Nachruf auf die CCPS

discovery
Das Logo der Christopher Columbus Philatelic Society

Ich stehe vor der nicht ganz leichten Aufgabe, einen Nachruf zu schreiben, einen Nachruf auf die Christopher Columbus Philatelic Society. Die CCPS war bis zu diesem 12. Oktober 2016 ein internationaler Verein von Briefmarkensammlern, die sich für Columbus und die Entdeckung Amerikas interessierten. Zu heute wurde er aufgelöst, weil ihm die Mitglieder wegstarben und sich niemand fand, der die Vorstandsarbeit leisten wollte/konnte. Erst gestern ist ein früherer Clubpräsident, Overton T. Harris, von uns gegangen.

Die CCPS wurde vor 34 Jahren in San Juan/Puerto Rico gegründet, am 12. Oktober 1982. Der 12.10. ist der Tag, an dem Columbus im Jahr 1492 auf einer Bahamas-Insel erstmals amerikanischen Boden betrat. Die Gründer kamen aus mehreren Ländern, waren aber überwiegend weiße Amerikaner wie auch der Großteil der später einige Hundert Mitglieder. So weit ich das beurteilen kann, haben die meisten von ihnen ein eher unkritisches, wenn nicht sogar bewunderndes Verhältnis zu Columbus, obwohl jedem klar sein müsste, dass der Seemann aus Genua alles andere als ein Vorbild ist und der Erste in einer langen Reihe von Europäern war, die das Verderben nach Amerika brachten.

Ich war als Nummer 537 von 1998 bis heute Mitglied der CCPS. Auf den Verein war ich durch Recherchen im Internet gestoßen, damals noch etwas ganz Neues. Seinerzeit beschäftigte ich mich intensiv mit Columbus und dem Zeitalter der Entdeckungen und suchte nach Gleichgesinnten zum Austausch. Die vereinseigene Zeitschrift Discovery!, die seit 1982 viermal im Jahr erschien, bot die Möglichkeit, Artikel zu veröffentlichen. Weil ich kein Briefmarkensammler im klassischen Sinne bin, habe ich immer versucht, historische Aspekte zu betonen. Da ging es zum Beispiel um die Taino, die Ureinwohner der Karibik, oder das Columbus-Denkmal in Bremerhaven. Briefmarken waren immer nur der Aufhänger.

Besuch im Archivo dello Stato in Genua mit Michel Pacou (rechts).
Besuch im Archivo dello Stato in Genua mit Michel Pacou (rechts).

Mit der CCPS in Genua

Ein besonderes Erlebnis war 2003 ein Treffen mit anderen CCPS-Mitgliedern in Genua, dem wahrscheinlichen Geburtsort Columbus’. Dies war eines der sogenannten internationalen Seminare, die Michel Pacou, ein CCPS-Mitglied aus Frankreich, an verschiedenen Orten in Europa organisiert hatte. Ich war der mit Abstand Jüngste unter lauter Ruheständlern, aber wir haben uns gut verstanden. Das Programm mit Besuchen und Besichtigungen — unter anderem im Staatsarchiv, wo es Originaldokumente von Columbus gibt — war hochklassig, wir sind an Orte gekommen, die man sonst nie gesehen hätte. Das hätte eine professionelle Reiseagentur nicht besser hinbekommen.

Das wird es jetzt alles nicht mehr geben. Schade, aber kein Grund zu verzweifeln.

Alle Ausgaben der Mitgliederzeitschrift Discovery! gibt es auf der Website von CCPS-Mitglied Peter van der Krogt aus Utrecht als pdf-Datei zum Runterladen.

Hier geht’s zu meiner Columbus-Website

Mehr Bücher über Columbus

Urlaub 2015 in Spanien
Im Franziskaner-Kloster La Rábida im Süden Spaniens fand Christoph Columbus Unterstützung.

Meine umfangreiche Literatursammlung über Christoph Columbus ist um einige Exemplare reicher. Das sind die Neuanschaffungen der letzten Zeit:

Cover Seewölfe
Titelbild der Erstausgabe von 1977 von Firuz Askin

1. Der Heftroman »Die Insel des Columbus« von Roy Palmer (Pseudonym für Holger Friedrichs) wurde 1977 im Erich Papel Verlag KG in Rastatt (heute VPM) als Nummer 52 in der Reihe »Seewölfe. Korsaren der Weltmeere« 🔗 veröffentlicht. Eine E-Book-Neuauflage erscheint seit 2012; sie heißt jetzt »Seewölfe. Piraten der Weltmeere«. »Die Insel des Columbus« trägt darin die Nummer 38. Weil ich das Heft noch nicht gelesen habe, weiß ich nicht, ob es überhaupt etwas mit Columbus und seinen Entdeckungsfahrten zu tun hat.

2. Der Roman »Die Kolumbus-Verschwörung« von Steve Berry, ein Thriller, der 2014 bei Blanvalet erschienen ist (Originalausgabe: »The Columbus Affair« 🔗, New York 2013. Berry ist ein international erfolgreicher Autor, der Thriller zu historischen Themen verfasst.

cristobal_colon_la_rabida
Titelbild Cristobal Colón en La Rábida y América

3. »Cristobal Colón en La Rábida y América« ist ein bunt bebildertes Heft für Kinder, das 2015 in der Edition Familia de Jesús des Franszikaner-Ordens in Huelva/Spanien erschienen ist. Darin erzählt Diego, der Sohn von Christoph Columbus, vom Kloster La Rábida 🔗, das den Entdecker unterstützt hat, und der Entdeckung Amerikas. Das habe ich eben dort gekauft, im Kloster La Rábida.

4. Die Biografie »Christoph Kolumbus. Korsar und Kreuzfahrer« der Schweizer Historikerin Corina Bucher 🔗, erschienen 2006 zum 500. Todestag des Entdeckers. Das Buch stand schon lange oben auf meiner Anschaffungsliste.

Zum erweiteren Themenkomplex der »Entdeckung Amerikas« gehören außerdem die beiden Sachbücher

findeisen
Titelbild Vinland

5. »Vinland« von Jörg-Peter Findeisen, einem Historiker und Skandinavien-Experte. Darin geht es um »Die Entdeckungsfahrten der Wikinger von Island nach Grönland und Amerika.« Erschienen 2011 im Verlag Ludwig in Kiel.

6. »Wurde Amerika in der Antike entdeckt?« von Hans Giffhorn (C. H. Beck, München, 2013). Giffhorn war Professor für Kulturwissenschaft in Göttingen und Hildesheim sowie Dokumentarfilmer. Die These, die er im Buch zu belegen versucht: Die Chachapoya, ein Volk in Peru, hatten europäische Vorfahren (Karthager, Keltiberer). Das wird bei mir in die Abteilung »Das Transozeanische Syndrom« eingeordnet.

Meine Columbus-Literatursammlung enthält derzeit

192 Sachbücher und
69 belletristischen Bücher
von 227 Autoren (161 Sachbuch; 66 Belletristik)

sowie einer großen, nicht erfassten Zahl von Artikel aus Zeitschriften, Zeitungen und Internet.

Ein Ausflug ins Weltall

Der Exoplanet HD 189733b ist ein jupiterähnlicher Himmelskörper in einer sonnennahen Umlaufbahn. Es handelt sich hier natürlich um eine künstlerische Darstellung. Bild: Nasa/Esa, M. Kornmesser
Der Exoplanet HD 189733b ist ein jupitergroßer Himmelskörper in einer sonnennahen Umlaufbahn. Es handelt sich hier natürlich um eine künstlerische Darstellung. Bild: Nasa/Esa, M. Kornmesser

Ich bin kein Naturwissenschaftler, aber mich haben Physik, Chemie und vor allem Astronomie schon als Kind interessiert. Deshalb verfolge ich sehr aufmerksam, was die Wissenschaft so alles über das Weltall herausfindet. Das faszinierendste Gebiet ist derzeit die Suche nach Exoplaneten, also Planeten, die um andere Sonnen als die unsere kreisen. Wenn ich noch mal die Wahl hätte, welchen Beruf ich ergreifen sollte, ich würde vielleicht Exoplanetenforscher werden. Weiterlesen

Erdogan rewrites history

3ebe_1
Christopher Columbus stumbled on land on October 12th, 1492 – two weeks later he arrived at Cuba.

This is really ridiculous: The Turkish president Recep Tayyip Erdoğan has claimed in a TV show, not Columbus had discovered America, but muslims in the 12th century. He refers to the alleged mention of a mosque in Columbus‘ log book. This is reported by different media (Die Welt, ABC.es, Yahoo News). This assertion is not new, and is not getting true by repeating it.
Weiterlesen

Erdogan schreibt die Geschichte um

3ebe_1

Das ist wirklich schon lächerlich: Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hat in einer Fernsehsendung behauptet, nicht Columbus habe Amerika entdeckt, sondern Muslime im 12. Jahrhundert. Er beruft sich dabei auf die angebliche Erwähnung einer Moschee in Columbus‘ Bordbuch. Das berichten verschiedene Medien (Die Welt,  ABC.es, Yahoo News). Diese Behauptung ist nicht neu und wird durch Wiederholung nicht besser.

Weiterlesen