Die Welt nach dem Klimawandel

Die SF-Anthologie »2101 – Was aus uns wurde« gibt’s jetzt als E-Book. Eine von 31 Storys ist von mir

Im Verlag Moderne Phantastik ist die Science-Fiction-Anthologie »2101 – Was aus uns wurde«, zunächst nur als E-Book, erschienen – mit 31 Storys über eine Welt nach dem Klimawandel. Eine davon ist von mir, ein kurzes Stück mit dem Titel „Rückkehr“. Viele tolle Autorenkollegen haben mitgemacht und einen dicken Band (375 Seiten) abgeliefert. Mein Beitrag ist da nur bescheiden, umso mehr fühle ich mich gebauchpinselt, weil mein Name auf der Amazon-Seite als erster genannt wird.

Es ist meine zweite Veröffentlichung im Verlag von Peggy und Rico Gehrke, und damit habe ich gute Erfahrung gemacht. Meine Kurzgeschichte »Das letzte Mammut« wurde vor zwei Jahren zusammen mit mehreren anderen Storys aus der Anthologie »Meuterei auf Titan« für den Deutschen Science-Fiction-Preis nominiert.

Das Inhaltsverzeichnis: Oliver Koch – Jäger und Beute; Nele Sickel – Atlantas Schätze; Frank Lauenroth – Syms; Axel Kruse – Grassoden; Sybille Lengauer – Auferstehung; Norbert Fiks – Rückkehr; Galax Acheronian – Konserviert; Achim Stößer – Der alte Mann und das Mädchen; Maike Braun – Leerland; Rico Gehrke – Ich bin der Mann vom Meer des Regens; Stephan Becher – Ameisen; Johann Seidl – Autonomie Neunenz; Gundel Steigenberger – An Terra; Sebastian Bach – Die feindseligste aller Spezies; Olaf Lahayne – Camp Millenium; Elisabeth Marienhagen – Mabelle; Oliver Koch – Der Gärtner von Eden; Tobias Lagemann – Eine kurze Anekdote aus der Zeit vor dem Krieg; Annie Waye – Die Neue Welt; Nob Shepherd – Mazons Vermächtnis; Stefan Junghanns – Als das Jahrhundert noch jung war; Axel Aldenhoven – Terra Digitalis; Friedhelm Schneidewind – Häusergeflüster; Andrea Bannert – Die letzte Zeugin; Stephan Becher – Ungeplanter Besuch; F. Anderson – Die richtige Partnerwahl; Roland Rosenbauer – Die Kirschenkönigin; Jaana Redflower – Sirenen; Achim Stößer – 23X; Oliver Koch – Friedensangebot; Sebastian Görlitzer – Die rettende Idee.

Kleiner Vorsprung für Wolfgang Jeschke

Welche deutschen Science-Fiction-Schriftsteller haben die meisten SF-Preise gewonnen? Zwei Autoren liegen mit großem Abstand vorne.

Die letzte Auszeichnung für Wolfgang Jeschke: der Deutsche Science-Fiction-Preis für den Roman »Dschiheads«. Aus Krankheitsgründen konnte er die Auszeichnung nicht persönlich entgegennehmen.

Andreas Eschbach hat in diesem Jahr mit seinem, wie ein Rezensent schrieb,  »fettem Roman«  »Perry Rhodan – Das größte Abenteuer« den Kurd-Laßwitz-Preis gewonnen. Im vergangenen Jahr stand er mit  »NSA« beim KLP ganz oben. Davor gab’s die Auszeichnung zweimal hintereinander für Andreas Brandhorst für  die Romane »Das Schiff« (2016) und »Omni« (2017). Als Freund sinnfreier, aber eventuell interessanter Statistiken habe ich mich hingesetzt, um die Frage zu beantworten: Wer ist, gemessen an Preisen, der erfolgreichste deutschsprachige SF-Autor? Und, nicht zu vergessen, wer die erfolgreichste Autorin? 

In die Auswertung flossen die Ergebnisse in den Kategorien  »Bester Roman« und »Beste Kurzgeschichte/Erzählung« der beiden einzigen reinen SF-Preise in Deutschland – Kurd-Laßwitz-Preis (KLP) und Deutscher Science-Fiction-Preis (DSFP) – ein. Obwohl beide Preise dasselbe Feld beackern, sind sie sehr unterschiedlich. Der KLP wird von Autoren, Verlegern, Grafikern und anderen, die sich mehr oder weniger professionell mit SF beschäftigen, vergeben, der DSFP von einer für jeden offenen, deutlich kleineren Gruppe von Lesern unter dem Dach des Deutschen Science-Fiction-Clubs. Wer sich näher für die Modalitäten interessiert, kann sich auf den jeweiligen Homepages informieren. 

Der KLP wird seit 1980 (Erscheinungsjahr) vergeben; 1997 wurden die Kategorien  »Beste Erzählung« und »Beste Kurzgeschichte« zusammengelegt. Den DSFP gibt es seit 1985. Ich habe bei der Auswertung nicht zwischen KLP und DSFP unterschieden und auch nicht zwischen Roman und Erzählung. Preis ist Preis. Wenn Werke von mehreren Autoren ausgezeichnet wurden, wurde jede/r Autor/in einzeln gezählt. Wenn ein Autor/eine Autorin mit einem Werk in einem Jahr sowohl den KLP als auch den DSFP gewonnen hat, wurde jeder Preis einzeln gezählt. Die Angaben sind selbstverständlich alle ohne Gewähr; ich will nicht ausschließen, dass ich mich irgendwo verzählt habe.

Es sind insgesamt 71 Autorinnen und Autoren ausgezeichnet worden, die Hälfte davon mehrfach. 

Das sind die Top Ten

  • Wolfgang Jeschke 17
  • Andreas Eschbach 16
  • Michael K. Iwoleit 7
  • Herbert W. Franke 6
  • Michael Marrak 6
  • Andreas Brandhorst 5
  • Rainer Erler 5
  • Marcus Hammerschmitt 5
  • Thomas Ziegler 5
  • Karl Michael Armer 4

Je dreimal ausgezeichnet wurden neun Autorinnen und Autoren. Zwei Preise gingen an 17 Autorinnen und Autoren. Einmal ausgezeichnet wurden 35 Autorinnen und Autoren.

Jeschke und die Kurzgeschichten

Bei einem Vergleich der beiden Spitzenreiter Jeschke und Eschbach fällt auf, dass Jeschke, der Altmeister der deutschen SF-Literatur, seine knappe Führung dem Umstand verdankt, dass er insgesamt elf Mal für eine Kurzgeschichte ausgezeichnet wurde, während Eschbach in dieser Kategorie nur zweimal punkten konnte. Weil Jeschke 2015 gestorben ist, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Eschbach sich an die Spitze der Preisträger setzt. 

Wenn man hinter die Zahlen blickt und in die Analyse einsteigt, merkt man schnell, warum das so ist: Eschbach ist einer der wenigen professionellen SF-Autoren und veröffentlicht seit mehr als 20 Jahren kontinuierlich. Für September ist sein nächster SF-Roman angekündigt, laut Verlagsvorschau ein Wälzer mit mehr als 1200 Seiten (den Preis für den dicksten deutschen SF-Roman hat er damit wohl endgültig sicher; der »Rhodan« hat auch schon 850 Seiten). Mithalten kann da nur Andreas Brandhorst, der als zweiter Vollprofi einen ähnlich hohen Output hat und, was die Zahl der Nominierungen für KLP und DSFP angeht, nicht hinter Eschbach zurücksteht. 

Frauenanteil – ein Missverhältnis

Wer ist jetzt die erfolgreichste Autorin? Diese Ehre gebührt Angela Steinmüller mit drei Preisen. Noch ein paar Zahlen zur Orientierung: Zehn der 71 mit einem Preis bedachten Personen sind Frauen. Das ist ein Anteil von 14 Prozent. Das mag angesichts des Umstands, das SF (vermeintlich) überwiegend von Männer produziert und konsumiert wird, erwartet gewesen sein. Aber nimmt man den Frauenanteil an der Zahl der verliehenen Preise, ohne Mehrfachpreisträger zusammenzufassen, ergibt sich ein Anteil von 14 zu 172 = 8,1 Prozent. Das ist ein deutliches Missverhältnis. Um das ganz plastisch auszudrücken: Andreas Eschbach ist allein häufiger ausgezeichnet worden als alle zehn Frauen zusammen. Dazu habe ich die folgende Grafik gemacht:

Everything except time travel

Another great anthology of African speculative fiction, edited by Ivor W. Hartmann. I can just recommend it.


Ivor W. Hartmann (ed.): AfroSFv3. StoryTime Publishing 2018. 233 p. ISBN 978-9198291339.


Since Zimbabwean writer and editor Ivor W. Hartmann started asking for submissions to AfroSFv4, the fourth anthology of African speculative ficiton it was time for me to read the previous antho AfroSFv3. The edition contains stories from a dozen authors, some of whom I am familiar with like T. Huchu, Wole Talabi, or Mazi Nwonwu because I have been reading African SF for a while. The spectrum of stories spans space opera, biohazard, cyberpunk, first contact, more space opera… everything except time travel.

As is not surprising with an anthology, I do not like all stories equally well. Some plots are not convincing. However, I read the book in one go. My favourite story is »Parental Control« by Mazi Nwonwu. It’s about a 16 year old guy, a legendary virtual gamer, who’s mother is an android and who meets his father for the first time. This raises a lot of questions. Another favourite is »Safari Nyota: A Prologue« by Dilman Dila about a generation spaceship in which android doppelgangers watch over their human originals who sleep in cryotanks until one day a fateful decision has to be made by one of them.

My recommendation: grab this book and shorten the waiting time until AfroSFv4 is published. You will not regret it.

Table of Contents
T. L. Huchu ‘Njuzu’
Cristy Zinn ‘The Girl who stared at Mars’
Mandisi Nkomo ‘The Emo Hunter’
Biram Mboob ‘The Luminal Frontier’
Gabriella Muwanga ‘The Far Side’
Wole Talabi ‘Drift Flux’
Stephen Embleton ‘Journal of a DNA Pirate’
Masimba Musodza ‘The Interplanetary Water Company’
Dilman Dila ‘Safari Nyota’
Mazi Nwonwu ‘Parental Control’
Andrew C. Dakalira ‘Inhabitable’
Mame Bougouma Diene ‘Ogotemmeli’s Song’

To the publisher’s website
Omenana is the only speculative fiction magazine in Africa, co-founded and edited by Mazi Nwonwu
Here’s my blog post about Afro SFv1, the first anthology of African speculative fiction ever

Eine Rubrik mit viel Zukunft

Seit Oktober 2016 erscheinen in »Spektrum der Wissenschaft« SF-Storys von deutschsprachigen Autorinnen und Autoren

Das neue Heft von  »Spektrum der Wissenschaft« ist seit ein paar Tagen raus, dieses Mal mit der Science-Fiction-Kurzgeschichte »Bleib bei mir« von Oliver Koch. Für mich ist das immer eine besondere Freude, es freut mich für die Leser und für die Autorinnen und Autoren. Denn erst im Oktober 2016 erschien zum ersten Mal eine Kurzgeschichte eines deutschsprachigen Science-Fiction-Schriftstellers in dem Wissenschaftsmagazin, »Supervision« von Norbert Stöbe. Bis dahin waren jahrelang nur Übersetzungen aus dem britischen Schwestermagazin »Nature« veröffentlicht worden. Seitdem aber wechseln sich deutsche und angloamerikanische Autoren monatlich ab. 

Bisher sind 22 deutsche Stories in der Rubrik „Futur III“ erschienen. Hier sind sie in chronologischer Reihenfolge:
»Supervision« von Norbert Stöbe
»In der Glaszsphäre« von Thorsten Küper
»Welt der Erwachsenen« von Karsten Kruschel
»UWU-XP4 macht den Turing-Test« von Norbert Stöbe
»Das Internet der Dinge« von Uwe Hermann
»Haustürverkauf« von Jacqueline Montemurri
»Homo Hohlwelt« von Uwe Post
»Späte Reue« von Andreas Eschbach
»Der Eindringling« von Uwe Hermann
»Das Versprechen« von Norbert Stöbe
»Die letzte Frage« von Frank W. Haubold
»Gesprächstherapie« von Jacqueline Montemurri
»Kurz vor Pi« von Uwe Post
»Möglicherweise ein Abschiedsbrief« von Niklas Peinecke
»Eine Frage des Geldes« von Uwe Hermann
»Im freien Fall« von Mariam Pharo
»Heimkehr« von Axel Kruse
»Der ewige Sturm« von Thomas Grüter
»Johnnie, Walker« von Sven Köpping
»Das macht er sonst nie!« Von Thorsten Küper
»Ich und ich und ich und die Zeit« von Uwe Schimunek
»Bleib bei mir« von Oliver Koch

Die meisten Storys, auch die Übersetzungen, können kostenlos als PDF heruntergeladen werden, allerdings muss man dazu umständlich im Archiv das jeweilige Heft anwählen und im Inhaltsverzeichnis ganz nach unten scrollen.

Die Autoren, die in »Futur III« veröffentlicht wurden, sind nicht irgendwelche, sondern gehören zu den besten des Genres in diesen Land. Der bekannteste dürfte Andreas Eschbach sein. Mehrere von ihnen sind mit Preisen ausgezeichnet worden, Uwe Hermann hat für die in Heft 6/2017 veröffentlichte Story  »Das Internet der Dinge« 2018 sogar gleich zwei eingeheimst, den Deutschen Science-Fiction-Preis und den Kurd-Laßwitz-Preis.

Mit einem Brief fing alles an

Ich will meinen Beitrag dazu gar nicht unter den Scheffel stellen. Das alles wäre nicht möglich geworden, wenn ich nicht Anfang 2016 einen Brief an den Chefredakteur von »Spektrum der Wissenschaft« geschrieben und ihn darauf aufmerksam gemacht hätte, dass es auch deutsche Science-Fiction-Schriftsteller gibt. Ich hatte nicht ernsthaft mit einer Reaktion gerechnet, aber schon zwei Tage später landete eine überraschende Antwort in meinem E-Mail-Postfach: Ich wurde gebeten, einige Autoren vorzuschlagen. Von den Namen, die ich nannte, stehen inzwischen viele in der Liste oben.

Norbert Stöbe, der die Premieren-Geschichte geschrieben hat, hatte ich jedoch nicht auf meiner Vorschlagsliste. Er hatte von meiner Initiative in dem Post gelesen, den ich über meinen Vorstoß für meinem Blog geschrieben hatte, und gleich zwei Storys hingeschickt. Das ist auch der Sinn dieses Beitrags: Dass sich Autorinnen und Autoren aufgefordert fühlen, Kurzgeschichten zu schreiben und einzureichen. Haut in die Tasten! Es gibt übrigens ein ordentliches Honorar. Ich vermittel gerne den Kontakt zur Redaktion, habe aber keinen Einfluss auf die Auswahl und die Veröffentlichung, und zahle weiterhin das SdW-Abo aus eigener Tasche. 

Neue Sonnen am SF-Himmel

Eine aktuelle Anthologie legt den Schwerpunkt auf »speculative fiction by people of color«.

Cover New Suns ed by Nisi Shawl

Nisi Shawl (ed.): New Suns. Original Speculative Fiction by People of Color. Solaris Books, Oxford 2019. 978-1781085783.


In der Anthologie »New Suns« sind Kurzgeschichten von Autorinnen und Autoren ganz unterschiedlicher ethnischer Herkunft – people of color – vereint. Der Titel bezieht sich direkt auf einen Ausspruch der afroamerikanischen Autorin Octavia E. Butler: »There’s nothing new under the sun, but there are new suns – Es gibt nichts Neues unter der Sonne, aber es gibt neue Sonnen.« Herausgeberin Nisi Shawl zeigt damit, wie vielfältig die englischsprachige »speculative fiction“ heutzutage ist und wie viele neue Sonnen es jenseits des Mainstreams zu entdecken gibt. Dass die Anthologie dadurch auch eine gesellschaftspolitische Haltung einnimmt, versteht sich von selbst.

Die Storys decken thematisch und stilistisch eine große Bandbreite ab. Für mich als Science-Fiction-Leser mit einem ausgeprägten Hang zu realistischen Szenarien liegen die meisten Storys jedoch nicht auf der richtigen Wellenlänge. Da erzählt beispielsweise Hiromi Goto von einer übergewichtigen Frau, der bei einer Waldwanderung plötzlich das Körperfett abhanden kommt, ein Eigenleben entwickelt und von einem sprechenden Bären im wahrsten Sinne des Wortes einverleibt wird, und Darcie Little Badger entführt uns in eine Welt, in der die Seelen der Gestorbenen eine Art körperliche Existenz haben und die Seelen Lebender kannibalisieren. Jaymee Goh erzählt von einer erotischen Beziehung zwischen einer Frau und einem Seeungeheuer. Das ist mir zu viel Mystery, klassische SF ist Mangelware. In der Auftaktstory von Tobias Buckell kommt immerhin ein Alien-Tourist vor, der in New York zwischen Flughafen und Innenstadt aus einem Flugtaxi in den Tod springt.

Andererseits habe ich die meisten Geschichten mit Vergnügen gelesen, weil sie einfach klasse geschrieben sind. Wer gerne seinen Horizont erweitern und neue Sonnen am Himmel der phantastischen Literatur entdecken möchte, kann mit »New Suns« nichts falsch machen. Vielleicht taucht die eine oder andere Geschichte ja auch mal in deutscher Übersetzung auf. Das in Oxford/GB erschienene Taschenbuch bekommt man in Deutschland bei den großen Online-Buchhändlern wie Amazon, Thalia oder Hugendubel; es empfiehlt sich, die Preise und die Lieferzeiten zu vergleichen. Selbstverständlich gibt es neue Sonnen auch als E-Book.

»New Suns« enthält Storys von Kathleen Alcala, Minsoo Kang, Anil Menon, Silvia Moreno-Garcia, Alex Jennings, Alberto Yanez, Steven Barnes, Jaymee Goh, Karin Lowachee, E. Lily Yu, Andrea Hairston, Tobias Buckell, Hiromi Goto, Rebecca Roanhorse, Indrapramit Das, Chinelo Onwualu und Darcie Little Badger.