Vor 40 Jahren: Beginn meiner Karriere als Journalist

Der erste Artikel, für den ich Geld bekommen habe, erschien am 14.11.1978 im Westfalen-Blatt.

Mit einem Artikel über ein Rockfestival im Jugendzentrum Steinhagen (in der Nähe von Bielefeld) begann meine berufliche Karriere als Journalist. Er erschien am 14. November 1978 im WESTFALEN-BLATT, heute vor 40 Jahren.

An die Umstände, wie es dazu kam, dass ich freier Mitarbeiter der Zeitung wurde, kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich war damals in Halle/Westf. (wo jetzt Tennisweltsrars im Gerry-Weber-Stadion die Schläger schwingen, habe ich Fußball gespielt) im Jugendzentrum aktiv. Dadurch hatte ich Kontakt zur örtlichen Presse, dem WESTFALEN-BLATT und dem HALLER KREISBLATT, zu deren Verbreitungsgebiet Steinhagen gehörte. Beim WESTFALEN-BLATT habe ich ein Jahr später mein Volontariat (journalistische Ausbildung) begonnen.

An das Konzert habe ich nur eine konkrete Erinnerung: Mein Blitzgerät versagte, und ich musste mir ein Ersatzgerät von einem Bekannten aus Halle leihen, um ein Bild machen zu können. Auf dem Foto sind Heinz-Otto Gwiasda (Gitarre) und Christofer »Toffi« Mache (Bass) von der Real Ax Band zu sehen. Ob an dem Text viel redigiert wurde, bevor er in die Zeitung kam, weiß ich nicht mehr.

Aus dem Artikel geht hervor, dass an jenem Abend in der Schulaula in Steinhagen drei Bands auf der Bühne standen: Vision Quest, Real Ax Band und Madhouse. Über Vision Quest habe ich 40 Jahre später nichts mehr herausfinden können. Die funkig-rockige Real Ax Band war zu jener Zeit eine feste Größe in der alternativen Musikszene in Ostwestfalen, trat bei den legendäre »Umsonst & draußen«-Festivals 1976 und 1977 in Vlotho auf und machte auch deutschlandweit von sich reden. Erst in diesem Jahr ist ein Livealbum veröffentlicht worden, das 1978 im Quartier Latin in Berlin aufgenommen wurde.

Auf der Suche nach Infos über Madhouse bin ich auf einen Artikel der Huffingtonpost vom Juni 2018 gestoßen. Darin erzählt der aus Rumänien stammende Gitarrist Erlend Krauser, der in seinem Heimatland in der Band Phoenix spielte, von seiner Flucht aus Rumänien. Versteckt in einer Lautsprecherbox, aus denen die Lautsprecher ausgebaut worden waren, wurde er im Juni 1977 zusammen mit zwei anderen Bandmitgliedern über die Grenze ins benachbarte Jugoslawien geschmuggelt und kam nach Deutschland, nach Bramsche. Dort hat er ein Jahr später mit zwei anderen rumänischen Musikern Madhouse gegründet.

Irgendwann landete Erland Krauser im Orchester von James Last, dem er 25 Jahre lang angehörte. Er lebt in Hamburg und ist noch immer aktiv. Seine letzte CD »Last Discoveries« erschien vor einem Jahr mit Coverversionen von Lucio Dalla (»Caruso«), Willie Nelson (»Always On My Mind«) und anderen.  Ich habe also in Steinhagen den Anfang seiner Karriere in Deutschland miterlebt.

Dem Beruf bin ich treu geblieben. Seitdem habe ich über viele Dinge geschrieben, Hunderte von Artikeln, für mehrere Tageszeitungen und seit 30 Jahren für die Ostfriesen-Zeitung.

Freibier für alle Außerirdischen

In den »Unendlichen Weiten« sind Aliens willkommen (eigene Montage mit Bildern von TheDigitalArtist und Christian Birkholz).

Vor einigen Jahren hatte ich einen Traum, ich sollte lieber sagen, eine Schnapsidee: die Idee von einer Science-Fiction-Musikkneipe. Das grobe Konzept stand schon fest, auch der Name, »Unendliche Weiten«, damit die Leute sagen können: »Ich gehe in die unendlichen Weiten.« Jeder SF-Fan wird die Anspielung verstehen.

Das kam so: In meinem beruflichen Umfeld gab es seinerzeit einige Umbrüche. Es war unsicher, ob und wie es weitergeht. Da macht man sich Gedanken, ob der Arbeitsplatz noch der richtige für einen ist und welche Alternativen es gibt. Als ich einmal eine Jazzkneipe besuchte und dabei die Frage aufkam, wer denn der Schlagzeuger der Chick-Corea-Band Return to Forever war, von der gerade ein Stück lief, bahnte sich die Idee an.

Es werden nur SF-Titel gespielt

Die Jazzkneipe bildete die Blaupause. So wie dort nur Jazzmusik lief, sollte es in der SF-Kneipe nur Musik mit SF- oder Weltraum-Bezug geben. Ich hatte dafür schon immer ein Faible: »The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars« war meine erste selbst gekaufte Langspielplatte. Es gibt genug Titel, die dieses Kriterium erfüllen, da würde es auch Stammgästen so schnell nicht langweilig werden.

Zum Angebot hätte es gehören, dass an einer zentralen, gut einsehbaren Stelle darüber informiert wird, welcher Titel gerade läuft. Mich stört es, wenn ich irgendwo interessante Musik höre, die ich nicht kenne, und nicht oder nur mit Mühe herausfinden kann, um welches Stück und welchen Interpreten es sich handelt. In meiner Kneipe müsste das anders sein.

Klar war auch, dass die Fassade ein SF-Motiv haben würde. Ich kenne einige Künstler, die ich dafür hätte anhauen können. Außerdem sollte damit geworben werden, dass Aliens mit Herkunftsnachweis lebenslang Freigetränke bekommen. Das Risiko, damit ein schlechtes Geschäft zu machen, ist ja gering, und jeder begreift, dass es sich um einen Gag handelt.

Warum daraus nichts geworden ist? Die berufliche Lage hatte sich bald wieder normalisiert, und, um die Wahrheit zu sagen: Ich bin kein ausgesprochener Kneipengänger und kann mir nur schwer vorstellen, Abend für Abend hinter der Theke zu stehen. Es war halt eine Schnapsidee. Prost!

Fotos in Zeiten der DSGVO

Don’t panic.

In diesem Blog ist es in letzter Zeit ruhig gewesen. Das hat einen Grund: Statt irgendetwas zu posten, habe ich die Zeit (notgedrungen) dazu genutzt, den Blog der ab dem 25. Mai geltenden neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) anzupassen. Einige offensichtliche Neuerungen sind erkennbar. im Hintergrund ist aber auch einiges passiert. Das Entscheidende: Ich schließe den Blog nicht und mache weiter wie bisher.

In den Kreisen, in denen ich online-mäßig häufig verkehre, sind viele Leute, die auf Veranstaltungen (Cons) fotografieren und die Bilder in ihrem Blog oder auf der Facebook-Seite ins Netz stellen, mich eingeschlossen. Unter ihnen herrscht wegen der DSGVO zum Teil große Verunsicherung. Die Frage, die sie umtreibt: Darf ich das überhaupt noch und muss ich nicht jeden, den ich fotografieren will, um Erlaubnis fragen, auch wenn er nur zufällig durchs Bild läuft? Die Angst geht um wegen hoher Bußgelder und der vermeintlich großen Abmahngefahr.

Lauter personenbezogene Daten

Tatsächlich ist das Fotografieren im Sinne der DSGVO eine Erhebung personenbezogener Daten, die nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Fotografierten erlaubt ist. Denn eine Digitalkamera speichert mit dem Foto auch das Datum der Aufnahme, via GPS den Ort und so weiter. Selbst die Art der Veranstaltung ist ein sensibles Merkmal, denn sie verrät etwas über kulturelle Präferenzen einer Person.

Bisher musste man sich nur die Zustimmung für die Veröffentlichung holen, was man in der Regel vor dem Fotografieren tat. Bei einzelnen Personen oder Gruppen, die man direkt ansprechen kann, wird sich da kaum etwas ändern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand mit den Worten „Ich möchte eine Datenerhebung im Sinne der DSGVO machen. Sind Sie damit einverstanden?“ eine Kamera auf jemanden richtet, oder das einem ein empörtes „Datenschutzgrundverordnung“ entgegenschallt, wenn man die Kamera ans Auge hebt.

Das Problem sind die großen  Gruppen oder Leute, die einem zufällig ins Bild geraten.

Ich bin kein Jurist, aber ich halte die Abmahngefahr in dieser Sache für sehr gering. Selbst wenn der Abmahnanwalt beim Fotografieren direkt neben einem steht, kann der fiese Jurist nicht wissen, ob die DSGVO überhaupt greift, und auskunftspflichtig ist man ihm gegenüber nicht (Datenschutz!). Für reine Privataufnahmen gilt die DSGVO ohnehin nicht, und für Vertreter der institutionalisierten Medien (Zeitung, Fernsehen) oder bei sogenanntem berechtigten Interesse sind Ausnahmen vorgesehen.

Meinungsfreiheit ist ein Grundrecht

Ein berechtigtes Interesse ist die Wahrnehmung der Kunst- und Pressefreiheit, worunter auch das Bloggen fällt. Diese ist ein Grundrecht, festgeschrieben in Artikel 5 des Grundgesetzes. »Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten… Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei«, heißt es dort. Dieses Grundrecht kann durch die Datenschutzgrundverordnung nicht außer Kraft gesetzt, sondern nur eingeschränkt werden. Solche Einschränkungen gibt es bereits haufenweise. Zum Beispiel den Paragraf 185 des Strafgesetzbuchs (Beleidigung), §130 StGB (Volksverhetzung) oder das Recht am eigenen Bild (Kunsturheberrechtsgesetz).

Vielfach wird von Leuten im Netz kritisiert, dass der Gesetzgeber in Deutschland nicht von der Möglichkeit der DSGVO gebraucht gemacht hat, mögliche Ausnahmeregelungen festzuschreiben bzw. »schwammige« Bestimmungen zu konkretisieren. Es wäre zum Beispiel, soweit ich das verstanden habe, möglich, für das Fotografieren (Datenerhebung) ähnliche Regeln festzulegen wie für das Veröffentlichen von Fotos, so dass man etwa die Zuschauer bei einem Fußballspiel, weil sie nur „Beiwerk“ sind, nicht um Erlaubnis bitten muss.

Hierbei setzt der Gesetzgeber jedoch offenbar auf die normative Kraft des Faktischen, das heißt auf Gerichtsurteile. Aber ist das so verkehrt? Bei dem Murks, den die Regierung schon in Gesetze gegossen hat (Stichwort: Netzwerkdurchsetzungsgesetz), ist es vielleicht ganz gut, dass sie die Finger davon lässt. Die DSGVO gibt den Gerichten Spielraum, den sie bei eindeutigen gesetzlichen Festlegungen nicht hätte. Erfahrungsgemäß wird die Presse- und Kunstfreiheit im Gerichtssaal sehr großzügig ausgelegt.

Wie die Praxis aussieht, bleibt abzuwarten. Hier gilt vor allem ein Rat aus The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy von Douglas Adams: Don’t panic!

Dazu hat der Hamburger Datenschutzbeauftragte eine »Rechtliche Bewertung von Fotografien einer unüberschaubaren Anzahl von Menschen nach der DSGVO außerhalb des Journalismus« (PDF-Datei) verfasst.

Datenschutz ist nicht neu

Zweifellos ist die DSGVO eine Verschärfung und kann viel Arbeit machen. Aber wer jetzt darüber jammert, muss sich fragen lassen, wie er/sie bisher mit personenbezogenen Daten anderer Leute umgegangen ist. Denn gesetzlich geregelten Datenschutz gibt es schon lange; viele haben sich bloß einfach nicht darum gekümmert.

Die Abmahngefahr, um noch kurz darauf zurückzukommen, besteht sicherlich bei formalen Verstößen gegen die DSGVO, wenn etwa eine Datenschutzerklärung fehlt oder unzureichend ist. Aber auch dann flattert wohl nicht gleich eine Abmahnung ins Haus. Es gibt noch immer Homepages ohne Impressum, obwohl das schon lange vorgeschrieben ist. Die Betreiber sind offenbar  auch nicht abgemahnt worden.

Es ist selbstverständlich erforderlich, den eigenen Blog oder die eigene Homepage DSGVO-konform zu machen, im eigenen Interesse und im Interesse der Leute, die die Seite besuchen. Ein Impressum und eine ordentliche Datenschutzerklärung (ich habe dafür den kostenlosen Generator von Dr. Schwenke genutzt, https://datenschutz-generator.de/) sind das Mindeste. Das ist wie beim Autofahren: Wer ohne Verbandskasten oder Warndreieck unterwegs ist, muss damit rechnen, bei einer Kontrolle zur Kasse gebeten zu werden. Also packt man sie in den Kofferraum, auch wenn kein Aas danach fragt.

Weitere Belehrungen spare ich mir.  Darüber gibt es im Internet mehr als genug Seiten. Wie immer hat man das Problem, genau das Richtige zu finden.

Mal einfach in Afrika nachfragen

Habe ich eigentlich schon mal gesagt, dass das Internet und alles, was damit zusammenhängt, eine tolle Sache ist? Die Welt ist kleiner geworden, die Menschen kommen sich näher (wenn sie wollen), Grenzen werden durchlässig(er).

Der Anlass für diese kleine Jubelarie: Für einen Text, den ich geschrieben habe, möchte ich eine Illustration eines afrikanischen Künstlers verwenden. Noch vor zehn Jahren wäre ich niemals auf so eine Idee gekommen, einmal abgesehen davon, dass ich von der Zeichnung nie etwas erfahren hätte. Jetzt habe ich etwas bei Facebook gestöbert, eine Nachricht mit meinem Anliegen geschrieben, und zehn Minuten später hatte ich eine Telefonnummer in Lagos, Nigeria, und konnte dem Zuständigen eine Whatsapp schicken. Die – positive – Antwort kam prompt. Die ganze Angelegenheit hat mich eine halbe Stunde gekostet.