Guter Lesestoff von der Elster

In diesem Jahr gab es nur einen SF-Con, den Elstercon in Leipzig. Und damit nur ein Conbuch.

Das Buch zum Elstercon 2020. Das Titelbild ist von Marion Franke.

Fahrenheit 145. Erde im Fieber – eine Anthologie zum Elstercon 2020
Hrsg: Freundeskreis Science Fiction Leipzig | 290 S. | 18 €

Mir war es in diesem Jahr leider nicht möglich, den Elstercon 2020 in Leipzig zu besuchen. Aber ich habe mir wenigsten das Conbuch gegönnt, das wenige Tage nach Ende der Veranstaltung Mitte September im Literaturhaus Leipzig im Briefkasten lag. Meine Erwartungen wurden selbstverständlich erfüllt; es ist wieder ein durchweg hochwertiges und interessantes Produkt geworden und sein Geld wert.

Es gibt eine üppig ausgestattete Mischung aus durchweg lesenswerten Sachartikeln, Autorenporträts, Interviews, Rezensionen und Kurzgeschichten. Im Zentrum des Cons und damit des Buches: der Klimawandel und die Notwendigkeit des Handelns, um die Katastrophe zu verhindern. Das Motto »Fahrenheit 145 – Erde im Fieber« spielt natürlich auf Ray Bradburys Roman »Fahrenheit 451« an und ist, nach Auskunft der Con-Homepage, die Temperatur, bei der menschliches Leben nicht mehr möglich ist: 145° Fahrenheit = 63° Celsius.

Zum Auftakt des Bandes stellt Martin Zähringer unter dem Titel »Klimawandel undercover« einige Bücher vor, die sich mit dem Klimawandel befassen, aber das Etikett »Climate Fiction« scheuen. Vermutlich hat es damit zu tun, dass Autoren (und Verlage) Sorge haben, dass sie in eine Genre-Schublade gesteckt werden. Na ja, wir wissen schon lange, dass das Label »Science Fiction« auf einem Buch dazu führt, dass es von den Liebhabern sogenannter ernster Literatur, wenn überhaupt, nur mit spitzen Fingern angefasst wird. Wer thematisch passende Lektüre sucht, wird hier aber fündig.

Ein weiterer Sachtext zu einem aktuellen Thema, der aber nix mit Klimawandel zu tun hat, ist von Arnulf Meifert. Es geht um Nazi-Utopien, Ufo-Glaube, Esoterik und Verschwörungstheorien. Es handelt sich um das Vorwort seines offenbar selbstverlegten Buchs »Im Jahre 2000 im Dritten Reich – Was uns an Zukunft erspart blieb und doch noch blühen könnte«. Es ist übrigens nicht der einzige Text, der nicht exklusiv fürs Conbuch verfasst wurde. Aber wen stört’s?

Zu den Autoren, die im Conbuch mit Interviews, Rezensionen, Leseproben ihrer Bücher oder Kurzgeschichten vorgestellt werden, gehören Dietmar Dath, Dirk C. Fleck, Thore D. Hansen, Martha Wells und Bettina Wurche, um nur einige zu nennen.

Im Belletristikteil werden uns Leser Kurzgeschichten von einer Autorin und sechs Autoren sowie drei Gedichte von Erik Simon geboten. Eine Story scheint zu fehlen: Kathleen Weise erscheint unter den Autorenkurzbiografien, aber ich habe das Buch zweimal durchgesehen, und keinen Text von ihr gefunden. Aufgelockert werden die 290 Seiten durch zahlreiche farbigen Grafiken diverser Künstler, die mit Abstand am meisten von Mario Franke. Von ihm ist auch das Covermotiv.

In diesem Jahr ist es mangels Cons ja nicht möglich, einen Vergleich zwischen Conbüchern zu ziehen. Aber wenn es möglich gewesen wäre, wäre das Buch zum Elstercon in Sachen Anspruch und Qualität sicher die Top-Publikation.

Bezogen werden kann das Conbuch über die Homepage des Freundeskreises SF Leipzig, der den Elstercon seit 30 Jahren organisiert.

Radfahren – eine Frage der Haltung

Ich fahre (fast immer) mit dem Rad zur Arbeit. Dass das besser für die Umwelt und meine Gesundheit ist, ist dabei nur Nebensache.

Mein Fahrrad, gerade gekauft, steht an einer Klappbrücke über die Westerwieke in Moormerland.

Seitdem mein Arbeitsplatz nur noch knapp dreieinhalb statt 35 Kilometer von zu Hause entfernt liegt, fahre ich mit dem Rad ins Büro. Jeden Tag, bei Wind und Wetter. Nur allzu heftiger Regen, Sturm oder Schneetreiben morgens können mich davon abhalten. Nass geworden bin ich oft genug. Das Auto steht tagelang rum und wird nur noch zum Wocheneinkauf benutzt oder um jemanden zu besuchen, den man mit Bus oder Bahn nicht ohne Weiteres erreicht.

Ich mache keinen Sport, ich bin kein Radfahr-Maniac, der sich in den Sattel schwingt, um irgendein Pensum abzustrampeln. Ich fahre zur Arbeit, zum Brötchen holen, in die Stadt und mache manchmal mit meiner Frau eine Radtour. Im vergangenen Monat bin ich 300 Kilometer gefahren, zehn am Tag, das ist nichts, womit ich angeben könnte.

Als ich 27 oder 28 war, bin ich mal mit dem Rad von Offenburg nach Piacenza gefahren, 550 Kilometer in fünf Tagen. Das war ’ne Leistung, die ich aber nie zu wiederholen versucht habe. Zurück bin ich von Mailand mit dem Zug.

Für mich sind gesundheitliche und ökologische Gründe beim Radfahren nebensächlich. Selbstverständlich ist es gut, dass mir als Berufs- und Freizeit-»Schreibtischtäter« das Radfahren zumindest ein wenig regelmäßige Bewegung verschafft, dabei wegen des Verzichts aufs Auto etwas für die Umwelt tue und dabei auch noch Geld spare (300 Gramm CO2 und 20 Cent Spritgeld pro Kilometer).

Gegen die Hektik um mich herum

Radfahren ist für mich eine Frage der Haltung, eine Form stillen Protests gegen die Hektik in dieser Gesellschaft. Ich will mich von anderen unterscheiden, die ein Auto für unentbehrlich halten, zeigen, dass es auch anders geht. Mein früherer Chef, der jeden Morgen mit dem Rad Frühsport betrieb, setzte sich ins Auto, um in der Mittagspause zum kaum 100 Meter entfernten Bäcker zu fahren und ein Brötchen zu holen.

Zu dieser Haltung gehört es, dass ich mich (meistens) an die Verkehrsregeln halte und nicht als Geisterfahrer den Radweg auf der falschen Straßenseite oder gar den Gehweg benutze oder bei rot über die Ampel fahre. Ich leiste mir die Freiheit, nicht den kürzeren Weg zu nehmen. Das heißt nicht, dass ich mich nicht ärgere, wenn ich als Radfahrer wegen der Verkehrsplanung schlechter behandelt werde als die Autofahrer und beispielsweise an der Ampel schon bei rot warten muss, während die Autos noch lange grün haben. Eine Kreuzung habe ich da besonders im Blick, und wenn ich Rentner bin, werde ich mal dokumentieren, wie ungerecht dort die Schaltung der Phasen ist.

Konsequenterweise werde ich mein Auto ganz abschaffen, wenn ich in Rente gehe. Denn jetzt brauche ich es gelegentlich noch dienstlich, nicht nur, um bei Mistwetter trocken in die Firma zu kommen..

Die Welt nach dem Klimawandel

Die SF-Anthologie »2101 – Was aus uns wurde« gibt’s jetzt als E-Book. Eine von 31 Storys ist von mir

Im Verlag Moderne Phantastik ist die Science-Fiction-Anthologie »2101 – Was aus uns wurde«, zunächst nur als E-Book, erschienen – mit 31 Storys über eine Welt nach dem Klimawandel. Eine davon ist von mir, ein kurzes Stück mit dem Titel „Rückkehr“. Viele tolle Autorenkollegen haben mitgemacht und einen dicken Band (375 Seiten) abgeliefert. Mein Beitrag ist da nur bescheiden, umso mehr fühle ich mich gebauchpinselt, weil mein Name auf der Amazon-Seite als erster genannt wird.

Es ist meine zweite Veröffentlichung im Verlag von Peggy und Rico Gehrke, und damit habe ich gute Erfahrung gemacht. Meine Kurzgeschichte »Das letzte Mammut« wurde vor zwei Jahren zusammen mit mehreren anderen Storys aus der Anthologie »Meuterei auf Titan« für den Deutschen Science-Fiction-Preis nominiert.

Das Inhaltsverzeichnis: Oliver Koch – Jäger und Beute; Nele Sickel – Atlantas Schätze; Frank Lauenroth – Syms; Axel Kruse – Grassoden; Sybille Lengauer – Auferstehung; Norbert Fiks – Rückkehr; Galax Acheronian – Konserviert; Achim Stößer – Der alte Mann und das Mädchen; Maike Braun – Leerland; Rico Gehrke – Ich bin der Mann vom Meer des Regens; Stephan Becher – Ameisen; Johann Seidl – Autonomie Neunenz; Gundel Steigenberger – An Terra; Sebastian Bach – Die feindseligste aller Spezies; Olaf Lahayne – Camp Millenium; Elisabeth Marienhagen – Mabelle; Oliver Koch – Der Gärtner von Eden; Tobias Lagemann – Eine kurze Anekdote aus der Zeit vor dem Krieg; Annie Waye – Die Neue Welt; Nob Shepherd – Mazons Vermächtnis; Stefan Junghanns – Als das Jahrhundert noch jung war; Axel Aldenhoven – Terra Digitalis; Friedhelm Schneidewind – Häusergeflüster; Andrea Bannert – Die letzte Zeugin; Stephan Becher – Ungeplanter Besuch; F. Anderson – Die richtige Partnerwahl; Roland Rosenbauer – Die Kirschenkönigin; Jaana Redflower – Sirenen; Achim Stößer – 23X; Oliver Koch – Friedensangebot; Sebastian Görlitzer – Die rettende Idee.