Zum dritten Mal: Deutsche SF in Spektrum

Ausgabe Februar 2017

Für deutsche Science-Fiction-Kurzgeschichten gibt es nur wenige regelmäßig erscheinende, einer breiten Leserschaft zugängliche Veröffentlichungsmöglichkeiten, zum Beispiel die Computerzeitschrift c’t. Seit Kurzem gehört das Magazin Spektrum der Wissenschaft (SdW) dazu, woran ich einen gewissen Anteil hatte.

Mit dem Februar-Heft ist jetzt die dritte SF-Kurzgeschichte eines deutschen Autors erschienen, »Welt der Erwachsenen« von Karsten Kruschel. Man kann sie kostenlos als PDF-Datei  herunterladen. Continue reading „Zum dritten Mal: Deutsche SF in Spektrum“

Mit dem Nachtzug nach Rom, Teil 1

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Im Schlaf nach Rom. Foto: Bianca Mentil/pixabay

Wir probieren im Sommerurlaub den neuen Nachtzug der Österreichischen Bundesbahn ÖBB aus. Vorgestern habe ich die Tickets für die Verbindung von München nach Rom (und zurück) gebucht. Die ÖBB hatte zum letzten Fahrbahnwechsel die Nachtzüge von der Deutschen Bahn AG übernommen, die Linien optimiert (aus ihrer Sicht) und bietet sie jetzt unter dem Titel »Nightjet« an.

Ich habe einige Schlafwagenfahrten hinter mir, mit unterschiedlichen, aber überwiegend positiven Erfahrungen. Man kann zwar in der Regel nicht durchschlafen, weil der Zug Geräusche macht, ruckelt, langsam fährt, an Bahnhöfen hält – aber man ist zumindest besser ausgeruht, als wenn man versucht, im normalen Abteil zu schlafen.  Auf der Strecke von München nach Rom ist der längste Abschnitt ohne Halt mit drei Stunden der zwischen Tarvisio Boscoverde, dem ersten italienischen Bahnhof, und Padova. Continue reading „Mit dem Nachtzug nach Rom, Teil 1“

»Lagune«: bunte Endzeitstimmung in Lagos

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Tolles Cover von Greg Ruth

Nnedi Okorafor: Lagune
übersetzt von Claudia Kern
Cross Cult/Amigo Grafik, Ludwigsburg 2016
370 Seiten, 18 Euro (E-Book 9,99 Euro)
ISBN 9783864258732

»Lagune« ist ein tolles Buch. Das fängt schon mit dem Umschlagbild von Greg Ruth an. Das Gesicht einer Afrikanerin, das sich in einer Wolke von Tinte oder gefärbtem Wasser aufzulösen oder zu entstehen scheint, ist magisch, genau wie der Roman von Nnedi Okorafor. Die Amerikanerin, Tochter nigerianischer Eltern, vermischt eine First-Contact-Geschichte mit afrikanischen Volksmärchen und Aberglaube und würzt sie mit Sozialkritik.

Der Roman spielt in der nigerianisches Metropole Lagos. Dort am Strand treffen drei Menschen – die Meeresbiologin Adaora, der Rapper Anthony und der Soldat Agu – auf eine Außerirdische, die sie Ayodele nennen. Adaora nimmt alle mit zu sich nach Hause; ihr Haus wird dadurch zum Brennpunkt der Ereignisse. Das Militär, eine Straßengang, eine Transvestitengruppe und eine Gruppe christlicher Fanatiker wollen sich der Außerirdischen bemächtigen und beschwören ein riesiges Chaos herauf. In Lagos kommt Endzeitstimmung auf, es gibt Tote, Plünderungen, Hexenverfolgung. Das Panoptikum, dass Nnedi Okorafor ausbreitet, ist so vielfältig und schrill wie die Stadt, die die eigentliche Hauptrolle in diesem Buch spielt. So bunt wie Lagos, wie die Figuren und die Geschichten ist auch der Stil der Autorin.

Das Meer beziehungsweise die Lagune von Lagos spielen eine große Rolle, ein Schwertfisch, ein Straßenmonster und der Hexenwahn sowie die auch bei uns bekannte Betrugsmasche mit E-Mails aus Nigeria (dort nach dem entsprechenden Paragrafen im Strafgesetzbuch 419 genannt) ebenso. Mehr wird nicht verraten.

Zum tollen Inhalt gibt’s die passende Ausstattung. Das Buch kommt als stabiles Paperback mit Klappbroschur und erhabener Schrift auf der Vorderseite. Das Titelbild kommt wegen des großen Formats von 13,5 x 20,5 Zentimeter besonders gut zur Geltung. Wie das Titelbild entstand, erzählt Ruth in einem Beitrag für Tor Online. Mehr von Okorafor und Ruth kommt demnächst. Für April kündigt Cross Cult Okorafors Debütroman »Wer fürchtet den Tod« (Originaltitel: »Who Fears Death« von 2010; Gewinner des World Fantasy Award) an.


Weiterführende Links
Internetseite von Nnedi Okorafor
Internetseite von Greg Ruth