Dieses Buch ist gefährlich

Heinrich Stöllner schreibt über die Serien in den Utopia- und Terra-Heften – und führt mich in Versuchung.


Heinrich Stöllner: Die Zukunft von gestern. Verlag Dieter von Reeken, 2019. ISBN ISBN 978-3-945807-49-1.


Bücher wie »Die Zukunft von gestern« von Heinrich Stöllner sind eine Gefahr, eine kaum zu widerstehende Versuchung, noch mehr Bücher, die man sonst nicht lesen würde, zu kaufen. Ist mir so gegangen. 

»Die Zukunft…« ist eine akribisch recherchierte Dokumentation aller Serien, die als Utopia– oder Terra-Heftroman der Verlage Pabel und Moewig zwischen 1953 und 1985 erschienen sind. Als Serien werden Roman-Reihen bezeichnet, bei denen die Handlungen aufeinander aufbauen. Die bekannteste in diesem Literatursegment ist die 1961 im Münchner Moewig-Verlag erstmals erschienene Perry Rhodan-Serie, die es bis heute auf mehr als 3000 Folgen gebracht hat. Außer solchen eigenständigen Serien gab es weitere kürzere, die innerhalb von Heftroman-Reihen auf den Markt kamen.

Utopia und Terra waren die führenden Reihen in Deutschland. Von Utopia erschienen bis 1968 als Utopia SF, Utopia Großband, Utopia Kriminal und Utopia Magazin 850 Hefte, von Terra SF, Terra Sonderband, Terra Extra, Terra Nova und Terra Astra etwa doppelt so viele Hefte, allerdings nicht genau so viele Titel, denn viele Romane, die in Terra SF oder Terra Nova veröffentlicht wurden, erschienen Jahre später in Terra Astra erneut. In den Heftroman-Reihen waren deutsche Autoren stark vertreten, in Terra Nova und Terra Astra vor allem solche aus dem Umfeld der Perry Rhodan-Serie.

Es gibt viel zu entdecken

Wer wann was veröffentlicht hat, kann man in Stöllners 500 Seiten dickem Werk nachlesen, das mit zahlreichen Coverabbildungen illustriert ist. Es ist in drei große Kapitel unterteilt, die sich den deutschsprachigen und den englischsprachigen Autoren sowie den Fernseh- und Filmserien widmen. Es gibt zu jedem der thematisch gegliederten Unterkapitel, in denen mehrere Autoren und deren Serien behandelt werden, eine Einführung mit ausführlichen Inhaltsangaben, Information zur Publikationsgeschichte und einer Bibliografie, in der auch die Nachdrucke aufgelistet sind.

In  »Die Zukunft von gestern« gibt es eine Menge zu entdecken, auch dank des üppigen Anhangs, in der alle im Buch genannten Serien alphabetisch aufgelistet sind.  Das ist eine beeindruckende Arbeit, die jedem Sammler zu empfehlen ist. Dann ist es auch noch gut geschrieben, und man merkt dem Autor die Leidenschaft für das Genre und den Heftroman an. Davon lässt man sich gerne anstecken.

Wer in »Die Zukunft von gestern« stöbert, findet mit Sicherheit etwas, von dem sie/er gar nicht wusste, dass es im Bücherregal noch fehlt.

Ich bin nun kein ausgesprochener Sammler, sondern habe die ausgelesenen Heftromane verschenkt oder sogar weggeschmissen. Einige wenige Hefte habe ich mir inzwischen aus reiner Nostalgie besorgt. Dazu gehört Terra Astra 30, »Die Herrin der Fische« von Hans Kneifel, erschienen 1972. Den Roman las ich, als ich 14 oder 15 war. Dank Söllner weiß ich heute nicht nur, dass der Roman bereits neun Jahre zuvor in der Terra-Reihe erschienen war und zusammen mit zwei anderen Romanen zur Serie »Das Rätsel von Machaon« gehört, sondern auch, dass die Serie 1996 in Buchform als »Das Machaon-Projekt« im Tilsner-Verlag neu herausgegeben wurde – und, zack, hatte ich das Buch bei booklooker.de aufgespürt und bestellt. Jetzt muss ich es nur noch lesen.

Auch einigen anderen Protagonisten meiner frühen SF-Phase wie Earl Dumarest bin ich wieder begegnet, aber sehr viel größer ist die Zahl der Serien, von deren Existenz ich jetzt das erste Mal gehört habe. Vielleicht schlage ich da auch noch mal zu. Wie gesagt, dieses Buch ist eine Versuchung.

Gutgläubig, arglos, dreist

Der Preis ist heiß – auf Schnäppchenjagd nach »Unternehmen Stardust«, Heft 1 von PERRY RHODAN

Ein Schnäppchen? Nein, denn es handelt sich bei dem angebotenen Heft um einen Nachdruck.

Weil mir in meiner »Unternehmen Stardust«-Sammlung das Heft 1 der PERRY RHODAN-Serie in der Erstauflage fehlt, beobachte ich den einschlägigen Antiquariatsmarkt, vor allem die Angebote bei Ebay. Es ist erstaunlich, auf wie viel Gutgläubig-, Arglosig- und Dreistigkeit bei Anbietern und Käufern man dabei trifft.

Wer es nicht weiß: PERRY RHODAN ist eine deutsche Science-Fiction-Serie, die seit 1961 ununterbrochen wöchentlich als Heftroman erscheint. Band 1 trägt den Titel »Unternehmen Stardust« und ist im Laufe der Jahrzehnte in mehreren Auflagen und Sonderausgaben auf den Markt gekommen. Das originale Heft 1 (Erscheinungstag 8. September 1961) ist eine Rarität und steht auf der Wunschliste vieler Sammler ganz oben. Entsprechend tief muss man dafür in die Tasche greifen. Im Moment muss man für ein gut erhaltenes Heft mindestens 200 Euro hinlegen, für mindere Qualität entsprechend weniger. Es werden aber auch deutlich höhere Preise verlangt.

Das Originalheft 1 ist von den Nach- und Sonderauflagen auf den ersten Blick leicht zu unterscheiden, selbst wenn es sich nur um ein Vorschaubild auf Ebay handelt. Die Nachauflagen sind als solche auf dem Umschlag gekennzeichnet, Nach- und Sonderauflagen haben zum Teil ein anderes Layout und angepasste Titelbilder (das Motiv ist aber immer gleich und zeigt drei Astronauten in einer Mondlandschaft). Das wird niemand verwechseln.

Der Nachdruck von 1988

Allerdings gibt es einen fast originalgetreuen Nachdruck aus dem Jahr 1988. Diese Faksimileausgabe wird immer wieder mal zu horrenden Preisen feilgeboten – wobei die Frage ist, ob die Anbieter dreist oder ahnungslos und die Käufer ahnungslos und gutgläubig sind. Jüngste Beispiele: In diesem November wurde der Nachdruck als »Perry Rhodan Heft 1 super erhalten!« für 155 Euro bei Ebay angeboten, allerdings nicht verkauft. Für ein ausdrücklich als »!Nachdruck! (1988)« eingestelltes Heft wurden 99,99 Euro von einem Händler mit mehr als 40.000 Bewertungen verlangt. Bekommen hat er den Preis nicht. Denn der Nachdruck ist bei Ebay problemlos für zwei, drei Euro zu bekommen. Das sollte einem erfahrenen Anbieter bekannt sein. Schließlich müssen Händler sich bei ihrer Preisgestaltung an irgendetwas orientieren.

Nun muss nicht jeder unbedingt wissen, dass es diesen Nachdruck gibt, auch wenn man sich bei der Suche schon fragen könnte, warum es so große Preisunterschiede gibt. Aber ich staune immer wie, wie unbedarft viele Leute durchs digitale Leben kommen und wie viele offenbar nicht wissen, wozu Suchmaschinen wie Google da sind. Sonst würden sie zum Beispiel bestimmte Fragen in Facebook-Gruppen oder Foren nicht stellen.

Die überpinselte Erde

Der Nachdruck von 1988 ist ebenfalls recht leicht vom Original zu unterscheiden – was den damaligen Produktionsbedingungen zu verdanken ist. Auf dem Titelbild ist rechts oben die Erde abgebildet. Für den Nachdruck ist in der Vorlage ihr rechter Rand mit weißer Farbe überpinselt worden. Das ist so deutlich, dass es selbst bei einem kleinen Ebay-Vorschaubild auffällt.

So erkennst du den Nachdruck von Heft 1: Die Erde hat einen dicken weißen Rand (links), und auf der Rückseite ist nach »große« ein Riss zu sehen.

Ein weiteres untrügliches Merkmal des Nachdrucks: Auf der Rückseite ist in dem Kasten mit dem Text »Die große Weltraumserie aus dem MOEWIG-VERLAG« nach »große« so etwas wie ein Riss zu erkennen. Wenn die Rückseite bei Ebay abgebildet ist, lässt sich das mithilfe der Vergrößerungsfunktion leicht überprüfen. Der Grund für diesen gedruckten »Riss«: Offenbar hat für den Nachdruck ein beschädigtes Heft als Vorlage gedient. Diese Kenntnisse sind nicht neu und auch nicht von mir entdeckt. Hier hat zum Beispiel Reinhard Peter exzellente Vorarbeit geleistet, dessen Website ohnehin eine Fundgrube für jeden Fan ist.

Reinhard Peter berichtet auch von Betrugsfällen: Der Betrüger bietet das Original mit den passenden Abbildungen an, die er sich im Netz besorgt hat, verschickt dann aber den Nachdruck. Es ist also Vorsicht geboten.

Ein „Highlight. Rarität“ für 2950 Euro

Auch für das Originalheft werden gelegentlich astronomische Preise verlangt. Dieser Tage wollte ein Anbieter bei Ebay für ein »Highlight. Rarität« 2950 Euro haben, also mehr als das Zehnfache dessen, was man sonst hinblättern müsste. Was das Besondere an diesem Exemplar ist? Der Erstbesitzer hatte das Heft nicht nur mit seinem Adressstempel , sondern auch mit einem Datumsstempel vom 6. September 1961 versehen. Der Anbieter preist es als »seltenes Belegexemplar« dafür an, »dass die Romane schon vor dem Verkaufsstart am 8.Sept.1961 vom Verlag an vorgemerkte Kunden verschickt wurden«. Mag sein. Aber erstens ist das nicht erstaunlich, weil die Hefte ja nicht am Ersterscheinungstag direkt aus der Druckerei zu den Händlern gebracht wurden, und zweitens könnte der Stempel auch bloß falsch eingestellt gewesen sein.

Eine Lücke ist geschlossen

Meine »Unternehmen STARDUST«Sammlung ist jetzt vollständig – jedenfalls fast.

Jetzt neu in meiner »Unternehmen STARDUST«Sammlung: ein Heft der 2. Auflage, erkennbar an dem weißen Balken oben rechts in der Ecke.

Nach langer vergeblicher Suche ist es mit gelungen, für meine »Unternehmen STARDUST«-Sammlung (das ist der Titel des ersten Bandes der deutschen Science-Fiction-Serie PERRY RHODAN) ein Heft der 2. Auflage zu ergattern, dazu in einem guten Zustand und zu einem anständigen Preis. Jetzt fehlt mir noch das Original, die #1 der 1. Auflage von 1961, ich habe nur den Nachdruck von 1988, der Band 1400 der Serie als Gimmick beilag.

Aber an die wahre #1 ist schwer ranzukommen, und günstig ist es auch nicht gerade. Um die 200 Euro muss man wohl mindestens auf den Tisch legen, das ist mir zu viel für ein bisschen vergilbtes Papier, das die meiste Zeit unbeachtet im Regal steht. Manche Händler verlangen sogar 300 Euro und mehr.

Vollständig wäre die Sammlung mit den Heften der fünf Auflagen – korrekter wäre Ausgaben, aber es heißt verlagsseitig so – dann immer noch nicht, denn da gibt es noch eine »3. Ausgabe« und die »unbekannte Auflage«. Aber ich bin kein Vollständigkeitsfanatiker oder Raritätenjäger, würde ein solches Heft aber nehmen, wenn es mir zu einem vernünftigen Preis unterkäme. Gesehen habe ich noch keins.

Von der #1 gibt es zwei Nachdrucke anderer Verlage, die »Gold Edition« von HJB, und die Ausgabe in der Reihe »Tränen, Träume, Abenteuer« des Eichborn-Verlags (die ich selbstverständlich auch mein eigen nenne).

Wer sich für PERRY-RHODAN-Auflagenforschung interessiert, ist auf dieser Seite von Reinhard Peter gut aufgehoben. Es ist wirklich erstaunlich, was dort an Informationen rund um die größte SF-Serie der Welt zu finden ist. Wer es etwas konzentrierter möchte, wird bei Karl Grewe – pumbasimba.de – fündig.

Macht euch schlau

Ich kann jedem PR-Fan, der einen seltenen oder besonderen Roman sucht, nur raten, sich vor einem Kauf schlau zu machen und umfassend zu informieren. Denn nicht alles, was teuer angeboten wird, ist wertvoll. Wo mit Raritäten gehandelt wird, gibt es schwarze Schafe, die nur an euer Geld wollen, und es macht sich auch nicht jeder Anbieter die Mühe, sich darüber zu informieren, was er anbietet (was nur selten ein Vorteil für den Käufer ist). Ich wundere mich immer wieder, auf was für Ideen Anbieter kommen. Jüngstes Beispiel: Bei der Recherche für diesen Post sind mir ein paar Angebote für die erwähnte Eichborn-Edition untergekommen, mit einer Preisspanne zwischen 9,14 und 170,80 Euro.

500 Mal Maddrax – eine Würdigung

Die Science-Fiction-und-was-auch-immer-sonst-so-einfällt-Serie feiert Jubiläum. Der Roman »Zeitbeben« eignet sich gut für Einsteiger.

Das umlaufende Umschlagbild des Jubiläumsromans.

Seit 1961 steht jede deutsche SF-Heftromanserie im Schatten von PERRY RHODAN. Die meisten sind dort schnell verkümmert. Eine Ausnahme ist MADDRAX aus dem Bastei-Verlag. Von der Serie ist jetzt Band 500 »Zeitbeben«, geschrieben von Sascha Vennemann, erschienen. Sie steht damit nach PERRY RHODAN (mehr als 3000 Hefte) und dessen Spin-off ATLAN (850) unangefochten auf Platz 3 der Bestenliste.

Band 500 war für mich der Grund, MADDRAX eine Chance zu geben und in die Serie einzusteigen, zumindest einen Zyklus lang. Bisher hatte ich nur genau drei Einzelhefte gelesen, zuletzt den vorigen Jubiläumsband 400 »Transfer« (mein Post dazu).

In MADDRAX geht es um »Die dunkle Zukunft der Erde«. Kampfjetpilot Matthew Drax, genannt Maddrax, wird 500 Jahre in die Zukunft geschleudert, als während eines Fluges ein Komet auf der Erde einschlägt. Er findet sich in einer zerstörten, postapokalyptischen Welt wieder, in der nichts mehr so ist, wie Matthew es kennt. Er trifft auf die telepathisch begabte Aruula, mit der er zahlreiche Abenteuer erlebt – zunächst auf der Erde und die letzten Hundert Bände in fernen Sternensystemen.

Erfolg durch Genremix

Das Erfolgsrezept von MADDRAX ist sicherlich der Genremix. Die Serie ist keine reine SF, also keine direkte Konkurrenz zu PERRY RHODAN, sondern bringt jede Menge Horror-, Mystery- und Fantasy-Elemente. Dafür hat ihr PERRY RHODAN-Chefredakteur Klaus N. Frick kürzlich den spöttisch-anerkennenden Ehrentitel »Die Science-Fiction-und-was-auch-immer-sonst-so-einfällt-Serie« verpasst. Das lockt andere Leser als die SF-Puristen. Die Rastätter gucken wohlwollend auf den kleinen Vetter aus Köln. Verbindungen gibt es ohnehin: Eine ganze Reihe aktueller PERRY RHODAN-Autoren hat bereits für MADDRAX geschrieben, und die Verlage arbeiten auch zusammen (demnächst erscheint ein MADDRAX-Roman von Michael Marcus Turner und bei Bastei-Lübbe die »Dunkelwelt«-Trilogie aus der PERRY RHODAN-Redaktion).

In Band 500 kehren Maddrax und Aruula nach längerer Abwesenheit auf die Erde zurück. Klar, dass sie sich gleich wieder in ein Abenteuer stürzen müssen. Auf der Erde, die Matt mit Hilfe der Pancinowa, den Wurmloch-Architekten, gerade vor dem Untergang gerettet hat – der Mond drohte auf die Erde zu stürzen –, ist eine Stadt aus einem Steampunk-Paralleluniversum aufgetaucht. Die Enklave ist von einer undurchdringlichen Mauer aus lebenden Pflanzen umgeben. Matt und seine Freunde machen sich natürlich gleich daran, das Rätsel zu lösen und treffen dabei auf einheimische Luftschiffpiloten.

Mir hat das »Zeitbeben« gut gefallen, es ist ein unterhaltsamer und durchaus spannender Abenteuerroman. Man darf keine literarischen Höhenflüge erwarten. Dazu sind schon die Figuren zu konturlos, ja, geradezu klischeehaft. Ich würde nicht einmal spoilern, wenn ich das jetzt näher ausführte, so vorhersehbar verhalten sich einige Charaktere.

Wie auch immer, der Roman eignet sich gut für den Einstieg in die Serie. Auch wenn man nicht alles auf Anhieb versteht und einem viele Details ein Rätsel bleiben – man findet als Leser problemlos in die Handlung und freut sich auf die Fortsetzung. Die Welt, so wie sie im »Zeitbeben« geschildert wird, bietet eine Menge Potenzial für spannende Geschichte. Mal sehen, wie es so wird.

Zu viele Points of View

Mein einziger Kritikpunkt betrifft etwas Handwerkliches. Für meinen Geschmack gibt es zu viele Points of View, zu viele Erzählperspektiven. Jede der sechs Haupt- und Nebenfiguren ist mal an der Reihe. Am Ende taucht auch noch kurz ein ganz alter Bekannter Maddrax’ in den Tiefen des Weltraums auf, wohl um den altgedienten Lesern zu signalisieren, dass der demnächst wieder eine Rolle spielen wird. Ich als Neuleser musste erst im Maddraxikon nachsehen, wer das ist.

Der Jubiläumsband hat ein umlaufendes Titelbild von Néstor Taylor, das auf den inneren Umschlagseiten noch einmal ohne Beschriftung als Miniposter abgebildet ist (über den Sinn habe ich mich vor Hundert Heften schon gewundert, denn wer das Poster aufhängen will, muss den Umschlag abtrennen. Will der Verlag damit den Verkauf eines Zweitheftes ankurbeln?). Als Extras gibt es außer einer Doppel-Leserseite (die tatsächlich ein Editorial ist) einen Cartoon und ein Preisrätsel sowie den ersten Teil der umfangreichen Zusammenfassung der Hefte 1 bis 499. Teil 2 erscheint in Heft 501. Die komplette Zusammenfassung kann man sich als PDF auf der Verlagsseite herunterladen. Verglichen mit dem kürzlich erschienenen Jubiläumsband 3000 der PERRY RHODAN-Serie kommt MADDRAX 500 bescheidener daher, kostet aber auch 30 Cent weniger.

Begegnungen auf dem Coloniacon 23

Dietmar Schmidt (Perry Rhodan Neo) und Martin Ingenhoven vom Heftehaufen mögen keine gestellten Fotos. Aus dem Hintergrund nähert sich Volker Hoff, der Zeitreisende, mit contypischer Verpflegung.

Nachdem der Herbst in diesem Jahr gleich mit dem Elstercon in Leipzig phantastisch eröffnet wurde, ging es eine Woche später am 29. und 30. September in Köln weiter: mit dem Coloniacon 23, meinem zweiten überhaupt. Beim zweiten Mal ist ja alles anders: Ich wusste auf Anhieb, wo die Theke mit dem Kölsch in Halb-Liter-Flaschen ist. Aber ich habe vorsichtshalber mit einem Kaffee angefangen, obwohl schon Mittag durch war. Das Kölsch kam später.

Die erste halbe Stunde ging mit Händeschütteln dahin. Erstaunlich, wie viele Leute ich dort kannte und wie viele mich kannten. Einige hatte ich erst eine Woche zuvor in Leipzig gesehen, andere vor ein paar Monaten und einige schon seit ein, zwei Jahren nicht mehr. Über zwei oder drei werde ich hier etwas mehr schreiben.

Ben Calvin Hary (rechts) signiert ein Exemplar seines Romans für Rainer Schorm.

Ben Calvin Hary, der schon den einen oder anderen Maddrax-Roman verfasst hat, hat jetzt seinen ersten Roman im Atlantis-Verlag von Guido Latz herausgebracht: »Koshkin und die Kommunisten aus dem Kosmos«. Es dauerte gefühlt keine fünf Minuten, bis er mich am Wickel hatte und mir ein Exemplar andrehen wollte. Da hat er sich jede Menge bei seinem Vorbild (?) Dirk van den Boom – beide sind aus Saarbrücken, beide veröffentlichen bei Atlantis – abgeschaut. Der Schlachtruf der beiden Saarländer (der eine ein gebürtiger, der andere ein zugezogener: Kauf meine Bücher! Der Ruf verhallte nicht ungehört. Ben habe ich ein Buch abgenommen, von Dirk habe ich mich gleich zum Kauf von zweien breitschlagen lassen. Ich war, nachdem ich mich in Leipzig so extrem zurückgehalten habe, wohl im Kaufrausch.

Später am Tag habe ich mich für einige Zeit in Bens Premierenlesung gesetzt. Nach allem, was ich da gehört habe, werde ich den Kauf des Buches nicht bereuen. In dem Roman geht es um den emigrierten russischen Wissenschaftler Boris Koshkin, der 1958 in seinem Vorgarten ein Raumschiff für das vom Sputnik-Schock gebeutelte Amerika zu bauen. Als jemand, der in dem Jahr des Sputnik-Starts geboren wurde, muss ich so was einfach lesen.

Die Perry-Rhodan-Autoren Robert Corvus und Uwe Anton haben nichts über Band 3000 verraten, hatten aber offensichtlich viel Spaß dabei.

Von den vielen Panels (so heißen die einzelnen Veranstaltungen auf den Cons), die sich um die Perry-Rhodan-Serie drehten, habe ich nur das wohl von allen mit Spannung erwartete über »Rhodan – Ausblicke auf die nächsten Jahre« angehört. Es drehte sich dabei erwartungsgemäß um Band 3000 der Serie, der im Februar kommenden Jahres erscheint. Die beiden Stammautoren Uwe Anton und Uschi Zietsch alias Susan Schwartz beteuerten mehrfach, dass sie nicht wüssten, was drin steht, so sehr Moderator Rüdiger Schäfer auch nachhakte. Stattdessen wurde viel gewitzelt, und da kam Robert Corvus ins Spiel. Der »Stammgastautor oder so« ist in der Perry-Rhodan-Szene als Möchtegernguckytöter bekannt und soll Band 3000 mit dem Titel »Das Imperium der Mausbiber«.

Aber Spaß beiseite. Robert (»Keiner weiß, dass ich Bernd heiße«) lenkte die Aufmerksamkeit auf einen wichtigen Aspekt, der die Serie so erfolgreich gemacht hat. Es wird immer wieder angenommen (und argumentiert), dass so eine Jubiläumsband mit einer runden Nummer ideal für den Einstieg in die Serie ist. Nach Bernds bzw. Roberts Erfahrung, die sich auch durch eine nicht repräsentative Umfrage im Publikum bestätigte, ist das überhaupt nicht so. Die meisten PR-Leser haben irgendwo angefangen und sich nicht davon abschrecken lassen, dass sie erst nichts verstanden haben. Die Schnitt an der runden Heftnummer sei eher für die Altleser, denen dann wieder etwas ganz Neues geboten werde, argumentierte der Autor. Es solle ja nicht langweilig werden.

Alien trifft auf Alien, Mausbiber auf Jülziish.

Ein paar Außerirdische verirren sich auch immer wieder mal zum Coloniacon. Draußen lief mir ein tellerköpfiger Jülziish über den Weg (in Prä-Political-Correctness-Zeiten des Perryversums etwas abfällig Blues genannt), der irgendwie von der Southside der Galaxis an den Rhein geraten war und sich mit dem Mausbiber bzw. Ilt Gucky unterhielt. Wo Gucky ist, ist Gerhard Huber nicht fern. Gerhard, der zur Riege der schreibenden Fans gehört und schon eine Reihe von Kurzgeschichten unterschiedlicher Art veröffentlicht hat, hat zusammen mit Michael Tinnefeld einen Fanroman verfasst, »Die Heilerin von Hangay« (erschienen bei der Perry-Rhodan-Fanzentrale). Den habe ich am Sonntag auf der Rückfahrt im Zug gelesen.

Eigentlich war Science Fiction gar nicht so wichtig. Da traf sich zufällig eine Reihe von Con-Besuchern an der Mauer, die das Jugendpark-Gelände vom Rheinufer abgrenzt, Fans und Autoren, und was machten die? Nein, das Gespräch drehte sich nicht um ferne Galaxien, überlichtschnelle Raumschiffe und Alieninvasionen, nein, sie machen ein heiteres Altersraten. Eine Eigenart eher der älteren Generation.

Den Abschluss meines diesjährigen Coloniacon-Besuchs bildete eine finanzielle Transaktion. Ich habe schon mal die Anmeldegebühr für den nächsten Con bezahlt. Wir sehen uns 2020.


Hier gibt’s noch ein paar Bilder