Mein erster Leserbrief als SF-Fan

Ein Blick auf die Leserkontaktseite in Perry Rhodan Band 495.

Ich bin kein Sammler, und habe mich schon immer regelmäßig von den angesammelten Perry-Rhodan-Heften getrennt. Einmal habe ich wegen eines Umzugs einige Hundert Hefte im Keller einer Mietwohnung zurückgelassen und dem nachfolgenden Mieter galaktisches Lesevergnügen beschert (er hat sich bedankt, es war also keine billige Form der Altpapierentsorgung).

Unter diesen Heften dürfte auch die Nummer 495, »Der Botschafter von Sol«, gewesen sein, erschienen am 26. Februar 1971. In diesem Heft ist mein erster Leserbrief an die PR-Redaktion abgedruckt worden. Damals war ich dreizehneinhalb Jahre alt und seit einem Jahr PR-Leser.

Dass ich diesen Brief geschrieben habe, hatte ich längst vergessen und wäre auch nie daran erinnert worden, wenn ich nicht vor einigen Wochen in der Internet Speculative Fiction Database meinen Namen in das Suchfeld eingegeben hätte. Da ich bereits eine Anthologie mit SF-Kurzgeschichten veröffentlicht hatte (»Zeit für die Schicht«, mehr dazu hier), wunderte ich mich nicht darüber, dass es dort tatsächlich einen Eintrag über mich gab. Aufgelistet sind dort erstaunlicherweise aber auch Beitrage von mir auf der Leserkontaktseite der Perry-Rhodan-Serie (es sind zehn; ich weiß nicht, ob die Aufstellung vollständig ist).

Neugierig geworden habe ich mir das Heft über Ebay besorgt. Jetzt liegt es also vor mir, eine Botschaft aus einer längst vergangenen Zeit. Die Hefte hatten noch die rote Titel-Bauchbinde, der Leser wurde gesiezt. Den Brief schrieb ich mit der Hand; wir hatten keine Schreibmaschine zu Hause (und auch kein Telefon, das bekamen wir erst ein paar Jahre später). Damals hatte ich eine lesbare Handschrift, meine Druckbuchstaben waren fast perfekt. Verdorben habe ich sie mir im Beruf, beim Notizenmachen bei Ratssitzungen und anderen Veranstaltungen, die man als Lokaljournalist so besucht. Aber das nur am Rande. Die abgedruckte Adresse zeigt übrigens, dass die Zuschrift lange liegen gelassen wurde oder die Vorlaufzeit Monate betrug. Denn als der Brief abgedruckt wurde, wohnte ich schon seit fünf Monaten ganz woanders.

Es wird Zeit, zum Wesentlichen zu kommen. Was steht denn nun in diesem Brief, was hat der 13-jährige Norbert Fiks im Herbst 1970 geschrieben?

»An Perry Rhodan muß ich leider kritisieren, daß die Titelbilder oft nicht zur Handlung passen und daß eine Leserkontaktseite wirklich zu wenig ist. Ich empfehle dem Verlag, in jedes Heft eine Rißzeichnung und zwei Lexikonseiten zu bringen.«

Ganz schön vorlaut, oder? Heute würde ich das nicht mehr so schreiben. Die Forderung nach weiteren Leserkontaktseite ist seit Langem erfüllt, Risszeichnungen sind mir nicht mehr so wichtig, statt des Lexikons gibt es das Glossar – und was die Titelbilder angeht, hat sich meine Einstellung im Laufe der Jahre deutlich geändert. Damals stammten sie alle noch von Johnny Bruck, der einen wirklich enormen Ausstoß hatte. Da war es unmöglich, jedes Motiv auf die Handlung des Heftes abzustimmen. Viele seiner Bilder für die Serie halte ich für äußerst gelungen. Denn sie erzählen eine Geschichte (was mir bei heutigen Titelbildern fehlt und schon moniert habe). Es ist nicht schlimm, wenn es eine andere Geschichte als die im Roman ist. Für das Titelbild von Heft 495 gilt das ausdrücklich nicht, denn es zeigt nur ein Raumschiff unbekannter Bauart, das auf einem unwirtlichen Planeten steht. Da bin ich eher mit meinem jüngeren Ich einer Meinung.

Ein neues Lesejahr beginnt

Der Stapel mit einigen der noch nicht gelesenen Bücher, mit dem ich ins Jahr 2018 gegangen bin. Im Hintergrund »droht« die nächste Neuanschaffung. Bestellt ist das Buch schon.

Ein neues Lesejahr beginnt, und ich habe wieder einen Stapel ungelesener Bücher vor mir aufgetürmt, den sogenannten SUB. Ich bevorzuge ja den Begriff »noch nicht gelesene Bücher«, was allerdings mit NNGB abgekürzt nicht so eingängig wie SUB und mehr nach Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten klingt, also alles andere als sexy.

Ich hatte Anfang 2017 nicht nur einen Stapel ungelesener Bücher dokumentiert, sondern für mich auch eine Liste aller Bücher, die ich gelesen habe, angefangen und – was ja auch wichtig ist – bis zum Jahresende weitergeführt. Also weiß ich, wie viel ich im vergangenen Jahr gelesen habe. Diese Liste umfasst

23 Romane, 17 Anthologien, elf Sachbücher, drei Comics und ca. 70 Heftromane.

Das ist mehr, als ich gedacht hatte. Denn gefühlt bin ich im vergangenen Jahr kaum zum Lesen gekommen. Das heißt, ich habe im Durchschnitt alle drei Tage ein neues Buch angefangen. Nicht dokumentiert sind die zahlreichen nicht in Buchform – ob gedruckt oder digital – gelesenen Kurzgeschichten, Zeitungs-, Zeitschriften- und Onlineartikel etc., ganz abgesehen von den Unmengen an Sache, die ich aus beruflichen Gründen lesen musste. Das hätte sicher zu weit und zu Abgrenzungsproblemen geführt.

Was bringt das neue Jahr?

Das neue Jahr beginne ich mit einem Buch, das ich 2017 angefangen habe: der Anthologie Afro-SF, herausgegeben von Ivor Hartmann aus Zimbabwe, der ersten Storysammlung überhaupt mit SF aus Afrika. Ich hatte vor, das Buch noch im alten Jahr zu Ende zu lesen, aber man weiß ja, wie das mit guten Vorsätzen so geht. Mein Ehrgeiz ist natürlich, die NNGB alle zu lesen (was ich bestimmt nicht schaffen werde, eher wird der Stapel Nachschub bekommen). Gespannt bin ich auf den »Kanon der mechanischen Seelen« von Michael Marrak. Das Buch ist die zu einem Roman überarbeitete Version mehrerer Novellen, die in den vergangenen Jahren im SF-Magazin »Nova« erschienen sind. Bestellt ist es schon. Während ich diese Zeilen schreibe, soll eine Palette mit den gedruckten Büchern irgendwo rumstehen und auf die Auslieferung warten.

Auf »Nova 25« warten wir übrigens schon seit mehr als einem Jahr; im November 2016 wurde bereits das Inhaltsverzeichnis veröffentlicht, aber die Herausgeber kommen offenbar nicht in die Hufe. Zuversichtlicher bin ich, dass bald – noch im Januar – das andere deutsche SF-Kurzgeschichtenmagazin, »Exodus«, mit der Ausgabe 37 kommt. Meine Hoffnung ist zudem, dass wieder einige Kurzgeschichten-Anthologien in den einschlägigen Verlagen wie Begedia erscheinen. Ich lese seit einigen Jahren lieber Kurzgeschichten als Romane, und was in deutschen Landen an Kurzgeschichten geboten wird, kann sich durchaus sehen lassen.

Vorgenommen habe ich mir, einen Rückstand aus dem Jahr 2012 (!) aufzuholen und den letzten Zyklus der »Sternenfaust«-Heftromanserie aus dem Bastei-Verlag zu lesen. Das habe ich immer wieder vor mir hergeschoben, aber nach fünf Jahren dürften die Romane abgehangen genug sein. Wöchentlich wird mich auch wieder die »Perry Rhodan«-Erstauflage beschäftigen. Ansonsten lasse ich mich überraschen von dem, was mir so über den Weg läuft. Ich plane meine Lektüre nicht.

Es ist also für genügend Lesestoff gesorgt, und es wird noch einiges hinzukommen. Für dieses Jahr habe ich mehrere Con- bzw. Messe-Besuche geplant, das sind immer gute Gelegenheiten, schwach zu werden und doch wieder mehr Bücher zu kaufen, als vorgesehen.

Perry Rhodan trinkt Kölsch

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Die 2. Perry-Rhodan-Tage in Osnabrück haben mir zu einer weiteren Premiere in meiner erst kurzen »Schriftstellerkarriere« verholfen: Zum ersten Mal ist eine Kurzgeschichte von mir in einem Conbuch erschienen (für Outsider: Conbuch werden die aus Anlass eines Science-Fiction-Treffens vom Veranstalter herausgegebenen Büchlein genannt, die jeder Teilnehmer bekommt).

536Die Geschichte trägt den Titel »Die Helden meiner Jugend«. Sie spielt nicht, wie viele andere Fan-Storys, in der Serienwelt, dem Perryversum, sondern im Universum der Heftromane: Perry Rhodan trinkt Kölsch und trifft auf andere literarische »Helden meiner Jugend« – Ren Dhark, Nick den Raumfahrer, Flash Gordon und Buck Rogers. Es gibt eine Reihe von Anspielungen auf SF-Serien und das Fandom. Meine Frau hat mehrmals laut gelacht und gegrinst, als sie die Geschichte gelesen hat. Also muss sie ganz lustig sein.

Das Conbuch zu den 2. Perry-Rhodan-Tagen Osnabrück hat 68 Seiten im A5-Format und kann bei der Perry-Rhodan-Fanzentrale, dem Veranstalter, bestellt werden (online im Space Shop). Es kostet sieben Euro. Mitglieder der Fanzentrale bekommen es billiger, für vier Euro. Enthalten sind außer meiner Geschichte zwei weitere Kurzgeschichten von Alexandra Trinley und Christina Hacker und neun Sachartikel rund um die Serie.

Der Stapel ist kleiner geworden

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Der Bücherstapel ist geschrumpft, aber es hat auch wieder ein wenig Zuwachs gegeben.

Mit meinem Vorhaben, den Stapel ungelesener Bücher abzubauen (hier angekündigt), bin ich gut vorangekommen. Konsequent habe ich die Finger von neuen Büchern gelassen, sondern nur die alten gelesen. Das Resümee nach zwei Monaten: Ich habe acht Romane und drei Kurzgeschichtenanthologien sowie sechs ältere Heftromane geschafft, zusätzlich zu dem, was ich ohnehin an Lektüre – von der Tageszeitung über Zeitschriftartikel bis zum wöchentlichen Perry-Rhodan-Roman – regelmäßig konsumiere.

Konsequent habe ich auch davon abgesehen, überhaupt neue Bücher zu kaufen; denn die rufen geradezu danach, sie sofort zu lesen (sonst würde man ja die Finger davon lassen). Dem Stapel ungelesener Bücher wurden dennoch zwei neue hinzugefügt: eines, Miniatures von John Scalzi, hatte ich schon vor Monaten bestellt, ein zweites, Black Ice von Frank Lauenroth, habe ich gewonnen.

Der Deutsche Science-Fiction-Preis

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Gabriele Behrend liest beim Medicon in Oldenburg.

Gelesen habe ich im Januar unter anderem die 35. Ausgabe von Exodus, das Magazin für Science-Fiction-Storys und phantastische Grafik. Das erwähne ich hier, weil vor ein paar Tagen die Nominierungsliste für den Deutschen Science-Fiction-Preis (DSFP) bekanntgegeben wurde und eine der Kurzgeschichten daraus – Suicide Rooms von Gabriele Behrend – draufsteht. Wie es der Zufall (?) will, habe ich ausgerechnet diese Story schon zweimal bei Lesungen mit der Autorin gehört, unter anderem beim Medicon im vergangenen Jahr in Oldenburg. Mein Favorit aus Exodus 35 – New Mars Mayflower von R. B. Bonteque – hat es allerdings nicht auf die Nominierungsliste geschafft (dafür der schon erwähnte Frank Lauenroth mit Tube Inc., einer Geschichte aus dem Medicon-Reader, zu Recht).

Wie im Vorjahr habe ich alle bis auf eine der nominierten Kurzgeschichten gelesen. Dafür habe ich keinen der sechs nominierten Romane auch nur in den Fingern gehabt.

Wenn ich mir die Liste so ansehe, reizt mich ohnehin nur ein Buch wirklich: Der Bahnhof von Plön von Christopher Eckert, schon allein wegen des Titels. Das ist jedenfalls ein Kandidat, um den Stapel der ungelesenen Bücher ein Stück zu erhöhen, um zum Schluss wieder aufs eigentliche Thema zu kommen.

Zurzeit lese ich eine Columbus-Biografie.

T. C. Boyle und die wahren Terranauten

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Zweimal die Terranauten: 1980 und 2017.

T. C. Boyle, einer der bekanntesten amerikanischen Schriftsteller der Gegenwart, hat ein neues Buch geschrieben bzw. sein Buch »The Terranauts« ist jetzt auf Deutsch als »Die Terranauten« erschienen. Als ich davon im Oktober vergangenen Jahres das erste Mal auf der Buchmesse in Frankfurt in Form eines Prospekts erfuhr, kam bei mir reflexartig Widerspruch auf (oder wie man das nennen will): »Die Terranauten« sind doch eine deutsche Science-Fiction-Serie irgendwann aus den späten 70er.

Jetzt wurde ich daran erinnert, denn in der jüngsten Ausgabe von »Druckfrisch« (ARD, 24.1.2017) plauderte Kritiker Denis Scheck mit dem amerikanischen Autor. Bei 1:01 Minuten in dem Beitrag, den man sich in der Mediathek (hier) anschauen kann, sagt Boyle: »Ich habe den Ausdruck erfunden.« (I have invented the term). Widerspruch!

Ich habe T. C. Boyle per Twitter auf die deutschen »Terranauten« hingewiesen – und eine Antwort bekommen:

Fand ich schon bemerkenswert – nicht nur, dass Boyle umgehend geantwortet hat, sondern das sein deutscher Verlag Bedenken hatte.

Kommen wir kurz zu den Terranauten von Boyle. Das ist der Klappentext (ich habe das Buch noch nicht gelesen; wer weiß, wann ich dazu komme): In einem geschlossenen Ökosystem in Arizona unternehmen Wissenschaftler in den neunziger Jahren den Versuch, das Leben nachzubilden. Zwei Jahre lang darf keiner der acht Bewohner die Glaskuppel von »Ecosphere 2« verlassen. Egal, was passiert. Touristen drängen sich um das Megaterrarium, Fernsehteams filmen, als sei es eine Reality-Show.

Science-Fiction ist das nicht. Die deutsche Serie, die von Thomas R. P. Mielke und Rolf W. Liersch Ende der 1970er Jahre für den Bastei-Verlag als Konkurrenz zur Perry-Rhodan-Serie konzipiert wurde, könnte man dagegen als ökologische, sozialkritische SF bezeichnen. Zwischen 1979 und 1981 erschienen 99 Heftromane und zwischen 1981 bis 1987 weitere 17 Taschenbücher. Zu den Autoren, die unter Pseudonym schrieben, gehörten Andreas Brandhorst (als Andreas Weiler), Ronald M. Hahn alias Conrad C. Steiner und Rainer Zubeil, der als Robert Quint bei den »Terranauten« mitmischte und später als Thomas Ziegler bei Perry-Rhodan.

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals auch nur ein Heft der »Terranauten« gelesen habe. Das lag vielleicht daran, dass ich Ende der 70er gerade bei Perry Rhodan eine längere Pause eingelegt hatte und Heftromane nur mit spitzen Fingern anfasste.

T. C. Boyle ist demnächst (ab 13. Februar 2017) auf Lesereise in Deutschland (Termine).

Die Terranauten-Fanseite (seit Jahren nicht aktualisiert)