André Skora, Armin Rößler, Frank Hebben (Hrsg.): Tiefraumphasen. Begida-Verlag Mühlheim an der Ruhr. Taschenbuch. 264 Seiten. 13,50 Euro. ISBN-13: 978-3957770066.
Früher war ich ein Romanleser und konnte Kurzgeschichte wenig abgewinnen. Aber das hat sich mittlerweile grundlegend geändert, vor allem dank der vielen guten Anthologien mit deutschen SF-Kurzgeschichten, die in den letzten Jahren erschienen sind. Eine solche ist »Tiefraumphasen« aus dem Begida-Verlag mit 13 Ausflügen in die Trostlosigkeit, die uns im Weltraum erwartet. Continue reading „Kurz und lesenswert“
Sven Klöpping (Hrsg.): Bullet und andere Storys aus dem MegaFusion-Universum. Sven Klöppings sternwerk @ p.machinery. Murnau 2014, 196 Seiten, Taschenbuch. 10,90 Euro. ISBN 9783957650153.
Auf einer sehr langen Bahnfahrt von Wien nach Ostfriesland hatte ich Gelegenheit, die Story-Sammlung »Bullet« in einem Rutsch zu lesen, eingerahmt von einem Perry-Rhodan-Roman des Wieners Leo Lukas und dem Anfang des SF-Klassikers »Neuromancer« von William Gibson. Ich formuliere mein Urteil mal so: Eine Geschichte von Gibson wäre in der von Sven Klöpping herausgegebenen Anthologie »aus dem MegaFusion-Universum« nicht so aufgefallen wie eine aus dem Perryversum. Continue reading „Wilde Fahrt durchs Megafusion-Universum“
Gert Prokop: Wer stiehlt schon Unterschenkel?/Der Samenbankraub. Das Neue Berlin. Je 7,99 Euro. ISBN 978-3-360-50044-1/ISBN 978-3-360-01230-2.
Es bereitet großes Vergnügen, die Timothy-Truckle-Geschichten von Gert Prokop zu lesen. Sie sind flott erzählt, witzig, geistreich und verblüffend. Mehr als 30 Jahre nach der Erstveröffentlichung in der DDR sind »Wer stiehlt schon Unterschenkel?« und »Der Samenbankraub« im Verlag Neues Berlin als E-Books neu aufgelegt worden.
Timothy Truckle, genannt Tiny, ist ein kleinwüchsiger Privatdetektiv. Er lebt Mitte des 21. Jahrhunderts in einem luxuriösen Appartement in Chicago und arbeitet heimlich für den Widerstand. Während im ersten Band skurrile Fälle und originelle Lösungen im Vordergrund stehen, rücken im »Samenbankraub« die gesellschaftlichen Verhältnisse in den Vordergrund. Denn die USA haben die Weltgemeinschaft, das »Draußen«, hinter einen undurchdringlichen Energieschirm, die »Isolation«, verbannt. Unterdrückung, Bespitzelung, staatliche Willkür, menschenverachtende Genexperimente und Umweltverschmutzung sind an der Tagesordnung. Es ist offensichtlich, dass das Anspielungen auf die Verhältnisse in der DDR sind, versteckt hinter Kapitalismuskritik.
Erstaunlicherweise hat die staatliche Zensur sich nicht daran gestört. Es zeichnet das Werk Prokops aus, dass wir es noch immer mit Gewinn lesen können, obwohl die DDR längst untergegangen ist.
(ursprünglich erschienen in Ostfriesen-Zeitung, 27.12.2013)