Muss auch mal sein: Ein Dank an »die Bahn«

Ein Thalys auf der Hohenzollernbrücke in Köln. Foto: efes/Pixabay

Bahn-Bashing ist beliebt. Jeder, der schon mal zu spät angekommen oder einem unfreundlichen Schaffner begegnet ist, fühlt sich bemüßigt, seine Erfahrung in die Welt zu posaunen und über die Unfähigkeit »der Bahn« zu meckern. Als überzeugter Bahn-Fahrer könnte ich eine Menge solcher Beiträge liefern, aber ich will hier mal eine Lanze für »die Bahn« brechen (wobei es »die Bahn« gar nicht mehr gibt).

Wir waren an einem Dienstagmorgen von Leer in Ostfriesland aus auf dem Weg nach London. Unsere Fahrplan: mit dem Regionalexpress der Westfalenbahn bis Münster, von dort mit dem Intercity nach Köln, dann mit dem ICE nach Brüssel und von dort mit dem Eurostar nach London-St Pancras (Reisezeit: ca. zehn Stunden, mit zusammen rund drei Stunden Wartezeit in Köln und Brüssel).

Das Nadelöhr bei dieser Verbindung war Münster mit sieben Minuten Umsteigezeit. Normalerweise ist das zu schaffen. Aber schon auf halber Strecke, kurz nach Lingen, war klar: Das wird nix! Ich malte mir schon aus, dass wir den ganzen Trip knicken könnten und, statt abends in London im Pub zu sitzen, zu Hause vorm Fernseher Frust schieben würden.

»Flachstellen« an den Rädern

Ausgerechnet in dieser Woche kämpfte die Westfalenbahn, die den Regionalverkehr zwischen Emden und Münster betreibt, mit technischen Schwierigkeiten (rutschige Schienen; »Flachstellen« an den Rädern) sowie einer Baustelle zwischen Rheine und Münster. Unser Fehler: Wir hatten vorher nicht auf die Homepage der Westfalenbahn gesehen. Dann hätten wir einen Zug früher nehmen können (um 6 statt um 7 Uhr, toll).

In Münster war der Anschlusszug längst weg. Das kommt vor, ist aber meistens kein Beinbruch. Innerhalb von Deutschland hätten wir einfach eine andere Verbindung genutzt und wären später am Ziel gewesen. Es war ja noch früh am Tag. Aber wir hatten eine Strecke, die durch drei Länder führte, und dabei einen reservierungspflichtigen Zug, den Eurostar. Eine weitere Schwierigkeit, was uns aber nicht bewusst war, war, dass wir in Köln nicht einfach den nächsten Zug nach Brüssel nehmen konnten. Das wäre nämlich statt eines ICE der Deutschen Bahn (DB) der belgische Thalys gewesen, ebenfalls ein reservierungspflichtiger Zug.

Der Kollege an Schalter 4

Am Schalter in Münster trafen wir auf eine hilfsbereite Bahn-Mitarbeiterin. Sie beriet sich mit ihrem Chef, der wiederum einen Kollegen in Köln anrief. Wir müssten nach Köln fahren und dort den entsprechenden Kollegen an Schalter 4 aufsuchen, der auf uns warten und weiterhelfen würde. Na, hoffentlich. Nicht, dass wir in Köln stranden oder doch noch eine zusätzliche Thalys-Fahrkarte kaufen müssen (mindestens 65 Euro pro Person).

An Schalter 4 in Köln ging alles ruck, zuck. Innerhalb von zwei, drei Minuten hatten wir eine Platz im Thalys und eine neue Reservierung für einen anderen Eurostar, mit dem wir zwei Stunden später als geplant in London ankommen würden. Das war kein Beinbruch, verglichen mit der Möglichkeit, noch später oder gar nicht mehr nach England zu kommen.

Der Thalys kam halbwegs pünktlich in Brüssel an, und wir begaben uns gleich zum Eurostar-Schalter. Von früheren Fahrten mit dem Tunnelzug wussten wir, dass das Einchecken ähnlich wie am Flughafen immer lange dauert und umständlich ist. Außerdem hatten wir geplant, in der Eurostar-Lounge eine Kleinigkeit zu essen und im dortigen Pub das erste englische Bier zu trinken. In Brüssel hatten wir ein zweites Mal Glück: Der Zug, mit dem wir ursprünglich fahren sollten, war noch gar nicht weg (nicht etwa, weil er Verspätung hatte, sondern weil wir normalerweise mit dem ICE, der eine Stunde vor dem Thalys abfuhr, gekommen wären und anderthalb Stunden Wartezeit gehabt hätten). Auf den letzten Drücker enterten wir den Eurostar und kamen genau zu der Zeit in London an, wie es von Anfang an geplant war: dank der hilfsbereiten und kompetenten Mitarbeiter der Deutschen Bahn.

Busfahren in Rom

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Der Bus kommt – tatsächlich.

Während meines Urlaubs habe ich ein einige Tage in Rom verbracht. Wie immer, habe ich öffentliche Verkehrsmittel benutzt, um irgendwohin zu kommen. Meine Erfahrung: Wer mit dem ÖPNV in Rom fahren will, braucht vor allem Geduld. Die U-Bahn ist dort zwar einigermaßen zuverlässig, die roten Busse dagegen nicht. An der Haltestelle kann man viel Zeit verlieren.

Als ökologisch bewusster, wenn auch nicht immer so handelnder Mensch und Sohn einer Bahntjers nutze ich im Urlaub fast ausschließlich öffentliche Verkehrsmittel. Anreise mit der Bahn, am Urlaubsort mit Bus und Bahn. Ich bin zwar in den letzten Jahren auch in den Urlaub geflogen, aber nach Kanada fährt kein Zug, da musste es der Flieger sein. Von Toronto aus lassen sich aber zum Beispiel die Niagarafälle problemlos auch ohne Auto erreichen. Man sucht sich eben von vornherein andere Ausflugsziele aus, wenn man mit Bus oder Bahn dorthin kommen muss.

Also Rom. Eine wirklich sehenswerte Stadt, voller Trümmer und Architektur. Zur Not kann man, eine Unterkunft im Zentrum vorausgesetzt, die meisten Attraktionen sogar zu Fuß erreichen. Aber es gibt ja U-Bahn und Busse.

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Heruntergekommen, zerschlissen, marode, muffig – U-Bahnstationen in Rom.

Die U-Bahn – ein Loch

Rom hat zwei U-Bahnstrecken, A und B; eine dritte ist in Bau. Meinen ersten Eindruck von der römischen U-Bahn bekam ich in der Station Barberini. Das war wirklich die heruntergekommenste, muffigste, dreckigste und dunkelste U-Bahnstation, die ich jemals betreten habe. Ein Loch. Die vier oder fünf anderen Stationen, die ich in den folgenden Tagen zu Gesicht bekam, waren zum Teil nur unwesentlich besser. Aber immerhin, die Züge sind modern, hell und klimatisiert und pünktlich, so weit ich das erlebt habe. Zu Stoßzeiten sind sie allerdings brechend voll. Das ist in London aber nicht anders.

Apropos Stoßzeiten, man hat als Kurzzeiteinwohner der Stadt nicht den Eindruck, als ob die städtischen Verkehrsbetriebe (ATAC) in irgendeiner Form auf das sehr hohe Fahrgastaufkommen während der Stoßzeiten reagieren und etwa die Takte kürzer werden. Vor allem in den Bussen im Zentrum ist es enger als in jeder Sardinenbüchse. Man wird regelrecht reingestopft, kann sich nicht mehr bewegen und Probleme bekommen, an der richtigen Haltestelle auszusteigen.

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Leere Versprechungen auf der Anzeigetafel: Der Bus kommt gleich oder auch nicht.

Manchmal ist man aber froh, wenn überhaupt ein Bus kommt, egal wie voll er ist. Denn Unzuverlässigkeit scheint eine Maxime der ATAC zu sein. Ich habe es mehrmals erlebt, dass ein auf einer der seltenen elektronischen Anzeigetafeln mit »in arrivo« angekündigter Bus nicht kam bzw. zur richtigen Zeit ein vollkommen leerer Bus einfach vorbeifuhr oder Busse, die gerade noch auf der Anzeigetafel auftauchten, bei der nächsten Aktualisierung verschwunden waren. Häufig überschritten die Wartezeiten auch deutlich die Intervalle, die zwischen zwei Bussen liegen sollten.

Wann kommt der Bus?

Das ist auch so ein Problem: Man weiß meist gar nicht, wie oft die Busse fahren und wann. Elektronische Anzeigen sind rar. Normalerweise steht an der Haltestelle ein Schild, auf dem die dort bedienenden Buslinie mit deren Streckenführung (immerhin eine wichtige Information) angegeben sind. Hinweise auf Abfahrtzeiten sucht man vergebens.

Wer mit einem Bus fährt, sollte genau darauf achten, wann er aussteigen muss. Die Haltestellen werden nicht angesagt. Es gibt zwar Anzeigetafeln, aber in den älteren Bussen zeigen sie entweder nur die Endhaltestelle oder auch gar nichts an.

In Rom funktioniert auch die Verbindung ÖPNV mit der digitalen Welt nicht richtig. Die ATAC-Homepage kennt zwar einen Routenplaner, aber der ist umständlich zu bedienen und funktioniert nur auf dem PC. Eine mobile Version oder gar eine App fürs Smartphone gibt es nicht; dabei laufen gerade die Italiener gefühlt alle mit einem »telefonino« in der Hand rum. Man kann zwar den Routenplaner von Google Maps oder anderen Diensten benutzen, wegen der Unzuverlässigkeit der Busse nützt der aber auch nicht wirklich.

Lieber umsteigen…

Um in Rom mit Bussen einigermaßen schnell von A nach B zu kommen, hilft nach meiner Erfahrung nur eine Strategie: Man wartet nicht auf die richtige Linie, sondern steigt in den erstbesten Bus ein, der ungefähr in die richtige Richtung fährt – ganz nach der Devise »Lieber ein paar Mal umsteigen als gar nicht fahren«. Denn schon an der nächsten Haltestelle gibt es eventuell einen anderen Linienmix, und der Bus, mit dem man eigentlichen fahren wollte, ist ja auf jeden Fall hinter einem.

Und wenn gar nichts mehr geht, kann man noch zu Fuß gehen – oder ein Taxi nehmen.

Einer der letzten seiner Art

Der Kilometerstein 16 an der Dorfstraße in Bagband
Der Kilometerstein 16 an der Dorfstraße in Bagband

Eine kleine Entdeckung am Wegesrand: der Kilometerstein 16 in Bagband (Landkreis Aurich). Er steht nahe an der Wand eines kleinen Bauernhauses an der Dorfstraße. Er ist offenbar der Letzte seiner Art an dieser Strecke und ein erhaltenswertes Kleindenkmal.

Bagband liegt an der alten preußischen Chaussee zwischen Aurich und Leer. Die heutige Bundesstraße 72, deren Trasse weitgehend der der Chaussee entspricht, führt im Westen am Dorf vorbei. Das Teilstück zwischen der Einmündung der Dorfstraße im Norden und dem Abzweig der B 436 Richtung Wiesmoor und Friedeburg im Süden ist neueren Datums. Wie die Chaussee früher verlief, kann man auf dem Messtischblatt Hesel der preußischen Landesaufnahme von 1897 sehen.

Der Kilometerstein mit der aufgemalten Zahl steht ziemlich genau 16 Kilometer vom offiziellen Nullpunkt der Chaussee, dem Auricher Marktplatz, entfernt. Es ist also mit großer Wahrscheinlichkeit der Originalort. Die Bemalung ist natürlich noch nicht so alt. Wie man auf dem Foto erkennen kann, hat der Stein an der Hinterseite einen Riss.

Steine an der Straße

Grenzstein
Oben: Falsch beschrifteter Grenzstein an der Bundesstraße 210 zwischen Wittmund und Aurich. Unten: Alte und neue Grenzmarkierung (links); Kilometerstein

An der Bundesstraße 210 zwischen Wittmund und der Grenze zum Kreis Aurich stehen in Fahrtrichtung Aurich mehrere historische Kilometersteine, von denen es in ganz Ostfriesland noch etwa 60 gibt (Info). Sie sind vor noch nicht allzu lange Zeit von der Straßenmeisterei Wittmund nach historischem Vorbild restauriert, weiß bemalt und in Fahrtrichtung mit Ziffern (Kilometerangaben) versehen worden. Besonders auffällig ist der Stein in Höhe des Flugplatzes Wittmundhafen an der Grenze zwischen den Kreisen Wittmund und Aurich, der die Reihe der Kilometersteine abschließt. Auf Auricher Gebiet gibt es solche Markierungen nicht mehr. Read More