Begegnungen auf dem Coloniacon 23

Dietmar Schmidt (Perry Rhodan Neo) und Martin Ingenhoven vom Heftehaufen mögen keine gestellten Fotos. Aus dem Hintergrund nähert sich Volker Hoff, der Zeitreisende, mit contypischer Verpflegung.

Nachdem der Herbst in diesem Jahr gleich mit dem Elstercon in Leipzig phantastisch eröffnet wurde, ging es eine Woche später am 29. und 30. September in Köln weiter: mit dem Coloniacon 23, meinem zweiten überhaupt. Beim zweiten Mal ist ja alles anders: Ich wusste auf Anhieb, wo die Theke mit dem Kölsch in Halb-Liter-Flaschen ist. Aber ich habe vorsichtshalber mit einem Kaffee angefangen, obwohl schon Mittag durch war. Das Kölsch kam später.

Die erste halbe Stunde ging mit Händeschütteln dahin. Erstaunlich, wie viele Leute ich dort kannte und wie viele mich kannten. Einige hatte ich erst eine Woche zuvor in Leipzig gesehen, andere vor ein paar Monaten und einige schon seit ein, zwei Jahren nicht mehr. Über zwei oder drei werde ich hier etwas mehr schreiben.

Ben Calvin Hary (rechts) signiert ein Exemplar seines Romans für Rainer Schorm.

Ben Calvin Hary, der schon den einen oder anderen Maddrax-Roman verfasst hat, hat jetzt seinen ersten Roman im Atlantis-Verlag von Guido Latz herausgebracht: »Koshkin und die Kommunisten aus dem Kosmos«. Es dauerte gefühlt keine fünf Minuten, bis er mich am Wickel hatte und mir ein Exemplar andrehen wollte. Da hat er sich jede Menge bei seinem Vorbild (?) Dirk van den Boom – beide sind aus Saarbrücken, beide veröffentlichen bei Atlantis – abgeschaut. Der Schlachtruf der beiden Saarländer (der eine ein gebürtiger, der andere ein zugezogener: Kauf meine Bücher! Der Ruf verhallte nicht ungehört. Ben habe ich ein Buch abgenommen, von Dirk habe ich mich gleich zum Kauf von zweien breitschlagen lassen. Ich war, nachdem ich mich in Leipzig so extrem zurückgehalten habe, wohl im Kaufrausch.

Später am Tag habe ich mich für einige Zeit in Bens Premierenlesung gesetzt. Nach allem, was ich da gehört habe, werde ich den Kauf des Buches nicht bereuen. In dem Roman geht es um den emigrierten russischen Wissenschaftler Boris Koshkin, der 1958 in seinem Vorgarten ein Raumschiff für das vom Sputnik-Schock gebeutelte Amerika zu bauen. Als jemand, der in dem Jahr des Sputnik-Starts geboren wurde, muss ich so was einfach lesen.

Die Perry-Rhodan-Autoren Robert Corvus und Uwe Anton haben nichts über Band 3000 verraten, hatten aber offensichtlich viel Spaß dabei.

Von den vielen Panels (so heißen die einzelnen Veranstaltungen auf den Cons), die sich um die Perry-Rhodan-Serie drehten, habe ich nur das wohl von allen mit Spannung erwartete über »Rhodan – Ausblicke auf die nächsten Jahre« angehört. Es drehte sich dabei erwartungsgemäß um Band 3000 der Serie, der im Februar kommenden Jahres erscheint. Die beiden Stammautoren Uwe Anton und Uschi Zietsch alias Susan Schwartz beteuerten mehrfach, dass sie nicht wüssten, was drin steht, so sehr Moderator Rüdiger Schäfer auch nachhakte. Stattdessen wurde viel gewitzelt, und da kam Robert Corvus ins Spiel. Der »Stammgastautor oder so« ist in der Perry-Rhodan-Szene als Möchtegernguckytöter bekannt und soll Band 3000 mit dem Titel »Das Imperium der Mausbiber«.

Aber Spaß beiseite. Robert (»Keiner weiß, dass ich Bernd heiße«) lenkte die Aufmerksamkeit auf einen wichtigen Aspekt, der die Serie so erfolgreich gemacht hat. Es wird immer wieder angenommen (und argumentiert), dass so eine Jubiläumsband mit einer runden Nummer ideal für den Einstieg in die Serie ist. Nach Bernds bzw. Roberts Erfahrung, die sich auch durch eine nicht repräsentative Umfrage im Publikum bestätigte, ist das überhaupt nicht so. Die meisten PR-Leser haben irgendwo angefangen und sich nicht davon abschrecken lassen, dass sie erst nichts verstanden haben. Die Schnitt an der runden Heftnummer sei eher für die Altleser, denen dann wieder etwas ganz Neues geboten werde, argumentierte der Autor. Es solle ja nicht langweilig werden.

Alien trifft auf Alien, Mausbiber auf Jülziish.

Ein paar Außerirdische verirren sich auch immer wieder mal zum Coloniacon. Draußen lief mir ein tellerköpfiger Jülziish über den Weg (in Prä-Political-Correctness-Zeiten des Perryversums etwas abfällig Blues genannt), der irgendwie von der Southside der Galaxis an den Rhein geraten war und sich mit dem Mausbiber bzw. Ilt Gucky unterhielt. Wo Gucky ist, ist Gerhard Huber nicht fern. Gerhard, der zur Riege der schreibenden Fans gehört und schon eine Reihe von Kurzgeschichten unterschiedlicher Art veröffentlicht hat, hat zusammen mit Michael Tinnefeld einen Fanroman verfasst, »Die Heilerin von Hangay« (erschienen bei der Perry-Rhodan-Fanzentrale). Den habe ich am Sonntag auf der Rückfahrt im Zug gelesen.

Eigentlich war Science Fiction gar nicht so wichtig. Da traf sich zufällig eine Reihe von Con-Besuchern an der Mauer, die das Jugendpark-Gelände vom Rheinufer abgrenzt, Fans und Autoren, und was machten die? Nein, das Gespräch drehte sich nicht um ferne Galaxien, überlichtschnelle Raumschiffe und Alieninvasionen, nein, sie machen ein heiteres Altersraten. Eine Eigenart eher der älteren Generation.

Den Abschluss meines diesjährigen Coloniacon-Besuchs bildete eine finanzielle Transaktion. Ich habe schon mal die Anmeldegebühr für den nächsten Con bezahlt. Wir sehen uns 2020.


Hier gibt’s noch ein paar Bilder

 

Das war der Coloniacon 2016

Bernd Robker (links) war beim Coloniacon der Herrscher über die Theke.

Meine Bedenken, die ich wegen des Coloniacons (28./29.5. in Köln) hatte, waren innerhalb von zehn Minuten wie weggeblasen. Klar, die vor 34 Jahren in Köln ins Leben gerufene Zusammenkunft hat in der Science-Fiction- und Phantastikszene einen legendären Ruf als »Familientreffen« , aber die Familie (mit kräftigem Männerüberschuss und Nachwuchsmangel) ist offenbar jederzeit bereit für Gäste. Die Befürchtung, ich treffe da als relativer Fandom-Neuling auf eine eingeschworene Gemeinschaft und stehe ratlos rum, weil ich niemanden kenne, war völlig unbegründet.

Hier sind wir genau richtig.

Nach meiner Ankunft im Haus des Kölner Jugendparks dauerte es keine zwei Minuten, bis ich auf den ersten Bekannten stieß, Axel Kruse. Den SF-Schriftsteller aus Essen hatte ich 2014 beim Schlosscon in Schwerin kennengelernt, als er mit dem Deutschen Science-Fiction-Preis ausgezeichnet wurde, und seitdem laufen wir uns immer wieder mal über den Weg. Am Stand des Begedia-Verlags von Harald Giersch drückte er mir ein Exemplar seines neuen Buches »Geschichten eines Geistreisenden« in die Hand. Später lernte ich am selben Stand Uwe Post kennen, der mir gleich in höchsten Tönen zwei Begedia-Kurzgeschichtensammlungen anpries. Da hatte er mich als Kurzgeschichten-Fan gleich an der Angel. Er war mit seinem Schriftstellerkollegen und Freund Uwe Hermann nach Köln gekommen, den ich ein paar Minuten vorher das erste Mal persönlich getroffen hatte. Read More

Köln, ich conne … äh… komme

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Bernd Robker hält das Con-Buch in die Kamera. Dahinter ist sein schelmisches Grinsen zu sehen.

Nur noch wenige Tage bis zum Coloniacon 🔗2016 in Köln. Über meine Vorbereitungen dafür hatte ich ja schon mal hier 🔗 geschrieben.

Ich leiste auch einen kleinen Beitrag, und der ist vielleicht schon eingetütet: Ich habe Bernd Robker für die Con-Tüte einen Packen Lesezeichen geschickt. Damit mache ich Werbung für meine kürzlich veröffentlichte Kurzgeschichtensammlung »Zeit für die Schicht«. Ein paar Exemplare bringe ich mit nach Köln. Wer neugierig ist, kann eins reservieren oder mich auf dem Con ansprechen und bekommt auch eine Widmung.

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    Meine Kurzgeschichtensammlung »Zeit für die Schicht«.

    Infos zum Buch und Bestellmöglichkeiten gibt es auf der »Zeit für die Schicht«-Seite 🔗 in meinem Blog »Gedankensprünge«.

Ich bin gespannt, ob der Con seinem legendären Ruf gerecht und zu einem unvergesslichen Erlebnis wird. Mit Vergnügen habe ich die Bilder angesehen, die in den letzten Tagen von Thomas Kass in der Con-Gruppe auf Facebook gepostet wurden. Der Con ist mit seinen Besuchern älter geworden. Auf einem Bild von 1982 🔗 sind lauter Jugendliche zu sehen (War einer davon älter als 16 Jahre?). Ich habe zwar keine Ahnung, ob von denen einer am Wochenende dabei sein wird, weil ich niemanden erkannt habe, aber mit Sicherheit wird diese Generation gut vertreten sein.

Neugierig bin ich auf den Con-Reader, den Bernd in diesem Video 🔗 mit leichter Schadenfreude anpreist, weil er den schon hat und wir alle warten müssen. Dass es in Köln auch die eine oder andere interessante Lektüre geben wird, dürfte selbstverständlich sein.

In diesem Blog wird es nächste Woche einen ausführlichen Con-Bericht mit vielen Bildern geben. Man sieht sich.

Gut vorbereitet zum Coloniacon 2016

archiv-logo_0Es sind – wenn ich mich nicht verzählt habe – noch 46 Tage bis zum Coloniacon, dem Science-Fiction- und Phantastik-Treffen in Köln. Es wird mein erster Besuch dort, kein Wunder, bin ich doch ein Fandom-Neuling, dessen Con-Besuche sich problemlos an einer Hand abzählen lassen (aber nicht mehr lange). Schon den letzten Coloniacon hätte ich gerne besucht, aber vor zwei Jahren hatte ich an dem Wochenende keine Zeit.

Jetzt bin ich fast am Ende der Vorbereitungen für den 28. und 29. Mai. Die Zugfahrkarte ist gekauft, die Unterkunft »gebucht« (ich habe Verwandte in Köln), und heute habe ich mir das Con-Programm genauer angesehen.

Mein persönlicher Con-Plan war schnell aufgestellt, aber an zwei Stellen ergeben sich Interessenkonflikte: Lasse ich mir etwas über »Ren Dhark« erzählen oder höre ich mir lieber Horus W. Odenthal an? Und nehme ich an der Mitgliederversammlung der Perry-Rhodan-Fanzentrale teil, der ich seit einiger Zeit angehöre, oder gehe ich zu »Maddrax«, obwohl oder gerade weil ich kein »Maddrax«-Leser bin? Zu den PPP (Pflichtprogrammpunkten) gehören das Perry-Rhodan-Panel und die Lesung mit Matthias Falke.

Zwischendurch muss Zeit für Gespräche bleiben, es kommen jede Menge interessanter Leute, alte und neue Bekannte. Ich muss zum Beispiel unbedingt Kai Hirdt abfangen, weil ich für ihn eine kleine Überraschung dabei haben werde.

Und ist irgendwie Zeit fürs Mittagessen? Wie siehtʼs mit der Versorgung aus? Wenn ich das richtig sehe, liegt der Kölner Jugendpark in einer gastronomischen Einöde.

Die Erfahrung lehrt, dass Pläne für solche Veranstaltungen gut, aber nicht in Stein gemeißelt sind. Es kommt immer anders, als man denkt. Sorgen macht mir ohnehin nur eines: Ich muss früh aufstehen, weil mein Zug um kurz vor sieben fährt. Hoffentlich halte ich durch.

Hier gibt’s Berichte von Cons, die ich besucht habe: