Von den vier Enden meiner Welt

sanysidoro
Auf dem Highway 550 bei San Ysidro in Neumexiko liegt mein persönlicher westlichster Aufenthaltsort  (Bild: Google Streetview)

Es ist mir im jüngsten Urlaub am Bodensee nicht gelungen, der Liste der von mir besuchten Länder ein weiteres, das 19., hinzufügen. Dabei waren wir bei unserem Ausflug auf den Säntis in der Ostschweiz keine 20 Kilometer Luftlinie von Liechtenstein entfernt. Man könnte das kleine Fürstentum von dort aus sogar sehen, wenn keine Berge davor wären; Konstanz war jedenfalls zu sehen und liegt fast 70 Kilometer entfernt.

Beim Blick auf die Weltkarte, auf der die bereisten Länder markiert sind, fragte ich mich, welches wohl von meinem Wohnort aus gesehen der nördlichste, östlichste, südlichste und westlichste Punkt auf der Welt war, den ich besucht habe. Die Himmelsrichtungen waren schon immer von großer Bedeutung für die Menschen: im Osten geht die Sonne auf, im Westen geht sie unter und im Süden erreicht sie ihren höchsten Stand (zumindest auf der Nordhalbkugel). Der Norden ist die Richtung, der man den Rücken zuwendet, wenn man nach Süden blickt.

Der Norden und der Osten waren für mich ganz einfach: Henne Strand an der dänischen Westküste und Węgorzewo in Nordpolen. In Henne Strand habe ich mit ein paar Freunden den Jahreswechsel 1981/82 gefeiert. Ich erinnere mich noch gut an die Fahrt in einem VW Fridolin von Bielefeld dorthin, es war arschkalt, und Dänemark lag unter einer dicken Schneedecke. Claudia hat einmal bis zu den Hüften in einer Schneewehe gesteckt. Węgorzewo, das früher Angerburg hieß und in Ostpreußen liegt, haben wir 1995 bei einem Polen-Urlaub besucht; ein netter, kleiner Ausflugsort mitten in der masurischen Seenplatte.

Kairouan, Albuquerque oder Dallas

Bei dem westlichsten und dem südlichsten Punkt war es etwas schwieriger. Die Karte zeigte mir, dass Kairouan in Tunesien (35°41’ Nord) und Albuquerque (35°7’ Nord) fast auf einer Höhe liegen. Aber dann erinnerte ich mich an Dallas (32°47’ Nord). Auf dem Dallas/Fort Worth International Airport musste ich 2013 auf dem Flug nach und von Neumexiko (Teilnahme an der Paleoamerican Odyssey Conference) umsteigen und verbrachte dort mehrere Stunden. Das zählt natürlich auch.

Kommen wir zum westlichsten Punkt meiner Reisen. Der liegt ebenfalls in den USA, in Neumexiko. Da gab es zwei Kandidaten: den Jemez Pueblo, ein Indiandergebiet mit ein paar beeindruckenden Felsformationen, das ich auf einer kleinen Neumexiko-Rundfahrt durchquerte. Das Visitor Center, an dem ich ausgestiegen bin, um die gegenüberliegenden, im Licht der untergehenden Sonne rot leuchtenden Felsen zu fotografieren, liegt auf 106°43’39’’ westlicher Länge. Nur ein paar Bogensekunden weiter westlich ist das Petroglyph National Monument (106°43’56’’ W). Das ist ein kleines Schutzgebiet mit Hunderten von prähistorischen Felszeichnungen am westlichen Stadtrand von Albuquerque. Dort hatte ich übrigens eine Begegnung mit einem Roadrunner. Genau genommen ist der westlichste Punkt, an dem ich jemals gewesen bin, aber auf dem Highway 550 in San Ysidro (106°47’6’’ W). Dort kommt man durch, wenn man vom Jemez Pueblo aus nach Santa Fe fährt, aber es lohnt nicht auszusteigen.

Ich bin gespannt, ob es für diese persönlichen geografischen Extrempunkte jemals ein Update gegeben wird. Ich wollte schon immer mal nach Mexiko, um mir dort die Ruinen der Azteken und Maya anzusehen. Mexiko liegt bekanntlich südlich von Dallas. Das gäbe auch einen neuen Eintrag auf der Weltkarte.

One thought on “Von den vier Enden meiner Welt

          1. Utrecht ist allemal eine Reise wert! Die schöne alte Gracht im Zentrum, die so ganz anders ist als die Grachten in Amsterdam, das Rietveld-Schröder-Haus (Weltkulturerbe, Architektur der zwanziger Jahre, die noch heute unfassbar modern aussieht) und und und…

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