Kryptische Sätze am Laternenpfahl

Es ist Wahlkampfzeit in Leer. Ich habe einen Blick auf die Plakate zur Bürgermeisterwahl geworfen.

In Leer ist am 12. September Bürgermeisterwahl. Die Amtsinhaberin, Beatrix Kuhl, tritt zum zweiten Mal an. Sie hat drei Mitbewerber: den Stadtwerke-Vorstand Claus-Peter Horst, den Bausparberater Sven Dirksen und den Verwaltungsangestellten Jörg Penning. Egal, wie intensiv sich die Wahlberechtigten mit den Kandidaten und deren Programmen beschäftigen, am häufigsten begegnen sie ihnen auf den Plakaten, mit denen die Kandidaten für sich werben. Ein Grund, diese näher zu betrachten. 

Claus-Peter Horst ist einer der drei Herausforderer der amtierenden Bürgermeisterin Beatrix Kuhl.

Quantitativ übertrifft Kandidat Claus-Peter Horst seine Konkurrenz um Längen. Seine Plakate hängen selbst in Wohngebieten in Nebenstraßen, wohin sich keiner der anderen Wahlkämpfer verirrt hat. Er war auch zwei bis drei Wochen früher am Mast als die anderen. Sein Slogan, der im Vorbeifahren gut zu lesen ist, lautet »Leer kann mehr«. Wie die meisten Wahlslogans ist das kryptisch und soll wohl »Ich kann mehr als Frau Kuhl« heißen.

Bürgermeisterin Beatrix Kuhl, die vor sieben Jahren als Kandidatin ihrer Partei, der CDU, ins Rathaus einzog, tritt dieses Mal als Einzelbewerberin an, weil sie sich als Bürgermeisterin aller Leeraner präsentieren will. Ihre Botschaft lautet »Nah am Menschen. Geradlinig für Leer«. Um das lesen zu können, muss man aber erst einmal nah ran ans Plakat. Die Amtsinhaberin vertraut offenbar darauf, dass das formatfüllende Konterfei und ihr Name, der groß darüber steht, für eine Wahlentscheidung reichen.

Sven Dirksen plakatiert besonders groß, Jörg Penning setzte anfangs auf das kleine Format.

Besonders auffällig sind die doppelt so großen gelb-roten Plakate von Sven Dirksen. Er ist Kandidat der FDP, seine Werbung hat dasselbe Design wie die Bundestagswahlplakate seiner Partei. Dass er sich für das Bürgermeisteramt bewirbt, steht nirgends. Er könnte ebenso für den Bundestag oder als Landrat kandidieren. Sein Slogan »Unserer Stadt mehr Zuhause geben« lädt zum Rätseln ein. Eine Stadt kann ein Zuhause sein, aber haben?

Plakate des vierten Kandidaten habe ich nirgends gesehen. Jörg Penning »verziert« stattdessen die Masten von Straßenlaternen mit Aufklebern. Ist das überhaupt erlaubt, und werden sie nach der Wahl entfernt?  Er bietet sich als »Sozial – ehrlich – kompetent« an. Die Wahl der sozialdemokratisch-roten Farbe für seinen Namen und das Wort »ehrlich« sind sicher kein Zufall.

Plakate des vierten Kandidaten gab es anfangs nicht. Jörg Penning »verzierte« stattdessen die Masten von Straßenlaternen mit Aufklebern. Erst zwei Wochen vor der Wahl hing er an der Laterne. Das Motiv des Plakats und des Aufklebers unterscheiden sich nicht. Der Kandidat bietet sich als »Sozial – ehrlich – kompetent« an. Die Wahl der sozialdemokratisch-roten Farbe für seinen Namen und das Wort »ehrlich« sind sicher kein Zufall.

Das Schicksal der Welt in unserer Hand

Bei vielen Science-Fiction-Romanen geht’s echt ums Ganze. Ich habe mal einen Blick auf die Klappentexte einiger aktueller Romane geworfen. Aktualisierte Fassung.

Was soll ich nur lesen? Vielleicht hilft ein Blick auf den Klappentext.

Darin sind sich alle Schreibratgeber und -geberinnen einig: »Der Klappentext entscheidet darüber, ob ein Leser sich für oder gegen dein Buch entscheidet.« Er vermittelt nach dem Buchcover den wichtigen ersten Eindruck, sagt uns, um welches Genre es sich handelt und welche Geschichte den Leser erwartet.  Eine seiner wichtigen Funktionen ist es aber auch, bestimmte Erwartungshaltungen zu befriedigen, weil die Klappentextschreiber womöglich zurecht davon ausgehen, dass die Leser und Leserinnen das Gewohnte und nichts Neues wollen. Ich habe vor einiger Zeit bei den führenden deutschen Science-Fiction- und Fantasy-Publikumsverlagen Heyne, Piper und Fischer Tor einige Klappentext von Romanen herausgesucht (und dann erst einmal aus den Augen verloren).  Unabhängig von der konkreten Geschichte versprechen sie immer: dass das Schicksal der Menschheit, der Erde oder gar des Universums auf dem Spiel steht.  Darunter geht es wohl nicht.

Andy Weir: Der Astronaut

Als Ryland Grace erwacht, muss er feststellen, dass er ganz allein ist. Er ist anscheinend der einzige Überlebende einer Raumfahrtmission, Millionen Kilometer von zu Hause entfernt, auf einem Flug ins Tau-Ceti-Sternsystem. Aber was erwartet ihn dort? Und warum sind alle anderen Besatzungsmitglieder tot? Nach und nach dämmert es Grace, dass von seinem Überleben nicht nur die Mission, sondern die Zukunft der gesamten Erdbevölkerung abhängt.

Joshua Tree: Singularity

Ende des 21. Jahrhunderts. Mittlerweile ist die gesamte Menschheit in zwei Gruppen gespalten: Während die einen mit bester medizinischer Versorgung ein langes Leben führen, sind die anderen schlicht überflüssig. Als billige Arbeitskräfte fristen die meisten Menschen ein mieses Dasein. Einer dieser Überflüssigen ist James, ein Hausdiener bei der Elite. Sein neuer Herr gibt ihm einen rätselhaften Auftrag: Er soll dessen verschollene Tochter wiederfinden – in einer virtuellen Simulation. Schon bald erkennt James, dass nicht bloß die Grenzen von Wirklichkeit und VR verschwimmen, sondern auch die von Mensch und Maschine. Und ihm offenbart sich ein schreckliches Geheimnis, das die Zukunft und Vergangenheit der Menschheit in Frage stellt.

Phillip P. Peterson: Vakuum

Die Physikerin Susan Boyle überwacht im antarktischen Winter ein Neutrino-Teleskop. Sie empfängt ein starkes Signal aus der Richtung eines nahen Sternhaufens, kann aber nichts Außergewöhnliches erkennen. Bis nach und nach immer mehr Sterne am Himmel verschwinden. Der Astronaut Colin Curtis bereitet sich im Mondorbit auf die Landung vor. Doch dann entdeckt eine Astronomin seiner Crew ein außerirdisches Raumschiff, das sich mit großer Geschwindigkeit unserem Sonnensystem nähert. Es schickt eine verschlüsselte Funkbotschaft an die Menschheit – und verschwindet wieder. Allmählich wird klar: Aus den Tiefen des Raums kommt etwas auf uns zu. Etwas so Gewaltiges, dass es die Erde in ihren Grundfesten erschüttern wird.

neu: Phillip P. Peterson: Universum

Im 22. Jahrhundert hat sich die Menschheit über die Grenzen unseres Sonnensystems hinaus ausgebreitet… Das Reisen zwischen den Sternen ist sehr sicher – nur ganz selten geht etwas schief, und ein Schiff verschwindet spurlos im Hyperraum … Die Challenger unter Kommandantin Christine Dillinger ist ein solches Schiff. Doch wie sich herausstellt, verschwindet es nicht einfach. Stattdessen erwartet Christine und ihre Crew ein Abenteuer, das jede Vorstellungskraft übersteigt.

Ernest Cline: Armada

Zack Lightman ist ein Träumer und Geek. Seine Freizeit verbringt er am liebsten vor dem Computer. Richtig gut ist er nur in ›Armada‹, einem Virtual-Reality-Shooter, in dem eine außerirdische Spezies versucht, die Erde zu erobern. Damit ähnelt sein Leben dem zahlreicher anderer Gamer. Bis eines Tages ein echtes Alien-Raumschiff über seiner Heimatstadt auftaucht – und aus dem Computerspiel bitterer Ernst wird. Denn als sich die ersten Wellen außerirdischer Raumschiffe ankündigen, sind es allein die Gamer, die ihnen im Drohnenkampf gewachsen sind. Die besten unter ihnen werden von der Earth Defense Alliance angeworben und ausgebildet. Von einer geheimen Operationsbasis auf dem Mond aus führen Zack und seine Freunde einen Krieg, in dem es um das Schicksal der Erde geht.

Jonathan Maberry: V-Wars –  Die Vampirkriege

Der Wissenschaftler Dr. Luther Swann beschäftigt sich mit einem eher aparten Spezialgebiet: Sein akademisches Interesse gilt den volkstümlichen Überlieferungen zum Vampir-Mythos. Als man ihn bittet, Gutachter in einem Mordfall zu werden, ist das für ihn absolutes Neuland. Noch ahnt er nicht, wie gefragt seine Meinung in den folgenden Monaten sein wird. Und welche Entscheidungen ihm abverlangt werden. […] Fest steht nur: Amerika hat sich in ein Pulverfass verwandelt und Swann muss versuchen, inmitten der sich überstürzenden Ereignisse einen kühlen Kopf zu bewahren. Auf dem Spiel steht nicht weniger als die Existenz der Menschheit.

Andrew Hunter Murray: The Last Day

2059: Die Erde hat aufgehört, sich zu drehen. Die eine Hälfte ist eisige Nacht, die andere sengende Hitze. Nur in den Territorien dazwischen ist Überleben möglich. Im isolierten Großbritannien erhält die Wissenschaftlerin Ellen Hopper den Brief eines sterbenden Mannes und erfährt dessen verhängnis­volles Geheimnis. Eins, für das die Regierung töten wird, um es zu wahren. Der Kampf um die Zukunft der Erde beginnt!

David Wellington: Die letzte Astronautin

Sally Jansen war einst die wichtigste Astronautin der NASA, bis ihre Mission zum Mars in einer Katastrophe endete. Inzwischen hat sie sich zur Ruhe gesetzt. Doch als ein riesiges außerirdisches Objekt ins Sonnensystem eindringt und bedrohlich die Erde umkreist, bleibt der NASA nur eine Möglichkeit: Sie muss Sally Jansen überzeugen, in den Weltraum zurückzukehren. Widerwillig lässt sie sich darauf ein in der Hoffnung, etwas von ihrem damaligen Versagen wiedergutmachen zu können. Doch bald stellt sich heraus, dass es um weit mehr geht, als es scheint. Als sie erkennt, welches Geheimnis sich hinter dem Objekt verbirgt, wird ihr bewusst, dass das Schicksal der Menschen in ihren Händen liegt …

Peter F. Hamilton: Befreiung

Das 22. Jahrhundert: Die Menschen haben Raumschiffe zu mehreren Sternen ausgesandt und begonnen, Planeten zu terraformen. Durch Portalsysteme miteinander verbunden, können Reisende in Nullzeit zwischen den Welten hin- und herspringen. Bei der Erforschung des Alls stoßen die Menschen im Jahr 2150 auf ein gigantisches, außerirdisches Schiff. Es gehört den Olyix, einer uralten Rasse, die sich auf einer epischen Reise bis zum Ende der Zeit befindet. Doch die Olyix sind nicht so friedlich gesinnt, wie sie vorgeben. Ihre Mission ist geheim, unerbittlich – und brandgefährlich für die gesamte Menschheit …

Ich lasse von solchen Büchern meistens die Finger, die bringen mir nichts außer reiner Unterhaltung. Wann käme ich (oder sonstwer) schon in eine Lage, in der die Zukunft der Menschheit oder des Universums auf dem Spiel stünde? 

Keine Angst vor Dükern

Wovor warnen in Ostfriesland die Schilder mit der Aufschrift »Vorsicht Düker«? Gefährliche Tiere und giftige Pflanzen sind es jedenfalls nicht.

Vorsicht Düker? Was verbringt sich im Nüttermoorer Sieltief?

An ostfriesischen Gräben (die hier Schloote heißen) und Bächen (Bäken) wird gelegentlich durch ein Schild mit der Aufschrift „Vorsicht Düker!“ vor etwas gewarnt. Hochdeutsche, die kein Plattdeutsch verstehen,  könnten eine ihnen unbekannte Gefahr vermuten. Lebt dort etwa ein gefährliches Tier oder sind Pflanzen am Ufer giftig? Aber keine Angst, wir sind nicht in Australien, wo die Menschen vor Krokodilen oder Haien gewarnt werden. Es ist alles ganz harmlos.

Der Warnhinweis ist nicht für ahnungslose Wanderer, Radfahrer oder gar Schwimmer (Wer schwimmt schon in einem Schloot?) gedacht, sondern zum Beispiel für Leute, die den Graben reinigen oder die Uferböschung mähen wollen. Als Düker werden Versorgungsleitungen für Strom, Gas oder Telefon bezeichnet, die unterhalb eines Fließgewässers verlaufen, also quasi darunter hindurchtauchen. Düker ist das plattdeutsche Wort für Taucher. Man soll also aufpassen, dass man nicht versehentlich beim Ausbaggern eine Leitung zerfetzt und den Bagger unter Strom setzt.