hinter einem.

Und wenn gar nichts mehr geht, kann man noch zu Fuß gehen – oder ein Taxi nehmen.

Prickelnde SF aus Kroatien

ziljak01Aleksandar Žiljak: Welche Farbe hat der Wind? Begedia-Verlag, Mülheim an der Ruhr, 2017. 160 S., 14,90 Euro. ISBN 978-3957770950.

Aleksandar Žiljak aus Zagreb ist der deutschen Science-Fiction-Szene in den vergangenen Jahren bereits durch einige seiner im »Nova«-Magazin veröffentlichten Kurzgeschichten aufgefallen. Eine überbordende, fast barocke Phantasie, eine poetische Sprache, Humor und ein ordentlicher Schuss Erotik zeichneten diese Storys aus.

Im Juni war Žiljak Ehrengast auf dem Eurocon in Dortmund, dem Treffen des europäischen Science-Fiction-Fans. Die Besucher hatten Gelegenheit, mit ihm in Kontakt und ins Gespräch zu kommen. Zu diesem Ereignis hatte Verleger Harald Giersche (Begedia-Verlag) frisch aus der Druckerei eine Anthologie mit sieben Kurzgeschichten des Autors aus Kroatien mitgebracht. In »Welche Farbe hat der Wind?« sind neben den drei »Nova«-Storys vier weitere enthalten (alle übersetzt von Tommi Brem und von »Nova«-Mitherausgeber Michael K. Iwoleit, dem diesjährigen Sieger des Deutschen Science-Fiction-Preises in der Kategorie »Kurzgeschichte«). Das stimmungsvolle Titelbild stammt von Christian Günther. Read More

Wohin bloß mit all den Büchern?

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Kein Platz mehr. Die Regale sind voll.

Anfang des Jahres habe ich damit begonnen, sehr diszipliniert den SUB – den Stapel ungelesener Bücher – abzuarbeiten, ohne neue Bücher zu kaufen (hier). Nur zwei Bücher sind übrig geblieben. Irgendwann war’s geschafft, und erleichtert habe ich mich daran gemacht, mich nach neuen Büchern umzusehen.

Okay, ein oder zwei Bücher zu kaufen und zu lesen, bevor es neue gibt, ist kein Problem. Aber dann war der Eurocon in Dortmund (Treffen der europäischen Science-Fiction-Fans), und vorbei war’s mit der Disziplin. Zum Glück hatte ich extra einen kleinen Koffer mitgenommen.

Aber nicht genug damit, dass sich jetzt wieder ein Haufen neuer Bücher auf meinem Schreibtisch gebildet hat, allmählich bekomme ich echt Probleme, die Bücher unterzubringen (nicht ohne Grund habe ich schon vor drei, vier Jahren damit angefangen, viel als E-Book zu lesen; das nimmt jedenfalls keinen Platz weg).  Wohin damit? In den Regalen stehen die Bücher schon in zwei Reihen, und mehr kann ich echt nicht aufstellen, wenn ich mich noch im Zimmer bewegen will.

Ich habe es deshalb auch längst aufgegeben, (alle) Bücher alphabetisch einzusortieren. Es ist erstens umständlich, Bücher in die hintere Regalreihe zu stellen, und zweitens muss man dann natürlich umschichten. Das ist besonders lästig, wenn der Autorenname mit A anfängt, weil es sich bis in letzte Regelbrett auswirkt. Nur noch Bücher von Autoren, die mit den Buchstaben X, Y oder Z anfangen, zu kaufen, ist allerdings auch keine Lösung.

Die Übersicht verloren

Ich bin sehr daran gewöhnt, dass Bücher alphabetisch sortiert sind. Deshalb habe ich manchmal Schwierigkeiten, ein Werk wiederzufinden. Die Übersicht ist ohnehin schon dadurch eingeschränkt, dass die Bücher vorne die hinter ihnen verdecken und ich nicht sehe, was die dort treiben.

Blöd ist, dass Bücher unterschiedliche Formate haben und es deshalb gelegentlich nicht möglich ist, Bücher eines Schriftstellers  zusammen zu lassen. Schuld ist Gillis Lundgren, der Erfinder des Billy-Regals von Ikea. Beim Billy kann man die Abstände der Regalbretter nicht beliebig anpassen.

Manche Bücher sind aber tatsächlich so »unförmig«, dass man sie nur liegend aufbewahren sollte, wenn man nicht wertvollen Regalplatz opfern will.