Das war’s mal wieder im Second Life

Die Kurzgeschichte »Der Heftromanmord« spielt im SF-Nerdmilieu. Im Hintergrund seht ihr die Wohnung des Opfers, wie sie sich BukTom Bloch vorstellt.

Zum zweiten Mal habe ich eine Lesung im Second Life gemacht, beim 2. Virtuellen Literaturcon von Thorsten Küper alias Kueperpunk Korhonen. Ein ganzer Haufen interessanter Leute war dazu versammelt, als Zuhörer und Zuschauer ebenso wie als Beteiligte. Meine Lesung der Kurzgeschichte »Der Heftromanmord«, ein Kurzkrimi, haben ungefähr 30 Leute verfolgt. Das ist mehr, also bei vielen Lesungen im wirklichen Leben zusammenkommen. Gut, die sind wohl nicht nur meinetwegen da gewesen, aber egal, sie haben zugehört und anschließend applaudiert. Anschließend hatte ich  Gelegenheit und Muse, einige der folgenden Lesungen zu verfolgen.

Ob wohl jemand die Anspielungen verstanden hat, wenn ein gewisser Kommissar Brunner den Tod eines Mann namens Stefan König aufklären muss? Und jemand bei der Firma Frick arbeitet?

Es hat eine Menge Spaß gemacht, es war anregend, und ich hoffe, dass ich ebenfalls ein wenig dazu beigetragen habe, den anderen einen unterhaltsamen Abend zu bieten.

Wer sich nicht auskennt: Das Second Life ist eine komplexe virtuelle Welt, in der man sich am Computer mit Avataren bewegen kann.  Kueperpunk Korhonen und einige andere »Verrückte« wie  Barlok Barbossa und BukTom Bloch, die im wirklichen Leben natürlich ganz anders heißen, organisieren schon seit Jahren Veranstaltungen vielerlei Art – Lesungen, Ausstellungen, Konzerte – in dieser ungewöhnlichen Welt. Eine ganze Reihe von Autoren, die ich aus dem wirklichen Leben kenne und denen ich schon persönlich begegnet bin, haben dort gelesen. Auch bei diesem Con saßen ein paar Bekannte im Publikum oder haben selbst gelesen. Es ist im Second Life also gar nicht so viel anders als im wirklichen Leben, dem Real Life. Man muss sich nur daran gewöhnen, dass man die Leute nicht auf Anhieb erkennt, denn die Avatar können ein beliebiges Aussehen annehmen; der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt (und manche Avatare, ist mein Eindruck, lassen tief ins Innere der Besitzer blicken).

Ich nennen mich im Second Life fiksleer und bin als junger Mann im Anzug unterwegs. Das ist ein Standard-Avatar. Man sieht, ich will mich nicht allzu sehr der virtuellen Realität hingeben.

Lesung in virtueller Umgebung

Ein Mann liegt erschlagen vor einer Parkbank. Kommissar Johann Brunner ermittelt.

In ein paar Tagen habe ich eine öffentliche Lesung im Second Life. Thorsten Küper, in der virtuellen Welt bekannt als Kueperpunk Korhonen, hat mich zum Zweiten Virtuellen Literaturcon eingeladen. Ich werde dort am Sonnabend, 20. Oktober, ab 19 Uhr eine halbe Stunde lang lesen.

Dazu hat Thorsten auf dem Bucqqhmesse-Convent in Dreieich ein Interview mit mir geführt, das es hier zu sehen gibt.

Der 2. VLC läuft über zwei Tage. Geboten Lesungen aus verschiedenen Genres, eine Diskussionsrunde und Musik. Ich lese einen Krimi vor. Er trägt den Titel »Der Heftromanmord« und hat nur indirekt „irgendwas mit Raumschiffen“ zu tun.

Hier erfahrt ihr, wie ihr beim Virtuellen Literaturcon zum Publikum werdet.

  1. Es gibt zwei Möglichkeiten. Wer als Zuschauer dabei sein will, braucht zwei Programme, die parallel laufen:
    1. Ein Programm, mit dem sie/er ins Second Life kommt. Ich verwende dafür Firestorm . Das Programm muss auf dem Rechner installiert sein. Läuft das Programm und ihr habt euch registriert, könnt ihr über diesen Link zum Ort der Lesung teleportieren. Da ich kein VL-Profi bin, weiß ich nicht, ob und welche Alternativen es zu Firestorm gibt.
    Weil es bei früheren Veranstaltungen Probleme mit der Soundübertragung gegeben hat, wird außerdem
    2. Discord benötigt. Diese App läuft im Browser. Man muss sich registrieren und dann einem Server beitreten. Der heißt in diesem Fall »BrennendeBuchstaben« und hat diese Adresse: https://discord.gg/P3x79Xw.

Wer nur zuhören möchte und auf die Bilder keinen Wert legt, verzichtet einfach auf Firestorm.

Für das phantastisches Bühnenbild ist übrigens Burkhard Tomm-Bub alias BukTom Bloch verantwortlich. Mein Dank ist ihm gewiss. Hier gibt’s ein paar Schnappschüsse.

Das war »Hinterm Mond 2018«

Eröffnung mit dem Kurzfilm »Das Internet der Dinge« nach einer Kurzhgeschichte von Uwe Hermann. Foto: K. Ortgies

Beim 2. Tag der Science-Fiction-Literatur in Ostfriesland wurde dem Publikum einiges geboten: Weltpremieren, ein Film, exklusive Neuigkeiten, hochinteressante Diskussionen und jede Menge spannende und lustige Geschichten. Rund 30 SF-Liebhaber nicht nur aus Ostfriesland waren am 6. Oktober zu »Hinterm Mond 2018«, dem von mir veranstalteten 2. Tag der Science-Fiction-Literatur im Kulturspeicher in Leer zusammengekommen, um sich von Andreas Brandhorst, Uwe Hermann, Kai Hirdt und Uwe Post in ferne Welten und interessante Zeiten entführen lassen. Alle vier meisterten diese Herausforderung mit Bravour. Bernd Flessner, der einen Vortrag über ein SF-Thema halten wollte, hatte wegen Krankheit kurzfristig abgesagt. So blieb für alle anderen etwas mehr Zeit.

Nach dieser erfolgreichen zweiten Auflage ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es auch »Hinterm Mond 3« geben wird. Wer darüber auf dem Laufenden bleiben will, sollte sich für den »Hinterm Mond«-Newsletter weiter unten registrieren lassen.


 


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Begegnungen auf dem Coloniacon 23

Dietmar Schmidt (Perry Rhodan Neo) und Martin Ingenhoven vom Heftehaufen mögen keine gestellten Fotos. Aus dem Hintergrund nähert sich Volker Hoff, der Zeitreisende, mit contypischer Verpflegung.

Nachdem der Herbst in diesem Jahr gleich mit dem Elstercon in Leipzig phantastisch eröffnet wurde, ging es eine Woche später am 29. und 30. September in Köln weiter: mit dem Coloniacon 23, meinem zweiten überhaupt. Beim zweiten Mal ist ja alles anders: Ich wusste auf Anhieb, wo die Theke mit dem Kölsch in Halb-Liter-Flaschen ist. Aber ich habe vorsichtshalber mit einem Kaffee angefangen, obwohl schon Mittag durch war. Das Kölsch kam später.

Die erste halbe Stunde ging mit Händeschütteln dahin. Erstaunlich, wie viele Leute ich dort kannte und wie viele mich kannten. Einige hatte ich erst eine Woche zuvor in Leipzig gesehen, andere vor ein paar Monaten und einige schon seit ein, zwei Jahren nicht mehr. Über zwei oder drei werde ich hier etwas mehr schreiben.

Ben Calvin Hary (rechts) signiert ein Exemplar seines Romans für Rainer Schorm.

Ben Calvin Hary, der schon den einen oder anderen Maddrax-Roman verfasst hat, hat jetzt seinen ersten Roman im Atlantis-Verlag von Guido Latz herausgebracht: »Koshkin und die Kommunisten aus dem Kosmos«. Es dauerte gefühlt keine fünf Minuten, bis er mich am Wickel hatte und mir ein Exemplar andrehen wollte. Da hat er sich jede Menge bei seinem Vorbild (?) Dirk van den Boom – beide sind aus Saarbrücken, beide veröffentlichen bei Atlantis – abgeschaut. Der Schlachtruf der beiden Saarländer (der eine ein gebürtiger, der andere ein zugezogener: Kauf meine Bücher! Der Ruf verhallte nicht ungehört. Ben habe ich ein Buch abgenommen, von Dirk habe ich mich gleich zum Kauf von zweien breitschlagen lassen. Ich war, nachdem ich mich in Leipzig so extrem zurückgehalten habe, wohl im Kaufrausch.

Später am Tag habe ich mich für einige Zeit in Bens Premierenlesung gesetzt. Nach allem, was ich da gehört habe, werde ich den Kauf des Buches nicht bereuen. In dem Roman geht es um den emigrierten russischen Wissenschaftler Boris Koshkin, der 1958 in seinem Vorgarten ein Raumschiff für das vom Sputnik-Schock gebeutelte Amerika zu bauen. Als jemand, der in dem Jahr des Sputnik-Starts geboren wurde, muss ich so was einfach lesen.

Die Perry-Rhodan-Autoren Robert Corvus und Uwe Anton haben nichts über Band 3000 verraten, hatten aber offensichtlich viel Spaß dabei.

Von den vielen Panels (so heißen die einzelnen Veranstaltungen auf den Cons), die sich um die Perry-Rhodan-Serie drehten, habe ich nur das wohl von allen mit Spannung erwartete über »Rhodan – Ausblicke auf die nächsten Jahre« angehört. Es drehte sich dabei erwartungsgemäß um Band 3000 der Serie, der im Februar kommenden Jahres erscheint. Die beiden Stammautoren Uwe Anton und Uschi Zietsch alias Susan Schwartz beteuerten mehrfach, dass sie nicht wüssten, was drin steht, so sehr Moderator Rüdiger Schäfer auch nachhakte. Stattdessen wurde viel gewitzelt, und da kam Robert Corvus ins Spiel. Der »Stammgastautor oder so« ist in der Perry-Rhodan-Szene als Möchtegernguckytöter bekannt und soll Band 3000 mit dem Titel »Das Imperium der Mausbiber«.

Aber Spaß beiseite. Robert (»Keiner weiß, dass ich Bernd heiße«) lenkte die Aufmerksamkeit auf einen wichtigen Aspekt, der die Serie so erfolgreich gemacht hat. Es wird immer wieder angenommen (und argumentiert), dass so eine Jubiläumsband mit einer runden Nummer ideal für den Einstieg in die Serie ist. Nach Bernds bzw. Roberts Erfahrung, die sich auch durch eine nicht repräsentative Umfrage im Publikum bestätigte, ist das überhaupt nicht so. Die meisten PR-Leser haben irgendwo angefangen und sich nicht davon abschrecken lassen, dass sie erst nichts verstanden haben. Die Schnitt an der runden Heftnummer sei eher für die Altleser, denen dann wieder etwas ganz Neues geboten werde, argumentierte der Autor. Es solle ja nicht langweilig werden.

Alien trifft auf Alien, Mausbiber auf Jülziish.

Ein paar Außerirdische verirren sich auch immer wieder mal zum Coloniacon. Draußen lief mir ein tellerköpfiger Jülziish über den Weg (in Prä-Political-Correctness-Zeiten des Perryversums etwas abfällig Blues genannt), der irgendwie von der Southside der Galaxis an den Rhein geraten war und sich mit dem Mausbiber bzw. Ilt Gucky unterhielt. Wo Gucky ist, ist Gerhard Huber nicht fern. Gerhard, der zur Riege der schreibenden Fans gehört und schon eine Reihe von Kurzgeschichten unterschiedlicher Art veröffentlicht hat, hat zusammen mit Michael Tinnefeld einen Fanroman verfasst, »Die Heilerin von Hangay« (erschienen bei der Perry-Rhodan-Fanzentrale). Den habe ich am Sonntag auf der Rückfahrt im Zug gelesen.

Eigentlich war Science Fiction gar nicht so wichtig. Da traf sich zufällig eine Reihe von Con-Besuchern an der Mauer, die das Jugendpark-Gelände vom Rheinufer abgrenzt, Fans und Autoren, und was machten die? Nein, das Gespräch drehte sich nicht um ferne Galaxien, überlichtschnelle Raumschiffe und Alieninvasionen, nein, sie machen ein heiteres Altersraten. Eine Eigenart eher der älteren Generation.

Den Abschluss meines diesjährigen Coloniacon-Besuchs bildete eine finanzielle Transaktion. Ich habe schon mal die Anmeldegebühr für den nächsten Con bezahlt. Wir sehen uns 2020.


Hier gibt’s noch ein paar Bilder

 

Hinterm Mond 2018 – das Programm

Nur noch wenige Tage bis zum 2. Tag der Science-Fiction-Literatur in Ostfriesland. Hier ist der geplante Programmablauf des Tages.

15 Uhr Eröffnung
15.15 Uhr Kurzfilm »Das Internet der Dinge« / Uwe Post und Uwe Hermann
15.30 Uhr Lesung und Diskussion mit Uwe Post
16.30 Uhr Lesung und Diskussion mit Kai Hirdt
17.30 Uhr Pause
17.45  Uhr Vortrag; Bernd Flessner
18.45 Uhr Lesung und Diskussion mit Uwe Hermann
19.45 Uhr Pause
20 Uhr Lesung und Diskussion mit Andreas Brandhorst
21 Uhr Ende

Verschiebungen sind kurzfristig möglich.
Alles Weitere (Über die Autoren, Location, Eintrittpreis) findet sich hier.