Eine Landschaft mit drei Sonnen

Der Expressionist Josef Scharl malte 1925 ein Bild, das eine Science-Fiction-Szene auf einem Exoplaneten darstellen könnte

»Landschaft mit drei Sonnen« ist dieses Bild betitelt, das der Münchner Josef Scharl 1925 malte. Ein besseres, urheberrechtlich geschützes Bild gibt es hier.

Wenn ich unterwegs bin, halte ich stets die Augen offen nach Science-Fiction-Motiven an Orten, an denen man nicht unbedingt damit rechnet. Sie finden sich an den ungewöhnlichsten Stellen, in der Werbung, als Graffiti, auf Produkten, in Museen. Meistens registriere ich sie nur, manchmal erscheinen sie mir so ungewöhnlich, dass sie mich zu Recherchen anregen.

Vor einiger Zeit war ich in Bremen in einer Ausstellung, in der mir das Gemälde »Landschaft mit drei Sonnen« von Josef Scharl wegen seiner kräftigen Farben gleich ins Auge sprang. Eine Landschaft mit drei Sonnen – das sieht nach Science-Fiction aus! Die Landschaft selbst ist nicht ungewöhnlich. Man sieht Hügel in verschiedenen dunklen Braun- und Grüntönen mit ein wenig Rot. Am Himmel darüber stehen die drei im Titel genannten Sonnen: zwei rote und eine gelbe! Sie scheinen der dunklen Landschaft allerdings nicht viel Licht zu spenden.

Josef Scharl wurde 1896 in München geboren. Er gilt als bedeutender Maler und Grafiker des deutschen Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit. Sein Werk zeichnet sich durch kräftige Farben und eine motivische Vielfalt aus, die sozialkritische Themen, Landschaftsmalerei, Stillleben und Porträts umfasst. Seine Bilder galten bei den Nazis als »entartete Kunst«. 1938 emigrierte er in die USA. Scharl starb 1954 in New York. Er war übrigens seit Ende der 1920er Jahren mit Albert Einstein bekannt. Später, im amerikanischen Exil, wurde daraus eine Freundschaft, und Scharl hat den Physiker mehrmals porträtiert.

Einflussreicher Roman als Anregung?

Das Bild mit den drei Sonnen hat Josef Scharl im Jahr 1925 gemalt. Das war vier Jahre, bevor der Begriff »science fiction« von Hugo Gernsback geprägt wurde. Selbstverständlich gab es auch vorher phantastische Geschichten, und es ist möglich, dass Scharl damit in Berührung kam. In der in seiner Heimatstadt erscheinenden Münchner Illustrierten Presse wurde 1925 in Fortsetzung der einflussreiche Roman »Der Schuß ins All« von Otto Willi Gail veröffentlicht. Darin und in anderer zeitgenössischer SF konnte der Maler zwar kaum die Vorlage, aber vielleicht die Anregung für eine solche Konstellation gefunden haben. Bis Ende der 1920er Jahr war die SF nicht über das Sonnensystem hinausgekommen. »The Skylark of Space« von E. E. Smith gilt als erster Roman, der interstellare Reisen thematisierte. Er wurde 1928 in Gernsbacks Magazin Amazing Stories in Fortsetzungen veröffentlicht (so wie auch die Übersetzung von Gails Roman in einem Gernsback-Magazin, der Science Wonder Quarterly, erschien). Bei Smith ist der erdähnliche Planet Osnome einer der Schauplätze. Osmone kreist, wie lange Zeit noch alle SF-Exoplaneten, um eine einzelne Sonne.

Nun, Scharl könnte von den zahlreichen astronomischen Entdeckungen seiner Zeit inspiriert worden sein. Doppelstern-Systeme waren in der Astronomie schon ein alter Hut, aber als erstes möglicherweise gravitativ gebundenes Dreifach-System wurde 1915 Alpha Centauri, bestehend aus dem Doppelsternsystem Alpha Centauri A und B sowie Proxima Centauri, erkannt. Dieses Sternensystem wurde erst 1935 in Murray Leinsters Story »Proxima Centauri«, in den Astounding Stories, angeflogen. Allerdings ist der Abstand von Proxima Centauri, dem sonnennächsten Stern, zu Alpha Centauri mit 0,2 Lichtjahren so groß, dass man ihn von dort aus nur als einen unscheinbaren, lichtschwachen Stern von vielen sehen würde. Ein Anblick wie auf Scharls Bild würde sich auf keinem Exoplaneten im Centauri-System bieten.

Unter dem Einfluss von Vincent van Gogh

Kunsthistoriker sind sich darin einig, dass Scharl wie viele seiner expressionistischen Künstlerkollegen jener Zeit stark von Vincent van Gogh beeinflusst wurde. Dessen Werk erlebte Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland eine erste große Phase der Rezeption. Der 1890 unter nicht vollständig geklärten Umständen ums Leben gekommene niederländische Künstler wurde als »Vater der Moderne« gefeiert. Bilder von ihm waren in zahlreichen Galerien und Museen zu sehen.

Vincent van Gogh war einer der ersten Maler, die die Sonne zu einem zentralen Element ihrer Bilder machten. Die »Weiden bei Sonnenuntergang« entstanden 1888.

Was die deutschen Expressionisten an van Gogh besonders faszinierte, waren dessen Bilder, in denen die Sonne als lodernder gelber Ball am Himmel steht, wie »Weiden bei Sonnenuntergang«, »Sämann bei untergehender Sonne« oder »Weizenfeld hinter dem Hospital Saint-Paul« von 1888 bzw. 1889. Das Licht der Sonne war zuvor auf Gemälden meist nur indirekt wiedergegeben worden. Van Gogh hingegen rückte die Sonne als ein lebensspendendes und hoffnungsvolles Symbol ins Zentrum seiner Kompositionen. Allerdings sahen die deutschen Expressionisten – den Zeitumständen geschuldet – die »Sonnenmalerei« eher als ein apokalyptisches Zeichen. Beispiele sind neben Scharls Bild der »Sonnenaufgang« von Otto Dix (1913), »Flußlandschaft mit Schiffen und roter Sonne« von Walter Ophey (1913/14) oder Max Pechsteins »Aufgehende Sonne« von 1933. In diesen Kontext passt auch Scharls düsteres, schon sehr abstraktes Bild »Brennende Sterne« von 1933, das man als politischen Kommentar auffassen könnte. Das Sonnenthema ließ Scharl nicht los: Er malte 1944 ein Bild mit dem Titel »Sonnenaufgang« und 1951 die »Untergehende Sonne«.

Mit Science-Fiction und selbst mit Astronomie hat das Bild mit den drei Sonnen, das heute der Kunsthalle Emden gehört und dort leider ein Schattendasein im Magazin fristet, also nichts zu tun? Lassen wir uns doch die Illusion, denn Scharl hat sich nie zur Bedeutung seiner Bilder geäußert, er war im Gegenteil der Meinung, sie sprächen für sich. 1947 schrieb er an einen Kunsthändler: »Die guten Bildwerke sind klar und eindeutig und brauchen keine Erklärungen, sie verlangen aber ein Bekenntnis.« Es ist also nicht ausgeschlossen, dass die Kunstexperten sich irren.

Dieser Text erschien im Mai 2025 in der Ausgabe 289 der Andromeda Nachrichten, dem Mitgliedermagazin des Deutschen Science-Fiction-Clubs.

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Ein Tool für SF-Autoren

Mit dem Kepler-Simulator kann man die Umlaufzeit von Exoplaneten berechnen

Wer als Science-Fiction-Autor/Autorin über Exoplaneten in fernen Sternensystemen schreibt, braucht manchmal astronomische Angaben. Man kann sich leicht die physikalischen Merkmale eines Planeten ausdenken, wie groß oder schwer er ist, die Tageslänge, wie weit er vom Zentralgestirn entfernt im All kreist. Aber da wird es eventuell schwierig, denn zumindest in unserem Universum ist die Umlaufzeit (Jahreslänge) eines Planeten abhängig von seiner Entfernung vom Zentralgestirn und nicht beliebig wählbar. Die Umlaufzeit zu berechnen, hilft dieses Tool:

Universaler Kepler-Simulator

Umlaufzeit 365.25 Tage (= 1.00 Erdjahr)
Bahngeschwindigkeit 29.78 km/s

System Vergleich

System Masse (M☉) Abstand (AE) Umlaufzeit v (km/s)

* Berechnung basiert auf T = √(a³ / M) und v = √(G · M / r).

Es sind zwei Angaben erforderlich: die Masse des Sterns in Sonnenmassen (1 M = ~2 × 10²⁷ Tonnen) sowie der Abstand zum Zentralgestirn in Astronomischen Einheiten (1 AE = ~150 Millionen Kilometer). Bei der Sternenmasse gibt es einige Beispiele zur Vorauswahl, sie lässt sich selbstverständlich auch »benutzerdefiniert« eingeben. Den Abstand kann man mit dem Schieberegler bis zehn AE einstellen; für höhere Werte muss das Eingabefeld darüber benutzt werden.

Den Kepler-Simulator habe ich mit KI-Hilfe erzeugt. Grundlage ist das Dritte Keplersche Gesetz in seiner allgemeinen Form (sagt Gemini).

Ob das der richtige Ansatz ist, kann ich nicht sagen. Aber die Ergebnisse sind für die Planeten des Sonnensystems korrekt; also werden sie wohl auch für andere Systeme richtig sein. Es geht hier ohnehin nicht um exakte Ergebnisse, sondern um Plausibilität.

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Das Loch im Kirchendach

Ein Meteor schlägt in Marthas Leben ein . Eine Kurzgeschichte zu einem aktuellen Anlass.

Bild: C1superstar

Ein rotes Auto kam langsam die Straße hinaufgefahren. Martha sah es durch das Dachfenster der alten Kirche. Es gab sonst wenig Abwechslung in diesem Kaff. Seit die Umgehungsstraße fertiggeworden war, kam kaum noch ein Fremder hierher. Die Einheimischen und deren Autos kannte sie alle.

Martha hatte schon am frühen Morgen damit begonnen, die schadhaften Dachziegel abzuheben und durch neue zu ersetzen. Irgendetwas hatte ein Loch in die Pfannen geschlagen. Der Pfarrer vermutete, dass es ein großes Hagelkorn beim letzten Unwetter vor ein paar Tagen war. Aber Martha hielt das für unwahrscheinlich. Das Hagelkorn hätte so groß wie ein Fußball sein müssen, um ein solches Loch zu hinterlassen.

Der Wagen musste kurz stoppen, weil eine Elster auf der Straße gelandet war. Martha konnte nicht erkennen, was den Vogel so sehr faszinierte, dass er vor dem herannahenden Wagen nicht aufgeschreckt wurde. Vermutlich war es etwas Fressbares, vielleicht eine Maus, die am Morgen von einem der Traktoren, die mit ihren Anhängern unterwegs zu den Rübenfeldern gewesen waren, überfahren worden war.

Schließlich flog die Elster mit einem empörten Krächzen davon. Der Wagen fuhr weiter und kam schließlich auf dem kleinen Parkplatz neben der Kirche zum Stehen. Martha hörte, wie der Motor ausgestellt und eine Tür geöffnet wurde. Sie musste sich weit vorbeugen, um etwas erkennen zu können. Aber die Person, die ausstieg, vermutlich ein Mann, trug einen breitkrempigen Hut, so dass sein Gesicht nicht zu sehen war. Er machte ein paar Schritte auf die Kirche zu und verschwand aus Marthas Blickfeld.

Wenig später hörte sie Stimmen, die von unten heraufdrangen. Zwei Männer unterhielten sich. Das eine war der Pfarrer. Martha erkannte es am starken Lispeln. Die andere Stimme war tief und wohlklingend. Sie war sicher, dieser Person noch nie begegnet zu sein. Vermutlich der Besucher mit dem roten Auto.

Es dauerte ein paar Minuten, dann tauchte der Kopf des Pfarrers in der Bodenluke auf. »Hallo, Martha«, sagte er nur. Für die Reparaturarbeiten am Dachstuhl, die sie fast abgeschlossen hatte, hatte er nur einen kurzen Blick. Stattdessen musterte er die Bretter, die als Decke ins Kirchenschiff eingezogen worden waren. Auf ihrer Unterseite waren sie aufwändig bemalt, aber von oben sahen sie wie ganz normale Bretter aus. Martha fragte sich schon, wonach der Pfarrer suchen mochte, als er sich nach unten beugte und »Hier ist nichts zu sehen« hinunterrief.

Ah, dachte Martha, das ist bestimmt jemand von der Versicherung. Die wollen wissen, ob noch mehr als ein paar Dachpfannen beschädigt sind.

»Lassen Sie mich mal«, hörte Martha den Mann mit einem wohlklingenden Bariton rufen. Der Pfarrer verschwand nach unten. Stattdessen tauchte wenig später der Hut auf, und schließlich stand der unbekanne Besucher auf dem Dachboden.

Er war noch jung, kaum älter als Martha, und trug einen blauen Overall. Er hatte ein hübsches Gesicht und strahlte Martha an. Er gefiel ihr auf Anhieb.

»Moin, junge Frau. Ich möchte mich hier ein wenig umsehen.«

»Nur zu.«

Martha machte eine einladende Handbewegung. Der Mann kam auf sie zu und musterte die neu eingesetzten Pfannen.

»Wo war das Loch genau, und wie groß war es?«, wollte er wissen.

Martha zeigte ihm die Stelle im Dach und zeichnete mit dem rechten Zeigefinger die Umrisse des Lochs nach.

»Ich habe Fotos gemacht. Wenn Sie sie sehen wollen.…«

»Vielleicht später.«

Der Mann holte ein Stück Papier, ein Mobiltelefon und einen silberfarbenen, fingerdicken Stift aus seiner Brusttasche. Den Stift zog er mit einer schnellen Handbewegung zur mehrfachen Länge aus. Er tippte ein paar Mal auf das Handy, hielt es mit dem Stift zusammen gegen die von Martha bezeichnete Stelle am Dach, sah auf den Zettel, und drehte alles ein paar Mal hin und her, bis er offenbar die richtige Stellung gefunden hatte.

»Sehen Sie mal dort nach, an der Stelle, auf die der Stift zeigt«, forderte der Mann Martha auf.

Martha sah ihn verwirrt an. Was wollte der von ihr?

»Nun machen Sie schon. Einfach mal nachsehen. Ist nicht gefährlich.«

Martha richtete ihren Blick auf die Stelle, auf die der Stab zeigte. Dort quoll etwas von der Glaswolle, mit der die Kirche offenbar isoliert worden war, zwischen dem Abschluss der Balken und der Außenmauer hervor. Sie konnte nichts erkennen. Sie nahm ihre Taschenlampe, die sie auf den Boden gelegt hatte, denn es war hier oben hell genug zum Arbeiten, und leuchtete die Stelle an. Jetzt sah sie etwas Dunkles schimmern, das in die Glaswolle eingedrungen zu sein schien.

»Da ist was!«

Mit zwei Schritten war der Mann neben ihr, bückte sich und nahm das dunkle Etwas zwischen Daumen und Zeigefinger der rechten Hand. Es war etwa so groß wie eine Kastanie.

»Wusste ich’s doch«, sagte er triumphierend und richtete sich auf. Er strahlte übers ganze Gesicht und sah richtig glücklich aus. Das gefiel Martha.

»Was ist das?«, fragte sie und trat so nah an ihn heran, dass sie ihn fasst berührte.

Der Mann setzte ein spitzbübischen Grinsen auf.

»Das, meine Liebe, hat das Loch in euer Kirchendach geschlagen. Ein Meteorit. Vor ein paar Tagen ist hier in der Gegend ein kosmisches Brocken beim Flug durch die Atmosphäre auseinandergebrochen.«

Davon hatte Martha gehört.

»Wie damals in Russland?«

»Genau, Tscheljabinsk, 2013.«

Der Mann wandte sich wieder der Luke zu, als wollte er gehen. Schnell streckte Martha die Hand aus.

»Darf ich?«

Der Mann legte den Stein vorsichtig in ihre Hand. Sie ließ ihn ein paarmal durch die Finger kreisen. Der Meteorit erwies sich als kühl und viel schwerer, als Martha erwartet hatte. Seine Oberfläche war glatt, fast glasartig.

»Was passiert damit?« Sie gab ihm den Stein zurück.

Der Besucher verstaute ihn in einer seiner vielen Taschen und machte sich an den Abstieg.

»Wir untersuchen ihn, und dann kommt er vielleicht in die Ausstellung.«

Martha sah ihn fragend an.

»In der Sternwarte in der Kreisstadt, ich arbeite da.«

Der Mann war schon wieder bis zur Brust in der Dachluke verschwunden.

»Kommen Sie doch einfach mal vorbei, ich zeige Ihnen dann alles. Fragen Sie nach Erik«, sagte er, lächelte und lupfte zum Abschied seinen Hut.

»Das werde ich machen«, erwiderte Martha. Dabei war ihr der Meteorit eigentlich schnuppe.


Anfang März 2026 durchschlug ein Meteorit in Koblenz das Dach eines Wohnhauses (Link). Als ich diese Nachricht hörte, fiel mir eine Kurzgeschichte ein, die schon einige Zeit auf der Festplatte »verstaubte«. Sie war Ergebnis einer täglichen Schreibaufgabe. Diese lautete: Schreibe eine Kurzgeschichte von mindestens 300 Wörtern, in denen diese vier Begriffe – Vogel, Meteorit, Dachstuhl, vorbeugen – in verschiedenen Sätzen vorkommen. Du hast eine halbe Stunde Zeit. Für die Veröffentlichung habe ich sie leicht nachbearbeitet.


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