Goldene Zeiten im Perryversum

Vor 50 Jahren habe ich den ersten PERRY RHODAN-Roman gelesen. Wahrscheinlich.

In Ostfriesland, wo ich lebe, ist es üblich, dass man Nachbarn oder Kollegen zu einem Jubiläum »einen Bogen« macht, eine Girlande, die um die Haustür gelegt und mit einem Zahlenschild gekrönt wird. Bei mir könntet ihr jetzt eine Girlande mit einer goldenen 50 aufhängen, denn ich bin seit einem halben Jahrhundert PERRY RHODAN-Leser.

Okay, so ganz genau stimmt es nicht. Tatsächlich weiß ich nicht, wann ich meinen allerersten Roman aus dieser deutschen Space-Opaera-Serie gelesen habe; wahrscheinlich hat mir ein Klassenkamerad, mit dem ich näher befreundet war, einen Heftroman in die Hand gedrückt. In meiner persönlichen Chronik ist »Der alte Admiral«, geschrieben von Hans Kneifel, der Auftakt, weil ich danach jede Woche ein Heft las und ganz verrückt danach war. Das war Band 448. Es erschien Ende März/Anfang April 1970.

Der Roman gehört zum Cappins-Zyklus. Ovaron und Merceille, zwei Cappins aus der weit entfernten Galaxie Gruelfin (NGC 4594, auch Sombreronebel genannt), riskieren ihr Leben, um die Gefahr durch den sogenannten Todessatelliten, der in der Korona der Sonne kreist, zu bannen. Es gelingt ihnen, in den Satelliten einzudringen und eine Bombe scharf zu machen. Fast wäre die Aktion schief gegangen, denn das Positronengehirn, der Zentralcomputer der Station, erkennt ihre Absicht. Im letzter Sekunde können die Saboteure fliehen. Auf diese Flucht spielt das dynamische Titelbildmotiv von Johnny Bruck an: Ein kleine Raumschiff, das kaum mehr als ein Rettungsboot ist, versucht, sich mit Höchstgeschwindigkeit aus dem Griff der Sonne zu befreien. Der Stern sieht aus, als stehe er kurz vor einer Explosion.

Aus Anlass des Jubiläums habe ich das Heft noch einmal gelesen (das »Original« habe ich schon lange nicht mehr, aber dank Ebay war es kein Problem, ein gut erhaltenes Exemplar zu bekommen). Der Roman ist noch so richtig 60er Jahre, als Piloten bei der Arbeit rauchten, alle, die etwas durchsetzen wollten, rumbrüllten, und die einzige Frau weit und breit »Mädchen« genannt wurde. Die Handlung ist behäbig, die Dialoge umständlich. Aber schlimme Schnitzer hat Hans Kneifel sich nicht geleistet.

Mit der MARCO POLO ins Perryversum

Zwei Hefte später, in Band 450, startet Perry Rhodan mit dem Superraumschiff MARCO POLO nach Gruelfin, um Ovaron in seine Heimat zurückzubringen. Die Abenteuer in der fernen Galaxie haben den damals 13-Jährigen mächtig fasziniert. Für mich war das der Initiationszyklus, und wenn ich mir heute dank der Perrypedia, dem großen Online-Lexikon zur Serie, die Titelbilder ansehe oder die Handlungszusammenfassung lese, kommt mir vieles trotz der dazwischenliegenden Jahrzehnte vertraut vor. Kein Wunder, dass mein Lieblingsraumschiff aus der Serie immer noch die MARCO POLO ist. Mit der bin ich schließlich ins Perryversum aufgebrochen.

Die Faszination, die von der Serie ausging (dank der Nachauflagen habe ich im Laufe der Zeit den Rückstand ab Band 1 weitgehend aufgeholt), hielt allerdings zunächst nur ein paar Jahre. Mit 15, 16 war ich nicht mehr so einfältig und leicht zu begeistern wie mit 13. Ich erkannte die literarischen Mängel der Serie, hatte qualitativ anspruchsvollere SF entdeckt und war auf dem besten Weg, ein »beinharter Intellektueller« zu werden. In den 1970er Jahre hing an PR schließlich das Stigma, eine faschistoide Serie zu sein und Schund obendrein. In bestimmten Kreisen hatte man es noch Jahre später schwer, wenn man sich als PR-Leser outete. Im besten Fall wurde man komisch angeschaut.

Sieben Jahre ohne ging auch

Irgendwann Ende 1973 bin ich ausgestiegen. So weit ich mich erinnere, habe ich den damals laufenden Zyklus um das Kosmische Schachspiel nicht zu Ende gelesen, mit Sicherheit aber nicht mit dem nachfolgenden Laren-Zyklus angefangen. Meine Pause dauerte etwa sieben Jahre: Im Dezember 1980 ist mir Band 1007, die »Kosmische Hanse« von William Voltz, in die Hände gefallen – und der Perryvirus hatte mich wieder im Griff. Diese Lücke von vier Zyklen von den Laren bis zu den Kosmischen Burgen habe ich übrigens nie geschlossen.

Seit 1980 bin ich also ununterbrochen dabei, habe aber immer mit unterschiedlicher Intensität gelesen. An manche Zyklen habe ich sehr plastische Erinnerungen, andere sind weitgehend spurlos an mir vorbeigegangen. Das lag, vermute ich, nicht unbedingt (nur) an den Romanen, sondern hatte viel auch mit den übrigen Lebensumständen zu tun: Beruf, Familie, andere Projekte etc.

Bis 1988 hatte ich wieder eine umfangreiche Sammlung mit mehreren Hundert Heften zusammengetragen, von der ich mich bei einem Umzug getrennt habe, um das viele »Altpapier« nicht mitschleppen zu müssen. Ich habe sie einfach im Keller des Hauses, das wir damals gemietet hatten, zurückgelassen. Ein paar Wochen später bekam ich einen Anruf vom neuen Mieter, der sich für das Geschenk bedankte.

Nach dem Mauerfall habe ich meine Hefte einige Zeit lang bündelweise an einen PR-Leser in der Nähe von Magdeburg verschenkt, und als der nicht mehr darauf angewiesen war, in 50er Blöcken bei Ebay verscherbelt. Seit Heft 2750 lese ich Perry Rhodan nur noch elektronisch.

Aus Neugier bin ich 2015 zum ersten Perry-Rhodan-Tag nach Osnabrück gefahren – und seitdem im Perryfandom hängengeblieben, habe viele nette und interessante Leute kennengelernt und mit ihnen viele abwechslungsreiche und anregende Stunden verbracht. Schade, dass ich darauf nicht früher gekommen bin.

Bilder (2): Pabel-Moewig Verlag KG, Rastatt

Das war mein Lesejahr 2019

Hinter mir liegen 20 Romane, zehn Anthologien und zehn Sachbücher.

Cover von acht Büchern, die im Text erwähnt werden.

Im vergangenen Jahr habe ich erstaunlicherweise mehr Bücher gelesen als gedacht. Gefühlt hatte ich nämlich viel zu selten Gelegenheit, mich mit einem Buch hinzusetzen. Aber am Ende waren es dann doch 20 Romane, zehn Anthologien und zehn Sachbücher sowie 71 Heftromane (und noch eine ganze Menge nicht dokumentierter Kleinkram in Zeitschriften und online). Das heißt: alle neun Tage ein Buch, alle fünf Tage ein Heftroman.

Bei den Romanen und Anthologie dominierte erwartungsgemäß das phantastische Genre, sprich in erster Linie die Science-Fiction. Den meisten Eindruck haben zwei Romane und eine Anthologie hinterlassen: »Die Optimierer« von Theresa Hannig und »Autonom« von Annalee Newitz (in deutscher Übersetzung) sowie »New Suns. Original speculative fiction by people of color«, herausgegeben von Nisi Shawl. Die Enttäuschung des Jahres – und das einzige Buch, das ich nicht zu Ende gelesen habe – war »NSA« von Andreas Eschbach. Was für ein lebloses Buch! Ganz in Ordnung fand ich dagegen seine Perry-Rhodan-Biografie »Das größte Abenteuer«. Etwas mehr hatte ich mir von Michael Marraks »Der Garten des Uroboros« versprochen, mit dem Vorjahresknaller »Der Kanon mechanischer Seelen« konnte der Roman nicht mithalten, aber das hätte ich wissen können.

Bei den deutschsprachigen Anthologien stehen neben den aktuellen Ausgaben von »Nova« und »Exodus« zwei »Meilensteine« ganz oben auf meiner Favoritenliste: die zweite bundesdeutsche SF-Anthologie »Science Fiction aus Deutschland« von 1974 und die erste DDR-Anthologie »Der Mann vom Anti« von 1975. Sie stammen aus derselben Zeit, sind aber sehr unterschiedlich ausgerichtet: der Westen ausdrücklich gesellschaftskritisch, der Osten eher erzählerisch-literarisch.

An Heftromanen habe ich 51-mal »Perry Rhodan« und 20-mal »Maddrax« konsumiert. Die Qualität war erwartungsgemäß schwankend, es gab gute, mittelmäßige und schlechte Romane. Beide Serien feierten im vergangenen Jahr Jubiläum: PR mit Heft 3000 (»Mythos Erde« von Christian Montillon/Wim Vandemaan), MX mit Nummer 500 (»Zeitbeben« von Sascha Vennemann). Nur gesammelt und auf den Stapel ungelesener Bücher gelegt habe ich die PR-Miniserie SOL.

Bei den Sachbüchern war’s thematisch abwechslungsreicher: Science-Fiction, Raumfahrt, Biologie, Welt- und Regionalgeschichte. Den meisten Spaß und Erkenntnisgewinn hat mir das Buch über »Die Himmelsscheibe von Nebra« von Harald Meller und Kai Michel gebracht: faszinierend zu lesen, wie eine Vielzahl von Indizien zu einem Bild von einem beeindruckenden bronzezeitlichen Reich in Mitteldeutschland zusammengefügt wird. Deutlich weniger überzeugend war »Die Erfindung der Zukunft in der Literatur« von Hans Esselborn über die Geschichte der deutschen Science-Fiction von ihren Anfängen bis heute. Seine Auseinandersetzung etwa mit dem Werk von Dietmar Dath, den viele für den deutschen SF-Schriftsteller der Gegenwart halten, war in weiten Teilen ähnlich schwere Kost wie Daths Werk selbst. Nur angefangen habe ich eine neue Ausgabe von »Der Ursprung der Arten« von Charles Darwin; es ist ein beeindruckendes Buch.

Warten auf »Rosewater«

Vieles ist liegengeblieben. Das neue Jahr habe ich mit einem Stapel ungelesener Bücher (SUB) angefangen, der aus 29 Romanen, acht Anthologien und 15 Sachbüchern sowie einem Dutzend Heftromanen besteht. Und Nachschub hat sich auch schon angekündigt. Mit besonderer Spannung wartet ich auf ein Werk, das ich schon mit Begeisterung im Original gelesen habe: »Rosewater« von Tade Thompson in deutscher Übersetzung. Das Buch hatte der Golkonda-Verlag für November vergangenen Jahres angekündigt, bei Amazon & Co. ist es jetzt für den 17. Januar avisiert. Der Golkonda-Verlag ist ja durch die finanziellen Probleme seines Mutterhauses ins Trudeln geraten, hat die Verlagsleiterin vor die Tür gesetzt und schon das ambitionierte »Science Fiction«-Jahrbuch aus dem Programm geworfen. In ein paar Tagen wissen wir mehr.

Ich habe natürlich inzwischen damit begonnen, meinen SUB abzuarbeiten. »Derolia« von Axel Kruse habe ich beendet. Mal sehen, was ich mir gleich aus dem Regal nehme, um den Rest des Abends lesend zu verbringen.

Dieses Buch ist gefährlich

Heinrich Stöllner schreibt über die Serien in den Utopia- und Terra-Heften – und führt mich in Versuchung.


Heinrich Stöllner: Die Zukunft von gestern. Verlag Dieter von Reeken, 2019. ISBN ISBN 978-3-945807-49-1.


Bücher wie »Die Zukunft von gestern« von Heinrich Stöllner sind eine Gefahr, eine kaum zu widerstehende Versuchung, noch mehr Bücher, die man sonst nicht lesen würde, zu kaufen. Ist mir so gegangen. 

»Die Zukunft…« ist eine akribisch recherchierte Dokumentation aller Serien, die als Utopia– oder Terra-Heftroman der Verlage Pabel und Moewig zwischen 1953 und 1985 erschienen sind. Als Serien werden Roman-Reihen bezeichnet, bei denen die Handlungen aufeinander aufbauen. Die bekannteste in diesem Literatursegment ist die 1961 im Münchner Moewig-Verlag erstmals erschienene Perry Rhodan-Serie, die es bis heute auf mehr als 3000 Folgen gebracht hat. Außer solchen eigenständigen Serien gab es weitere kürzere, die innerhalb von Heftroman-Reihen auf den Markt kamen.

Utopia und Terra waren die führenden Reihen in Deutschland. Von Utopia erschienen bis 1968 als Utopia SF, Utopia Großband, Utopia Kriminal und Utopia Magazin 850 Hefte, von Terra SF, Terra Sonderband, Terra Extra, Terra Nova und Terra Astra etwa doppelt so viele Hefte, allerdings nicht genau so viele Titel, denn viele Romane, die in Terra SF oder Terra Nova veröffentlicht wurden, erschienen Jahre später in Terra Astra erneut. In den Heftroman-Reihen waren deutsche Autoren stark vertreten, in Terra Nova und Terra Astra vor allem solche aus dem Umfeld der Perry Rhodan-Serie.

Es gibt viel zu entdecken

Wer wann was veröffentlicht hat, kann man in Stöllners 500 Seiten dickem Werk nachlesen, das mit zahlreichen Coverabbildungen illustriert ist. Es ist in drei große Kapitel unterteilt, die sich den deutschsprachigen und den englischsprachigen Autoren sowie den Fernseh- und Filmserien widmen. Es gibt zu jedem der thematisch gegliederten Unterkapitel, in denen mehrere Autoren und deren Serien behandelt werden, eine Einführung mit ausführlichen Inhaltsangaben, Information zur Publikationsgeschichte und einer Bibliografie, in der auch die Nachdrucke aufgelistet sind.

In  »Die Zukunft von gestern« gibt es eine Menge zu entdecken, auch dank des üppigen Anhangs, in der alle im Buch genannten Serien alphabetisch aufgelistet sind.  Das ist eine beeindruckende Arbeit, die jedem Sammler zu empfehlen ist. Dann ist es auch noch gut geschrieben, und man merkt dem Autor die Leidenschaft für das Genre und den Heftroman an. Davon lässt man sich gerne anstecken.

Wer in »Die Zukunft von gestern« stöbert, findet mit Sicherheit etwas, von dem sie/er gar nicht wusste, dass es im Bücherregal noch fehlt.

Ich bin nun kein ausgesprochener Sammler, sondern habe die ausgelesenen Heftromane verschenkt oder sogar weggeschmissen. Einige wenige Hefte habe ich mir inzwischen aus reiner Nostalgie besorgt. Dazu gehört Terra Astra 30, »Die Herrin der Fische« von Hans Kneifel, erschienen 1972. Den Roman las ich, als ich 14 oder 15 war. Dank Söllner weiß ich heute nicht nur, dass der Roman bereits neun Jahre zuvor in der Terra-Reihe erschienen war und zusammen mit zwei anderen Romanen zur Serie »Das Rätsel von Machaon« gehört, sondern auch, dass die Serie 1996 in Buchform als »Das Machaon-Projekt« im Tilsner-Verlag neu herausgegeben wurde – und, zack, hatte ich das Buch bei booklooker.de aufgespürt und bestellt. Jetzt muss ich es nur noch lesen.

Auch einigen anderen Protagonisten meiner frühen SF-Phase wie Earl Dumarest bin ich wieder begegnet, aber sehr viel größer ist die Zahl der Serien, von deren Existenz ich jetzt das erste Mal gehört habe. Vielleicht schlage ich da auch noch mal zu. Wie gesagt, dieses Buch ist eine Versuchung.

Gutgläubig, arglos, dreist

Der Preis ist heiß – auf Schnäppchenjagd nach »Unternehmen Stardust«, Heft 1 von PERRY RHODAN

Ein Schnäppchen? Nein, denn es handelt sich bei dem angebotenen Heft um einen Nachdruck.

Weil mir in meiner »Unternehmen Stardust«-Sammlung das Heft 1 der PERRY RHODAN-Serie in der Erstauflage fehlt, beobachte ich den einschlägigen Antiquariatsmarkt, vor allem die Angebote bei Ebay. Es ist erstaunlich, auf wie viel Gutgläubig-, Arglosig- und Dreistigkeit bei Anbietern und Käufern man dabei trifft.

Wer es nicht weiß: PERRY RHODAN ist eine deutsche Science-Fiction-Serie, die seit 1961 ununterbrochen wöchentlich als Heftroman erscheint. Band 1 trägt den Titel »Unternehmen Stardust« und ist im Laufe der Jahrzehnte in mehreren Auflagen und Sonderausgaben auf den Markt gekommen. Das originale Heft 1 (Erscheinungstag 8. September 1961) ist eine Rarität und steht auf der Wunschliste vieler Sammler ganz oben. Entsprechend tief muss man dafür in die Tasche greifen. Im Moment muss man für ein gut erhaltenes Heft mindestens 200 Euro hinlegen, für mindere Qualität entsprechend weniger. Es werden aber auch deutlich höhere Preise verlangt.

Das Originalheft 1 ist von den Nach- und Sonderauflagen auf den ersten Blick leicht zu unterscheiden, selbst wenn es sich nur um ein Vorschaubild auf Ebay handelt. Die Nachauflagen sind als solche auf dem Umschlag gekennzeichnet, Nach- und Sonderauflagen haben zum Teil ein anderes Layout und angepasste Titelbilder (das Motiv ist aber immer gleich und zeigt drei Astronauten in einer Mondlandschaft). Das wird niemand verwechseln.

Der Nachdruck von 1988

Allerdings gibt es einen fast originalgetreuen Nachdruck aus dem Jahr 1988. Diese Faksimileausgabe wird immer wieder mal zu horrenden Preisen feilgeboten – wobei die Frage ist, ob die Anbieter dreist oder ahnungslos und die Käufer ahnungslos und gutgläubig sind. Jüngste Beispiele: In diesem November wurde der Nachdruck als »Perry Rhodan Heft 1 super erhalten!« für 155 Euro bei Ebay angeboten, allerdings nicht verkauft. Für ein ausdrücklich als »!Nachdruck! (1988)« eingestelltes Heft wurden 99,99 Euro von einem Händler mit mehr als 40.000 Bewertungen verlangt. Bekommen hat er den Preis nicht. Denn der Nachdruck ist bei Ebay problemlos für zwei, drei Euro zu bekommen. Das sollte einem erfahrenen Anbieter bekannt sein. Schließlich müssen Händler sich bei ihrer Preisgestaltung an irgendetwas orientieren.

Nun muss nicht jeder unbedingt wissen, dass es diesen Nachdruck gibt, auch wenn man sich bei der Suche schon fragen könnte, warum es so große Preisunterschiede gibt. Aber ich staune immer wie, wie unbedarft viele Leute durchs digitale Leben kommen und wie viele offenbar nicht wissen, wozu Suchmaschinen wie Google da sind. Sonst würden sie zum Beispiel bestimmte Fragen in Facebook-Gruppen oder Foren nicht stellen.

Die überpinselte Erde

Der Nachdruck von 1988 ist ebenfalls recht leicht vom Original zu unterscheiden – was den damaligen Produktionsbedingungen zu verdanken ist. Auf dem Titelbild ist rechts oben die Erde abgebildet. Für den Nachdruck ist in der Vorlage ihr rechter Rand mit weißer Farbe überpinselt worden. Das ist so deutlich, dass es selbst bei einem kleinen Ebay-Vorschaubild auffällt.

So erkennst du den Nachdruck von Heft 1: Die Erde hat einen dicken weißen Rand (links), und auf der Rückseite ist nach »große« ein Riss zu sehen.

Ein weiteres untrügliches Merkmal des Nachdrucks: Auf der Rückseite ist in dem Kasten mit dem Text »Die große Weltraumserie aus dem MOEWIG-VERLAG« nach »große« so etwas wie ein Riss zu erkennen. Wenn die Rückseite bei Ebay abgebildet ist, lässt sich das mithilfe der Vergrößerungsfunktion leicht überprüfen. Der Grund für diesen gedruckten »Riss«: Offenbar hat für den Nachdruck ein beschädigtes Heft als Vorlage gedient. Diese Kenntnisse sind nicht neu und auch nicht von mir entdeckt. Hier hat zum Beispiel Reinhard Peter exzellente Vorarbeit geleistet, dessen Website ohnehin eine Fundgrube für jeden Fan ist.

Reinhard Peter berichtet auch von Betrugsfällen: Der Betrüger bietet das Original mit den passenden Abbildungen an, die er sich im Netz besorgt hat, verschickt dann aber den Nachdruck. Es ist also Vorsicht geboten.

Ein „Highlight. Rarität“ für 2950 Euro

Auch für das Originalheft werden gelegentlich astronomische Preise verlangt. Dieser Tage wollte ein Anbieter bei Ebay für ein »Highlight. Rarität« 2950 Euro haben, also mehr als das Zehnfache dessen, was man sonst hinblättern müsste. Was das Besondere an diesem Exemplar ist? Der Erstbesitzer hatte das Heft nicht nur mit seinem Adressstempel , sondern auch mit einem Datumsstempel vom 6. September 1961 versehen. Der Anbieter preist es als »seltenes Belegexemplar« dafür an, »dass die Romane schon vor dem Verkaufsstart am 8.Sept.1961 vom Verlag an vorgemerkte Kunden verschickt wurden«. Mag sein. Aber erstens ist das nicht erstaunlich, weil die Hefte ja nicht am Ersterscheinungstag direkt aus der Druckerei zu den Händlern gebracht wurden, und zweitens könnte der Stempel auch bloß falsch eingestellt gewesen sein.

Uschi Zietsch hat einen Wunsch

Beim GutCon in Oelde hat die PERRY RHODAN-Autorin einen Vorschlag für eine neue Miniserie gemacht

Uschi Zietsch alias Susan Schwartz (mit Mikro) macht auf dem GutCon einen Vorschlag, der auch den Kollegen auf dem Podium gefällt (von links): Denise Mathiak, Ute Anton und Maria Schleifer.

Ob Uschi Zietsch alias Susan Schwartz ihre Ankündigung wohl wahr gemacht und PERRY RHODAN-Chefredakteur Klaus N. Frick auf dem Heimweg vom GutCon in Oelde eine bestimmte Mail geschickt hat? Bei dem Panel zu den PR-Miniserien auf diesem Fan-Treffen, bei dem sie zusammen mit den Autorenkollegen Uwe Anton, Dennis Mathiak und Moderator Roman Schleifer auf dem Podium saß, kam ihr eine Idee: eine zwölfteilige Miniserie, nur von Autorinnen geschrieben. Denn an der jüngsten Miniserie aus der PERRY RHODAN-Redaktion, »Mission SOL«, schrieben nur Männer mit. PR-Autorin Michelle Stern, die als Zuhörerin in der ersten Reihe saß, signalisierte Zustimmung wie auch das fast ausschließlich männliche Publikum.

Vom Podium wurde Unterstützung signalisiert – und es wurden Ansprüche angemeldet: Uwe Anton wollte sich in Ute Anton umbenennen, Roman Schleifer heißt mit zweitem Namen ohnehin Maria, und Dennis Mathiak kann sich mit wenig Aufwand in Denise verwandeln.

Aber Spaß beiseite – Autorinnen haben es in der SF nicht leicht. Bei PERRY RHODAN hat es bis 15 Jahre gedauert, bis die erste Frau einen Roman schreiben durfte: Es war Marianne Sydow 1976 mit Band 795 »Netz des Todes«. Jetzt gehören immerhin drei Frauen – außer Susan Schwartz und Michelle Stern noch Verena Themsen – zum Autor(inn)enstamm der Erstauflage, nimmt man Gastautorinnen, Neo und die Miniserien dazu, allen voran Madeleine Puljic, reicht es dicke für eine zwölfteilige Miniserie aus Frauenhand.

Also, wenn Uschi die Mail nicht abgeschickt und es ihm auch sonst niemand erzählt hat – spätestens jetzt weiß KNF es. Wir sind gespannt. Als sich Uschi eine Miniserie über Olymp gewünscht hat, hat es ja auch geklappt.

Ich fahre nach Oelde

Hoch- und Trivialliteratur verhalten sich längst nicht mehr zueinander wie Feuer und Wasser. Da war am letzten September-Wochenende (2019) der GutCon auf dem Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde. Ein Treffen von Fans der SF-Heftromanserie PERRY RHODAN in den Räumen des Museums für westfälische Literatur – das wäre früher undenkbar gewesen.

Gastgeber des GutCons waren die Literatur-Kommission des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe und der Terranische Club Eden. Der TCE ist ein kleiner, aber sehr rühriger PERRY RHODAN-Fanclub, dessen Mitglieder über ganz Deutschland verteilt leben. Das Programm der beiden Tage war die con-übliche Mischung aus inhaltlichen Panels, Lesungen und »Was gibt’s Neues bei PERRY RHODAN?«. Im Foyer, wo der TCE seinen Bücherstand aufgebaut hatte, im Café bei Kaffee, Kuchen, Brezel oder bei den Rauchern im Hof traf man sich zum Plausch oder Gedankenaustausch.

Ich war einen Tag lang dabei. Den Bericht über meine Anreise erspare ich euch Leserinnen und Lesern. Nur so viel: Ich bin durch Ortschaften wie Borgholzhausen, Casum, Herzebrock und die »Mähdrescherstadt« Harsewinkel gekommen (da bin ich mal in meiner Studentenzeit bei einer Ulrike abgeblitzt; was aus der wohl geworden ist?)

Auf dem Parkplatz am Kulturgut kam mir schon der erste Perryfan entgegen, der die unvermeidliche Contüte im Auto verstaute. Die Autokennzeichen zeigten, dass offenbar Fans aus ganz Deutschland angereist waren. An der Kasse nahm mir Willy Diwo den Conbeitrag ab, beschriftete ein Besuchernamensschild, und ich war drin. Als erste liefen mir Stefan Friedrich vom Münchner PR-Stammtisch und Autor Roman Schleifer aus Wien über den Weg. So ging’s dann weiter: Hallo hier und hallo da; ach, du auch hier?; schön, dich wiederzusehen… Aber wenden wir uns anderen Dingen zu.

Prost, Vurguzz!

»Willst du mal probieren?« Willi Diwo, der an der Kasse die Stellung hielt, bot mir ein Gläschen Vurguzz an. Den intensiv nach sehr exotischen Kräutern schmeckenden, leuchtend grünen Schnaps kennt jeder PERRY RHODAN-Fan, denn er wird in zahlreichen Romanen getrunken. Die wenigsten Leser wissen wahrscheinlich, dass es sich nicht um ein fiktives Getränk handelt. Den Original-Vurguzz mischte 1960, also ein Jahr vor Beginn der Heftromanserie, der Zahnarzt Franz Ettl für ein Fan-Treffen in München, erzählte Willi, während ich mich langsam an den Geschmack gewöhnte. Vurguzz enthält angeblich 250 Prozent Alkohol, wovon der über 100 Prozent hinausgehende Anteil im Hyperraum ausgelagert ist, macht zwar besoffen, aber hinterlässt keinen Kater. Versprach Willi.

Ausführlich kann man die Geschichte des Vurguzz hier nachlesen.

Die Ausstellung „Aliens welcome“

Der GutCon des TCE gehörte gewissermaßen zum Rahmenprogramm der Sonderausstellung »Aliens welcome« über SF in und aus Westfalen. »Das musst du dir ansehen«, habe ich mir gedacht. Leider wurden meine Erwartungen nicht einmal ansatzweise erfüllt.

Die Sonderausstellung, die bis zum 8. März läuft, besteht im Wesentlichen aus einem Zeitstrahl, der auf eine Wand projiziert wird und »Meilensteine« (ganz dickes Fragezeichen) westfälischer SF auflistet. Als ich den Raum betrat, waren gerade die 1970er Jahre dran, und ich wartete auf Namen, die mir bekannt waren. Ab den späten 90ern hätten sie auftauchen müssen. Tja, aber da kam nichts. Kein Uwe Post, kein Thorsten Küper (der gerade den Deutschen Science-Fiction-Preis und den Kurd-Laßwitz-Preis gewonnen hat), kein Hinweis auf den DortCon, jahrelang ein wichtiger Treffpunkt der deutschen SF-Szene mitten in Westfalen. Man muss sich nicht ausführlich mit ihnen beschäftigen, aber wer sie einfach ignoriert zeigt, dass er/sie keine Ahnung von der aktuellen SF-Szene hat oder sich dafür nicht interessiert. Das ist schade. Das erste flüchtige Durchblättern des ziemlich dicken Begleitbuchs zur Ausstellung gibt wenig Anlass zur Hoffnung, dass das dort anders ist. 

Ein Teil der Sonderausstellung, untergebracht im Gartenhaus, beschäftigt sich mit PERRY RHODAN. Was wird dem Besucher geboten? Ein paar großformatige Bilder von Titelkünstler Alf Kelsner, die PERRY RHODAN-Figurensammlung von Hartmut Kasper alias Wim Vandemaan (PR-Autor aus Gelsenkirchen) und zwei Vitrinen mit verschiedenen PERRY RHODAN-Ausgaben. Ehrlich, in manchem Wohnzimmer eines Perryfans gibt es interessantere Exponate. Außerdem werden die Besucher hinters Licht geführt: Bei dem ausgestellten Heft Nummer 1 »Unternehmen Stardust«, bei dem als Erscheinungsjahr 1961 angegeben ist, handelt es sich um den Nachdruck von 1988. Man erkennt das leicht an dem weiß übermalten rechten Rand der Erde auf dem Titelbild. 

Alle Kalender weg

Beim GutCon hatten Autor Robert Corvus und Verleger Wilfried A. Hary ihre Bücherstände im Gartenhaus (auf dem Weg dorthin kommt man an Goethe vorbei). Bei Wilfried habe ich eine schon ältere Sammlung mit Kurzgeschichten von Axel Kruse erworben (der in Essen lebt, was nicht zu Westfalen zählt), und von Robert (lebt in Köln, im Rheinland) ließ ich mir den neuen PERRY RHODAN-Tischkalender mit Bildern von Arndt Drechsler (Originalton Robert Corvus: »Der beste Titelbildkünstler!«) »aufschwatzen«. Er ist ein Verkäufer! Schon am frühen Abend war Robert, was Kalender anging, ausverkauft. Mit seinen eigenen Büchern lief es nicht ganz so gut, aber er hatte ja noch den zweiten Tag.

Noch etwas Inhaltliches gefällig?

Chronologisch gehörte es an den Anfang, denn das Panel von Michael Pfrommer über das, was bei der Mondlandung von Perry Rhodan wirklich geschah, begann gleich nach der offiziellen Eröffnung. Für Nicht-PR-Leser ist es aber eher uninteressant. Michael, im wirklichen Leben ein klassischer Archäologe, beeindruckt mich immer wieder durch seine tiefgehenden Analysen der Serie. Neben Expokrat Wim Vandemaan ist er von denjenigen, die ich kenne, derjenige, der den Geist der Serie am besten erfasst hat. Ihm gelingt es immer wieder, Zusammenhänge zu erkennen, auf die noch nicht einmal die Autoren gekommen sind, er gräbt dabei auch gerne die Schwächen der Romane aus (in diesem Facebook-Post zum Beispiel).

In diesem Panel ging er der Frage nach, warum der Arkonide Crest, der auf der Suche nach der Welt des ewigen Lebens mit einem defekten Raumschiff auf dem Mond havariert war, mit dem zufällig auftauchenden Astronauten Perry Rhodan in einer Art Privatpakt das Schicksal der Menschheit ausgehandelt hat und nicht mit offiziellen Stellen. Nun, die Antworten fand Micheal in zwei weiteren frühen Bänden der PERRY RHODAN-Serie. Darin macht Perry zusammen mit Crest Zeitreisen in die Vergangenheit und begegnet längst gestorbenen Arkoniden zu deren Lebzeiten. Diese Ereignisse hätten Niederschlag in den arkonidischen Archiven gefunden, wo sie von Crest entdeckt worden waren, bevor er zu dieser Expedition aufbrach. Er wusste, wer dieser forsche Astronaut war und dass Rhodan die Unsterblichkeit gefunden haben musste.

Zum Glück muss ich seine Argumentationskette nicht aus den wenigen Notizen und meinem löchrigen Gedächtnis rekonstruieren. Denn Michael hat seinen Vortrag für Volker Hoffs Blog zusammengefasst. Könnt ihr hier nachlesen.

Das Fazit

Es war alles in allem ein schöner Ausflug nach Westfalen, und ich würde bestimmt zum GutCon 2 kommen (zumal ich jetzt TCE-Mitglied bin, das erste in Ostfriesland). Die zweieinhalbstündige Rückfahrt habe ich mit Erinnerungen an viele Begegnungen und Gespräche, einem Haufen Fotos und einem Stapel Bücher angetreten.