Wiedersehen mit Jonas, dem Wal

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Das Titelbild des »Fluke«-Sonderhefts

Älteren unter uns wird es vielleicht so gehen wie mir: Ich erinnere mich ganz, ganz vage daran, als Kind einen präparierten Wal auf einem Lastwagen gesehen zu haben. Diese Erinnerung hat jetzt eine Bestätigung bekommen, dank einer Gruppe engagierter Walforscher und -sammler.

In einer Anfang dieses Jahres erschienenen Sonderausgabe der Zeitschrift »Fluke« geht es um »Reisende Walschaustellungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts«. Darin wird auf 64. Seiten über drei präparierte Finnwale – Jonas, Goliath und Mrs. Haroy – berichtete, die von der Mitte der 1950er bis in die Mitte der 1970er Jahre in zahlreichen europäischen Städten  zur Schau gestellt wurden. Continue reading „Wiedersehen mit Jonas, dem Wal“

Das Kind braucht einen Namen: Teil 2

nachnamenAls Verfasser literarischer Texte kommt man schnell an den Punkt, an dem man seinen Figuren Namen geben muss. Das ist fast wie bei der Geburt eines Kindes. Den Namen wird die Figur ebenso wie das Kind ein Leben lang mit sich tragen, also übernimmt man als Autor jede Menge Verantwortung. Manche werden dieser Verantwortung gerecht, andere scheitern.

Wie im richtigen Leben gibt es bei der Namensgebung für eine literarische Figur keine verbindlichen oder einfachen Regeln. Ob jemand sein Kind Charlotte oder Chantal nennt, ist Geschmackssache und muss jeder selbst wissen. Die Entscheidung fällt allerdings im richtigen Leben nicht im luftleeren Raum, sondern ist von vielen Einflüssen abhängig. Es kann keinem Schriftsteller schaden, solche Regeln zu kennen (und sie gegebenenfalls zu ignorieren). Eine falsche Namenswahl kann einer Geschichte Schaden zufügen.

Der Beitrag hat mehrere Teile.

Teil 2: Familiennamen

Familiennamen wurden in Deutschland zu ganz unterschiedlichen Zeiten eingeführt. Ein einheitliches Namensrecht und die standesamtliche Eintragung des Namens gibt es erst seit 1875. Continue reading „Das Kind braucht einen Namen: Teil 2“

Geniale Kurzgeschichten zum Staunen

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© by Golkonda Verlag 🔗

Ted Chiang: Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes. Golkonda-Verlag 2012, 182 Seiten, 14,90 Euro. ISBN 978-3-942396-12-7

Ted Chiang: Das wahre Wesen der Dinge. Golkonda-Verlag 2014. 284 Seiten. 16,90 Euro. ISBN 978-3-944720-17-3

Es bleibt einem kaum etwas anderes übrig, als in die Lobeshymnen 🔗 auf Ted Chiang einzustimmen. Er ist einfach gut. Nachdem ich zwei, drei verstreute Geschichten von ihm gelesen hatte, mussten es jetzt die Anthologien aus dem Golkonda-Verlag 🔗 sein.

Chiang schreibt völlig unprätentiös, sein Stil ist einfach, aber alles andere als schlicht. Er verwendet kein Wort mehr als nötig; Beschreibungen sind nicht sein Ding, die lenken nur ab. Wenn in seinen Geschichten eine Person einen neuen Raum betritt, dann steht das auch einfach so da. Es bleibt dem Leser überlassen, sich die Umgebung vorzustellen. Continue reading „Geniale Kurzgeschichten zum Staunen“