Wo liegt Ostfriesland?

Über die geografische Lage von Ostfriesland herrscht oft Unklarheit. Das liegt an der verwirrenden Namensvielfalt.

Karte Ostfriesland Friesland
Friesland heißen viele Landstriche in Deutschland und in den Niederlanden.

Wo liegt eigentlich Ostfriesland? Was ist das für eine Frage, wundert sich der Einheimische. Aber tatsächlich ist im übrigen Deutschland die Kenntnis über die geografische Lage dieser Region eher gering. Antworten wie »in Schleswig-Holstein« oder »an der Ostsee« sind eher die Regel als die Ausnahme. Im Grunde ist die Antwort ganz einfach, aber eine Reihe ähnlicher Namen sorgt für Verwirrung.

Ostfriesland liegt im äußersten Nordwesten von Niedersachsen an der Nordseeküste. Im Westen grenzt es an die Niederlande. Zu Ostfriesland gehören die Landkreise Aurich, Leer und Wittmund, die kreisfreie Stadt Emden sowie sechs der sieben bewohnten Ostfriesischen Inseln: Baltrum, Borkum, Juist, Langeoog, Norderney und Spiekeroog.

Das ist das Gebiet der alten Grafschaft Ostfriesland, die 1744 nach dem Tod des letzten Grafen Carl Edzard Provinz des Königreichs Preußen wurde. Anschließend gehörte Ostfriesland zeitweise zu Frankreich (1806 bis 1815), zum Königreich Hannover (bis 1866) und wieder zu Preußen (bis 1945). Ostfriesland ist etwa 3415 Quadratkilometer groß. Dort lebt knapp eine halbe Million Menschen. Viele von ihnen sprechen Niederdeutsch (Plattdeutsch).

Jedoch werden die Begriffe Friesland und friesisch mehrfach für unterschiedliche Gebiete und Zwecke sowie in unterschiedlichen Schreibweisen verwendet. So heißt eine offenbar recht populäre ZDF-Krimireihe »Friesland« (seit 2014), obwohl sie tatsächlich in Ostfriesland, in der Stadt Leer, spielt.

Hier zur Klarheit die (hoffentlich) vollständige (alfabetisch sortierte) Übersicht:

  • Historisch gesehen ist Friesland das ehemalige Siedlungsgebiet der Friesen, einer germanischen Bevölkerungsgruppe. Es reichte etwa von der Mündung des Rheins bis zur Ems. Östlich davon siedelten die Chauken. Die Friesen (»Frisii«) waren bereits den Römern vor 2000 Jahren bekannt. Von ihnen stammen die ersten schriftlichen Erwähnungen und auch die Einteilung in verschiedene Bevölkerungsgruppen.
  • Friesland  ist außerdem sowohl der Name einer niederländischen Provinz (Fryslân auf Friesisch) mit der Hauptstadt Leeuwarden als auch der eines Landkreises im heutigen Niedersachsen (seit 1939; Kreisstadt ist Jever, das KFZ-Kennzeichen FRI), der an den ostfriesischen Landkreis Wittmund grenzt, aber nicht zu Ostfriesland gehört. Friesland heißt außerdem ein Stadtteil von Emden, der Anfang des 20. Jahrhunderts als Siedlung für Werftarbeiter angelegt wurde.
  • Fri(e)sland ist der Name einer sogenannten Phantom-Insel im nördlichen Atlantik, die erstmals im 16. Jahrhundert auf einer Karte auftauchte. Aber das nur am Rande.
  • Friesische Wehde ist die Bezeichnung für eine Landschaft und frühere Gemeinde im Landkreis Friesland.
  • Nordfriesland ist das Küstengebiet nördlich des Flusses Eider bis zur Insel Sylt sowie der Name des dort gelegenen Landkreises in Schleswig-Holstein (Kreisstadt Husum, KFZ-Kennzeichen NF). Zu Nordfriesland gehören die Nordfriesischen Inseln sowie die Insel Helgoland. Das Gebiet wurde im 9. Jahrhundert von eingewanderten Friesen besiedelt.
  • Als Nordfriesische Inseln wird eine Gruppe von Inseln bezeichnet, die der Nordsee-Küste von Schleswig-Holstein vorgelagert ist. Sylt ist die nördlichste und größte dieser Inseln. Im Unterschied zu den Ostfriesischen Inseln, die sich vor etwa 2000 Jahren aus Sandbänken entwickelt haben, handelt es sich bei den Nordfriesischen Inseln um ehemaliges Festland, das im Mittelalter durch mehrere schwere Sturmfluten umgestaltet wurde. Der Weststrand von Sylt ist Teil der ehemaligen Küstenlinie.
Das Wappen des Fürstentums Ostfriesland
  • Ostfriesische Halbinsel ist der geografische Name für das Gebiet zwischen der Emsmündung im Westen und dem Jadebusen im Osten. Ein Teil dieses Gebietes gehört historisch und politisch zum eigentlichen Ostfriesland, der östliche Teil zum Land Oldenburg. Außerhalb der Region werden die Begriffe Ostfriesische Halbinsel und Ostfriesland häufig synonym verwendet.
  • Als Ostfriesische Inseln bezeichnen Geografen eine der niedersächsischen Nordseeküste vorgelagerte Inselkette aus sieben bewohnten und drei unbewohnten Düneninseln. Acht davon gehören zu Ostfriesland; sie sind gemeint, wenn von den ostfriesischen Inseln (mit kleinem o) die Rede ist.  Wangerooge, die östlichste Insel, ist oldenburgisch und gehört politisch zum Landkreis Friesland. Die beiden unbewohnten ostfriesischen Inseln heißen Lüttje Hörn und Memmert; das Inselchen Minsener Oog liegt östlich von Wangerooge. Die unbewohnten Inseln dürfen aus Naturschutzgründen nicht betreten werden.
  • Ostfriesland ist, wie gesagt, ein Landstrich im Nordwesten von Niedersachsen.
  • Gelegentlich liest man den Begriff Ost-Friesland. Das ist eine inoffizielle Bezeichnung, die verwendet wird, wenn Ostfriesland mit dem benachbarten Kreis Friesland und der kreisfreien Stadt Wilhelmshaven sowie dem oldenburgischen Landkreis Ammerland zusammen gemeint ist. Meistens geht es dann um gebietsübergreifende Zusammenarbeit etwa in der Wirtschaft, im öffentlichen Personennahverkehr oder im Fremdenverkehr.
Wappen von Fryslân (ndl. Provinz Friesland)
Das Wappen von Fryslân (ndl. Provinz Friesland)
  • West-Friesland ist der offizielle Name einer Region in der niederländischen Provinz Noord-Holland; in Deutschland wird mit Westfriesland allerdings die Provinz Friesland (Fryslân) bezeichnet, die aber nicht an Ostfriesland grenzt (dazwischen liegt die Provinz Groningen, die im 16. Jahrhundert kurzzeitig vom ostfriesischen Grafen Edzard I. annektiert worden war). Die Hauptstadt von Fryslân – Leeuwarden, auf Frieisch Ljouwert – war Europäische Kulturhauptstadt 2018.
  • Die Westfriesischen Inseln westlich von Borkum gehören zur selben Inselkette wie die Ostfriesischen Inseln. Politisch zählen die Inseln zu den drei niederländischen Provinzen Groningen, Friesland und Noord-Holland. In den Niederlanden werden sie Waddeneilanden (Watteninseln) genannt.
  • Den Ortsnamen Friesenheim gib es dreimal in Deutschland und einmal in Frankreich. Alle vier Ortschaften liegen am oder nahe am Oberrhein und sind vermutlich während der fränkischen Landnahme im achten Jahrhundert entstanden. Der Ortsname leitet sich vermutlich von dem männlichen Vornamen Fris(c)o ab und hat mit Ostfriesland nichts zu tun.

Wer wissen will, wie man nach Ostfriesland kommt, kann sich hier schlau machen

Dieser Post wurde am 12.5.2019 ergänzt und aktualisiert.

Ostern am Plytenberg

Die Ostfriesen pflegen ihr Brauchtum. Am Ostermontag machen sie sich über die Eier her.

Eiertrullen Mandaag
Der Plytenberg an einem Ostermontag

Ostermontag ist in Ostfriesland »Eiertrullen Maandag«. Diese Tradition, die fast in Vergessenheit geriet, wird seit einigen Jahren am Plytenberg, einem künstlichen Hügel am westlichen Stadtrand von Leer, auf Initiative des Heimatvereins wieder gepflegt. Dann stehen die Erwachsenen auf dem Hügel und werfen hartgekochte Eier runter, die von den Kindern am Fuß des Plytenbergs aufgefangen werden sollen.

Eiertrullen Mandaag
Burghardt Sonnenburg, Leiter des Heimatmuseums, beim »Eiersmieten«
Wo Ostfriesland liegt, erkläre ich hier.

Ein anderer alter Brauch ist das »Eierbicken«: Zwei Personen schlagen je ein Ei gegeneinander. Der, dessen Ei heile bleibt, bekommt das andere und kann es essen.

Erweitert werden diese traditionellen Formen am Plytenberg durch das »Eiersmieten« (das Ei steckt dabei in einem Strumpf und wird auf Weite geworfen) und das bekannte Eierlaufen, bei dem die Kontrahenten ein Ei auf einem Löffel balancieren müssen.

Eiertrullern 2019: Treffpunkt ist am Ostermontag, 22. April, um 11.30 Uhr an der Großen Bleiche. Von dort geht es gemeinsam singend zum Plytenberg, wo das Spektakel um 12 Uhr beginnt.

Ein viel weiter verbreitetes Brauchtum als das »Eiertrullen« oder »Eierbicken« ist in Ostfriesland das Abbrennen des Osterfeuer. Am Sonnabend werden es wieder Tausende sein, die nicht nur die Menschen zum Feiern anlocken, sondern auch die Umwelt mit einer kräftigen Feinstaubgabe versorgen.

Dieser Post wurde am 18.4.2019 ergänzt und aktualisiert.

Kluge Dialoge, glaubwürdige Figuren

Lothar Englert: Die holländische Brille. Leda-Verlag Leer 2012. 288 S. 9,90 Euro. ISBN 9783939689515

Ich war skeptisch und habe deshalb auch lange gezögert, dieses Buch zu lesen: einen Roman über eine historische Figur und einen besonders wichtigen Zeitabschnitt in der Geschichte Ostfrieslands. Fast alle historischen Romane, die ich gelesen habe, haben mich, gelinde gesagt, enttäuscht. Aber weil ich mich seit langem immer wieder einmal mit David Fabricius beschäftigt habe, kam ich an dieser Lektüre nicht vorbei. Und sie hat sich gelohnt. Continue reading „Kluge Dialoge, glaubwürdige Figuren“

Die Novemberrevolution in Leer

Vor 100 Jahren ist der Erste Weltkrieg zu Ende gegangen. Als das Volk nach vier Jahren erschöpft war und die Soldaten zu Hunderttausenden verreckt waren, brach das deutsche Kaiserreich zusammen und eine neue Epoche beganng. Überall in Deutschland übernahmen Arbeiter- und Soldatenräte für kurze Zeit die Kontrolle und versuchten, Chaos zu verhindern. Auch in der ostfriesischen Kleinstadt Leer. Davon handelt mein historisches Sachbuch »Die Novemberrevolution. Leer unter dem Arbeiter- und Soldatenrat«.
Aus Anlass des Jubiläums gibt es eine zweite, durchgesehene Ausgabe. Die Änderungen gegenüber der Ausgabe von 2007 sind marginal.

Zum Inhalt:

In der ostfriesischen Kleinstadt Leer hat sich, wie in vielen anderen Städten Deutschlands, am 9. November 1918 ein Arbeiter- und Soldatenrat gebildet. Unter der Führung des Tischlergesellen und Gewerkschafters Conrad Bruns bestimmte er bis März 1919 die Geschicke in der Stadt. Arbeiter, in der Leer stationierte Soldaten und Teile des Bürgertums versuchten in Zusammenarbeit mit dem städtischen Magistrat als Revolutionäre wider Willen, in der Stadt „Ruhe und Ordnung“ aufrechtzuerhalten, nachdem der Krieg verloren gegangen und die Monarchie zusammengebrochen war.

Gleich zu Beginn seines Buches räume ich mit einem weit verbreiteten Irrtum auf. Nicht aus Wilhelmshaven, wo die Meuterei der dort stationierten Marineeinheiten den Sturz des Regimes ausgelöst hatte, kam die „deutsche Revolution“ nach Leer. Es war der Emder Arbeiter- und Soldatenrat, der bei den ostfriesischen Nachbarn Geburtshilfe leistete und selbst wiederum von den Umstürzlern im Marinestützpunkt Kiel beeinflusst war.

Vier Monate dauerte die Herrschaft des Arbeiter- und Soldatenrates. In dieser Zeit wurden auch in Leer die Grundlagen für die Demokratisierung der Gesellschaft gelegt. Ausführlich gehe ich unter anderem auf die Parteienbildung nach dem Krieg sowie die Wahl zur verfassunggebenden Nationalversammlung ein und lege dabei alle Wahlergebnisse für die Stadt und die übrigen Gemeinden des damaligen Kreises Leer vor.

Das Buch ist bei Books on Demand im Selbstverlag erschienen. Es kann direkt dort, über den örtlichen oder den Online-Buchhandel  (zum Beispiel bei der Autorenwelt) bestellt werden.

Norbert Fiks
Die Novemberrevolution.
Taschenbuch, 132 Seiten
8,95 Euro
ISBN-10: 3837001237
ISBN-13: 978-3837001235
Gibt es bald auch als E-Book zum Preis von 5,99 EUR.

Unterwegs im Hammrich

Im Holter Hammrich

Heute haben wir eine Fahrrad- und Birdspotting-Tour durch das Overledinger Land und den Holter Hammrich gemacht. Das Overledinger Land ist die Gegend im Süden Ostfrieslands, und als Hammrich werden die Niederungsgebiete an den Flüssen bezeichnet, meistens eine weite, mit wenigen Bäumen bestandene Landschaft, die nur am Rande bewohnt ist.

Unsere Birdspotting-Quote (mit bloßem Auge): ein Paar Schwäne, ein Falke, ein, zwei Feldlerchen, eine Rohrammer, Bachstelzen (hierzulande als Ackermanntje bekannt), zwei Kiebitze, eine Uferschnepfe, ein Graureiher, Austernfischer, Schwalben, jede Menge Möwen und Krähen.

Gefahren sind wir bei strahlend blauem Himmel und sommerlichen 28 Grad gut 30 Kilometer, mit einer Pause in Holte (Erfrischung im Holter Wienkeller).