Kluge Dialoge, glaubwürdige Figuren

Lothar Englert: Die holländische Brille. Leda-Verlag Leer 2012. 288 S. 9,90 Euro. ISBN 9783939689515

Ich war skeptisch und habe deshalb auch lange gezögert, dieses Buch zu lesen: einen Roman über eine historische Figur und einen besonders wichtigen Zeitabschnitt in der Geschichte Ostfrieslands. Fast alle historischen Romane, die ich gelesen habe, haben mich, gelinde gesagt, enttäuscht. Aber weil ich mich seit langem immer wieder einmal mit David Fabricius beschäftigt habe, kam ich an dieser Lektüre nicht vorbei. Und sie hat sich gelohnt. Continue reading „Kluge Dialoge, glaubwürdige Figuren“

Die Novemberrevolution in Leer

Vor 100 Jahren ist der Erste Weltkrieg zu Ende gegangen. Als das Volk nach vier Jahren erschöpft war und die Soldaten zu Hunderttausenden verreckt waren, brach das deutsche Kaiserreich zusammen und eine neue Epoche beganng. Überall in Deutschland übernahmen Arbeiter- und Soldatenräte für kurze Zeit die Kontrolle und versuchten, Chaos zu verhindern. Auch in der ostfriesischen Kleinstadt Leer. Davon handelt mein historisches Sachbuch »Die Novemberrevolution. Leer unter dem Arbeiter- und Soldatenrat«.
Aus Anlass des Jubiläums gibt es eine zweite, durchgesehene Ausgabe. Die Änderungen gegenüber der Ausgabe von 2007 sind marginal.

Zum Inhalt:

In der ostfriesischen Kleinstadt Leer hat sich, wie in vielen anderen Städten Deutschlands, am 9. November 1918 ein Arbeiter- und Soldatenrat gebildet. Unter der Führung des Tischlergesellen und Gewerkschafters Conrad Bruns bestimmte er bis März 1919 die Geschicke in der Stadt. Arbeiter, in der Leer stationierte Soldaten und Teile des Bürgertums versuchten in Zusammenarbeit mit dem städtischen Magistrat als Revolutionäre wider Willen, in der Stadt „Ruhe und Ordnung“ aufrechtzuerhalten, nachdem der Krieg verloren gegangen und die Monarchie zusammengebrochen war.

Gleich zu Beginn seines Buches räume ich mit einem weit verbreiteten Irrtum auf. Nicht aus Wilhelmshaven, wo die Meuterei der dort stationierten Marineeinheiten den Sturz des Regimes ausgelöst hatte, kam die „deutsche Revolution“ nach Leer. Es war der Emder Arbeiter- und Soldatenrat, der bei den ostfriesischen Nachbarn Geburtshilfe leistete und selbst wiederum von den Umstürzlern im Marinestützpunkt Kiel beeinflusst war.

Vier Monate dauerte die Herrschaft des Arbeiter- und Soldatenrates. In dieser Zeit wurden auch in Leer die Grundlagen für die Demokratisierung der Gesellschaft gelegt. Ausführlich gehe ich unter anderem auf die Parteienbildung nach dem Krieg sowie die Wahl zur verfassunggebenden Nationalversammlung ein und lege dabei alle Wahlergebnisse für die Stadt und die übrigen Gemeinden des damaligen Kreises Leer vor.

Das Buch ist bei Books on Demand im Selbstverlag erschienen. Es kann direkt dort, über den örtlichen oder den Online-Buchhandel  (zum Beispiel bei der Autorenwelt) bestellt werden.

Norbert Fiks
Die Novemberrevolution.
Taschenbuch, 132 Seiten
8,95 Euro
ISBN-10: 3837001237
ISBN-13: 978-3837001235
Gibt es bald auch als E-Book zum Preis von 5,99 EUR.

Der Blumenladen ist weg

Der Blumenladen am Leeraner Bahnhof stand jahrelang leer. Jetzt ist er nur noch Erinnerung.

Nur noch Erinnerung: So lange ich in Leer wohne, kam ich auf dem Weg zum Bahnhof an dem kleinen Blumenladen mit der charakteristischen, um die Ecke gehenden Leuchtschrift »Meukow-Blumen« vorbei.  Vor einiger Zeit wurde er abgerissen.

Der Blumenladen ist schon vor dreieinhalb Jahren ein paar Dutzend Meter weiter an einen neuen Standort am Bahnübergang Bremer Straße umgezogen. Seitdem stand das kleine Gebäude leer. Der Blumenladen wurde in den 1950 Jahren gebaut und blieb bis zuletzt äußerlich im Originalzustand mit den großen, leicht abgeschrägten Schaufenstern. Er war in gewisser Weise ein architektonisches Kleinod, aber kein Baudenkmal.

Das Gebäude gehörte der Deutschen Bahn. Jetzt will die Stadt Leer dort eine Fahrradstation bauen, die den bestehenden „historischen“ Fahrradständer – eine Zumutung für alle Radfahrer – ersetzen soll. Das Ganze geschieht im Zuge der Neugestaltung des Bahnhofs und seines Umfelds.