Ein Altar für Perry Rhodan

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Das Perryversum auf dem Altar(falz) von »E Vau«

Es ist ein ziemlich hoher Anspruch, mit dem die Macher für ihr neues Produkt werben: »In Deutschland gibt es über 600.000 Vereine. Das ist ihr Magazin«. Seit Juli ist Ausgabe 1 von »E Vau«, ein 90-seitiges Heft, für elf Euro im Zeitschriftenhandel erhältlich. Wahrscheinlich aber nicht überall.

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Das Cover von »E Vau«.

»E Vau« oder e. V. ist die Abkürzung für »eingetragener Verein«. Das Magazin hat aber selbst nichts, das man spontan mit einer Vereinszeitschrift verbinden würde. Es ist hochwertig ausgestattet, ein ganzes Team von Grafikern, Fotografen und Illustratoren (letztere werden im Unterschied zu den Schreibern am Anfang des Heftes in Kurzbiografien vorgestellt) hat seine sehenswerten Spuren hinterlassen, stolz werden auf einer Seite die verwendeten Papiere (Holmen TRND 80g/m3) und Schriftarten (Isidora von Enrique Hernández) aufgelistet, so wie bei »Craft«-Bieren die verwendete Hopfensorte genannt werden. Herausgegeben wird »E Vau« (Homepage) von der offensichtlich jungen und hippen Agentur pr+co aus Stuttgart (Homepage). Die produziert unter anderem Mitarbeiter- und Kundenzeitschriften für die Allianz, Kärcher, hansgrohe und viele andere. Continue reading „Ein Altar für Perry Rhodan“

Leerstelle im Gedächtnis der Stadt

Die Leerstelle am alten Haupteingang der Ostfriesischen Volksbank in Leer.

Wer in der ostfriesischen Stadt Leer von der Brunnenstraße kommend die Mühlenstraße entlanggeht, passiert den Altbau der Ostfriesichen Volksbank (OVB), ein imposantes Gebäude, das 1924 fertiggestellt wurde. Am ehemaligen Haupteingang, direkt unter dem Firmenschild, fällt ein fast gleichgroßer heller, quadratischer Fleck auf. Dübellöcher zeigen, dass dort einmal etwas angeschraubt war.

Bis vor einigen Jahren erinnerte an dieser Stelle eine Bronzetafel an einen Ereignis am Ende des Zweiten Weltkriegs in Leer. Sie trug diese Inschrift:

»Am 29. April 1945 um 4.00 Uhr wurde dieser Eingang von canadischen Truppen – den Water-Rats – im Rahmen der Kampfhandlungen um Leer gesprengt.«

Die fehlende Tafel.

Die Kanadier (3. Panzerdivision) waren einen Tag zuvor in die Stadt gekommen und hatten das Bankgebäude besetzt. Bei den Kämpfen mit deutschen Truppen wurde die Tür gesprengt, wobei offenbleiben muss, ob dies gezielt geschah, um in das Gebäude zu gelangen, oder ob es ein »Kollateralschaden« war. Offenbar wurde in den nächsten Tagen von plündernden Soldaten auch versucht, die Tresortür in der Bank zu sprengen, um an die Schließfächer zu kommen, was ihnen jedoch nicht gelang.

Ort der Verräumung nicht dokumentiert

Vor einigen Jahren standen bei der OVB umfangreiche Baumaßnahmen an. Es wurde an- und umgebaut. Nach Auskunft des Bankvorstands in einem Brief an mich vom 4. August 2017 wurde die Plakette seinerzeit abgenommen, »um sie vor Beschädigung durch die Baumaßnahmen zu schützen«. Seither ist die Tafel verschollen: »Der Ort der Verräumung wurde jedoch nicht dokumentiert.«

Die heute fehlende Plakette war das Einzige, das im Stadtbild von Leer an das wenig rühmliche Ende des Zweiten Weltkriegs erinnerte. Die Inschrift deutet das durch das Wort »Kampfhandlungen« an. Tatsächlich war die Stadt umkämpft, weil der Stadtkommandant nicht aufgeben wollte. Die kanadischen Truppen beschossen die Stadt vom jenseitigen Emsufer aus, unterstützt von alliierten Bombern. Ziel war unter anderem die Kaserne am südlichen Stadtrand. Bei den Kämpfen kamen in wenigen Tagen rund 400 Menschen ums Leben, das waren, wie der Historiker Enno Eimers in seiner »Stadtgeschichte« vermerkt, mehr Tote als bei den zahlreichen Luftangriffen auf Emden, wo in viereinhalb Jahren 316 Menschen ums Leben kamen.

Insofern hinterlässt der Verlust der Tafel eine Leerstelle im Gedächtnis der Stadt.

Widerstandskämpfer erschossen

Dass der Krieg nicht spurlos an Leer vorbeiging, dokumentiert aber inzwischen eine andere Tafel. In den Wirren der letzten Kriegstage kam ein selbsternannten Hauptmann namens Willy Herold mit einem Trupp Soldaten in die Stadt. Der »Henker vom Emsland«, dem zuvor schon mehr als 100 Kriegsgefangene im Emslandlager zum Opfer gefallen waren, ließ am 25. April 1945 fünf niederländische Widerstandskämpfer – Johannes Gerhardus Kok, Kornelis Pieter Fielstra, Johannes Adrianus Magermans, Carolus Henricus Hubertus Magermans und Johannes Verbiest – ermorden, nachdem er sie widerrechtlich aus dem Leeraner Polizeigefängnis geholt und in einem Standgericht zum Tode verurteilt hatte.

Eine Bronzetafel mit den Namen und Lebensdaten der fünf Ermordeten wurde im April 2013 am Eingang zum ehemaligen Gefängnis im Rathaus angebracht. Eine weitere Gedenktafel wurde ein Jahr später im Westerhammrich an der Stelle aufgestellt, an der die Niederländer erschossen wurden.


Quellen:
Enno Eimmers: Kleine Geschichte der Stadt Leer. Leer 1993.
Norbert Fiks: 125 Jahre Ostfriesische Volksbank eG. Leer 1994 (Festschrift).
T.X.H. Pantcheff: Der Henker vom Emsland. Dokumentation einer Barbarei am Ende des Krieges 1945. Leer 1995.
Petra Herterich: Die Geschichte der Väter ist unvergessen. Ostfriesen-Zeitung, Leer, vom 27.4.2013 (online hinter Bezahlschranke).
Daniel Noglik/Christian Wöste: Blutiger Streifzug eines falschen Offiziers, Ostfriesen-Zeitung, Leer, vom 26.4.2014 (online hinter Bezahlschranke)
Persönliche Mitteilung der OVB an den Verfasser vom 4. August 2017.

50 years ago: Pink Floyd appears

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Das Cover von The Piper at the Gates of Dawn.

Für diesen Trip braucht man keine Drogen. Spätestens nach den ersten fünf Sekunden, in denen eine blecherne Stimme vor fernen Gitarrenklängen unverständliche Worte aneinanderreiht, ist man für den Rest des Lebens abhängig. „The Piper at the Gates of Dawn“ ist eine elektrisierende Mischung aus irritierenden Klängen, seltsamen Geräuschen, merkwürdigen Songtiteln („Pow R. Toc H.“) und zum Teil völlig irren Texten. Man möchte echt nicht wissen, was dabei im Kopf von Mastermind Syd Barrett vorgegangen ist. Er hat’s nicht lange ausgehalten. Ich schon. Bis heute.

Heute vor 50 Jahren (5. August 1967) erschien das Debütalbum von Pink Floyd: „The Piper at the Gates of Dawn“.