Von den vier Enden meiner Welt

sanysidoro
Auf dem Highway 550 bei San Ysidro in Neumexiko liegt mein persönlicher westlichster Aufenthaltsort  (Bild: Google Streetview)

Es ist mir im jüngsten Urlaub am Bodensee nicht gelungen, der Liste der von mir besuchten Länder ein weiteres, das 19., hinzufügen. Dabei waren wir bei unserem Ausflug auf den Säntis in der Ostschweiz keine 20 Kilometer Luftlinie von Liechtenstein entfernt. Man könnte das kleine Fürstentum von dort aus sogar sehen, wenn keine Berge davor wären; Konstanz war jedenfalls zu sehen und liegt fast 70 Kilometer entfernt.

Beim Blick auf die Weltkarte, auf der die bereisten Länder markiert sind, fragte ich mich, welches wohl von meinem Wohnort aus gesehen der nördlichste, östlichste, südlichste und westlichste Punkt auf der Welt war, den ich besucht habe. Die Himmelsrichtungen waren schon immer von großer Bedeutung für die Menschen: im Osten geht die Sonne auf, im Westen geht sie unter und im Süden erreicht sie ihren höchsten Stand (zumindest auf der Nordhalbkugel). Der Norden ist die Richtung, der man den Rücken zuwendet, wenn man nach Süden blickt. Continue reading „Von den vier Enden meiner Welt“

Angeben mit 18 Ländern

meinelaender
Wo ich schon alles wahr. Karte von www.amcharts.com

Das Internet bietet uns viele unnütze Dienste an. Zum Beispiel Tools, mit denen man feststellen kann, in welchem Zeitalter man am liebsten leben würde oder welcher Adelsnamen am besten zu einem passt. Ich lasse normalerweise die Finger davon. Aber in diesem Fall hat’s mir in denselben gejuckt: eine Landkarte, auf denen ich die Länder markieren kann, in denen ich schon mal war.

Das Ergebnis ist nicht wirklich beeindruckend. Es sind 18 Länder – 15 in Europa, zwei in Amerika und eines in Afrika. Länder, die ich nur überflogen habe (Irland, Grönland) zählen nicht, oder? Wer hat mehr zu bieten?

Das setzt Erinnerungen frei. Continue reading „Angeben mit 18 Ländern“

Wolkenlücken über Grönland

grönland

Kurz reißen die Wolken unter mir auf, und mein Blick fällt für wenige Minuten auf Felsen, Wasser und Eis. Gletscher. Wir sind über Grönland. Wer hätte gedacht, dass ich mal einen, wenn auch nur kurzen Blick auf die größte Insel der Welt werfen würde. Irgendwo da unten sind vor mehr als 1000 Jahren die Wikinger mit ihren Drachenbooten unterwegs gewesen, und irgendwann sogar in Amerika angekommen.

Die Erinnerung kam hoch, als ich beim Stöbern in meiner üppigen Fotosammlung auf ein paar Schnappschüsse stieß, die ich im Oktober 2013 auf dem Weg zur Paleoamerican Odyssey Conference in Santa Fe eilig mit meinem Smartphone gemacht hatte. Ich hatte zwar einen Fensterplatz in der Boeing 777, aber wir flogen praktisch die ganze Zeit über einer geschlossenen Wolkendecke, und vom Atlantik habe ich, nachdem wir die Nordküste Irlands hinter uns gelassen hatten, überhaupt nichts gesehen. Da war es schon ein Glück, dass ausgerechnet über Grönland ein paar Löcher in den Wolken waren. Continue reading „Wolkenlücken über Grönland“

Tiefer geht es (n)immer

Freepsumer_Meer
Damit fing alles an: die tiefste Stelle der BRD am Freepsumer Meer.

Wenn es so etwas wie den merkwürdigsten geografischen Wettstreit Deutschlands gibt, dann ist es der um die tiefste Stelle. Losgetreten haben ihn Ostfriesen: Auf Anregung des des damaligen Leiters des Katasteramts Aurich, Heinrich Schumacher (der auch in die Festlegung des Ostfriesland-Äquators  verwickelt war), wurde Anfang der 1980er Jahre eine Stelle am Freepsumer Meer in der Gemeinde Krummhörn (Lage) mit 2,3 Meter unter Normalnull zum tiefsten Punkt Deutschlands erklärt. Er erhielt sogar einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde.

So steht es auch auf einem Hinweisschild in der Nähe der tiefsten Stelle, die selbst nicht zugänglich ist: »Tiefster Punkt der BRD/2,30 m unter NN«. Merkwürdigerweise heißt es auf einer Internetseite der Landesregierung: »Niedersachsens tiefster Punkt liegt nahe der Nordseeküste in der ostfriesischen Gemeinde Krummhörn 2,5 Meter unter dem Meeresspiegel.« Was denn nun?

Die ostfriesischen Touristiker sind übrigens ganz anderer Meinung und weisen auf ihrer Homepage auf den Wynhamster Kolk im Rheiderland (Lage) hin. Dort sei mit 2,5 Meter unter Normalnull der tiefste Punkt Niedersachsens.

Wo Ostfriesland liegt, erkläre ich hier.

Beim Freepsumer Meer handelt es sich um einen im 18. Jahrhundert trockengelegten Binnensee. Das Gelände liegt etwa sechs Kilometer nordwestlich der Stadt Emden. Der Wynhamster Kolk ist ebenfalls ein trockengelegtes Gebiet und liegt westlich der Ems in der Gemeinde Bunde, wenige Kilometer vom Dollart entfernt.

Antwort aus Schleswig-Holstein

Im Wettkampf um die tiefste Stelle Deutschland hatten die Ostfriesen übrigens nie eine echte Chance. Als ihr Anspruch ruchbar wurde, kam postwendend die Antwort aus Schleswig-Holstein: In der Gemeinde Neuendorf in der Wilstermarsch (das liegt in der Nähe von Brunsbüttel) gibt es eine Stelle mit 3,54 Meter unter NN (Lage).

Der Schacht 371 des stillgelegten Uran-Bergbaubetriebes Aue im Erzgebirge (Lage) ist laut Wikipedia mehr als 1800 Meter tief. Die Schachtsohle könnte ebenso als tiefste Stelle Deutschlands bezeichnet werden.