500 Mal Maddrax – eine Würdigung

Die Science-Fiction-und-was-auch-immer-sonst-so-einfällt-Serie feiert Jubiläum. Der Roman »Zeitbeben« eignet sich gut für Einsteiger.

Das umlaufende Umschlagbild des Jubiläumsromans.

Seit 1961 steht jede deutsche SF-Heftromanserie im Schatten von PERRY RHODAN. Die meisten sind dort schnell verkümmert. Eine Ausnahme ist MADDRAX aus dem Bastei-Verlag. Von der Serie ist jetzt Band 500 »Zeitbeben«, geschrieben von Sascha Vennemann, erschienen. Sie steht damit nach PERRY RHODAN (mehr als 3000 Hefte) und dessen Spin-off ATLAN (850) unangefochten auf Platz 3 der Bestenliste.

Band 500 war für mich der Grund, MADDRAX eine Chance zu geben und in die Serie einzusteigen, zumindest einen Zyklus lang. Bisher hatte ich nur genau drei Einzelhefte gelesen, zuletzt den vorigen Jubiläumsband 400 »Transfer« (mein Post dazu).

In MADDRAX geht es um »Die dunkle Zukunft der Erde«. Kampfjetpilot Matthew Drax, genannt Maddrax, wird 500 Jahre in die Zukunft geschleudert, als während eines Fluges ein Komet auf der Erde einschlägt. Er findet sich in einer zerstörten, postapokalyptischen Welt wieder, in der nichts mehr so ist, wie Matthew es kennt. Er trifft auf die telepathisch begabte Aruula, mit der er zahlreiche Abenteuer erlebt – zunächst auf der Erde und die letzten Hundert Bände in fernen Sternensystemen.

Erfolg durch Genremix

Das Erfolgsrezept von MADDRAX ist sicherlich der Genremix. Die Serie ist keine reine SF, also keine direkte Konkurrenz zu PERRY RHODAN, sondern bringt jede Menge Horror-, Mystery- und Fantasy-Elemente. Dafür hat ihr PERRY RHODAN-Chefredakteur Klaus N. Frick kürzlich den spöttisch-anerkennenden Ehrentitel »Die Science-Fiction-und-was-auch-immer-sonst-so-einfällt-Serie« verpasst. Das lockt andere Leser als die SF-Puristen. Die Rastätter gucken wohlwollend auf den kleinen Vetter aus Köln. Verbindungen gibt es ohnehin: Eine ganze Reihe aktueller PERRY RHODAN-Autoren hat bereits für MADDRAX geschrieben, und die Verlage arbeiten auch zusammen (demnächst erscheint ein MADDRAX-Roman von Michael Marcus Turner und bei Bastei-Lübbe die »Dunkelwelt«-Trilogie aus der PERRY RHODAN-Redaktion).

In Band 500 kehren Maddrax und Aruula nach längerer Abwesenheit auf die Erde zurück. Klar, dass sie sich gleich wieder in ein Abenteuer stürzen müssen. Auf der Erde, die Matt mit Hilfe der Pancinowa, den Wurmloch-Architekten, gerade vor dem Untergang gerettet hat – der Mond drohte auf die Erde zu stürzen –, ist eine Stadt aus einem Steampunk-Paralleluniversum aufgetaucht. Die Enklave ist von einer undurchdringlichen Mauer aus lebenden Pflanzen umgeben. Matt und seine Freunde machen sich natürlich gleich daran, das Rätsel zu lösen und treffen dabei auf einheimische Luftschiffpiloten.

Mir hat das »Zeitbeben« gut gefallen, es ist ein unterhaltsamer und durchaus spannender Abenteuerroman. Man darf keine literarischen Höhenflüge erwarten. Dazu sind schon die Figuren zu konturlos, ja, geradezu klischeehaft. Ich würde nicht einmal spoilern, wenn ich das jetzt näher ausführte, so vorhersehbar verhalten sich einige Charaktere.

Wie auch immer, der Roman eignet sich gut für den Einstieg in die Serie. Auch wenn man nicht alles auf Anhieb versteht und einem viele Details ein Rätsel bleiben – man findet als Leser problemlos in die Handlung und freut sich auf die Fortsetzung. Die Welt, so wie sie im »Zeitbeben« geschildert wird, bietet eine Menge Potenzial für spannende Geschichte. Mal sehen, wie es so wird.

Zu viele Points of View

Mein einziger Kritikpunkt betrifft etwas Handwerkliches. Für meinen Geschmack gibt es zu viele Points of View, zu viele Erzählperspektiven. Jede der sechs Haupt- und Nebenfiguren ist mal an der Reihe. Am Ende taucht auch noch kurz ein ganz alter Bekannter Maddrax’ in den Tiefen des Weltraums auf, wohl um den altgedienten Lesern zu signalisieren, dass der demnächst wieder eine Rolle spielen wird. Ich als Neuleser musste erst im Maddraxikon nachsehen, wer das ist.

Der Jubiläumsband hat ein umlaufendes Titelbild von Néstor Taylor, das auf den inneren Umschlagseiten noch einmal ohne Beschriftung als Miniposter abgebildet ist (über den Sinn habe ich mich vor Hundert Heften schon gewundert, denn wer das Poster aufhängen will, muss den Umschlag abtrennen. Will der Verlag damit den Verkauf eines Zweitheftes ankurbeln?). Als Extras gibt es außer einer Doppel-Leserseite (die tatsächlich ein Editorial ist) einen Cartoon und ein Preisrätsel sowie den ersten Teil der umfangreichen Zusammenfassung der Hefte 1 bis 499. Teil 2 erscheint in Heft 501. Die komplette Zusammenfassung kann man sich als PDF auf der Verlagsseite herunterladen. Verglichen mit dem kürzlich erschienenen Jubiläumsband 3000 der PERRY RHODAN-Serie kommt MADDRAX 500 bescheidener daher, kostet aber auch 30 Cent weniger.

Glückwunsch, Madeleine Puljic

Madeleine Puljic beim Perry-Rhodan-Programmpunkt auf dem BuCon 2016 in Dreieich. Neben ihr: PR-Autor Kai Hirdt.

Herzlichen Glückwunsch, Madeleine Puljic. Die Autorin aus Österreich, die inzwischen in Hamburg lebt, ist auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Deutschen Selfpublishing-Preis 2017 für »Noras Welt« als das beste selbst veröffentlichte Buch ausgezeichnet worden. Der Preis wurde erstmals vom Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH und dem Selfpublisher-Verband verliehen. Der Preis ist mit 10000 Euro dotiert, außerdem erhalten alle, die es auf die Shortlist schaffen, eine umfangreiche Marketing-Unterstützung.

Den Deutschen Selfpublishing-Preis darf man nicht mit dem Kindle Storyteller Award verwechseln, der ebenfalls mit 10.000 Euro dotiert ist und auch während der Buchmesse verliehen wird. Er wird seit 2015 vergeben, aber nur für Bücher, die exklusiv bei Amazon erschienen sind. Den hat in diesem Jahr Mira Valentin mit »Der Mitreiser und die Überfliegerin« gewonnen.

In »Noras Welten« wird von einer jungen Frau erzählt, die das, was sie liest, am eigenen Leib erlebt. Um davon befreit zu werden, wendet sie sch an einen Hypnosetherapeuten. Aber statt Rettung zu erhalten gerät sie mit Ben immer tiefer in den Bann ihrer Bücherwelten.

Das färbt ab

So weit die Kurzfassung. »Noras Welten« ist ein Fantasyroman, und das ist nicht meine Welt. Aber natürlich freut es einen Science-Fiction-Leser wie mich, wenn ein Werk des phantastischen Genres einen solchen Preis erhält. Ein Teil des Medienechos, das durch die Preisverleihung auf der Buchmesse erzeugt wird, lenkt die Aufmerksamkeit auch ein wenig auf den Rest der Szene. Zumal Madeleine Puljic nach dem Buchmesse-Auftritt am Sonnabend auf dem Buchmesse-Con in Dreieich einen Programmpunkt gestaltet. Der BuCon ist der Treffpunkt der phantastischen Literaturszene, und da wird sie sicher mit großen Hallo empfangen (aus den hier genannten Gründen kann ich nicht nach Dreieich kommen).

Ich bin zwar Madeleine schon zweimal kurz begegnet (und bin sogar im Besitz eines Autogramms von ihr), aber bis auf ein paar Absätze habe ich noch nichts von ihr gelesen. Fantasy ist nicht mein Ding, und an den beiden SF-Serien, an denen sie mitschreibt – Perry Rhodan NEO und Maddrax – habe ich im Moment kein Interesse. Vielleicht verfasst sie ja mal einen Roman für die Perry-Rhodan-Erstauflage, sie hat ja schon einen Fuß in der Tür. Sie will sich jetzt, mit einem dicken Scheck in der Tasche, ja ganz der Schriftstellerei widmen, schreibt sie in ihrem Blog.

Das war der Coloniacon 2016

Bernd Robker (links) war beim Coloniacon der Herrscher über die Theke.

Meine Bedenken, die ich wegen des Coloniacons (28./29.5. in Köln) hatte, waren innerhalb von zehn Minuten wie weggeblasen. Klar, die vor 34 Jahren in Köln ins Leben gerufene Zusammenkunft hat in der Science-Fiction- und Phantastikszene einen legendären Ruf als »Familientreffen« , aber die Familie (mit kräftigem Männerüberschuss und Nachwuchsmangel) ist offenbar jederzeit bereit für Gäste. Die Befürchtung, ich treffe da als relativer Fandom-Neuling auf eine eingeschworene Gemeinschaft und stehe ratlos rum, weil ich niemanden kenne, war völlig unbegründet.

Hier sind wir genau richtig.

Nach meiner Ankunft im Haus des Kölner Jugendparks dauerte es keine zwei Minuten, bis ich auf den ersten Bekannten stieß, Axel Kruse. Den SF-Schriftsteller aus Essen hatte ich 2014 beim Schlosscon in Schwerin kennengelernt, als er mit dem Deutschen Science-Fiction-Preis ausgezeichnet wurde, und seitdem laufen wir uns immer wieder mal über den Weg. Am Stand des Begedia-Verlags von Harald Giersch drückte er mir ein Exemplar seines neuen Buches »Geschichten eines Geistreisenden« in die Hand. Später lernte ich am selben Stand Uwe Post kennen, der mir gleich in höchsten Tönen zwei Begedia-Kurzgeschichtensammlungen anpries. Da hatte er mich als Kurzgeschichten-Fan gleich an der Angel. Er war mit seinem Schriftstellerkollegen und Freund Uwe Hermann nach Köln gekommen, den ich ein paar Minuten vorher das erste Mal persönlich getroffen hatte. Continue reading „Das war der Coloniacon 2016“

Köln, ich conne … äh… komme

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Bernd Robker hält das Con-Buch in die Kamera. Dahinter ist sein schelmisches Grinsen zu sehen.

Nur noch wenige Tage bis zum Coloniacon 🔗2016 in Köln. Über meine Vorbereitungen dafür hatte ich ja schon mal hier 🔗 geschrieben.

Ich leiste auch einen kleinen Beitrag, und der ist vielleicht schon eingetütet: Ich habe Bernd Robker für die Con-Tüte einen Packen Lesezeichen geschickt. Damit mache ich Werbung für meine kürzlich veröffentlichte Kurzgeschichtensammlung »Zeit für die Schicht«. Ein paar Exemplare bringe ich mit nach Köln. Wer neugierig ist, kann eins reservieren oder mich auf dem Con ansprechen und bekommt auch eine Widmung.

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    Meine Kurzgeschichtensammlung »Zeit für die Schicht«.

    Infos zum Buch und Bestellmöglichkeiten gibt es auf der »Zeit für die Schicht«-Seite 🔗 in meinem Blog »Gedankensprünge«.

Ich bin gespannt, ob der Con seinem legendären Ruf gerecht und zu einem unvergesslichen Erlebnis wird. Mit Vergnügen habe ich die Bilder angesehen, die in den letzten Tagen von Thomas Kass in der Con-Gruppe auf Facebook gepostet wurden. Der Con ist mit seinen Besuchern älter geworden. Auf einem Bild von 1982 🔗 sind lauter Jugendliche zu sehen (War einer davon älter als 16 Jahre?). Ich habe zwar keine Ahnung, ob von denen einer am Wochenende dabei sein wird, weil ich niemanden erkannt habe, aber mit Sicherheit wird diese Generation gut vertreten sein.

Neugierig bin ich auf den Con-Reader, den Bernd in diesem Video 🔗 mit leichter Schadenfreude anpreist, weil er den schon hat und wir alle warten müssen. Dass es in Köln auch die eine oder andere interessante Lektüre geben wird, dürfte selbstverständlich sein.

In diesem Blog wird es nächste Woche einen ausführlichen Con-Bericht mit vielen Bildern geben. Man sieht sich.

Maddrax – der Jubi-Band

Das Cover von Maddrax 400 wurde von Jan Balaz gemalt.
Das Cover von Maddrax 400 wurde von Jan Balaz gemalt. © Bastei-Verlag 2015

Maddrax, die derzeit erfolgreichste deutsche SF-Heftromanserie nach Perry Rhodan, feiert Jubiläum. Am 19. Mai ist Heft 400 erschienen. Ich habe den Jubi-Band gelesen, und er hat mir ganz gut gefallen. Jetzt habe ich natürlich ein Problem: Soll ich auch 401 ff. lesen, wo ich doch schon bisher nicht alles schaffe, was ich mir vornehme?

Womit auch schon gesagt ist, dass ich kein gewohnheitsmäßiger Maddrax-Leser bin. Ich habe bisher zwei Hefte gelesen, Band 1 und einen zwischendurch, und keine Beziehung zu der Heftromanserie von Bastei.
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