Sven Klöpping (Hrsg.): Bullet und andere Storys aus dem MegaFusion-Universum. Sven Klöppings sternwerk @ p.machinery. Murnau 2014, 196 Seiten, Taschenbuch. 10,90 Euro. ISBN 9783957650153.
Auf einer sehr langen Bahnfahrt von Wien nach Ostfriesland hatte ich Gelegenheit, die Story-Sammlung »Bullet« in einem Rutsch zu lesen, eingerahmt von einem Perry-Rhodan-Roman des Wieners Leo Lukas und dem Anfang des SF-Klassikers »Neuromancer« von William Gibson. Ich formuliere mein Urteil mal so: Eine Geschichte von Gibson wäre in der von Sven Klöpping herausgegebenen Anthologie »aus dem MegaFusion-Universum« nicht so aufgefallen wie eine aus dem Perryversum. Continue reading „Wilde Fahrt durchs Megafusion-Universum“
Über die Neuausgabe von Hugh Walkers 40 Jahre alten Terra-Astra-Romanen »Ruf der Träume«, »Preis der Unsterblichkeit« und »Gefangene des Kosmos« unter dem Titel »Real-Phantasie« durch den Verlag Emmerich Books & Media Konstanz habe ich mich gefreut. Denn sie gehörten zu den ersten »richtigen« SF-Romanen, die ich als Jugendlicher gelesen habe, und sind mir – wenn auch nur vage – stets in Erinnerung geblieben. Vor einigen Jahren habe ich mir aus reiner Nostalgie den originalen »Ruf der Träume« bei Ebay ersteigert, den Text vorsichtig Seite für Seite eingescannt und auf meinem Kindle gelesen (ein ganz schöner Aufwand, nicht wahr?).
Ralf Boldt: Der Temporalanwalt.
Verlag p.machinery, Murnau. 188 S. 9,90 Euro.
ISBN-13: 978-3957650160.
Ralf Boldt, ein gebürtiger Norder, hat den ersten ostfriesischen Science-Fiction-Roman geschrieben. Na ja, fast. Eine Sekretärin aus Leer und der Friedhof in Pewsum spielen nur eine Nebenrolle. Temporalanwalt Hans-Jürgen Grießau ist vor allem in Oldenburg (wo Boldt arbeitet) und im Ammerland (wo er wohnt) tätig. Dort, im Moor von Husbäke, lässt der geheimnisvolle Harm Meesters die Temporalkuppel bauen, ein Institut zur Erforschung der Zeitreise.
Wie es in Zeitreise-Romanen so ist, ist bald nichts mehr so, wie es scheint. Das muss auch Temporalanwalt Grießau feststellen. Zuerst kümmert er sich nur um die juristischen Fallstricke für seinen neuen Auftraggeber, aber dann wird er immer weiter in ein undurchsichtiges Spiel gezogen, ohne wirklich etwas zu begreifen – vor allem, als plötzlich immer wieder eine Frau in Schwarz wie aus dem Nichts auftaucht und genauso so schnell wieder verschwindet, kommt er nicht mehr mit.
Das ist die Schwäche des schön ausgeklügelten Plots, der so manche Überraschung bietet: Grießau ist passiv, nur ein Beobachter, ein Manipulierter, er nimmt nie das Heft des Handelns in die Hand. Das spektakulärste Abenteuer, eine missglückte Zeitreise, die einen Mitarbeiter aus der Temporalkuppel im Jahr 300 fast in einem frühgermanischen Dorf stranden lässt, verfolgt Grießau in einer Videoaufzeichnung.
Aber dem Unterhaltungswert des Debüts von Ralf Boldt tut das keinen Abbruch. Der Roman ist kurz (188 Seiten), flott zu lesen und mit einer ordentlichen Prise Heimatduft gewürzt. Was will man mehr?