Der Blog zieht um

D

erzeit arbeite ich daran, meine Homepage »www.fiks.de« und den Blog »Gedankensprünge« auf dieser Website (blog.fiks.de) zusammenzulegen. Die Posts des alten Blogs sind schon übertragen worden Jetzt arbeite ich dran, die Einträge unter »Denkmale in Ostfriesland« von der alten Homepage sind ebenfalls komplett übernommen. Als nächstes ist das Thema »Columbus« von der alten Homepage dran.

Erster Preis für afrikanische Science-Fiction

Seit einer Weile verfolge ich die SF-Szene in Afrika. Beim Aké Arts & Books Festival in Abeokuta/Nigeria wurden an diesem Donnerstag (16.11.2017) die Gewinner des Nommo Award für fantastische Literatur bekanntgegeben. Er wird das erste Mal von der African Speculative Fiction Society (ASFS) in vier Kategorien verliehen.

Das sind die Gewinner:

Novel (The Illube Award): Rosewater von Tade Thompson. (Roman)

Novella: Binti von Nnedi Okorafor. (Novelle)

Short Story: Who will Greet You at Home von Lesley Nneka Arimah und The Marriage Plot von  Tendai Huchu. (Kurzgeschichte) – Hier (Arima) und hier (Huchu) kann man die Story online lesen.

Grafic Novel/ComicChimurenga’s Chronic: The Corpse Exhibition and Older Graphic Stories – Chronic no. 3.  (Titelseite)

Über den Preis haben die Mitglieder der African Speculative Fiction Society (ASFS) online abgestimmt. Die ASFS ist eine vor einigen Jahren gegründete Vereinigung von Autoren, Herausgebern und Illustratoren aus Afrika oder von afrikanischer Abstammung mit dem Ziel, phantastische Literatur aus Afrika zu verbreiten.

Mehr Informationen gibt es auf der ASFS-Homepage. Dort gibt es unter anderem eine Liste mit fast 700 SF-Veröffentlichungen afrikanischer Schriftsteller, viele davon zum Online-lesen verlinkt.

Mit dem Nachtzug nach Rom, Teil 2

Hier sind wir richtig für den Nachtzug nach Rom.

Dieser Post kommt mit mehr Verspätung, als die Bahn jemals haben wird. Im Juni sind wir mit dem Nachtzug der Österreichischen Bundesbahn von München nach Rom und zurück gefahren. Es war unsere vierte oder fünfte Nachtzug-Reise, wir haben also insgesamt schon acht bis zehn Nachtfahrten hinter uns.

Die ÖBB hatte die Nachtzugstrecken von der Deutschen Bahn übernommen und das Angebot umgebaut. Alte Verbindungen wurden gestrichen, neue kamen hinzu. Der Nachteil für uns Ostfriesen: Wir mussten erst nach München fahren, um dort in den Nachtzug zu steigen. Früher ging das – je nach Zielort – zum Beispiel auch in Hamm oder Frankfurt. Über die Vorbereitungen auf die Fahrt habe ich schon an anderer Stelle geschrieben. Beim Fahrkartenkauf etc. verlief alles reibungslos.

Der alte, abgenutzte DB-Charme

Beim Einstieg in München (Abfahrt kurz nach 19 Uhr) gab’s erst einmal ein Déjà-vu. Denn die ÖBB hatte natürlich nicht nur den Nachtzug-Verkehr von der Bahn übernommen, sondern auch dessen Wagenpark. Von außen sieht man es den Wagen mit der Aufschrift »Nightjet« nicht gleich an, aber im Inneren wurden Erinnerung an unsere erste gemeinsame Nachtzugfahrt nach Prag wach. Es hatte sich kaum etwas geändert, bis auf ein paar Beschriftungen. Es umwehte uns der alte, abgenutzte DB-Charme.

Vom freundlichen Schaffner wurden wir eingewiesen und mit einer »Welcome Bag« versorgt. Dazu gehörte unter anderem ein Fläschchen Sekt (den man bald trinken musste, damit er nicht warm wurde), etwas zum Knabbern, etwas Fruchtsaftähnliches, eine Flasche Wasser und als Höhepunkt ein paar weiße Schlappen für den nächtlichen Gang zur Toilette am Ende des Ganges. Der Nachteil: Für meine Füße waren sie viel zu klein.

Die »Welcome Bag«, ausgepackt.
Es ist eng im Abteil

Zu klein war auch das Abteil, konstruktionsbedingt. Zwei große Koffer für den fast zweiwöchigen Aufenthalt in Italien unterzubringen und sich dabei noch einigermaßen bewegen zu können, erwies sich als unmöglich, zumal auch noch die Leiter zum Bett oben im Weg war. Die Betten selber waren in Ordnung, jedoch nicht die Kissen, die dem Kopf überhaupt keinen Halt gaben. Im Bezug muss sich eine seltsame Masse luftigen Kunststoffs befunden haben.

Die Reise sollte fahrplanmäßig etwa 14 Stunden dauern. Auch wenn ein großer Teil der Fahrt in Dunkelheit vonstatten ging (und man deshalb leider überhaupt nichts von den Alpen mitbekam), hätten wir am Abend und am Vormittag doch gerne aus dem Fenster gesehen. Leider war die Scheibe im Abteil auf der Hinfahrt so sehr verschmutz und zerkratzt, dass die Aussicht stark eingeschränkt war. Auf der Rückfahrt war’s besser, und uns wurde auch noch unverhofft ein schöner Blick auf den Lago Trasimeno gewährt, weil der Zug über eine andere Strecke geführt wurde als auf der Hinfahrt.

Schlafen ist in einem Schlafwagen gar nicht so einfach. Der Zug macht Geräusche, und bei jeder Weichenfahrt wird man durchgerüttelt. Er bremst und fährt wieder an, manchmal auch abrupt.

Die Fahrt selbst war problemlos. Auf der Hinfahrt hatte der Zug eine Stunde Verspätung, was uns relativ egal war, denn wir hatten uns für den Tag nichts fest vorgenommen. Zurück kam der Zug pünktlich in München an und wir konnten uns, wie geplant, ein wenig in der Stadt umsehen. Das hatte auf der Hinfahrt nicht geklappt, weil der Zug nach München sehr verspätet ankam, so dass es nur noch für eine Mahlzeit und eine Maß im nahe gelegenen Biergarten des Augustiner-Kellers reichte. Was auch nicht schlecht war. Aber das ist eine andere Geschichte.

Mehr Komfort erwünscht

Unser Resümee: Der Komfort im Nachtzug lässt zu wünschen übrig; geräumige Abteile, wie man sie etwas aus Filmen wie »Mord im Orient-Express« kennt, darf man nicht erwarten. Auch das Frühstück ist unter normalem Hotelstandard. Hier gibt es Verbesserungspotenzial, was sich sicher im Preis niederschlagen würde.

Für einen überzeugten Bahnfahrer sind andere Dinge erst einmal entscheidend. Man überwindet eine lange Strecke (1700 Kilometer) entspannt und kommt halbwegs ausgeschlafen ans Ziel. Der Preis war auch in Ordnung. Natürlich hat unsere Fahrt von Ostfriesland nach Rom einen ganzen Tag gedauert, aber das hätte sie auch, wenn wir mit dem Auto gefahren wären und unterwegs übernachtet hätten. Mit dem Flugzeug wär’s schneller gegangen, das ist keine Frage.

»Kollaps« fehlt Tiefgang

John Scalzi
Kollaps. Das Imperium der Ströme 1.

Übersetzer: Bernhard KempenFrankfurt/Main 2017
Taschenbuch, 416 Seiten
14,99 Euro (E-Book: 12,99 Euro)
ISBN 978-3596299669
 

John Scalzi ist wahrscheinlich derzeit der am besten bezahlte SF-Schriftsteller. Im Mai 2015 hat er mit seinem Verlag, Tor Books, einen Vertrag über 13 Bücher, die er innerhalb von zehn Jahren schreiben muss, abgeschlossen. Dafür bekommt er 3,4 Millionen US-Dollar (knapp 2,9 Millionen Euro). Eines dieser Bücher ist »Kollaps«, der Auftakt zu einer neuen Serie.

»Kollaps« spielt irgendwann in ferner Zukunft, der Kontakt der Menschen zur Erde ist längst abgebrochen. Das System der Ströme, das überlichtschnelle Raumfahrt ermöglicht, droht zusammenzubrechen und damit das Heilige Imperium der Interdependenten Staaten zu zerstören. Die Interdependenz ist ein Staatenbund aus zahlreichen Weltraumhabitaten und (überwiegend) lebensfeindlichen Planeten, auf denen sich die Menschen in den Untergrund verzogen haben. Der Adel und die Gilden, die das Handelsmonopol haben, bestimmen, wo es langgeht. Vor diesem Hintergrund spinnt das mächtige Handelshaus der Nohamapetan eine Intrige, um nach dem Zusammenbruch die Macht an sich zu reißen. In diese Intrige werden der junger Physiker Marce, Kiva, die Tochter eines anderen Handelshauses, und die frisch gekrönte Herrscherin der Interdependenz, Cardenia alias Imperatox Grayland II., verwickelt.

Das Buch ist toll zu lesen, voller Action, ein Thriller, und mit 400 Seiten auch nicht allzu dick. Das Tempo ist hoch. Scalzi schreibt direkt, prägnant, humorvoll, einfallsreich und spannend bis zum Schluss. Da kommt keine Langeweile auf. Aber seine Figuren sind etwas blutleer, allein die ordinäre Lady Kiva hat Persönlichkeit und wirkt lebendig (wahrscheinlich, weil sie Dinge sagt und tut, die wir uns nicht trauen).

Kein Werk für die Ewigkeit

Was dem Buch fehlt, ist Tiefgang. Das ist kein Werk für die Ewigkeit. Die Geschichte ist zudem nicht besonders originell. Mächtige Adelshäuser, die sich gegenseitig bekriegen, Konkurrenten mit Hilfe von Attentätern aus dem Weg räumen oder entführen lassen, in unermesslichem Luxus leben, Aufstände anzetteln, rücksichtslos ihre Interessen über die des Rests der Welt stellen und auf jede Form von Anstand und Moral pfeifen – das gab’s schon bei den »Drei Musketieren« von Alexandre Dumas (erschien 1844) und ist auch in der Science-Fiction wiederholt geschrieben worden. Ich musste beim Lesen merkwürdigerweise immer an »Meran« von Dirk van den Boom denken, das nach einem ähnlichen Muster gestrickt ist. Auch dort geht es um höfische Intrigen, aber in »Meran« kommen immerhin Aliens vor.

Mein Resümee: »Kollaps« ist unterhaltsam, aber kein Werk für die Ewigkeit.

Glückwunsch, Madeleine Puljic

Madeleine Puljic beim Perry-Rhodan-Programmpunkt auf dem BuCon 2016 in Dreieich. Neben ihr: PR-Autor Kai Hirdt.

Herzlichen Glückwunsch, Madeleine Puljic. Die Autorin aus Österreich, die inzwischen in Hamburg lebt, ist auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Deutschen Selfpublishing-Preis 2017 für »Noras Welt« als das beste selbst veröffentlichte Buch ausgezeichnet worden. Der Preis wurde erstmals vom Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH und dem Selfpublisher-Verband verliehen. Der Preis ist mit 10000 Euro dotiert, außerdem erhalten alle, die es auf die Shortlist schaffen, eine umfangreiche Marketing-Unterstützung.

Den Deutschen Selfpublishing-Preis darf man nicht mit dem Kindle Storyteller Award verwechseln, der ebenfalls mit 10.000 Euro dotiert ist und auch während der Buchmesse verliehen wird. Er wird seit 2015 vergeben, aber nur für Bücher, die exklusiv bei Amazon erschienen sind. Den hat in diesem Jahr Mira Valentin mit »Der Mitreiser und die Überfliegerin« gewonnen.

In »Noras Welten« wird von einer jungen Frau erzählt, die das, was sie liest, am eigenen Leib erlebt. Um davon befreit zu werden, wendet sie sch an einen Hypnosetherapeuten. Aber statt Rettung zu erhalten gerät sie mit Ben immer tiefer in den Bann ihrer Bücherwelten.

Das färbt ab

So weit die Kurzfassung. »Noras Welten« ist ein Fantasyroman, und das ist nicht meine Welt. Aber natürlich freut es einen Science-Fiction-Leser wie mich, wenn ein Werk des phantastischen Genres einen solchen Preis erhält. Ein Teil des Medienechos, das durch die Preisverleihung auf der Buchmesse erzeugt wird, lenkt die Aufmerksamkeit auch ein wenig auf den Rest der Szene. Zumal Madeleine Puljic nach dem Buchmesse-Auftritt am Sonnabend auf dem Buchmesse-Con in Dreieich einen Programmpunkt gestaltet. Der BuCon ist der Treffpunkt der phantastischen Literaturszene, und da wird sie sicher mit großen Hallo empfangen (aus den hier genannten Gründen kann ich nicht nach Dreieich kommen).

Ich bin zwar Madeleine schon zweimal kurz begegnet (und bin sogar im Besitz eines Autogramms von ihr), aber bis auf ein paar Absätze habe ich noch nichts von ihr gelesen. Fantasy ist nicht mein Ding, und an den beiden SF-Serien, an denen sie mitschreibt – Perry Rhodan NEO und Maddrax – habe ich im Moment kein Interesse. Vielleicht verfasst sie ja mal einen Roman für die Perry-Rhodan-Erstauflage, sie hat ja schon einen Fuß in der Tür. Sie will sich jetzt, mit einem dicken Scheck in der Tasche, ja ganz der Schriftstellerei widmen, schreibt sie in ihrem Blog.