Perry Rhodan und der Geist von Reich-Ranicki

3000 Wochen PR – Eindrücke von der Jubiläumsveranstaltung einer Heftromanserie

Es sind beeindruckende Namen, die uns auf den Wänden im Münchner Literaturhaus ins Auge fallen, während wir die knarzenden breiten Treppenstufen ins Obergeschoss hinschreiten: T. C. Boyle, Peter Härtling, Josef von Westphal, Richard Ford, Nadime Gordimer, Martin Walser, Orhan Pamuk, alles Schriftsteller von Format, und viele mehr waren schon hier. Ausgerechnet in diesem Tempel der Hochliteratur wird Band 3000 der Groschenheftserie PERRY RHODAN, der Inbegriff der deutschen Trivialliteratur, gefeiert? Müsste sich Kritikerpapst Marcel Reich-Ranicki, der ebenfalls unter diesem Dach weilte und Science-Fiction verachtete, da nicht im Grab umdrehen?

Aber selbst als Zeremonienmeisterin Uschi Zietsch alias Susan Schwartz bei der Begrüßung vor 300 Fans, die im Saal im dritten Obergeschoss voller Erwartung die Ohren spitzen und ihre Kameras zücken, von »diesem Ort, an dem alles begonnen hat« (was geografisch nur grob stimmt, denn »dieser Ort« war der Moewig-Verlag in der Türkenstraße) spricht, bleibt es ruhig. Kein Beben erschüttert dem imposanten Renaissancebau am Salvatorplatz, kein Blitz zuckt vom weiß-blauen Literatenhimmel herab, und nicht einmal die Technik macht Probleme. Alles gut. Auch eine Form von Anerkennung, oder? PERRY RHODAN nimmt nach 3000 Wochen, in denen seit September 1961 an jedem Freitag ein neuer Heftroman am Kiosk wartet, längst selbst einen festen Platz im Literaturuniversum ein – als längste Fortsetzungsgeschichte zwischen »Unternehmen Stardust« und »Mythos Erde« nicht nur der Science-Fiction.

Der Saal ist voll

Um Band 3000 zu feiern, kamen also die Fans nach München. Die Veranstaltung am 9. Februar 2019, organisiert vom Team um PR-Marketingchef Klaus Bollhöfener, war schnell ausverkauft, aber sogar drei Perry-Leser aus Japan haben eine Karte ergattert. Die besten Plätze im voll besetzten Saal sind längst besetzt, als es losgeht. Das Programm unterscheidet sich grundsätzlich kaum von dem einschlägiger Cons, die einzelnen Punkte haben aber – ganz ohne den Geist der Hochkultur – durchweg ein hohes Niveau. Die Themen sind vielfältig und interessant, die Referenten gut ausgesucht, die Moderatoren und ihre Gesprächspartner gut vorbereitet und aufgelegt. So hält sich unsere Enttäuschung darüber in Grenzen, dass ein richtiges Highlight fehlt, über das die Fans noch in zehn Jahren reden würden.

Klaus N. Frick ist stolz auf seine Raketenheftchenserie.

Nach der Begrüßung tritt Chefredakteur Klaus N. Frick ans Mikrofon. Es sind zum Teil pathetische Worte, wenn er von der Vision der Serie spricht, der Vision einer geeinten Menschheit als ein Element im Kosmos. Man merkt, wie stolz er auf seine liebste Raketenheftchenserie ist. Wer weiß, was aus der Serie ohne ihn geworden wäre? Trotzdem musste er im Saal mit einem Stehplatz vorlieb nehmen.

Danach rückt kurz ein anderes Jubiläum, das dieses Jahr gefeiert wird, in den Fokus: der 50. Jahrestag der ersten wirklichen Mondlandung. Alan Bean, der mit Apollo 12 als vierter Mensch auf dem Mond war, kommt in einem Videoeinspieler zu Wort, und der Perry lesende Physiker Götz Röderer erklärt uns, warum Δv wichtig und es gar nicht so einfach ist, zum Mond zu fliegen und dort eine Station aufzubauen. Nach diesem Intermezzo in der wirklichen Welt geht’s zurück ins Perryversum: Der Überall-zugleich-Schreiber Kai Hirdt und Klaus Frick stellen die ab Juni erscheinende Miniserie um das legendäre Fernraumschiff SOL vor, Stammgastautor Robert Corvus muss sich beim Gespräch über sein perryfreies »Imago-Projekt« einer allerdings von ihm provozierten Mausbiber-Attacke erwehren, und, bevor die Mittagspause eingeläutet wird, gibt Hans Greis einen Einblick in die PERRY RHODAN-Hörbuchproduktion.

In der Pause wird gefachsimpelt (von links): Dietmar Schmidt, Jürgen Müller und Markus Regler.

Die Pause ist willkommen. Endlich ist ein wenig Zeit, mit alten Bekannten zu quatschen oder die Vitrinen mit PERRY RHODAN-Exponaten im Foyer zu bestaunen, die von Mitgliedern des Münchner PR-Stammtisches bestückt wurden und manche Rarität zu bieten haben. Und die Luft im leer gewordenen Saal hat die Chance, ihren Sauerstoffgehalt zu normalisieren.

Zurück vom Donisl

Durch eine Münchner Würstlpfandl mit Kartoffelsalat und ein Helles vom Holzfass beim Donisl gestärkt geht’s zurück ins Literaturhaus. Dort dreht sich eine halbe Stunde lang alles um PERRY RHODAN Neo und den Ausblick auf das, was ab Band 200 kommt (wobei wir mangels Interesse nicht richtig zugehört haben; aber es werden bis dahin wohl viele offene Fragen geklärt und anschließend neue aufgeworfen). Dann tritt Johannes Rüster auf die Bühne und erklärt dem staunenden Publikum die Erfolgsformel: Donald (oder Dagobert?) Duck+Forest Gump+Saturn V=Perry Rhodan. Und er macht mit seinen tiefsinnigen und kurzweiligen Überlegungen zur »Biographie einer Legende« Lust auf den großen Perry-Rhodan-Roman von Andreas Eschbach (der in einer kurzen Videogrußbotschaft zu Wort kommt). Was er zu sagen hatte, kann man demnächst im PERRY RHODAN-Report nachlesen.

Österreichisch-japanische Freundschaft: Roman Schleifer und Tadatoshi Iguchi.

Dann wird doch noch der Geist von Marcel Reich-Ranicki heraufbeschworen, in Form des »Phantastischen Quartetts« aus München (Reich-Ranicki gehörte zum »Literarischen Quartett« des ZDF): Ralf Bodemann, Christian Hoffmann, Udo Klotz und Stefan Kuhn stellen unter diesem Namen auf Convents und anderen Veranstaltungen immer wieder mal »Perlen der Science Fiction« vor. Auf der Bühne des Literaturhauses erzählen sie zusammen mit Perryfandom-Urgestein Hermann Urbanek über ihren Erstkontakt mit PERRY RHODAN. Im Foyer schmeckt das nicht jedem: Die Perryfandom-Aktivisten vom Münchner Stammtisch »Ernst Ellert« in ihren blauen T-Shirts sind als Helfer (bei Cons nennt man solche Leute Gopher) für das Event unentbehrlich, kontrollieren die Eintrittskarten und mehr, aber auf der Bühne sitzen jetzt Leute, von denen mancher im Perryfandom noch nie gehört hat.

Zurück auf die Bühne. Dort präsentiert Ben Calvin Hary ein witziges Video aus seinem Youtube-Produktion. Wie spricht man eigentlich die Namen aus? Johannes Rüster hatte vorher schon darauf verwiesen, dass Perry Rhodan einfach zu deutsch ist, um nicht deutsch ausgesprochen zu werden (auch wenn’s die Marketingabteilung englisch lieber mag) . Ob deutsch oder amerikanisch, dass ist gar nichts gegen Zungenbrecher wie Cheborparczete Faynybret oder Uldormuhecze Foelybeczt. Warum die Taschenbuch-Trilogie um die Dunkelwelten, die im Sommer erscheinen und von Michael Marcus Thurner, Robert Corvus und Madeleine Puljic geschrieben wird, trotz ihrer Titel »Schwarze Saat«, »Schwarze Frucht« und »Schwarze Ernte« nichts mit Gartenbau zu tun hat, erläutern Klaus Frick und Robert Corvus vor der nächsten kurzen Pause.

Die Spannung steigt

Jetzt wird es aber Zeit für den eigentlichen Anlass dieses Tages, Leute: Band 3000. Die Spannung steigt. Arndt Drechsler unterhält sich mit Uschi Zietsch darüber, wie das wegen seiner Rhodan-Darstellung nicht unumstrittene Titelbild entstanden ist. Wir sehen verschiedene Stadien des Werkes auf der großen Leinwand hinter der Bühne und erfahren, warum Rhodans Haare einen Rotstich haben und nicht blond sind.

Eine Audioeinspielung mit einem Orginalton von K. H. Scheer von 1977 erinnert noch mal an die Anfänge der Serie, dann kommen endlich die Expokraten Hartmut Kasper alias Wim Vandemaan und Christoph Dittert alias Christian Montillon auf die Bühne und plaudern mit Johannes Rüster über den Jubiläumsband. Christian hat einen dabei, gibt ihn aber nicht aus der Hand. Wie immer wird viel geredet und wenig verraten. Wie immer ist es ein Genuss, Wim zuzuhören. Wie kein anderer hat er den Geist der Serie verinnerlicht und kann detailliert und überzeugend darlegen, warum es sich bei PERRY RHODAN um ein vielschichtiges Werk handelt. Er hätte damit bestimmt auch Reich-Ranicki beeindruckt.

Expokrat Christian Montillon liest ein kurzes Stück aus Band 3000. Moderator Johannes Rüster überlegt sich schon die nächste Frage.

Nun haben wohl die meisten im Saal gehofft, dass sie Band 3000 in den Händen halten, wenn sie das Literaturhaus am Abend verlassen würden, vielleicht sogar in einer besonderen Aufmachung. Pustekuchen! Damit alle Leser, die nicht in München dabei sein können und Band 3000 deshalb erst ein paar Tage später kriegen, nicht benachteiligt werden, ist die Begründung.

Fazit

Das Jubiläum im Literaturhaus war sicher kein glamouröses Ereignis, aber im Großen und Ganzen eine gelungene Veranstaltung in einem gediegenen Ambiente. Für manch einen mag der zeitliche und finanzielle Aufwand, um nach München zu kommen, sehr groß gewesen sein und »das Jubiläum« nicht den Erwartungen entsprochen haben (unabhängig davon, worauf diese Erwartungen beruht haben mögen; es war eben kein WeltCon oder so was).

Mehr Bilder vom Event gibt es hier.

Für mich hat sich der Ausflug gelohnt, denn außer einen abwechslungsreichen Tag für mein liebstes Hobby zu verbringen, habe ich jede Menge Freunde und Bekannte getroffen und ein paar neue Leute kennengelernt. Die Begegnung und der Austausch – das ist immer das Entscheidende, nicht das Programm. Deshalb soll auch der der Stammtisch »Ernst Ellert« noch einmal lobend Erwähnung finden: Das Münchner Team hatte extra sein monatliches Treffen um einen Tag und in ein anderes Lokal als üblich verlegt, damit auswärtige Fans daran teilnehmen konnten. Das Angebot haben wir gerne angenommen; rund 60 Fans sorgten bei Pizza, Salat, Wein und Bier für eine unterhaltsamen Abend.

Alle nur ein Kreuz … ach ne, das ist aus einem anderen Film.

Was nicht so gelungen war

Im weitläufigen, lichtdurchfluteten Foyer des Saals mit Blick auf das Dominikanerkloster und die Theatinerkirche herrschte gähnende Leere, während die Programmpunkte liefen. Nur ein Büchertisch drückte sich in den etwas dunklen Durchgang zum Treppenhaus (aber dort gab es abends zumindest den Eschbach). Hätte sich auf der großen, freien Fläche nicht der eine oder andere Fanclub präsentieren oder eine Auswahl von Werken der Titelbild-Künstler gezeigt werden können?

Perry Rhodan wird 3000

In wenigen Tagen gehe ich auf meinen persönlichen »3000 Wochen
PERRY RHODAN «-Trip und nehme an der Jubiläumsveranstaltung des Verlags in München teil. Einen ganzen Tag dreht sich im Literaturhaus am Salvatorplatz alles um die längste Science-Fiction-Serie der Welt.

München ist die Geburtsstätte der Serie. Heft 1 erschien 1961 im Münchner Moewig-Verlag. Heute erscheint die Serie im Verlag Pabel-Moewig in Rastatt.

Meine Erwartungen sind gespalten. Ich werde bei dem längst ausverkauften Event am 9. Februar viele Bekannte und andere interessante Menschen treffen, es wird angeregte Gespräche und unerwartete Begegnungen geben. Seitdem ich vor vier Jahren das erste Mal einen Schritt ins Perryfandom gewagt habe, bin ich längst selbst zu einem Teil davon geworden.

Was das offizielle Programm angeht, bin ich eher skeptisch. Mir ist es für eine Jubiläumsveranstaltung nicht spektakulär genug, es fehlt das besondere Element, der Knalleffekt. Die einzelnen Programmpunkte unterscheiden sich nicht wesentlich von denen anderen Rhodan-Panels auf anderen Cons. Ich habe schon alle Beteiligten in ähnlichen Situationen erlebt, sodass ich schon eine gewisse Vorstellung davon habe, wie zum Beispiel der Punkt »Ein Ausblick auf den neuen Zyklus« oder »PERRY RHODAN NEO goes 200« abläuft.

Die einzigen etwas ungewöhnlichen Punkte – »Alan Bean – Der vierte Mensch auf dem Mond« und »Karl-Herbert Scheer über die Anfänge der Serie« – dauern laut Programmplan nur jeweils fünf Minuten. Es wird sich also um kurze Videoeinspielungen handeln.

Aber lassen wir uns überraschen, man kann sich ja irren.

Auf zum Stammtisch 

Am Vorabend werde ich zum ersten Mal einen Perry-Rhodan-Stammtisch besuchen. Der Münchner Stammtisch »Ernst Ellert«, der nach einer in München lebenden Serienfigur benannt ist und vom Verlag als Helfer für »das Jubiläum« eingespannt wurde, hat sein monatliches Treffen extra verlegt, damit Gäste der Veranstaltung daran teilnehmen können. Das werde ich mir nicht entgehen lassen.

Auf ein touristisches Begleitprogramm muss ich verzichten. Allenfalls reicht’s am Freitagnachmittag dafür, wenn der Flieger pünktlich ist und die S-Bahn nicht streikt. Sonntagmittag geht’s dann wieder zurück.

Unterwegs in Sachen Science-Fiction

Man denkt, es liege in Sache Science-Fiction ein ruhiges Jahr vor einem, aber nachdem alle absehbaren Termine und Terminwünsche in den Kalender eingetragen sind, ist klar, dass es ein großer Irrtum ist. Es gibt schon (zu) viele Einträge. Höhepunkt soll im Sommer der Besuch des WorldCons 2019 in Dublin, dem weltweit größten Treffen von Science-Fiction-Fans, sein.

Die Eintrittskarte

Der erste SF-Termin in diesem Jahr ist aber nur noch wenige Tage entfernt: Am 9. Februar wird in München Band 3000 der PERRY RHODAN-Serie vorgestellt. Das Jubiläum ist im Literaturhaus. Es wird von der Stiftung Buch-, Medien- und Literaturhaus betrieben und, so heißt es auf der Homepage: „Wer literarisch Rang und Namen hat, oder auf dem Weg ist, beides zu erlangen, tritt hier auf.“ Unpassender kann ein Ort zur Feier einer Groschenheftserie doch nicht sein, oder? Ich werde darüber berichten. Das Programm gibt’s hier. Das Event ist ausverkauft.

Neuer Roman von Michael Marrak

Weiter geht’s im März zur Leipziger Buchmesse. Auch dort steht für mich Science-Fiction im Vordergrund. Unter anderem will ich mir Michael Marraks dann frisch erschienenen Roman »Der Garten des Uroboros« direkt aus der Hand des Autors sichern. Michael gehört unbestritten zu den besten deutschen SF-Autoren. Der legendäre »Lord Gamma« hat mich vor einigen Jahren davon überzeugt, dass deutsche SF durchaus höchstes Niveau erreichen kann – mit der Folge, dass ich heute überwiegend deutschsprachige SF lese. Zum Leipziger Pflichtprogramm gehören Besuche beim Golkonda-Verlags und am Stand von PERRY RHODAN.

Rhodan ist das Stichwort für den nächsten Absatz: Am 25. und 26. Mai steigt in Osnabrück der 3. PR-Tag, der von der PERRY RHODAN-Fanzentrale, einem eingetragenen Verein, organisiert wird. Das ist für mich der am nächsten gelegene Con; ich kann ihn mit dem Auto in unter zwei Stunden Fahrtzeit erreichen. Da ich Mitglied der Fanzentrale bin und an deren Mitgliedermagazin SOL mitarbeite, ist das natürlich so etwas wie ein Pflichtbesuch.

Bis zum Hochsommer ist, so weit es die fannische Reisetätigkeit angeht, eine Pause angesagt. Vom 15. bis 19. August ist Dublin Ort des WorldCon. Wir haben unseren Jahresurlaub rund um das Event gelegt, besuchen zunächst Nordirland und schauen uns anschließend noch ein paar Tage in und rund um Dublin um. Der WorldCon, dessen Tradition bis 1939 zurückgeht und der damit das älteste SF-Fantreffen ist, bietet die Gelegenheit, Fans aus alle Welt und vor allem auch einige der ganz Großen der SF hautnah zu erleben und vielleicht sogar mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Auf der langen Liste der Teilnehmer stehen Namen wie Cory Doctorow, Joe Haldeman, George R.R. Martin oder Charles Stross.

Begegnung mit Robert Silverberg

Besonders fiebere ich einer möglichen Begegnung mit Robert Silverberg entgegen. Er ist inzwischen 84 Jahre alt und hat, wie es scheint, noch keinen WorldCon versäumt. Er steht als einfacher Teilnehmer auf der Liste.

Silverbergs Roman »Die Sterne rücken näher« (Starman’s Quest von 1958) war einer der ersten richtigen SF-Romane, die ich als Jugendlicher gelesen habe. Ich war damals nur etwas jünger als der Held des Romans, Alan, und fand natürlich die Vorstellung, in einem Raumschiff durchs Weltall zu kurven, faszinierend. Ich werde auf jedenfalls mein abgenutztes Exemplar der Heyne-Ausgabe von 1971 mitnehmen, um es mir signieren zu lassen.


Wenn der Sommer langsam zu Ende geht, steht für den 14. September der 3. BrühlCon im Kalender. Dieses abendliche Treffen, im Grunde ein besserer Stammtisch, haben die drei PERRY RHODAN -Fans Volker Hoff, Ralf Entz und Martin Ingenhoven auf die Beine gestellt. Sie haben es aber geschafft, außer Fans eine ganze Reihe prominenter Leute der Rhodan- und SF-Szene anzulocken, die zum Essen, Trinken und Plaudern ins Brühler Wirthaus kommen.

Mit der Frankfurter Buchmesse, dem Buchmesse-Con in Dreieich und dem Pentacon in Dresden im Oktober beziehungsweise am ersten Novemberwochenende klingt das fannische Jahr aus. Im vergangenen Jahr habe ich mal ausgerechnet, wie viele Kilometer ich für die Besucher der diversen Veranstaltungen zurückgelegt habe. Es werden in diesem Jahr nicht weniger sein, wegen Dublin wohl eher mehr.

Ach ja, einige andere terminlichen Verpflichtungen habe ich – außer den beruflichen – auch noch. Da wäre zum Beispiel im Mai ein Konzert von Bryan Ferry in Groningen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Das war »Hinterm Mond 2018«

Eröffnung mit dem Kurzfilm »Das Internet der Dinge« nach einer Kurzhgeschichte von Uwe Hermann. Foto: K. Ortgies

Beim 2. Tag der Science-Fiction-Literatur in Ostfriesland wurde dem Publikum einiges geboten: Weltpremieren, ein Film, exklusive Neuigkeiten, hochinteressante Diskussionen und jede Menge spannende und lustige Geschichten. Rund 30 SF-Liebhaber nicht nur aus Ostfriesland waren am 6. Oktober zu »Hinterm Mond 2018«, dem von mir veranstalteten 2. Tag der Science-Fiction-Literatur im Kulturspeicher in Leer zusammengekommen, um sich von Andreas Brandhorst, Uwe Hermann, Kai Hirdt und Uwe Post in ferne Welten und interessante Zeiten entführen lassen. Alle vier meisterten diese Herausforderung mit Bravour. Bernd Flessner, der einen Vortrag über ein SF-Thema halten wollte, hatte wegen Krankheit kurzfristig abgesagt. So blieb für alle anderen etwas mehr Zeit.

Nach dieser erfolgreichen zweiten Auflage ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es auch »Hinterm Mond 3« geben wird. Wer darüber auf dem Laufenden bleiben will, sollte sich für den »Hinterm Mond«-Newsletter weiter unten registrieren lassen.


 


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Begegnungen auf dem Coloniacon 23

Dietmar Schmidt (Perry Rhodan Neo) und Martin Ingenhoven vom Heftehaufen mögen keine gestellten Fotos. Aus dem Hintergrund nähert sich Volker Hoff, der Zeitreisende, mit contypischer Verpflegung.

Nachdem der Herbst in diesem Jahr gleich mit dem Elstercon in Leipzig phantastisch eröffnet wurde, ging es eine Woche später am 29. und 30. September in Köln weiter: mit dem Coloniacon 23, meinem zweiten überhaupt. Beim zweiten Mal ist ja alles anders: Ich wusste auf Anhieb, wo die Theke mit dem Kölsch in Halb-Liter-Flaschen ist. Aber ich habe vorsichtshalber mit einem Kaffee angefangen, obwohl schon Mittag durch war. Das Kölsch kam später.

Die erste halbe Stunde ging mit Händeschütteln dahin. Erstaunlich, wie viele Leute ich dort kannte und wie viele mich kannten. Einige hatte ich erst eine Woche zuvor in Leipzig gesehen, andere vor ein paar Monaten und einige schon seit ein, zwei Jahren nicht mehr. Über zwei oder drei werde ich hier etwas mehr schreiben.

Ben Calvin Hary (rechts) signiert ein Exemplar seines Romans für Rainer Schorm.

Ben Calvin Hary, der schon den einen oder anderen Maddrax-Roman verfasst hat, hat jetzt seinen ersten Roman im Atlantis-Verlag von Guido Latz herausgebracht: »Koshkin und die Kommunisten aus dem Kosmos«. Es dauerte gefühlt keine fünf Minuten, bis er mich am Wickel hatte und mir ein Exemplar andrehen wollte. Da hat er sich jede Menge bei seinem Vorbild (?) Dirk van den Boom – beide sind aus Saarbrücken, beide veröffentlichen bei Atlantis – abgeschaut. Der Schlachtruf der beiden Saarländer (der eine ein gebürtiger, der andere ein zugezogener: Kauf meine Bücher! Der Ruf verhallte nicht ungehört. Ben habe ich ein Buch abgenommen, von Dirk habe ich mich gleich zum Kauf von zweien breitschlagen lassen. Ich war, nachdem ich mich in Leipzig so extrem zurückgehalten habe, wohl im Kaufrausch.

Später am Tag habe ich mich für einige Zeit in Bens Premierenlesung gesetzt. Nach allem, was ich da gehört habe, werde ich den Kauf des Buches nicht bereuen. In dem Roman geht es um den emigrierten russischen Wissenschaftler Boris Koshkin, der 1958 in seinem Vorgarten ein Raumschiff für das vom Sputnik-Schock gebeutelte Amerika zu bauen. Als jemand, der in dem Jahr des Sputnik-Starts geboren wurde, muss ich so was einfach lesen.

Die Perry-Rhodan-Autoren Robert Corvus und Uwe Anton haben nichts über Band 3000 verraten, hatten aber offensichtlich viel Spaß dabei.

Von den vielen Panels (so heißen die einzelnen Veranstaltungen auf den Cons), die sich um die Perry-Rhodan-Serie drehten, habe ich nur das wohl von allen mit Spannung erwartete über »Rhodan – Ausblicke auf die nächsten Jahre« angehört. Es drehte sich dabei erwartungsgemäß um Band 3000 der Serie, der im Februar kommenden Jahres erscheint. Die beiden Stammautoren Uwe Anton und Uschi Zietsch alias Susan Schwartz beteuerten mehrfach, dass sie nicht wüssten, was drin steht, so sehr Moderator Rüdiger Schäfer auch nachhakte. Stattdessen wurde viel gewitzelt, und da kam Robert Corvus ins Spiel. Der »Stammgastautor oder so« ist in der Perry-Rhodan-Szene als Möchtegernguckytöter bekannt und soll Band 3000 mit dem Titel »Das Imperium der Mausbiber«.

Aber Spaß beiseite. Robert (»Keiner weiß, dass ich Bernd heiße«) lenkte die Aufmerksamkeit auf einen wichtigen Aspekt, der die Serie so erfolgreich gemacht hat. Es wird immer wieder angenommen (und argumentiert), dass so eine Jubiläumsband mit einer runden Nummer ideal für den Einstieg in die Serie ist. Nach Bernds bzw. Roberts Erfahrung, die sich auch durch eine nicht repräsentative Umfrage im Publikum bestätigte, ist das überhaupt nicht so. Die meisten PR-Leser haben irgendwo angefangen und sich nicht davon abschrecken lassen, dass sie erst nichts verstanden haben. Die Schnitt an der runden Heftnummer sei eher für die Altleser, denen dann wieder etwas ganz Neues geboten werde, argumentierte der Autor. Es solle ja nicht langweilig werden.

Alien trifft auf Alien, Mausbiber auf Jülziish.

Ein paar Außerirdische verirren sich auch immer wieder mal zum Coloniacon. Draußen lief mir ein tellerköpfiger Jülziish über den Weg (in Prä-Political-Correctness-Zeiten des Perryversums etwas abfällig Blues genannt), der irgendwie von der Southside der Galaxis an den Rhein geraten war und sich mit dem Mausbiber bzw. Ilt Gucky unterhielt. Wo Gucky ist, ist Gerhard Huber nicht fern. Gerhard, der zur Riege der schreibenden Fans gehört und schon eine Reihe von Kurzgeschichten unterschiedlicher Art veröffentlicht hat, hat zusammen mit Michael Tinnefeld einen Fanroman verfasst, »Die Heilerin von Hangay« (erschienen bei der Perry-Rhodan-Fanzentrale). Den habe ich am Sonntag auf der Rückfahrt im Zug gelesen.

Eigentlich war Science Fiction gar nicht so wichtig. Da traf sich zufällig eine Reihe von Con-Besuchern an der Mauer, die das Jugendpark-Gelände vom Rheinufer abgrenzt, Fans und Autoren, und was machten die? Nein, das Gespräch drehte sich nicht um ferne Galaxien, überlichtschnelle Raumschiffe und Alieninvasionen, nein, sie machen ein heiteres Altersraten. Eine Eigenart eher der älteren Generation.

Den Abschluss meines diesjährigen Coloniacon-Besuchs bildete eine finanzielle Transaktion. Ich habe schon mal die Anmeldegebühr für den nächsten Con bezahlt. Wir sehen uns 2020.


Hier gibt’s noch ein paar Bilder