Ich bin jetzt autofrei

Die Entscheidung, auf ein eigenes Auto zu verzichten, stand lange fest: Wenn ich in Rente gehen, brauche ich keins mehr.
Die Evolution des Autobesitzes innerhalb von 44 Jahren.

Am 30. März 2021 habe ich meine mehr als 40 Jahre andauernde Laufbahn als Eigentümer eines Kraftfahrzeugs beendet. Meinen Citroën C 5 habe ich nach zehn Jahren verkauft. Die Entscheidung, auf ein eigenes Auto zu verzichten, stand lange fest: Wenn ich in Rente gehen, brauche ich keins mehr. So einfach war das.

In den letzten Jahren bin ich häufiger mit dem Rad als mit dem Auto gefahren. Der Wagen stand meist tagelang in der Einfahrt, ohne einmal bewegt zu werden. In den Urlaub fahren wir seit Jahren mit dem Zug und benutzen am Urlaubsort, wenn es irgendwie möglich ist, öffentliche Verkehrsmittel.

Angefangen hat meine Autobesitzerlaufbahn mit einem VW 1200. Ich war 20 und hatte gerade den Führerschein gemacht. Die vorderen Kotflügel des Käfers waren orangeweiß lackiert, die Kofferraumhaube vorne grün. Auf den Seitentüren prangte eine große 3 und auf dem Heck mehrere Aufkleber, die meine politische Einstellung offenbarten wie »Atomkraft nein danke«. Das war in der Zeit des »Deutschen Herbsts«, als die terroristische RAF Hans-Martin Schleyer tötete und ein Flugzeug der Lufthansa entführte, eigentlich ein Garant für regelmäßige Kontrollen durch die Polizei. Aber ich hatte Glück und blieb davon verschont.

Es folgten acht weitere Wagen, die ich hier nur summarisch aufzählen will, obwohl mir zu jedem eine Anekdote einfallen würde. Aber ich habe nie ein sentimentales Verhältnis zu den Fahrzeugen gehabt, ich habe nicht einmal von allen Autos Fotos. Das ist der Fuhrpark, chronologisch sortiert: VW 1600 TL, Simca 1501 Break, Ford Capri, Honda Civic, Renault 21 Nevada (als einziger fabrikneu), Renault 19, MG 135 TF und Citroën C 5.

Ehrlicherweise muss ich aber einräumen, dass meine Frau ein Auto hat, das ich benutzen darf.

Unterwegs mit Phileas Fogg und dem Kurier des Zaren

Jules Verne war nicht in erster Linie der Mitbegründer des Science-Fiction-Genres, sondern ein Abenteuer- und Reiseschriftsteller. Von den Schauplätzen seiner Romane handelt der Bildband »Die aussergewöhnlichen Welten des Jules Verne«.
Jean-Yves Paumier: Die aussergewöhnlichen Welten des Jules Verne.
Hardcover mit Schutzumschlag, 216 Seiten. 40 Euro. ISBN 978-3-8062-4131-0
wbg Theiss, Darmstadt

Der französische Schriftsteller Jules Verne (1828-1905) ist, zumindest in Deutschland, vor allem für seine phantastischen Romane, allen voran 20.000 Meilen unter dem Meer und Von der Erde zum Mond, bekannt und gilt als einer der Begründer des Science-Fiction-Genres. Dabei war er vor allem ein Reise- und Abenteuerschriftsteller, dessen Romane auf der guten alten Erde und in seiner Zeit spielten. Bestes und bekanntestes Beispiel: In 80 Tagen um die Welt.

Diese Werke erschienen in einer eigenen Reihe, den »Voyages extraordinaire« im Pariser Verlag Hetzel. Vernes Helden – Weltreisender Phileas Fogg, Kapitän Nemo, der Kurier des Zaren Michel Strogoff, Doktor Antekirtt alias Graf Mathias Sandorf und wie sie alle heißen – bereisten alle Kontinente und sorgten damit für Geografie- und Volkskundeunterricht auf unterhaltsame Weise. Wie der deutsche Karl May hat Verne die Länder nicht selbst besucht, sondern bezog seine Kenntnisse aus zweiter Hand, aus Büchern, Zeitschriften und Augenzeugenberichten.

Diesen Reisen und ihren Orten widmet sich der Bildband »Die aussergewöhnlichen Welten des Jules Verne«. Sein Landsmann Jean-Yves Paumier nimmt den Leser mit zu den verschiedenen Schauplätzen und gibt wieder, was Verne darüber geschrieben hat. Bebildert wird das mit Illustrationen aus den Originalveröffentlichungen, historischen Fotos und Landkarten mit Reiserouten. Angesicht von rund 70 Romanen und zahlreichen Kurzgeschichten und Erzählungen versteht es sich von selbst, das die Schilderungen und Romanauszüge nur kurz sein können. Dennoch verfehlen sie ihre Wirkung nicht und zeigen dem Leser eine längst verlorene Welt, die anderes »getickt« hat als die heutige.

Stellung gegen Sklaverei bezogen

Verne ist, im Unterschied etwa zu May, auch auf soziale und politische Probleme in den bereisten Ländern eingegangen, hat zum Beispiel Stellung gegen die Sklaverei bezogen oder seine Protagonisten sich für das Selbstbestimmungsrecht von Völkern und Minderheiten aussprechen lassen. Auch wirtschaftliche Aspekte wurden behandelt, und natürlich hat Verne aktuelle geografische Entdeckungen verarbeitet. Man darf nicht vergessen, dass zu seinen Lebzeiten im Westen immer noch große Teile der Erde weitgehend unbekannt waren.

»Die aussergewöhnlichen Welten des Jules Verne« laden dazu ein, eben diese Welten zu entdecken und mal zu einem weniger bekannten Werk zu greifen. Vielleicht kennt man/frau ja einen der Schauplätze selbst und möchte etwas über seine Vergangenheit erfahren.  

Ostfriesland sortiert

In welcher Stadt in Ostfriesland leben die meisten Menschen? Welche Kommunen sind die größten? Hier gibt es ein paar Antworten.

Ich habe mal Ostfriesland sortiert. Dort leben 467.289 Menschen (Stand 31. Dezember 2019, ich bin einer von ihnen) auf 3.144,26 Quadratkilometern, was einer Dichte von 148,6 Einwohnern pro Quadratkilometer (Ew./km²) entspricht. Damit ist Ostfriesland sowohl im Vergleich zum Land Niedersachsen (168 Ew./km²) als auch im Vergleich zum Bundesgebiet (etwa 230 Ew./km²) dünner besiedelt.

Ostfriesland - vier Kreise, eine kreisfreie Stadt

Ostfriesland besteht aus drei Landkreisen (Aurich, Leer, Wittmund) und einer kreisfreien Stadt (Emden) mit zusammen 63 Städten und Gemeinden. Zehn Kommunen haben Stadtrecht, sechs sind sogenannte Samtgemeinden mit insgesamt 35 teils selbstständigen Mitgliedsgemeinden, alle anderen gelten als Einheitsgemeinden.

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Nicht mehr als ein winziger Punkt

Caspar David Friedrich hat eines seiner Gemälde »Der Abendstern« genannt. Man muss aber genau hinsehen, um die Venus zu entdeckt.

»Der Abendstern« von Caspar David Friedrich

Das Gemälde »Der Abendstern« von Caspar David Friedrich ist nicht so bekannt wie »Kreidefelsen auf Rügen«, »Das Eismeer« oder »Der Wanderer über dem Nebelmeer«. Es hängt im Goethe-Museum in Frankfurt und zeigt eine Abendstimmung mit drei Personen, die auf einem Hügel gehen und im Hintergrund die Silhouetten mehrerer Gebäude und Bäume. Es handelt sich dabei unter anderem um die Frauenkirche in Dresden und den Schlossturm. Das Gemälde entstand Anfang der 1830er Jahre. Die drei Personen auf dem Bild sind Friedrichs Frau Caroline und zwei seiner drei Kinder.

Caspar David Friedrich wurde 1774 in Greifswald geboren. Er gilt als bedeutendster Mal der Romantik in Deutschland. Nach dem Kunststudium in Kopenhagen und Dresden ließ er sich 1798 in Dresden als freischaffender Maler nieder und lebte dort bis zu seinem Tod 1840.

Aber warum heißt das Gemälde »Der Abendstern«? Nun, man muss schon genau hinsehen und wissen, wonach man suchen muss. Denn der Abendstern – das ist die Venus – ist nur ein winziger weißer Punkt gleich oberhalb des breiten Wolkenbandes ungefähr in der Mitte zwischen der zentralen Figur und dem Turm der Kreuzkirche links davon (ich habe das mal mit diesem etwas albernen GIF illustriert).

Ausschnitt mit Pfeil: Die Venus ist nur ein kleiner weißer Punkt, der selbst im Original kaum zu sehen ist.

Dem normalen Betrachter wird der Punkt wahrscheinlich nicht auffallen. Auf den Abbildungen der Reproduktionen, die im Internet verfügbar sind, ist er oft nicht zu erkennen. Die Venus als Abendstern wird hier übrigens als Verkünder des nahenden Todes interpretiert, genauso wie die Pappelgruppen am linken und rechten Bildrand.

Ich war im September im Goethe-Museum und habe dort das Bild eher zufällig entdeckt. Vielleicht hätte ich die Venus gar nicht gesucht, sondern mich nur über den Titel des Gemäldes gewundert, wenn ich nicht im Frühjahr ein Foto vom Abendstern gemacht hätte. Auch auf meiner Aufnahme ist die Venus nicht mehr als ein Pixel am oberen Bildrand. Andere Bildelemente, wie das Abendrot hinter den Baumsilhouetten und die Mondsichel, sind viel auffälliger – obwohl selbst der Mond in unserer Wahrnehmung viel größer erscheint, als er tatsächlich ist.

Venus und zunehmender Mond über Leer, aufgenommen am Abend des 26. März 2020.

Das von mir aufgenommene Foto vom Mond und der Venus am westlichen Abendhimmel von Leer entstand Ende März 2020. In dieser Zeit erreichte die Venus ihre größte östliche Elongation (der von der Erde aus gesehen größte Abstand von der Sonne) und die Dichotomie (die Halbphase, in der genau eine Hälfte des Planeten beleuchtet ist). Der Planet war über mehrere Monate gut am Abendhimmel zu sehen.

Radfahren – eine Frage der Haltung

Ich fahre (fast immer) mit dem Rad zur Arbeit. Dass das besser für die Umwelt und meine Gesundheit ist, ist dabei nur Nebensache.

Mein Fahrrad, gerade gekauft, steht an einer Klappbrücke über die Westerwieke in Moormerland.

Seitdem mein Arbeitsplatz nur noch knapp dreieinhalb statt 35 Kilometer von zu Hause entfernt liegt, fahre ich mit dem Rad ins Büro. Jeden Tag, bei Wind und Wetter. Nur allzu heftiger Regen, Sturm oder Schneetreiben morgens können mich davon abhalten. Nass geworden bin ich oft genug. Das Auto steht tagelang rum und wird nur noch zum Wocheneinkauf benutzt oder um jemanden zu besuchen, den man mit Bus oder Bahn nicht ohne Weiteres erreicht.

Ich mache keinen Sport, ich bin kein Radfahr-Maniac, der sich in den Sattel schwingt, um irgendein Pensum abzustrampeln. Ich fahre zur Arbeit, zum Brötchen holen, in die Stadt und mache manchmal mit meiner Frau eine Radtour. Im vergangenen Monat bin ich 300 Kilometer gefahren, zehn am Tag, das ist nichts, womit ich angeben könnte.

Als ich 27 oder 28 war, bin ich mal mit dem Rad von Offenburg nach Piacenza gefahren, 550 Kilometer in fünf Tagen. Das war ’ne Leistung, die ich aber nie zu wiederholen versucht habe. Zurück bin ich von Mailand mit dem Zug.

Für mich sind gesundheitliche und ökologische Gründe beim Radfahren nebensächlich. Selbstverständlich ist es gut, dass mir als Berufs- und Freizeit-»Schreibtischtäter« das Radfahren zumindest ein wenig regelmäßige Bewegung verschafft, dabei wegen des Verzichts aufs Auto etwas für die Umwelt tue und dabei auch noch Geld spare (300 Gramm CO2 und 20 Cent Spritgeld pro Kilometer).

Gegen die Hektik um mich herum

Radfahren ist für mich eine Frage der Haltung, eine Form stillen Protests gegen die Hektik in dieser Gesellschaft. Ich will mich von anderen unterscheiden, die ein Auto für unentbehrlich halten, zeigen, dass es auch anders geht. Mein früherer Chef, der jeden Morgen mit dem Rad Frühsport betrieb, setzte sich ins Auto, um in der Mittagspause zum kaum 100 Meter entfernten Bäcker zu fahren und ein Brötchen zu holen.

Zu dieser Haltung gehört es, dass ich mich (meistens) an die Verkehrsregeln halte und nicht als Geisterfahrer den Radweg auf der falschen Straßenseite oder gar den Gehweg benutze oder bei rot über die Ampel fahre. Ich leiste mir die Freiheit, nicht den kürzeren Weg zu nehmen. Das heißt nicht, dass ich mich nicht ärgere, wenn ich als Radfahrer wegen der Verkehrsplanung schlechter behandelt werde als die Autofahrer und beispielsweise an der Ampel schon bei rot warten muss, während die Autos noch lange grün haben. Eine Kreuzung habe ich da besonders im Blick, und wenn ich Rentner bin, werde ich mal dokumentieren, wie ungerecht dort die Schaltung der Phasen ist.

Konsequenterweise werde ich mein Auto ganz abschaffen, wenn ich in Rente gehe. Denn jetzt brauche ich es gelegentlich noch dienstlich, nicht nur, um bei Mistwetter trocken in die Firma zu kommen..