Goldene Zeiten im Perryversum

Vor 50 Jahren habe ich den ersten PERRY RHODAN-Roman gelesen. Wahrscheinlich.

In Ostfriesland, wo ich lebe, ist es üblich, dass man Nachbarn oder Kollegen zu einem Jubiläum »einen Bogen« macht, eine Girlande, die um die Haustür gelegt und mit einem Zahlenschild gekrönt wird. Bei mir könntet ihr jetzt eine Girlande mit einer goldenen 50 aufhängen, denn ich bin seit einem halben Jahrhundert PERRY RHODAN-Leser.

Okay, so ganz genau stimmt es nicht. Tatsächlich weiß ich nicht, wann ich meinen allerersten Roman aus dieser deutschen Space-Opaera-Serie gelesen habe; wahrscheinlich hat mir ein Klassenkamerad, mit dem ich näher befreundet war, einen Heftroman in die Hand gedrückt. In meiner persönlichen Chronik ist »Der alte Admiral«, geschrieben von Hans Kneifel, der Auftakt, weil ich danach jede Woche ein Heft las und ganz verrückt danach war. Das war Band 448. Es erschien Ende März/Anfang April 1970.

Der Roman gehört zum Cappins-Zyklus. Ovaron und Merceille, zwei Cappins aus der weit entfernten Galaxie Gruelfin (NGC 4594, auch Sombreronebel genannt), riskieren ihr Leben, um die Gefahr durch den sogenannten Todessatelliten, der in der Korona der Sonne kreist, zu bannen. Es gelingt ihnen, in den Satelliten einzudringen und eine Bombe scharf zu machen. Fast wäre die Aktion schief gegangen, denn das Positronengehirn, der Zentralcomputer der Station, erkennt ihre Absicht. Im letzter Sekunde können die Saboteure fliehen. Auf diese Flucht spielt das dynamische Titelbildmotiv von Johnny Bruck an: Ein kleine Raumschiff, das kaum mehr als ein Rettungsboot ist, versucht, sich mit Höchstgeschwindigkeit aus dem Griff der Sonne zu befreien. Der Stern sieht aus, als stehe er kurz vor einer Explosion.

Aus Anlass des Jubiläums habe ich das Heft noch einmal gelesen (das »Original« habe ich schon lange nicht mehr, aber dank Ebay war es kein Problem, ein gut erhaltenes Exemplar zu bekommen). Der Roman ist noch so richtig 60er Jahre, als Piloten bei der Arbeit rauchten, alle, die etwas durchsetzen wollten, rumbrüllten, und die einzige Frau weit und breit »Mädchen« genannt wurde. Die Handlung ist behäbig, die Dialoge umständlich. Aber schlimme Schnitzer hat Hans Kneifel sich nicht geleistet.

Mit der MARCO POLO ins Perryversum

Zwei Hefte später, in Band 450, startet Perry Rhodan mit dem Superraumschiff MARCO POLO nach Gruelfin, um Ovaron in seine Heimat zurückzubringen. Die Abenteuer in der fernen Galaxie haben den damals 13-Jährigen mächtig fasziniert. Für mich war das der Initiationszyklus, und wenn ich mir heute dank der Perrypedia, dem großen Online-Lexikon zur Serie, die Titelbilder ansehe oder die Handlungszusammenfassung lese, kommt mir vieles trotz der dazwischenliegenden Jahrzehnte vertraut vor. Kein Wunder, dass mein Lieblingsraumschiff aus der Serie immer noch die MARCO POLO ist. Mit der bin ich schließlich ins Perryversum aufgebrochen.

Die Faszination, die von der Serie ausging (dank der Nachauflagen habe ich im Laufe der Zeit den Rückstand ab Band 1 weitgehend aufgeholt), hielt allerdings zunächst nur ein paar Jahre. Mit 15, 16 war ich nicht mehr so einfältig und leicht zu begeistern wie mit 13. Ich erkannte die literarischen Mängel der Serie, hatte qualitativ anspruchsvollere SF entdeckt und war auf dem besten Weg, ein »beinharter Intellektueller« zu werden. In den 1970er Jahre hing an PR schließlich das Stigma, eine faschistoide Serie zu sein und Schund obendrein. In bestimmten Kreisen hatte man es noch Jahre später schwer, wenn man sich als PR-Leser outete. Im besten Fall wurde man komisch angeschaut.

Sieben Jahre ohne ging auch

Irgendwann Ende 1973 bin ich ausgestiegen. So weit ich mich erinnere, habe ich den damals laufenden Zyklus um das Kosmische Schachspiel nicht zu Ende gelesen, mit Sicherheit aber nicht mit dem nachfolgenden Laren-Zyklus angefangen. Meine Pause dauerte etwa sieben Jahre: Im Dezember 1980 ist mir Band 1007, die »Kosmische Hanse« von William Voltz, in die Hände gefallen – und der Perryvirus hatte mich wieder im Griff. Diese Lücke von vier Zyklen von den Laren bis zu den Kosmischen Burgen habe ich übrigens nie geschlossen.

Seit 1980 bin ich also ununterbrochen dabei, habe aber immer mit unterschiedlicher Intensität gelesen. An manche Zyklen habe ich sehr plastische Erinnerungen, andere sind weitgehend spurlos an mir vorbeigegangen. Das lag, vermute ich, nicht unbedingt (nur) an den Romanen, sondern hatte viel auch mit den übrigen Lebensumständen zu tun: Beruf, Familie, andere Projekte etc.

Bis 1988 hatte ich wieder eine umfangreiche Sammlung mit mehreren Hundert Heften zusammengetragen, von der ich mich bei einem Umzug getrennt habe, um das viele »Altpapier« nicht mitschleppen zu müssen. Ich habe sie einfach im Keller des Hauses, das wir damals gemietet hatten, zurückgelassen. Ein paar Wochen später bekam ich einen Anruf vom neuen Mieter, der sich für das Geschenk bedankte.

Nach dem Mauerfall habe ich meine Hefte einige Zeit lang bündelweise an einen PR-Leser in der Nähe von Magdeburg verschenkt, und als der nicht mehr darauf angewiesen war, in 50er Blöcken bei Ebay verscherbelt. Seit Heft 2750 lese ich Perry Rhodan nur noch elektronisch.

Aus Neugier bin ich 2015 zum ersten Perry-Rhodan-Tag nach Osnabrück gefahren – und seitdem im Perryfandom hängengeblieben, habe viele nette und interessante Leute kennengelernt und mit ihnen viele abwechslungsreiche und anregende Stunden verbracht. Schade, dass ich darauf nicht früher gekommen bin.

Bilder (2): Pabel-Moewig Verlag KG, Rastatt

Dieses Buch ist gefährlich

Heinrich Stöllner schreibt über die Serien in den Utopia- und Terra-Heften – und führt mich in Versuchung.


Heinrich Stöllner: Die Zukunft von gestern. Verlag Dieter von Reeken, 2019. ISBN ISBN 978-3-945807-49-1.


Bücher wie »Die Zukunft von gestern« von Heinrich Stöllner sind eine Gefahr, eine kaum zu widerstehende Versuchung, noch mehr Bücher, die man sonst nicht lesen würde, zu kaufen. Ist mir so gegangen. 

»Die Zukunft…« ist eine akribisch recherchierte Dokumentation aller Serien, die als Utopia– oder Terra-Heftroman der Verlage Pabel und Moewig zwischen 1953 und 1985 erschienen sind. Als Serien werden Roman-Reihen bezeichnet, bei denen die Handlungen aufeinander aufbauen. Die bekannteste in diesem Literatursegment ist die 1961 im Münchner Moewig-Verlag erstmals erschienene Perry Rhodan-Serie, die es bis heute auf mehr als 3000 Folgen gebracht hat. Außer solchen eigenständigen Serien gab es weitere kürzere, die innerhalb von Heftroman-Reihen auf den Markt kamen.

Utopia und Terra waren die führenden Reihen in Deutschland. Von Utopia erschienen bis 1968 als Utopia SF, Utopia Großband, Utopia Kriminal und Utopia Magazin 850 Hefte, von Terra SF, Terra Sonderband, Terra Extra, Terra Nova und Terra Astra etwa doppelt so viele Hefte, allerdings nicht genau so viele Titel, denn viele Romane, die in Terra SF oder Terra Nova veröffentlicht wurden, erschienen Jahre später in Terra Astra erneut. In den Heftroman-Reihen waren deutsche Autoren stark vertreten, in Terra Nova und Terra Astra vor allem solche aus dem Umfeld der Perry Rhodan-Serie.

Es gibt viel zu entdecken

Wer wann was veröffentlicht hat, kann man in Stöllners 500 Seiten dickem Werk nachlesen, das mit zahlreichen Coverabbildungen illustriert ist. Es ist in drei große Kapitel unterteilt, die sich den deutschsprachigen und den englischsprachigen Autoren sowie den Fernseh- und Filmserien widmen. Es gibt zu jedem der thematisch gegliederten Unterkapitel, in denen mehrere Autoren und deren Serien behandelt werden, eine Einführung mit ausführlichen Inhaltsangaben, Information zur Publikationsgeschichte und einer Bibliografie, in der auch die Nachdrucke aufgelistet sind.

In  »Die Zukunft von gestern« gibt es eine Menge zu entdecken, auch dank des üppigen Anhangs, in der alle im Buch genannten Serien alphabetisch aufgelistet sind.  Das ist eine beeindruckende Arbeit, die jedem Sammler zu empfehlen ist. Dann ist es auch noch gut geschrieben, und man merkt dem Autor die Leidenschaft für das Genre und den Heftroman an. Davon lässt man sich gerne anstecken.

Wer in »Die Zukunft von gestern« stöbert, findet mit Sicherheit etwas, von dem sie/er gar nicht wusste, dass es im Bücherregal noch fehlt.

Ich bin nun kein ausgesprochener Sammler, sondern habe die ausgelesenen Heftromane verschenkt oder sogar weggeschmissen. Einige wenige Hefte habe ich mir inzwischen aus reiner Nostalgie besorgt. Dazu gehört Terra Astra 30, »Die Herrin der Fische« von Hans Kneifel, erschienen 1972. Den Roman las ich, als ich 14 oder 15 war. Dank Söllner weiß ich heute nicht nur, dass der Roman bereits neun Jahre zuvor in der Terra-Reihe erschienen war und zusammen mit zwei anderen Romanen zur Serie »Das Rätsel von Machaon« gehört, sondern auch, dass die Serie 1996 in Buchform als »Das Machaon-Projekt« im Tilsner-Verlag neu herausgegeben wurde – und, zack, hatte ich das Buch bei booklooker.de aufgespürt und bestellt. Jetzt muss ich es nur noch lesen.

Auch einigen anderen Protagonisten meiner frühen SF-Phase wie Earl Dumarest bin ich wieder begegnet, aber sehr viel größer ist die Zahl der Serien, von deren Existenz ich jetzt das erste Mal gehört habe. Vielleicht schlage ich da auch noch mal zu. Wie gesagt, dieses Buch ist eine Versuchung.

Gutgläubig, arglos, dreist

Der Preis ist heiß – auf Schnäppchenjagd nach »Unternehmen Stardust«, Heft 1 von PERRY RHODAN

Ein Schnäppchen? Nein, denn es handelt sich bei dem angebotenen Heft um einen Nachdruck.

Weil mir in meiner »Unternehmen Stardust«-Sammlung das Heft 1 der PERRY RHODAN-Serie in der Erstauflage fehlt, beobachte ich den einschlägigen Antiquariatsmarkt, vor allem die Angebote bei Ebay. Es ist erstaunlich, auf wie viel Gutgläubig-, Arglosig- und Dreistigkeit bei Anbietern und Käufern man dabei trifft.

Wer es nicht weiß: PERRY RHODAN ist eine deutsche Science-Fiction-Serie, die seit 1961 ununterbrochen wöchentlich als Heftroman erscheint. Band 1 trägt den Titel »Unternehmen Stardust« und ist im Laufe der Jahrzehnte in mehreren Auflagen und Sonderausgaben auf den Markt gekommen. Das originale Heft 1 (Erscheinungstag 8. September 1961) ist eine Rarität und steht auf der Wunschliste vieler Sammler ganz oben. Entsprechend tief muss man dafür in die Tasche greifen. Im Moment muss man für ein gut erhaltenes Heft mindestens 200 Euro hinlegen, für mindere Qualität entsprechend weniger. Es werden aber auch deutlich höhere Preise verlangt.

Das Originalheft 1 ist von den Nach- und Sonderauflagen auf den ersten Blick leicht zu unterscheiden, selbst wenn es sich nur um ein Vorschaubild auf Ebay handelt. Die Nachauflagen sind als solche auf dem Umschlag gekennzeichnet, Nach- und Sonderauflagen haben zum Teil ein anderes Layout und angepasste Titelbilder (das Motiv ist aber immer gleich und zeigt drei Astronauten in einer Mondlandschaft). Das wird niemand verwechseln.

Der Nachdruck von 1988

Allerdings gibt es einen fast originalgetreuen Nachdruck aus dem Jahr 1988. Diese Faksimileausgabe wird immer wieder mal zu horrenden Preisen feilgeboten – wobei die Frage ist, ob die Anbieter dreist oder ahnungslos und die Käufer ahnungslos und gutgläubig sind. Jüngste Beispiele: In diesem November wurde der Nachdruck als »Perry Rhodan Heft 1 super erhalten!« für 155 Euro bei Ebay angeboten, allerdings nicht verkauft. Für ein ausdrücklich als »!Nachdruck! (1988)« eingestelltes Heft wurden 99,99 Euro von einem Händler mit mehr als 40.000 Bewertungen verlangt. Bekommen hat er den Preis nicht. Denn der Nachdruck ist bei Ebay problemlos für zwei, drei Euro zu bekommen. Das sollte einem erfahrenen Anbieter bekannt sein. Schließlich müssen Händler sich bei ihrer Preisgestaltung an irgendetwas orientieren.

Nun muss nicht jeder unbedingt wissen, dass es diesen Nachdruck gibt, auch wenn man sich bei der Suche schon fragen könnte, warum es so große Preisunterschiede gibt. Aber ich staune immer wie, wie unbedarft viele Leute durchs digitale Leben kommen und wie viele offenbar nicht wissen, wozu Suchmaschinen wie Google da sind. Sonst würden sie zum Beispiel bestimmte Fragen in Facebook-Gruppen oder Foren nicht stellen.

Die überpinselte Erde

Der Nachdruck von 1988 ist ebenfalls recht leicht vom Original zu unterscheiden – was den damaligen Produktionsbedingungen zu verdanken ist. Auf dem Titelbild ist rechts oben die Erde abgebildet. Für den Nachdruck ist in der Vorlage ihr rechter Rand mit weißer Farbe überpinselt worden. Das ist so deutlich, dass es selbst bei einem kleinen Ebay-Vorschaubild auffällt.

So erkennst du den Nachdruck von Heft 1: Die Erde hat einen dicken weißen Rand (links), und auf der Rückseite ist nach »große« ein Riss zu sehen.

Ein weiteres untrügliches Merkmal des Nachdrucks: Auf der Rückseite ist in dem Kasten mit dem Text »Die große Weltraumserie aus dem MOEWIG-VERLAG« nach »große« so etwas wie ein Riss zu erkennen. Wenn die Rückseite bei Ebay abgebildet ist, lässt sich das mithilfe der Vergrößerungsfunktion leicht überprüfen. Der Grund für diesen gedruckten »Riss«: Offenbar hat für den Nachdruck ein beschädigtes Heft als Vorlage gedient. Diese Kenntnisse sind nicht neu und auch nicht von mir entdeckt. Hier hat zum Beispiel Reinhard Peter exzellente Vorarbeit geleistet, dessen Website ohnehin eine Fundgrube für jeden Fan ist.

Reinhard Peter berichtet auch von Betrugsfällen: Der Betrüger bietet das Original mit den passenden Abbildungen an, die er sich im Netz besorgt hat, verschickt dann aber den Nachdruck. Es ist also Vorsicht geboten.

Ein „Highlight. Rarität“ für 2950 Euro

Auch für das Originalheft werden gelegentlich astronomische Preise verlangt. Dieser Tage wollte ein Anbieter bei Ebay für ein »Highlight. Rarität« 2950 Euro haben, also mehr als das Zehnfache dessen, was man sonst hinblättern müsste. Was das Besondere an diesem Exemplar ist? Der Erstbesitzer hatte das Heft nicht nur mit seinem Adressstempel , sondern auch mit einem Datumsstempel vom 6. September 1961 versehen. Der Anbieter preist es als »seltenes Belegexemplar« dafür an, »dass die Romane schon vor dem Verkaufsstart am 8.Sept.1961 vom Verlag an vorgemerkte Kunden verschickt wurden«. Mag sein. Aber erstens ist das nicht erstaunlich, weil die Hefte ja nicht am Ersterscheinungstag direkt aus der Druckerei zu den Händlern gebracht wurden, und zweitens könnte der Stempel auch bloß falsch eingestellt gewesen sein.

Eine Lücke ist geschlossen

Meine »Unternehmen STARDUST«Sammlung ist jetzt vollständig – jedenfalls fast.

Jetzt neu in meiner »Unternehmen STARDUST«Sammlung: ein Heft der 2. Auflage, erkennbar an dem weißen Balken oben rechts in der Ecke.

Nach langer vergeblicher Suche ist es mit gelungen, für meine »Unternehmen STARDUST«-Sammlung (das ist der Titel des ersten Bandes der deutschen Science-Fiction-Serie PERRY RHODAN) ein Heft der 2. Auflage zu ergattern, dazu in einem guten Zustand und zu einem anständigen Preis. Jetzt fehlt mir noch das Original, die #1 der 1. Auflage von 1961, ich habe nur den Nachdruck von 1988, der Band 1400 der Serie als Gimmick beilag.

Aber an die wahre #1 ist schwer ranzukommen, und günstig ist es auch nicht gerade. Um die 200 Euro muss man wohl mindestens auf den Tisch legen, das ist mir zu viel für ein bisschen vergilbtes Papier, das die meiste Zeit unbeachtet im Regal steht. Manche Händler verlangen sogar 300 Euro und mehr.

Vollständig wäre die Sammlung mit den Heften der fünf Auflagen – korrekter wäre Ausgaben, aber es heißt verlagsseitig so – dann immer noch nicht, denn da gibt es noch eine »3. Ausgabe« und die »unbekannte Auflage«. Aber ich bin kein Vollständigkeitsfanatiker oder Raritätenjäger, würde ein solches Heft aber nehmen, wenn es mir zu einem vernünftigen Preis unterkäme. Gesehen habe ich noch keins.

Von der #1 gibt es zwei Nachdrucke anderer Verlage, die »Gold Edition« von HJB, und die Ausgabe in der Reihe »Tränen, Träume, Abenteuer« des Eichborn-Verlags (die ich selbstverständlich auch mein eigen nenne).

Wer sich für PERRY-RHODAN-Auflagenforschung interessiert, ist auf dieser Seite von Reinhard Peter gut aufgehoben. Es ist wirklich erstaunlich, was dort an Informationen rund um die größte SF-Serie der Welt zu finden ist. Wer es etwas konzentrierter möchte, wird bei Karl Grewe – pumbasimba.de – fündig.

Macht euch schlau

Ich kann jedem PR-Fan, der einen seltenen oder besonderen Roman sucht, nur raten, sich vor einem Kauf schlau zu machen und umfassend zu informieren. Denn nicht alles, was teuer angeboten wird, ist wertvoll. Wo mit Raritäten gehandelt wird, gibt es schwarze Schafe, die nur an euer Geld wollen, und es macht sich auch nicht jeder Anbieter die Mühe, sich darüber zu informieren, was er anbietet (was nur selten ein Vorteil für den Käufer ist). Ich wundere mich immer wieder, auf was für Ideen Anbieter kommen. Jüngstes Beispiel: Bei der Recherche für diesen Post sind mir ein paar Angebote für die erwähnte Eichborn-Edition untergekommen, mit einer Preisspanne zwischen 9,14 und 170,80 Euro.

500 Mal Maddrax – eine Würdigung

Die Science-Fiction-und-was-auch-immer-sonst-so-einfällt-Serie feiert Jubiläum. Der Roman »Zeitbeben« eignet sich gut für Einsteiger.

Das umlaufende Umschlagbild des Jubiläumsromans.

Seit 1961 steht jede deutsche SF-Heftromanserie im Schatten von PERRY RHODAN. Die meisten sind dort schnell verkümmert. Eine Ausnahme ist MADDRAX aus dem Bastei-Verlag. Von der Serie ist jetzt Band 500 »Zeitbeben«, geschrieben von Sascha Vennemann, erschienen. Sie steht damit nach PERRY RHODAN (mehr als 3000 Hefte) und dessen Spin-off ATLAN (850) unangefochten auf Platz 3 der Bestenliste.

Band 500 war für mich der Grund, MADDRAX eine Chance zu geben und in die Serie einzusteigen, zumindest einen Zyklus lang. Bisher hatte ich nur genau drei Einzelhefte gelesen, zuletzt den vorigen Jubiläumsband 400 »Transfer« (mein Post dazu).

In MADDRAX geht es um »Die dunkle Zukunft der Erde«. Kampfjetpilot Matthew Drax, genannt Maddrax, wird 500 Jahre in die Zukunft geschleudert, als während eines Fluges ein Komet auf der Erde einschlägt. Er findet sich in einer zerstörten, postapokalyptischen Welt wieder, in der nichts mehr so ist, wie Matthew es kennt. Er trifft auf die telepathisch begabte Aruula, mit der er zahlreiche Abenteuer erlebt – zunächst auf der Erde und die letzten Hundert Bände in fernen Sternensystemen.

Erfolg durch Genremix

Das Erfolgsrezept von MADDRAX ist sicherlich der Genremix. Die Serie ist keine reine SF, also keine direkte Konkurrenz zu PERRY RHODAN, sondern bringt jede Menge Horror-, Mystery- und Fantasy-Elemente. Dafür hat ihr PERRY RHODAN-Chefredakteur Klaus N. Frick kürzlich den spöttisch-anerkennenden Ehrentitel »Die Science-Fiction-und-was-auch-immer-sonst-so-einfällt-Serie« verpasst. Das lockt andere Leser als die SF-Puristen. Die Rastätter gucken wohlwollend auf den kleinen Vetter aus Köln. Verbindungen gibt es ohnehin: Eine ganze Reihe aktueller PERRY RHODAN-Autoren hat bereits für MADDRAX geschrieben, und die Verlage arbeiten auch zusammen (demnächst erscheint ein MADDRAX-Roman von Michael Marcus Turner und bei Bastei-Lübbe die »Dunkelwelt«-Trilogie aus der PERRY RHODAN-Redaktion).

In Band 500 kehren Maddrax und Aruula nach längerer Abwesenheit auf die Erde zurück. Klar, dass sie sich gleich wieder in ein Abenteuer stürzen müssen. Auf der Erde, die Matt mit Hilfe der Pancinowa, den Wurmloch-Architekten, gerade vor dem Untergang gerettet hat – der Mond drohte auf die Erde zu stürzen –, ist eine Stadt aus einem Steampunk-Paralleluniversum aufgetaucht. Die Enklave ist von einer undurchdringlichen Mauer aus lebenden Pflanzen umgeben. Matt und seine Freunde machen sich natürlich gleich daran, das Rätsel zu lösen und treffen dabei auf einheimische Luftschiffpiloten.

Mir hat das »Zeitbeben« gut gefallen, es ist ein unterhaltsamer und durchaus spannender Abenteuerroman. Man darf keine literarischen Höhenflüge erwarten. Dazu sind schon die Figuren zu konturlos, ja, geradezu klischeehaft. Ich würde nicht einmal spoilern, wenn ich das jetzt näher ausführte, so vorhersehbar verhalten sich einige Charaktere.

Wie auch immer, der Roman eignet sich gut für den Einstieg in die Serie. Auch wenn man nicht alles auf Anhieb versteht und einem viele Details ein Rätsel bleiben – man findet als Leser problemlos in die Handlung und freut sich auf die Fortsetzung. Die Welt, so wie sie im »Zeitbeben« geschildert wird, bietet eine Menge Potenzial für spannende Geschichte. Mal sehen, wie es so wird.

Zu viele Points of View

Mein einziger Kritikpunkt betrifft etwas Handwerkliches. Für meinen Geschmack gibt es zu viele Points of View, zu viele Erzählperspektiven. Jede der sechs Haupt- und Nebenfiguren ist mal an der Reihe. Am Ende taucht auch noch kurz ein ganz alter Bekannter Maddrax’ in den Tiefen des Weltraums auf, wohl um den altgedienten Lesern zu signalisieren, dass der demnächst wieder eine Rolle spielen wird. Ich als Neuleser musste erst im Maddraxikon nachsehen, wer das ist.

Der Jubiläumsband hat ein umlaufendes Titelbild von Néstor Taylor, das auf den inneren Umschlagseiten noch einmal ohne Beschriftung als Miniposter abgebildet ist (über den Sinn habe ich mich vor Hundert Heften schon gewundert, denn wer das Poster aufhängen will, muss den Umschlag abtrennen. Will der Verlag damit den Verkauf eines Zweitheftes ankurbeln?). Als Extras gibt es außer einer Doppel-Leserseite (die tatsächlich ein Editorial ist) einen Cartoon und ein Preisrätsel sowie den ersten Teil der umfangreichen Zusammenfassung der Hefte 1 bis 499. Teil 2 erscheint in Heft 501. Die komplette Zusammenfassung kann man sich als PDF auf der Verlagsseite herunterladen. Verglichen mit dem kürzlich erschienenen Jubiläumsband 3000 der PERRY RHODAN-Serie kommt MADDRAX 500 bescheidener daher, kostet aber auch 30 Cent weniger.