Weil bald Weihnachten ist, ist jetzt mal Zeit für eine Bescherung. Ich habe in diesem Jahr ganz sporadisch schiefe sprachliche Bilder in Zeitungsartikeln gesammelt. Hier sind ein paar Perlen.
»Während das Betreuungsgeld bundesweit ein Ladenhüter zu sein scheint…« – es liegt vermutlich wie Blei in den Regalen.
»Das Stromkabel rückt näher«
»Straßenausbau: Heute werden Weichen gestellt«
»Vogelgrippe in Barßel entdeckt« – Hatte sie sich dort versteckt?
»Der Spargel steht in den Startlöchern« – Sport für junges Gemüse
»Reformierte auf dem Weg in die Zukunft« – im Unterschied zu allen anderen? Das erste Mal seit 500 Jahren?
»Fördergeld soll in die Seeschleuse fließen« – und versandet dort?
»Die Frühkartoffeln starten dieses Jahr später« – als der Spargel?
»Strommasten sind gewachsen« – Mit was wurden die wohl gedüngt?
Ich habe die Quellen bewusst weggelassen, ich will ja niemanden vorführen. Aber vielleicht erkennt sich ja jemand wieder.
Es gibt eine Internet-Seite »Perlen des Lokaljournalismus 🔗« mit ganz vielen Stilblüten und lustigen Verschreibern. Denen will ich und kann ich keine Konkurrenz machen.
Mehr Rost als Wunder: Die Bahnlinie Groningen-Leer führt bei Weener über die Ems. Betrieben wird die Linie von der niederländischen Arriva, einem Ableger des britischen Tochterunternehmens der Deutschen Bahn. Das Bild ist von 2013. Die Brücke ist inzwischen neu gebaut.
In den Niederlanden gibt es The Wunderline Community. »Wunderline« ist der Name einer projektierten schnellen Bahnverbindung zwischen der nordniederländischen Provinzhauptstadt Groningen und Bremen über Leer und Oldenburg. Ziel ist eine Fahrzeit von 1:55 Stunden. Derzeit braucht man mit dem Personenzug zwei Stunden und 44 Minuten und muss in Leer umsteigen. Die »Wunderline« sorgt außerdem für eine erhebliche Abkürzung der Verbindung Amsterdam-Hamburg im Güterverkehr. Die Niederländer sind bereit, in den Ausbau viel Geld zu investieren.
Ich will mich jetzt nicht über den Sinn oder Unsinn eines solchen Bahnprojekts auslassen. Auch nicht darüber, was eine Bahnstrecke mit einem Wunder zu tun hat, ausgerechnet bei den calvinistischen Niederländern.
Es geht mir vielmehr um das Wort <Wunderline> . Das ist ein Mischwesen aus dem deutschen Wort <Wunder> und dem englischen <line>. Obwohl das Projekt aus den Niederlanden ist, kommt das Niederländische nicht vor. Eine deutsche <Wunderlinie> und die englische <wonder line> hießen auf Niederländisch <wonder lijn>. Weil es sich um eine niederländisch-deutsche Linie handelt, wäre <Wunderlijn> passender gewesen.
»Wunderline« – das ist echtes Denglisch. Wie heißt das wohl auf Niederländisch: Dit geldt echt Dengels?
Seit der ersten Veröffentlichung dieses Posts Anfang 2015 ist eine Menge passiert. Die erste Bauphase der Wunderline ist mit einigen Verzögerungen inzwischen abgeschlossen. Die Friesenbrücke, auf der die Bahnstrecke Groningen-Leer die Ems überquert, wurde neun Monate später durch ein Frachtschiff so stark beschädigt, dass sie abgerissen und neu gebaut werden musste. Das hat rund zehn Jahre gedauert. Der Bahnverkehr wird im Frühjahr 2026 wieder aufgenommen. Allerdings wird die Fahrzeit zwischen Groningen und Leer bis auf Weiteres bei 2 Stunden und 26 Minuten liegen und erst frühestens Mitte der 2030er Jahre auf 2 Stunden und 11 Minuten sinken.
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Auf dem Weg zum Wochenmarkt in einer ostfriesischen Kreisstadt bin ich heute an diesen Hinweisen vorbeigekommen. Sie hängen in einem Durchgang (Passage).
Die Botschaft ist eindeutig, aber falsch geschrieben – und zwar auf beiden Zetteln, was ein Versehen ausschließt. Klar, dass sich bei diesem Wetter Obdachlose ein trockenes Plätzchen zum Schlafen suchen. Da ist so eine Passage ideal. Die Eingänge sind so weit weg, dass Regen oder Schnee auf keinen Fall bis zum Schlafplatz gelangen können, und in diesem speziellen Fall gibt es sogar eine genügend große Nische, so dass auch gelegentliche nächtliche Passanten ungehindert durchgehen können und der Schlafende nicht bemerkt wird. Wenn dort der eine oder andere pennt, wen stört’s?
Mir jedenfalls gehen Sprachstümper mehr auf den Keks.