Er war schon ein Fall für sich

Retro-SF: Kurt Brands Roman »Kolumbus der Milchstraßen« ist auch nach fast 60 Jahren lesenswert. Das liegt an der unkonventionellen Erzählweise.

»Kolumbus der Milchstraßen« ist ein Roman von Kurt Brand. Er erschien 1963 im Moewig-Verlag.

Einige Bemerkungen von Hans Frey1 über den deutschen SF-Schriftsteller Kurt Brand (1917-1991) haben mich dazu bewogen, seinen Heftroman »Kolumbus der Milchstraßen« (Terra 301 von 1963) aus dem »Weltraumreporter«-Zyklus zu lesen. Ich hatte vor ewigen Zeiten seine Perry-Rhodan-Romane aus den 1960er Jahren gelesen, konnte damit aber nichts besonderes verbinden. Von Brand wusste ich nur, dass seine Romane als unkonventionell galten, er im Streit aus dem PR-Autorenteam ausgeschieden und mit Konkurrenz-Serien wie »Ren Dhark« und »Raumschiff Promet« gescheitert war.

In der Wikipedia heißt es über Kurt Brand: Die Mischung aus verrückten Ideen, bizarren, häufig nur angedeuteten Settings und einer sehr idiosynkratischen Schreibweise – die sich teilweise wenig um die Regeln deutscher Grammatik scherte – wie sie für so ziemlich alle seine Werke typisch war, stieß fast ebenso häufig auf vehemente Kritik wie auf begeisterte Zustimmung. Auch Kritiker gestanden Brand zu, dass er sich immer deutlich vom ›Einheitsbrei‹ deutscher Leihbuch- und Heft-SF abgehoben hat. Das kann man fraglos ohne Abstriche auch über »Kolumbus der Milchstraßen« sagen.

Held der zehnteiligen »Weltraumreporter«-Reihe ist der 24 Jahre alte Yal (ich weiß gar nicht, ob der einen Nachnamen hat), der für die 1. Planetary Press Corporation schreibt. Die 1. PPC ist ein in Terra-City angesiedeltes, galaxisweit agierendes Medienkonzern. Der Galaktischen Förderation gehören 28.000 Welten an, überlichtschnelle Raumfahrt in einem Radius von 50.000 Lichtjahren ist in Vals Welt so selbstverständlich wie für uns (vor Corona) der Wochenend-Shoppingtrip nach New York. Mächtiger als die 1. PPC ist nur noch die Stellare Abwehr.

Rückkehr aus Andromeda

Yal ist eines Tages dabei, wie der titelgebende »Kolumbus der Milchstraßen«, Pronc Lohtt, mit seinem Raumschiff »Star« von einer spektakulären Reise zur Erde zurückkehrt. Lohtt hat den drei Millionen Lichtjahre entfernten Andromedanebel besucht. Möglich machte das eine vom ihm erfundene Technik, die die Eigenrotationsgeschwindigkeit des Weltalls ausnutzt, um praktisch in Nullzeit Abermillionen von Lichtjahren zu überwinden (eine bizarre »Theorie«). Ein paar Tage später liegt Lohtt tot in einem Hotelzimmer. Die Leiche ist aber nur ein Bio-Strukt, eine organische Hülle, die Lohtt wahrscheinlich von seiner Reise mitgebracht hat.

Yal und seine Kollegen werden auf den Fall angesetzt und sollen Licht ins Dunkle bringen, möglichst bevor die Stellare Abwehr dahinterkommt. Er hat bald den Verdacht, dass der Inhaber des größten Tourismusunternehmens der Galaxis, Amer Meso, seine Finger im Spiel hat. Meso hat Lohtts Schiff finanzinert und auf seiner Werft bauen lassen. Bei dem Versuch, Meso aufzuspüren, wird Yal von dessen Leuten entführt und in einem kleinen Raumschiff, das mit dem Lohtt-Tor (so heißt das geheimnisvolle Aggregat) ausgestattet ist, in eine andere Galaxis verfrachtet.

Als Yal bei dem Versuch, das Raumschiff unter seine Kontrolle zu bringen, endgültig die Orientierung verliert, kommt unerwartete Hilfe von fremden Raumschiffen. Ihnen entsteigen fünf originalgetreue Ebenbilder Yals! Es stellt sich heraus, dass die Außerirdischen in künstlichen Körpern aus Bio-Strukt vor ihm stehen, die sie nach seinem Vorbild geformt haben. Sie wurden durch den Lohtt-Tor angelockt, der ein »Störsender von universaler Reichweite« ist. Damit haben sie auch Lohtts »Star« aufgespürt, mit dessen Hilfe Artgenossen von ihnen als Lohtt-Kopien zur Erde gelangten.

Die Aliens sorgen dafür, dass Yal in die heimatliche Milchstraße zurückkehren kann. Dort gelingt es ihm, Amer Meso mit Unterstützung der Stellaren Abwehr in die Enge zu treiben und seine geheimen Machenschaften zu enthüllen: Mit Hilfe des Lohtt-Tors wollten Meso und Lohtt einen ganzen Planeten entführen und sich zu Diktatoren von Millionen von Menschen aufschwingen.

Kein strahlender Held

Der Plot ist nun nicht besonders originell, bietet dem Leser aber die eine oder andere Überraschung. Yal ist kein strahlender Romanheld. Von Technik hat er keinen blassen Schimmer, was ihn immer wieder in Schwierigkeiten bringt, er nimmt kein Blatt vor den Mund, ist aber manchmal bis zur Dämlichkeit naiv, hat ein gutes Herz und zeigt viel Empathie (also eine Figur, die unsereins gut versteht). Andere Figuren sind nur Randerscheinungen ohne Profil und Eigenschaften. Auf sie verschwendet Brand nicht viel Mühe.

Der Roman ist durchgehend im Präsens geschrieben, und zwar abwechselnd aus der Ich-Perspektive Yals und in auktorialer Erzählweise. Diese eindringliche Form ist, wie aus Freys Ausführungen hervorgeht, auch für die anderen »Weltraumreporter«-Romane typisch und sorgt für einen ganz eigentümlichen Ton. Dabei schert sich der Autor wenig um Erzählkonventionen. Er schweift manchmal unmotiviert ab, verliert sich in absoluten Nebensächlichkeiten, nur um im nächsten Augenblick wieder mitten im Getümmel zu landen. Der Erzähler spricht sogar manchmal den Leser direkt an oder kommentiert seinen Schreibprozess. An einer Stelle sieht der Leser neun Striche »– – – – – – – – –« und danach die Erklärung: »Die letzte Leerzeile ist kein Satzfehler, lieber Freund. Können Sie etwas ausdrücken, wenn Sie weder in der Lage sind, zu sprechen noch zu denken?« (S. 27). So etwas habe ich noch in keinem Heftroman gesehen.

Mir hat der Roman wegen dieser unkonventionellen Erzählweise gut gefallen. Er ist deshalb viel interessanter als die übliche Heftroman-Massenware aus dieser Zeit. Ob ich nur deshalb allerdings weitere Brand-Romane lesen werde, glaube ich nicht. Dank Frey weiß ich nämlich, dass diese Unkonventionalität zumindest für die übrigen »Weltraumreporter«-Romane Methode hatte, sich also bloß wiederholt.

Als Experte in Sachen Christoph Kolumbus – deshalb hatte ich mir den Roman überhaupt zugelegt – kann ich mir eine Bemerkung nicht verkneifen: Schon im allerersten Satz des Romans ist ein sachlicher Fehler. Dort heißt es, dass Kolumbus am 12. Oktober 1492 Kuba und Haiti entdeckte. An dem Tag ist Kolumbus mit seinen Leuten auf einer Bahamas-Insel an Land gegangen. Die Inseln Kuba und Hispaniola (deren westlichen Teil die Republik Haiti einnimmt) wurden erst Ende Oktober beziehungsweise Anfang Dezember »entdeckt«.

»Entenjagd« als Zugabe

Überrascht wurde ich am Ende des Romanhefts davon, dass als Zugabe eine Kurzgeschichte von Frederik Pohl abgedruckt war: »Entenjagd«, im Original »Punch«, erschienen 1961 im »Playboy«.

  • »Kolumbus der Milchstraßen« erschien 1963 als #301 in der Reihe »Terra Utopische Romane« im Moewig-Verlag. Weitere Ausgaben: 1983 zusammen mit »Der Ewige«, dem ersten »Weltraumreporter«-Roman, als Bastei-Taschenbuch sowie 2000 im Mohlberg-Verlag.

1 Hans Frey: Optimismus und Overkill. Berlin 2021, S. 403 f.

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Mehr als eine Handvoll Sternenstaub

Vor 60 Jahren erschien »Unternehmen Stardust«, der erste PERRY RHODAN-Roman. Er hat die Entwicklung der Science-Fiction in Deutschland bestimmt.

In 60 Jahren ist »Unternehmen Stardust« in zahlreichen Auflagen und Ausgaben erschienen.

Heute vor 60 Jahren, am 8. September 1961, erschien beim Münchner Arthur Moewig-Verlag der erste PERRY RHODAN-Roman, »Unternehmen Stardust« von Karl-Herbert Scheer. Mit diesem 64 Seiten umfassenden Science-Fiction-Heft begann eine beispiellose Erfolgsserie. Seitdem ist Wochen für Woche ohne eine einzige Unterbrechung ein Roman erschienen. Das macht PERRY RHODAN zum größten literarischen Werk überhaupt. Allein die wöchentliche Hauptserie kommt auf mehr als 200.000 Seiten Umfang. Jemand hat kürzlich gezählt und herausgefunden, dass einschließlich aller Spin-Offs, Taschenbuch- und sonstigen Ausgaben 5000 verschiedene Romane geschrieben wurden.

Ich habe »Unternehmen Stardust« lange Zeit für nicht mehr als einen ordentlich geschriebenen Auftaktroman gehalten. Die Handlung ist schnell zusammengefasst. Der amerikanische Astronaut Perry Rhodan und seine Mannschaft fliegen mit der »Stardust« als erste Menschen zum Mond. Dort entdecken sie das havarierte Raumschiff einer außerirdischen Großmacht, der menschenähnlichen Arkoniden. Mit dem an Leukämie erkrankten Arkoniden Crest kehrt die »Stardust« zur Erde zurück. Sie landet aber nicht in den USA, sondern in der Wüste Gobi. Wie Rhodan dort einen Miniaturstaat, die Dritte Macht, etabliert und mit Unterstützung der technisch weit überlegenen Arkoniden und Helfern aus aller Welt seinen Einfluss bis in das 34.000 Lichtjahre entfernte Arkon-System ausweitet, schildern die nächsten Bände.

Das allein hätte für eine Erfolgsgeschichte, die unmittelbar einsetzte, nicht gereicht. In »Unternehmen Stardust« steckt viel mehr. Scheer und Mit-Chefautor Walter Ernsting alias Clark Darlton verorteten die Handlung nicht in einen ferneren, unbestimmten Zukunft, sondern nur ein paar Jahre von der Gegenwart entfernt (das Startdatum für die Mondfahrer, 19. Juni 1971, hatte Scheer schon im ersten Exposé vom Februar 1961 festgelegt; an diesem Tag würde er seinen 33. Geburtstag feiern).  Die Blockkonfrontation – hier auf den Gegensatz Westen/Asien (=“gelbe Gefahr“) reduziert – und die Gefahr eines atomaren Weltkriegs spielen eine Rolle,  und das im Roman geschilderte Raumfahrtprogramm nimmt organisatorische und technische Anleihen an echten Raumfahrtprogrammen.

Der Roman gibt ein Versprechen

Wenige Monate vor Heft 1 war Juri Gagarin als erster Mensch ins All geflogen, und US-Präsident John F. Kennedy hatte in einer Rede vor dem Kongress das Ziel ausgegeben, noch  vor Ablauf des Jahrzehnts »einen Mann auf dem Mond zu landen und ihn sicher zur Erde zurückzubringen«. Im Roman herrschte also ein gewisser Realismus, der die überwiegend jungen Leser in ihrer Gegenwart abholte und zu einem großen Abenteuer mitnahm. Der Roman gab ein Versprechen ab. Das fehlte vielen SF-Romanen der Nachkriegszeit, in denen die Mondraketen von genialen Ingenieuren oder extravaganten Multimilliardären auf die Reise geschickt wurden. Interessanterweise kommt die Serie anfangs ohne den klassischen Bösewicht aus.

Das Faszinosum funktioniert noch immer, obwohl inzwischen Neil Armstrong und einige seiner Astronauten-Kollegen den Fuß auf den Mond gesetzt und nichts als Mondstaub gefunden haben. Aber es hätte doch sein können… und vielleicht waren sie nur nicht an der richtigen Stelle (und die Arkoniden warten dort immer noch).

Inzwischen bin ich der Auffassung, dass »Unternehmen Stardust« einer der wichtigsten, vielleicht sogar der wichtigste deutschen SF-Roman überhaupt ist (nicht zu verwechseln mit »der beste«, das ist er definitiv nicht). Er hat den Grundstein für den unglaublichen Erfolg der PERRY RHODAN-Serie gelegt, die die Entwicklung der SF in Westdeutschland bestimmt hat, und das Leben vieler Menschen beeinflusst. Die Serie hat nicht wenige Leser dazu angeregt, sich technischen oder naturwissenschaftlichen Berufen zuzuwenden oder selbst den Schriftstellerberuf zu ergreifen. Von welchem einzelnen literarischen Werk kann man das schon sagen?

In der literarischen Schmuddelecke

PERRY RHODAN im besonderen und die Heftromane im allgemeinen haben aber auch dazu beigetragen, dass Science Fiction in Deutschland lange Zeit in der literarischen Schmuddelecke verortet wurde – nicht nur, weil tatsächlich vieles grottenschlecht war, was auf den Markt geworfen wurde, sondern auch, weil sie den Maßstäben selbstgefälliger Kritiker nicht gerecht wurde. Die Lage hat sich zwar seit den 60er und 70er Jahren, als die PERRY RHODAN-Serie von links angegriffen und als »faschistoid« diffamiert wurde, deutlich gebessert, ist aber noch um einiges von dem Stellenwert entfernt, den das Genre in den USA und anderen Ländern hat.

John Scalzi etwa, ein SF-Autor par excellence, hat von seinem Verlag einen Zehn-Millionen-Dollar-Vertrag bekommen, und SF-Titel tummeln sich regelmäßig auf den einschlägigen Bestsellerlisten zum Beispiel der New York Times. Im deutschen Sprachraum, stellte der ausgewiesene SF-Experte Franz Rottensteiner vor wenigen Jahren fest, sei die Gattungsbezeichnung SF oder Fantasy »einem wirklich großen Erfolg eher hinderlich«. Die großen Verlage schreiben lieber »Thriller« oder einfach »Roman« auf den Umschlag. Verkauft sich besser. Es ist allerdings müßig, sich zu fragen, ob das ohne PERRY RHODAN anders gelaufen wäre.

Vergeblicher Versuch mit Kurzgeschichten

Retro-SF: 1976 erschien in der Terra-Astra-Heftromanreihe die Anthologie »Der Dreiköpfige«. Sie versprach die besten Stories junger deutscher Science-Fiction-Autoren.

Die Anthologie »Der Dreiköpfige« erschien 1976 in der Heftroman-Reihe Terra Astra.

Selbstbewusst, man könnte es aber auch großspurig nennen, hat Herausgeber William Voltz die 1976 erschienene Anthologie »Der Dreiköpfige« (Terra Astra 267) im Vorwort als die »erste[n] SF-Anthologie deutscher Nachwuchsautoren« bezeichnet. Die Betonung liegt wohl auf Nachwuchsautoren, denn selbstverständlich hat es bereits vorher Science-Fiction-Anthologien mit Kurzgeschichten deutscher Autorinnen und Autoren gegeben. Aber nicht so viele, wíe man vielleicht glauben könnte, wenn man nur die heutige Anthologie-Landschaft kennt. Deshalb ist »Der Dreiköpfige« schon etwas Besonderes.

Anfang der 1970er Jahre muss in der deutschen Verlagsszene ein Umdenken stattgefunden haben, denn nun erschienen erstmals in erwähnenswerten Umfang Anthologien mit SF-Kurzgeschichten deutscher Autoren und Autorinnen. Für diese Erzählform gab es bis dahin kaum reguläre Veröffentlichungsmöglichkeiten. Wer Kurzgeschichten veröffentlichen wollte, war auf Fanzines angewiesen oder musste auf einen Platz in einer genrefremden Publikation hoffen.

Das entscheidende Jahr war 1974. Im Januar erschien der erste von Wolfgang Jeschke herausgegebene »Heyne Science Fiction Story Reader« mit neun Kurzgeschichten – acht Übersetzungen und der Story »Mißverständnis oder Vorsicht mit Nichtrauchern« von Herbert W. Franke. Jeschke war selbst ein ausgesprochener Kurzgeschichten-Verfasser. Auch in den folgenden 20 Readern und anderen Heyne-Anthologien fanden die Leser Storys deutscher Autoren und Autorinnen. Der Fischer-Verlag schloss seine Fischer-Orbit-Reihe im Herbst ’74 mit einer Anthologie mit dem schnöden Titel »Science Fiction aus Deutschland« ab, die erste überhaupt (wenn man einmal von der Anthologie »Lockende Zukunft« von 1957 absieht, die für die Mitglieder des Science-Fiction-Clubs Deutschland gedacht war). 1975 wurde »Der Mann vom Anti« als erste SF-Anthologie in der DDR veröffentlicht.

Eine Chance für Rhodan-Leser

Da wollte wohl auch die Verlagsgruppe Pabel-Moewig, führend in Sachen SF-Heftromane, nicht hinten anstehen. Voltz hatte schon ab 1974 gelegentlich Leser-Storys auf der Leserbriefseite der Perry-Rhodan-Serie, die er betreute, veröffentlich. Womöglich griff er für die Anthologie auf solche Kurzgeschichten zurück. »Der Dreiköpfige«, der auf der Titelseite »[d]ie besten Stories junger deutscher SF-Autoren« verspricht, enthält sechs Kurzgeschichten. Die Titelstory ist vom Herausgeber selbst (der selbstverständlich kein Nachwuchsautor mehr war). Es handelt sich für alle Jungautoren um deren erste »ordentliche« Veröffentlichung außer bei Horst Hoffmann.

Auf die einzelnen Geschichten will ich nicht näher eingehen, die Anthologie hat nicht ohne Grund keine Spuren hinterlassen. »Silver« von Gerda Mott könnte man sich aber heute noch problemlos in einer Anthologie vorstellen. In der kurzen, humorvollen Geschichte lässt eine Familie sich eine mechanische Kuh andrehen, in der künstliche Organe wie bei einer richtigen Kuh Futter verwerten und Milch erzeugen. Die Kyro-Kuh, Silver genannt, ist dabei aber etwas eigenwillig. Milch produziert sie irgendwann nur noch, wenn eine Fliege im »Stall« ist.

Was aus den Nachwuchsautoren wurde

Ich habe mich gefragt, was aus den fünf Autorinnen und Autoren geworden ist.

Horst Hoffmann, das dürfte bekannt sein, hat Karriere gemacht und ist bis heute aktiv. Sein erster Roman »Sie warteten jenseits der Sterne« unter dem Pseudonym Neil Kenwood war bereits im Frühjahr 1976 als Band 5 in der Reihe Gemini Science Fiction erschienen. Die Anthologie ist im September herausgekommen. Hoffmann, Jahrgang 1950, hat danach zahlreiche Heftromane für verschiedene Serien und Reihen verfasst, unter anderem 133 Romane für Perry Rhodan.

Roland Rosenbauer, geboren 1956, schrieb ab 1977 unter eigenem Namen oder Pseudonym Kurzgeschichten und Heftromane in verschiedenen Genres, unter anderem für die Reihen Gespenster-Krimi (Bastei), Damona King (Bastei), Vampira (Bastei), Grusel-Krimi (Zauberkreis) oder Das Volk der Nacht (Zaubermond). Er verfasste auch Novelisationen von Fernsehserien, Hörspiele und Krimi-Drehbücher.

Henriette Ruttkay war mit damals 15 Jahren die jüngste in dieser Riege. Sie hat als Heny Ruttkay seit 1994 vier Romane veröffentlicht, alle ohne Phantastik-Bezug. Die Storys von Johannes Laskarides, der 17 Jahre alt war, und Gerda Mott sind Eintagsfliegen. Laskarides ist heute ein offenbar erfolgreicher Innenarchitekt. Von Mott, Jahrgang 1934, gibt es keine weiteren Spuren im Internet; nach den von ihr in der selbst verfassten Kurzbiografie erwähnten Romanen und Kurzgeschichten suchte ich vergeblich.

Versprechen nicht gehalten

»Das zweite Ich«, die zweite Terra-Astra-Anthologie mit Kurzgeschichten deutscher Autoren, erschien 1978.

Im Oktober 1978 erschien eine weitere Terra-Astra-Anthologie, »Das zweite Ich« (#374), mit zehn Storys von acht Autoren. Die Titelgeschichte stammt wieder von Voltz. Am bemerkenswertesten an dieser Anthologie sind die Versprechen, die Voltz im Vorwort machte und nicht halten konnte. »Ich möchte all den Ungeduldigen… schon hier und jetzt die dritte Anthologie ankündigen«, heißt es dort. Zu J. Leona Franzke, deren Story »Die verschlungenen Pfade der Liebe« er besonders lobt, schreibt Voltz: »In späteren Anthologien werden weitere Stories dieser Autorin erscheinen, in denen sie ihre Begabung erneut unter Beweis stellen soll.«

J. Leona Franzke war ein Pseudonym von Thomas le Blanc (heute Leiter der Phantastischen Bibliothek in Wetzlar). Voltz müsste das gewusst haben. Leider fehlen in dieser Anthologie im Unterschied zur ersten die Kurzbiografien der Autoren. Außer le Blanc waren Manfred Weinland, Manfred Borchard, Helmut Ehls, Günter Zettl, Andreas Müller und Werner Albertsen beteiligt. Sie alle sind dem phantastischen Genre auf unterschiedliche Weise treu geblieben. Das gilt vor allem für Manfred Weinland, der seither mehrere Hundert Heftromane geschrieben hat, in jüngster Zeit etwa für Professor Zamorra und Maddrax (Bastei-Verlag). Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass keiner der Autoren – abgesehen von Horst Hoffmann – bei Pabel-Moewig einen Fuß in die Tür bekam.

1985 wagte die Terra-Astra-Redaktion sich wieder an Anthologien mit Kurzgeschichten junger Autoren. Beide wurden von Horst Hoffmann herausgegeben. »Als die Menschen starben« erschien als Heft 630, »Spuren im Weltall« als Heft 643. Damit wurde Terra Astra eingestellt.