In der Karibik unterwegs

Montag, 15. Oktober

Ich hatte die ganze Nacht verstreichen lassen, ehe ich das Neuland anlief, aus Furcht, daß in der Nähe der Küsten Untiefen vorkommen könnten. Allein da die Insel eher 28 als 20 Seemeilen von einer anderen Insel, die ich eben verlassen hatte, entfernt war und die Gegenströmung mich am Fortkommen hinderte, so vermochte ich nicht vor Mittag zu landen. Ich stellte fest, daß die Küste, die auf der Seite San Salvadors liegt und von Norden nach Süden verläuft, 20 Seemeilen lang ist, während die andere Küste, der ich entlang fuhr, sich von Osten nach Westen hinzieht und mehr als 40 Seemeilen lang ist. Da ich von hier aus im Westen eine größere Insel liegen sah, ließ ich die Segel aufgeien, um den restlichen Teil des Tages bis zum Anbruch der Nacht auf dem Meere zu verweilen, hätte ich doch die westliche Spitze der Insel kaum noch erreichen können, der ich den Namen „Santa Maria de la Concepción“ gegeben hatte.‘ Fast schon bei Sonnenuntergang ankerte ich bei der vorgenannten Inselspitze, um zu erkunden, ob es dort Gold gebe, da die Männer, die ich in San Salvador an Bord nehmen ließ, ausgesagt hatten, daß die Eingebornen dieser Gegend an den Füßen und Armen Spangen aus Gold zu tragen pflegten. Obgleich meines Dafürhaltens all diese Aussagen reine Erfindungen waren, um bei einer Landung sich aus dem Staube machen zu können, so wollte ich an keiner Insel vorbeifahren, ohne daselbst zu landen und von ihr Besitz zu ergreifen, trotzdem die Besitzergreifung einer Insel den Besitz aller anderen Inseln in sich schloß. Deshalb warf ich Anker und blieb bis heute Montag dort liegen, an dem ich in der Morgendämmerung mit den bewaffneten Booten mich der Küste näherte und landete. Die Inselbewohner, die recht zahlreich und nackt waren, gehörten der gleichen Rasse und der selben Kulturstufe an wie jene San Salvadors und ließen es ruhig zu, daß wir ihre Insel durchstreiften und gaben uns alles, wonach wir verlangten. Da aber ein starker südöstlicher Wind aufsprang, wollte ich mich nicht länger aufhalten, bestieg mein Boot und fuhr zu meinem Schiff zurück.

Hier angekommen, traf ich ein großes Eingeborenenkanoe an, das längsseits der „Niña“ angelegt hatte. Einer der Inselbewohner von San Salvador, der der „Niña“ zugeteilt worden war, warf sich ins Meer und schwang sich in das Kanoe. Die Nacht zuvor war ein anderer jener Männer an Land geflohen – jetzt stürzte er sich auch in das Kanoe, das so pfeilgeschwind davonfuhr, daß keines unserer Boote imstande war, es wegen des großen Vorsprunges einzuholen. So erreichte dieses Kanoe trotz allen unseren Bemühungen unversehrt das Ufer, worauf die beiden Flüchtlinge ihm entstiegen und eilends davonliefen, vergeblich verfolgt von einigen unserer Männer, die an Land gegangen waren, um Jagd auf sie zu machen. Wir bemächtigten uns des im Stich gelassenen Kanoes und schafften es an Bord der „Niña“, zu welcher in diesem Augenblick ein anderes Eingeborenenkanoe aus einer anderen Richtung herankam. Darin befand sich ein Mann, der ein Knäuel Baumwolle austauschen wollte. Da der Eingeborene nicht dazu zu bewegen war, an Bord der Karavelle zu kommen, warfen sich einige Matrosen ins Wasser und nahmen ihn fest. Ich selber stand am Hinterschiff und hatte alles mit angesehen. Ich ließ mir den Mann vorführen, schenkte ihm eine rote Kappe, einige grüne Glasperlen, die ich ihm um den Arm legte, und zwei Glöckchen, die ich an seinen Ohren befestigte, und erteilte Befehl, ihm sein Kanoe wiederzugeben, das bereits an Bord eines unserer Schiffe gehißt worden war, und ihn wieder frei an Land zu setzen.

Sodann segelte ich in die Richtung auf die andere große Insel, die ich im Westen liegen sah; gleichzeitig ließ ich das andere Kanoe, das die Karavelle „Niña“ hinter sich herschleppte, losmachen und freisetzen, Als ich landwärts blickte, gerade in dem Augenblick, als der Eingeborene dort eintraf, den ich in Freiheit gesetzt und mit den erwähnten Gegenständen beschenkt hatte, ohne dafür den mir angebotenen Baumwollknäuel anzunehmen, konnte ich sehen, wie andere Eingeborene ihn umringten. Der Befreite redete auf die anderen ein und bedeutete ihnen, daß er uns Bewunderung entgegenbringe, weil wir gutmütige Leute seien, und daß der Entflohene uns gewiß irgendwie beleidigt haben müsse, weswegen wir ihn hätten mitnehmen wollen. Ich hatte mich diesem Manne gegenüber gerade deshalb so verhalten, ihn befreit und beschenkt, damit er uns schätzen lerne und damit im Falle Eure Hoheiten wieder einmal Leute hierher aussenden sollten, diesen von den Eingeborenen ein guter Empfang bereitet werde. Überdies hatten die Gegenstände, die ich ihm gab, einen Wert von höchstens 4 „maravedis“.

Gegen 10 Uhr fuhr ich ab, mit Westwind, der nach Süden drehte, und nahm Kurs auf jene andere sehr große Insel, welche nach den durch Zeichen ausgedrückten Angaben der Männer aus San Salvador, die ich mitgenommen hatte, reich an Gold sein sollte, das die Eingeborenen in Form von Ringen und Spangen um Arme, Beine und Hals wie in den Ohren tragen. Die Insel Santa Maria liegt in der Richtung von Osten nach Westen 36 Seemeilen von hier entfernt; die ihr gegenüberliegende Küste erstreckt sich, wenn ich mich nicht täusche, auf einer Länge von zumindest 112 Seemeilen von Nordwesten nach Südwesten und ist ganz niedrig und flach, wie auf San Salvador und Santa Maria. Der Strand selbst weist keine Felsen auf, allein unter Wasser gibt es auch hier, wie auf den anderen Inseln, gegen das Land zu Klippen, weshalb man beim Landen mit Vorsicht vorgehen muß und nicht zu nah an die Küste heranfahren darf, obzwar das Wasser stets sehr klar und durchsichtig ist. Zwei Schußlängen einer Bombarde vom Land entfernt ist das Meer so tief, daß man nicht auf Grund kommt.

Diese Inseln haben ein gemäßigtes Klima und eine reiche Vegetation, die sie mit frischem Grün bedeckt und sehr fruchtbar macht. Es gibt hier sicherlich eine Unmenge Dinge, die ich nicht kennen lernte, weil ich nicht Zeit verlieren wollte, um viele andere Inseln anzusteuern, wo ich Gold zu finden hoffte. Da nun das Gold, welches diese Inselbewohner an ihren Armen und Beinen tragen, tatsächlich echtes Gold ist, da ich es mit dem meinigen verglichen habe, und hiemit ein Beweis vorliegt, daß es auf diesen Inseln vorkommen muß, so wird es mir mit Gottes Hilfe gelingen müssen, den Ort seines Vorkommens ausfindig zu machen.

Während ich mich also auf der Fahrt zwischen der Insel Santa Maria und jener großen zweiten Insel befand, der ich den Namen „Fernandina“ gab‘, stieß ich auf ein Kanoe, in dem sich ein einzelner Mann befand, der von der Insel Santa Maria nach der Insel Fernandina hinübersetzte. In seinem Boote fand ich etwas Brot, ungefähr von der Größe einer Faust, einen mit Wasser gefüllten Kürbis, etwas rote Erde, aus der er einen Brei angerichtet hatte, und einige dürre Blätter, die von den Eingeborenen sehr geschätzt werden müssen, da man mir bereits in San Salvador etwas davon als Geschenk überreicht hatte. Der Mann hatte auch ein selbstverfertigtes Körbchen bei sich, in dem sich eine kleine Glasperlenkette und zwei kastilianische Geldstücke befanden, woraus ich schloß, daß er von der Insel San Salvador komme, unterwegs die Insel Santa Maria berührt habe und nun zur Insel Fernandina fahre. Er legte mit seinem Kanoe bei und bat um die Erlaubnis, an Bord zu kommen, was ich ihm auch gewährte. Ich ließ sein Kanoe an Bord hissen und sein Hab und Gut wohl verwahren und gab Weisung, ihm Brot und Honig zu essen und auch etwas zu trinken zu geben. Später werde ich ihn auf der Insel Fernandina ausschiffen und ihm all seine Habe wiedergeben lassen, damit er allüberall nur Gutes von uns zu berichten habe. Wenn dann Eure Hoheiten einmal, so Gott will, jemanden hierhersenden, so wird er eine ehrenvolle Aufnahme finden und von den Eingeborenen alles erhalten, worüber sie verfügen.

Dienstag, 16. Oktober

Von der Insel Santa Maria de la Concepción aus steuerte ich mittags nach der Insel Fernandina, die von Westen aus gesehen sehr groß zu sein scheint. Den ganzen Tag über herrschte Windstille, so daß ich nicht mehr zurechtkam, um den Meeresgrund sehen und den Anker an günstiger Stelle werfen zu können; denn da kann man nicht genug vorsichtig sein, sonst läuft man Gefahr, den Anker einzubüßen. Daher ging ich bedächtig zu Werke und legte die ganze Nacht über bis zum Anbruch des Tages bei. Dann erst fuhr ich an eine Siedlung heran, wo ich landete und jenen Eingeborenen antraf, dem ich gestern auf See in einem Kanoe begegnet war. Er hatte soviel Gutes über uns zu berichten gewußt, daß die Eingeborenenkanoes die ganze Nacht über mein Schiff umlagerten, um uns Wasser und all ihre Habseligkeiten anzubieten. Ich ließ an jeden von ihnen eine Kleinigkeit verteilen, wie aufgereihte und lose Glasperlen, kleine Glocken aus Weißblech, die in Kastilien einen „maravedo“ kosten, und einige Bänder, was sie alles mit Freude und Genugtuung annahmen, als wären es lauter Dinge von großem Werte. Außerdem ließ ich für sie Melasse zubereiten, um sie ihnen zu reichen, sobald sie an Bord kamen. Gegen Morgen schickte ich mein Boot an Land, um Wasser zu schöpfen, worauf die guten Leute sich beeilten, meinen Männern gutwilligst die Stelle zu zeigen. wo sich dieses befand und die Fässer an Ort und Stelle zu schaffen, wie sie denn überhaupt ihre Absicht offenbarten, uns in allem zu Gefallen sein zu wollen.

Diese Insel ist sehr ausgedehnt, weshalb ich mich entschloß, sie zu umsegeln, da sich, soweit ich entnehmen konnte, auf ihr oder einer der benachbarten Inseln eine Goldader befinden muß. Sie liegt fast 32 Seemeilen in ostwestlicher Richtung von der Insel Santa Maria entfernt; die Küste, an der ich mich aufhielt, verläuft von Nord-Nordwesten nach Süd-Südwesten. Ich habe diese Küste nicht in ihrer ganzen Ausdehnung, sondern nur auf einer Strecke von fast 80 Seemeilen ausgekundschaftet.

Im Augenblick, da ich diese Zeilen niederschreibe gehe ich mit Südwind in See, um zu versuchen, die Insel zu umschiffen und nach „Samaot“ zu gelangen, die die Insel oder der Ort sein soll, wo sich das Gold vorfindet, wie alle jene behaupten, die mein Schiff zu besichtigen kamen, und was bereits die Bewohner von San Salvador und Santa Maria uns bedeutet hatten.

Die Einwohner der Insel Fernandina ähneln den Bewohnern der vorgenannten Inseln sowohl in der Sprache als in ihren Gebräuchen; doch dünken mir letztere etwas kultivierter, vernünftiger und achtsamer zu sein als die ersteren, da ich feststellte, daß sie sich für die Baumwolle und die anderen Dinge, die sie an Bord brachten, ein besseres Entgelt zu verschaffen verstanden, als die Eingeborenen der anderen Inseln. Hier sah ich auch Baumwollgewebe, die zu Streifen zugeschnitten waren, und aufgeweckte Männer und Frauen, die an der vorderen Körperseite ein Wolltuch tragen, das ihre Nacktheit einigermaßen verhüllte. Diese Insel ist ganz eben, von Grün überzogen und äußerst fruchtbar. Anscheinend betreiben die Bewohner jedes Jahr den Anbau von Hirse, die sie ernten, ebenso wie anderer Bodenfrüchte. Ich bemerkte zahlreiche Bäume, die von den unseren recht verschieden waren, darunter solche, wo auf ein und demselben Stamm verschiedenartige Zweige wuchsen, was ganz eigenartig anmutet. Zum Beispiel: ein Zweig trug die Blätter des Zuckerrohres, während ein anderer wie der Zweig eines Mastixbaumes aussah, so daß auf ein und demselben Baume fünf oder sechs vollkommen verschiedene Arten zusammentreffen. Keineswegs könnte dies auf eine Aufpfropfung zurückzuführen sein, denn davon ist keine Spur zu merken; auch kümmern sich die Eingeborenen nicht darum.

Was nun die Religion anbelangt, so dünkt es mich, daß sie gar keine eigene Religion besitzen, und da es wohlmeinende Leute sind, so dürfte es nicht zu schwierig sein, aus ihnen Christen zu machen.

Die Fische sind hierzulande derartig von unseren heimatlichen Arten verschieden, daß man baß erstaunt ist; einige gleichen Hähnen und glitzern in den leuchtendsten Farben wie himmelblau, gelb, rot und in vielen anderen Farben, die alle bunt durcheinanderschimmern und so zarte Tönungen haben, daß jeder sie mit Entzücken und Bewunderung betrachtet. Es gibt auch Walfische. An Land traf ich gar keine Tiere an, bis auf Papageien und Eidechsen, doch berichtete mir ein Schiffsjunge, eine große Natter oder Schlange gesehen zu haben. Ziegen, Schafe oder andere Tiergattungen kamen mir nicht zu Gesicht, wie ich bereits erwähnt habe. Allerdings habe ich mich ganz kurze Zeit, nur einen halben Tag lang, dort aufgehalten, doch hätte mir immerhin ihr Vorhandensein nicht entgehen können. Sobald ich die Rundfahrt um die Insel gemacht habe, werde ich darüber näheres berichten.

Mittwoch, 17. Oktober

Gegen Mittag brach ich von der Siedlung auf, wo ich gelandet war, um Wasservorräte zu machen, und schickte mich an, um die ganze Insel Fernandina herumzusegeln. Ich beabsichtigte, süd-südöstlichen Kurs zu halten, da nach Aussage der Indianer, die ich an Bord hatte, und auch anderer, die von ihnen „Samoet“ benannte Insel, wo Gold vorkommen soll, in diesen südlichen Gegenden liegen mußte. Allein Martin Alonso Pinzón der Kapitän der Karavelle „Niña“, an deren Bord ich drei dieser Indianer geschickt hatte, kam zu mir herüber, um mir zu sagen, daß einer jener Indianer ihm unmißverständlich zu verstehen gegeben habe, es sei wesentlich leichter, die Insel von Nord-Nordwesten her zu umsegeln. Da nun der Wind in der bisher eingeschlagenen Richtung nachließ, in der angegebenen aber sehr günstig war, segelte ich nach Nord-Nordwest. Ungefähr 8 Seemeilen vom äußersten Ende der Insel entfernt stieß ich auf eine wunderbar gelegene Bucht, die, getrennt durch eine dazwischen liegende Insel, zwei ungemein schmale Einfahrten hat. Im Innern aber ist das Wasserbecken so geräumig, daß hundert Schiffe bequem Platz hätten, wenn die Tiefe größer und weniger Klippen vorhanden wären; auch die Einfahrt müßte eine größere Wassertiefe haben. Ich hielt es für angezeigt, diesen Hafenplatz genauestens zu durchloten, weshalb ich außerhalb seiner Anker warf und mit allen Schiffsbooten einfuhr; hier stellten wir fest, daß er nicht ausreichend tief war.

Da ich, als ich seiner ansichtig wurde, der Meinung war, dieses Wasserbecken sei die Mündung eines Flusses, hatte ich den Matrosen angeordnet, Fässer mitzubringen, um Wasservorrat zu nehmen. Als ich mit ihnen an Land ging, kamen uns alsbald an die acht oder zehn Männer entgegen, die uns auf die nicht weit davon entfernte Siedlung aufmerksam machten. Dahin entsandte ich die teils bewaffneten, teils Fässer tragenden Leute, um Wasser zu holen, was sie auch vollkommen ungestört tun konnten. Da die Quelle ziemlich weit ab lag, wartete ich an die zwei Stunden auf ihre Rückkehr. In der Zwischenzeit streifte ich umher, zwischen Bäumen hindurch, die zum Schönsten gehörten, das ich je erblickt.

Ihr Blätterwerk prangte in so frischem, dichtem Grün, wie in Andalusien zur Maienzeit; dabei waren die Bäume so grundverschieden von jenen unserer Heimat, wie Tag und Nacht. Das gleiche gilt von den Früchten, den Gräsern, den Steinen und von allen Dingen. Allerdings gab es auch Pflanzen, die zu jenen Gattungen gehörten, die bei uns in Kastilien gedeihen; dessen ungeachtet aber sahen sie ganz anders aus. Jene Bäume der mannigfaltigsten Gattungen, die sich in Kastilien nicht vorfinden, waren in so großer Zahl vorhanden, daß man sie nicht aufzählen könnte.

Die Bewohner glichen den Eingeborenen der obenerwähnten Inseln in ihrer ganzen Art und in ihrem Wuchs. Sie waren auch ganz unbekleidet und gaben ihr ganzes Hab und Gut willig her für irgendeinen nichtssagenden Gegenstand, den wir ihnen boten. Ich gewahrte, wie einige unserer Schiffsjungen für Glasscherben oder Scherben zerbrochener Schüsseln Spieße eintauschten. Die Matrosen, die das Wasser herbeigeschafft hatten, berichteten mir, daß sie die Behausungen der Eingeborenen sich angesehen und in peinlich sauberem Zustand angetroffen hätten; Betten und Decken, auf denen jene Leute schliefen, sind eine Art Wollnetze. Ihre Behausungen sind zeltartig gebaut und haben hohe und gute Schornsteine doch unter den Siedlungen, die ich gesehen, war keine einzige, die mehr als 12 oder 15 Behausungen gehabt hätte. Wir konnten hier feststellen, daß die verheirateten Frauen Wollhosen trugen im Gegensatz zu den Mädchen, mit Ausnahme von einigen unter ihnen, die an die 18 Jahre alt waren.

Auf dieser Insel sah ich Schäferhunde und kleine Spürhunde. Meine Leute begegneten einem Eingeborenen, der an seiner Nase ein Goldstück von der Größe eines halben „Castellano“ befestigt hatte, auf dem einige Schriftzeichen eingeprägt waren. Ich warf ihnen vor, dieses Geldstück nicht im Tauschwege erstanden zu haben, um jeden Preis, den der Besitzer gefordert hätte, da ich gern gewußt hätte, was dieses Geldstück für eine Bewandtnis hatte. Allein die Matrosen antworteten, nicht gewagt zu haben, ihm diesen Tauschhandel vorzuschlagen.

Nachdem wir genug Wasser geholt hatten, kehrte ich zu meinem Schiff zurück und segelte nach Nordwesten längs der ganzen Inselseite bis zur entgegengesetzten Küste, die von Osten nach Westen verläuft. Wiederum erklärten meine Indianer, daß diese Insel weitaus kleiner sei als die Insel Samoet und daß wir gut daran täten, umzukehren, um rascher zu ihr zu gelangen. Hier ließ der Wind nach, um dann von Westen zu kommen, also gerade umgekehrt zu unserer Fahrtrichtung, weshalb ich beidrehte und die ganze vergangene Nacht hindurch bald nach Ost-Südost, bald nach Osten oder nach Südosten fuhr. Ich tat dies deshalb, um nicht in Landnähe zu kommen, da dichter Nebel einsetzte und das Wetter auf Sturm war.

Von Mitternacht bis fast zum Morgengrauen gingen Regengüsse nieder. Noch jetzt ist der Himmel mit Wolken verhangen, die weitere Niederschläge zubringen drohen. Wir sind zur südöstlichsten Spitze der Insel zurückgekehrt wo ich gut zu ankern hoffe, bis es hell genug wird, um zu den anderen Inseln vorzudringen, wie ich es mir vorgenommen hatte. Seitdem ich mich hier in Indien befinde, hat es mehr oder weniger stark Tag um Tag geregnet, Eure Hoheiten können gewiß sein, daß dieses Land zu den fruchtbarsten und in klimatischer Hinsicht gemäßigsten Ländern der Erde gehört.

Donnerstag, 18. Oktober

Bei Tagesanbruch segelte ich je nach dem Winde und umsegelte so gut ich konnte die Insel, so lange es möglich war; dann fuhr ich an die Küste heran, aber ohne zu landen.

Freitag, 19. Oktober

In der Morgendämmerung lichtete ich die Anker und ließ die Karavelle „Pinta“ nach Osten und Südosten, die Karavelle „Niña“ nach Süd-Südwesten fahren, während ich selbst mit meinem Schiff Kurs auf Südosten nahm. Mein Befehl lautete dahin, daß die beiden Schiffe die von mir angegebene Kursrichtung bis 12 Uhr mittags einzuhalten hätten, um sie dann aufzugeben und sich wieder mit mir zu vereinigen.

Nach kaum drei Stunden Fahrt kam im Osten eine Insel in Sicht, auf die wir zusteuerten. Noch vor Mittag erreichten die drei Schiffe ihre nördliche Spitze, wo ihr eine kleine Insel vorgelagert ist, die gegen Norden von Felsenriffen umsäumt wird, während sich zwischen der kleinen und der großen Insel eine Klippe erhebt. Letztere wird von den Leuten aus San Salvador „Saomete“ genannt, ich aber gab ihr den Namen „Isabella“. Der Wind kam aus Norden und das vorgenannte kleine Inselchen lag in der Richtung der Insel Fernandina, von der aus ich in der Ost-Westrichtung in See gegangen war. Die Küste der Insel Isabella verläuft vom Inselchen aus auf eine Länge von 48 Seemeilen in westlicher Richtung bis zu einem Vorgebirge, das ich „Capo Bello“ genannt habe; letzteres liegt gegen Westen zu und ist wunderbar rund und weit ins Meer hinausragend, von tiefem Wasser umgeben. Die Einfahrt in die Bucht ist zunächst steinig und von geringer Wassertiefe, allein gegen das Land zu liegt ein Sandstrand, der sich übrigens die ganze Küste entlang zieht; hier warf ich heute Freitag nachts die Anker und hielt mich bis zum Morgen dort auf.

Dieser Küstenteil und was ich bisher von der Küste dieser Insel gesehen habe, ist vollkommen flach und eben. Die Insel selbst ist das schönste, was ich bisher gesehen habe; denn mögen auch die anderen von mir entdeckten Erdstriche noch so herrlich gewesen sein, so war diese Insel noch viel wundervoller. Sie ist reich an hohen, grünbelaubten Bäumen und das ganze Gebiet ist höher gelegen als es bei den anderen Inseln der Fall war. Sie hat einige Erhebungen, die man zwar nicht als eigentliche Berge bezeichnen kann, die aber immerhin durch den hervorgerufenen Gegensatz der Ebene einen malerischen Anstrich verleihen. Im Innern besitzt sie anscheinend zahlreiche Quellen. Im Nordosten zeichnet sich ein großes Vorgebirge ab, von hohen Bäumen dicht besetzt, wo ich landen wollte, um einen so wohlgefälligen Ort zu besichtigen; allein ich kam nicht auf den Grund und hätte nur weiter draußen, gegen das offene Meer zu, Anker werfen können. Anderseits war die Windrichtung günstig, um jenes Kap zu erreichen, wo ich mich jetzt befinde und dem ich, wie schon gesagt, den Namen „Capo Bello“ gegeben hatte, weil dieses Kap wirklich schön ist.

Aus diesen Gründen ging ich bei diesem Vorgebirge nicht an Und. Überdies versetzte mich auch der Anblick dieses herrlich grünen Landstriches, was man von allen Ländern und Erzeugnissen dieser Inseln mit Fug und Recht behaupten kann, in einen Zustand der Unschlüssigkeit, wohin ich mich begeben sollte, und konnte ich mich an einer so wundersam schönen und von der unseren so verschiedenartigen Vegetation nicht satt sehen. Meines Dafürhaltens gibt es auf diesen Inseln viele Kräuter und Pflanzen, die man in Spanien sehr zu schätzen wissen wird, um daraus Tinkturen zu gewinnen, die man zu Heilzwecken oder als Gewürze verwenden kann, allein sie sind mir unbekannt, was mit viel Kummer macht. Bei meiner Ankunft am Kap spürte ich einen wohligen Duft von Blumen und Pflanzen, welcher mir großes Entzücken bereitete. Morgen früh vor der Abfahrt werde ich an Land gehen, um zu sehen, was dieses Vorgebirge beherbergt. Nach den Aussagen meiner Indianer soll ein König, der viel Gold auf seinem Leibe trägt, in einer Siedlung hausen, die sich tief im Innern befindet; ich möchte soweit gegen das Innere der Insel vordringen, bis ich jene Siedlung und den König finde. Ich würde jenen Herrscher gerne sehen und sprechen, da er nach den Aussagen der Indianer über alle umliegenden Inseln gebietet und ganz in Gold gekleidet ist. Trotzalledem schenkte ich dem Gerede dieser Leute nicht so ganz Glauben, teils weil ich sie nicht recht verstehe, teils weil ich der Meinung bin, daß es ihnen, die sehr wenig Gold besitzen, stets viel vorkommen wird, auch wenn der König noch so wenig Gold auf sich trägt.

Was ich als „Capo Bello“ bezeichnet habe, scheint eine von Saomet getrennte Insel zu sein; zwischen beiden muß außerdem noch eine andere Insel liegen. Allein es war nicht meine Absicht, alles genau zu erforschen, denn dazu würden nicht einmal fünfzig Jahre ausreichen, sondern so viel als möglich neue Länder zu entdecken, um, wenn es Gott gefiel, im kommenden Monat April wieder vor das Angesicht Eurer Hoheiten treten zu können. Dem muß ich aber hinzufügen, daß ich, falls wir auf Gegenden stoßen sollten, wo Gold und Gewürze reichlich vorhanden sind, mich dort so lange aufhalten werde, als bis ich so viel als nur irgend möglich davon verladen habe. Zu diesem Zwecke setze ich meine Fahrt fort, um jene Gegenden ausfindig zu machen.

Samstag, 20. Oktober

Heute, bei vollem Tageslicht, lichtete ich die Anker an der Stelle der Insel Saomet, wo ich die Nacht über geblieben war, also an deren westlicher Spitze, der ich den Namen Lagunen-Kap gegeben, während ich die ganze Insel Isabella genannt hatte. Ich beabsichtigte, nach Nordosten und später, auf der östlichen Seite, nach Südwesten zu fahren, wo sich nach Aussage der mitgeführten Eingeborenen die Residenz des Inselkönigs befinden soll. Allein ringsumher wies das Meer so geringe Tiefen auf, daß ich nicht weiter vorwärts konnte. Ich mußte also einsehen, daß ich einen sehr großen Umweg machen müßte, wenn ich die südwestliche Kursrichtung weiter eingehalten hätte. Deshalb beschloß ich, wieder die nord-nordöstliche Richtung einzuschlagen, wie zuvor, und vom Westen aus die Insel Isabella zu umsegeln. Wir hatten aber so mäßigen Wind, daß ich erst nachts an die Küste herankam. Da es aber sehr gefährlich ist, im Finstern auf diesen Inseln zu landen, weil eine gute Sicht vonnöten ist, um den Anker an richtiger Stelle zu werfen, da der Meeresgrund bald von Sand, bald von Klippen bedeckt ist, lag ich die ganze Sonntagnacht bei. Die beiden andern Karavellen, die noch früh genug das Land erreicht hatten, waren vor Anker gegangen. Nach den üblichen Signalisierungen waren ihre beiden Kapitäne der Ansicht, daß auch ich vor Anker gehen wollte; doch dies war nicht meine Absicht.

Sonntag, 21. Oktober

Um 10 Uhr gelangte ich zum Kap der Kleinen Insel und legte mein Schiff Seite an Seite zu den beiden Karavellen. Nach Tisch ging ich an Land. Ich fand keine Siedlung vor, sondern nur eine alleinstehende Behausung, die öde und verlassen dalag; wahrscheinlich hatten deren Bewohner aus Furcht vor unserm Herannahen die Flucht ergriffen, wobei sie all ihr Hausgerät liegen und stehengelassen hatten. Ich untersagte es meinen Leuten, an irgend etwas Hand zu legen, und, begleitet von meinen Kapitänen und einigen meiner Leute, machte ich mich auf, die Insel zu erforschen. Wenn die andern von mir aufgesuchten Inseln wundervoll grün und fruchtbar gewesen waren, so mußte ich bekennen, daß diese noch weit schöner war mit ihren weithin ausgedehnten, grün schimmernden Wäldern und breiten Lagunen, an deren Rändern und in deren Mitte wundervolle Haine lagen. Hier, wie auch in den übrigen Teilen der Insel, sind die Bäume frisch und dicht nebeneinander, das Gras so grün wie im Monat April in Andalusien und der Vogelsang dem Ohre so wohlklingend, daß man für immer hier bleiben möchte. Papageien fliegen in so dichten Schwärmen, daß sie die Sonne verfinstern, und die großen und kleinen Vögel sind in zahlreichen, von unsern heimatlichen Vögeln verschiedenen Arten vertreten. Auch die Bäume sind vielerlei Art und fruchttragend und verbreiten einen wohligen Duft. Ich bedaure es ungemein, sie nicht zu kennen, bin aber gewiß, daß sie alle nutzbringenden Wert haben. Von ihnen, wie von den Pflanzen, werde ich Musterstücke mitnehmen. Während wir entlang einer jener Lagunen dahinwanderten, stießen wir auf eine Schlange, die wir erlegten und deren Haut ich Euren Hoheiten bringe. Kaum hatte uns das Reptil bemerkt, so warf es sich ins Wasser. Allein da das Wasser nicht allzu tief war, setzten wir ihm nach und töteten es mit Lanzenstichen. Es war sieben Spannen lang; ich glaube, daß es in diesen Lagunen zahlreiche ähnliche Schlangen geben müsse. Es gelang mir, Aloebäume festzustellen, worauf ich beschloß, einige davon abschneiden und morgen an die zehn Zentner an Bord des Schiffes schaffen zu lassen, weil es heißt, daß es ein sehr wertvolles Holz ist.

Auf der Suche nach Trinkwasser gelangten wir zu einer Siedlung, die sich ganz in der Nähe von hier, ungefähr zwei Seemeilen vom Punkte entfernt befand, wo wir vor Anker gegangen waren. Als deren Einwohner unser ansichtig wurden, machten sie sich alle davon und verbargen sich mit ihrem Hab und Gut im Gebirge. Ich duldete es nicht, daß man ihnen irgend etwas wegnehme, und hätte es auch nur den Wert einer Nadel. Später kamen einige Eingeborene zu uns heran. Einer von ihnen faßte sogar einiges Zutrauen, so daß ich ihm einige Glöckchen und Glasperlen gab, worüber er eine kindliche Freude an den Tag legte. Um unsere freundschaftlichen Beziehungen zu vertiefen und sie zu etwas Nützlichem zu verwenden, ließ ich von den Eingeborenen Wasser verlangen. Die Inselbewohner erschienen denn auch, als ich auf mein Schiff zurückgekehrt war, mit ihren mit Wasser gefüllten Kürbissen am Ufer und bekundeten ihre ersichtliche Freude, uns Wasser zu geben. Zum Dank dafür ließ ich ihnen noch eine Glasperlenschnur aushändigen, worauf sie erklärten, daß sie am nächsten Morgen wiederkehren wollten.

Mein Plan war, an diesem Ort alle Fässer unserer Schiffe mit Wasser zu füllen, um bei günstiger Witterung jederzeit abfahren zu können, und die ganze Insel so lange zu durchforschen, bis es mir gelungen sein würde, mit ihrem König zusammenzutreffen, und ihn dazu zu veranlassen, mir das Gold zu geben, in dessen Besitz er sich befinden soll. Hierauf wollte ich nach einer sehr großen Insel absegeln, die meines Erachtens Cipango sein mußte, wenn die Berichte zutreffend sind, die mir meine an Bord befindlichen Indianer darüber geben, die diese Insel „Colba“ nennen. Sie wußten zu berichten, daß dort sehr große Schiffe und zahlreiche Seeleute zu finden seien. Daraufhin beabsichtige ich noch, eine andere Insel, „Bofio“ genannt, aufzusuchen, die ebenfalls sehr ausgedehnt sein soll. Unterwegs werde ich die dazwischenliegenden Inseln anlaufen und werde mich ganz danach richten, ob ich dort Gold und Gewürze vorfinde oder nicht. Auf jeden Fall aber bin ich fest entschlossen, bis zum Festland vorzudringen und die Stadt Quisai zu erreichen , um dem großen Khan die Briefe Eurer Hoheiten zu überreichen und mit seiner Antwort nach Europa zurückzukehren.

Montag, 22. Oktober

Die ganze vergangene Nacht und den heutigen Tag habe ich hier zugewartet, daß der König oder andere Leute dieser Insel mir Gold oder andere Wertgegenstände brächten. Zahlreiche Indianer fanden sich ein, die jenen der andern Inseln gleichen, nackt und in den verschiedensten Farben bemalt sind. Sie brachten Spieße und Baumwollknäuel zu Tauschgeschäften mit sich, die sie mit einigen Matrosen um Glasstücke, Scherben zerbrochener Tassen und irdener Schüsseln tätigten. Einige dieser Indianer trugen an ihrer Nase befestigte Goldstücke, die sie bereitwilligst für eine jener kleinen Schellen oder für Glasperlen hergaben; allein es handelte sich um so geringfügige Mengen, daß es nicht der Rede wert war. Alle zeigten großes Erstaunen über unsern Anblick und meinten, daß wir vom Himmel gekommen seien. Aus einem kleinen See, der sich hier in der Nähe befindet, und den wir als Insel-Kap bezeichneten, schöpften wir Wasser für unsere Schiffe. In diesem See erlegte Martin Alonso Pinzón, Kapitän der „Pinta“, eine weitere Schlange, die der gestern getöteten in allem glich und auch sieben Spannen lang war. Ferner ließ ich so viel Aloe, als man auftreiben konnte, an Bord verladen.

Dienstag, 23. Oktober

Heute wollte ich nach der Insel Kuba aufbrechen, die nach den Berichten der Eingeborenen über ihre Größe und ihren Reichtum mit der Insel Cipango identisch sein muß. Deshalb gedenke ich mich nicht länger hier aufzuhalten und werde auch nicht diese Insel umsegeln, um die Hauptsiedlung aufzusuchen, was ich zuvor im Sinne gehabt hatte, und um den König oder Herrn dieser Erde zu sprechen – hatte ich doch selbst feststellen können, daß es hier keine Goldminen gibt. Überdies würde eine Umsegelung der Insel sehr verschiedenartige Winde erfordern, die nun eben nicht aus der gewünschten Richtung kamen. Da ich ferner Gegenden aufsuchen muß, wo die Aussichten Handel zu treiben, am größten sind, bestand kein Grund für mich, hier länger Zeit zu verlieren. Daher will ich weiterfahren und viele Gegenden betreten, bis ich auf ein Land stoßen werde, das reich an mannigfaltigen Erzeugnissen ist, obzwar ich dessen sicher bin, daß die Insel, auf der ich mich befinde, viele Gewürzarten hervorbringt. Zu meinem großen Leidwesen aber kenne ich mich darin nicht aus – sah ich doch tausenderlei verschiedene Baumarten mit ganz verschiedenartigen Früchten, die um diese Jahreszeit hier in vollster Frische gedeihen, wie in Spanien in den Monaten Mai und Juni. Ebenso verschwenderisch ist die Fülle der Gräser und Blumen. Aber in diesem ganzen Reichtum der Vegetation war es uns nur vergönnt, den Aloebaum zu erkennen, wovon ich, wie bereits berichtet, eine entsprechende Menge an Bord der Schiffe habe bringen lassen, um sie Euren Hoheiten vorzulegen.

Bis zu diesem Zeitpunkt war es mir noch nicht möglich, nach Kuba in See zu gehen, da vollkommene Windstille herrscht, während es gestern nur so geschüttet hat, ohne daß es dabei kalt gewesen wäre. Ganz im Gegenteil: tagsüber ist es heiß, und die Nächte sind hier so mild wie die Mainächte Andalusiens.

Mittwoch, 24. Oktober

Gestern gegen Mitternacht habe ich vom Insel-Kap aus, das auf der nördlichen Seite der Insel Isabella gelegen ist, die Anker gelichtet, um nach der Insel Kuba zu segeln, von der die Leute, die ich aus San Salvador mit mir führe, zu sagen wissen, daß sie sehr ausgedehnt und handeltreibend sei; sie soll reich an Gold und Gewürzen sein und zahlreiche große Schiffe und viele Kaufleute beherbergen. Nach Angabe der Indianer liegt Kuba in west-südwestlicher Richtung, was zutreffend sein mag, da ich aus ihrer Zeichensprache und den Andeutungen der andern Inselbewohner – deren Sprache mir ja fremd ist – entnehmen muß, daß es sich um die Insel Cipango handle, von der die erstaunlichsten Wunderdinge berichtet werden, und die sich nach den Aufzeichnungen der Landkarten, die ich gesehen habe, in diesen Gewässern befinden muß. So fuhr ich bis zum Tagesanbruch nach West-Südwesten. Gegen Morgengrauen ließ der Wind nach; dafür begann es zu regnen, wie es die ganze Nacht über geregnet hatte. Bis gegen Mittag kam ich bei mäßigem Wind vorwärts, der aber späterhin sehr zunahm, so daß alle Segel meines Schiffes, vom größten bis zum kleinsten, ganz aufgebläht waren.

So setzte ich meine Fahrt bis zum Einbruch der Nacht fort. Das Grüne Kap der Insel Fernandina, welches im südlichen Teil der westlichen Inselhälfte liegt, blieb ungefähr 28 Seemeilen entfernt gegen Nordwesten zurück. Da nun der Wind recht stürmisch geworden und mir unbekannt war, welche Entfernung ich bis zur vorgenannten Insel Kuba zurückzulegen hatte, ich anderseits sie nicht bei Nacht entdecken wollte, da alle diese Inseln von Untiefen umgeben sind, so daß man nur in einer Entfernung von zwei Bombardenschüssen auf offenem Meer von Anker gehen kann; weil es zudem auch wegen der ungleichen Beschaffenheit des Seegrundes, der bald sandig, bald von Klippen unterbrochen ist, ratsam erscheint, nur bei Tageslicht zu landen, beschloß ich, alle Segel schließen zu lassen, bis auf das Focksegel, und damit allein weiterzufahren.

Inzwischen nahm der Wind an Stärke zu und ließ mich rasch vorwärtskommen, wodurch ich etwas unsicher wurde. Dazu herrschte tiefste Finsternis und Regen prasselte nieder, weshalb ich Befehl gab, auch das Focksegel einzuziehen. So kam es, daß wir die ganze Nacht hindurch nur um acht Seemeilen weitergekommen waren.

Donnerstag, 25. Oktober

Nach Sonnenaufgang setzte ich meine Fahrt nach West-Südwesten bis neun Uhr fort. Nach einer Strecke von 20 Seemeilen änderten die Schiffe den Kurs und steuerten gegen Westen. Bis ein Uhr nachmittags und weiterhin bis drei Uhr liefen sie mit einer Stundengeschwindigkeit von acht Seemeilen, wobei sie insgesamt 44 Seemeilen zurücklegten.

Da entdeckten wir, in einer Entfernung von 20 Seemeilen, sieben oder acht Inseln, die von Norden nach Süden hintereinander lagen.

Freitag, 26. Oktober

Ich erreichte diese Inseln von Süden aus und stieß 20 oder 24 Seemeilen lang auf Untiefen; trotzdem ging ich vor Anker.

Meine an Bord befindlichen Indianer erklärten, daß man von hier aus mit ihren Kanoes anderthalb Tage bis nach Kuba zu fahren habe.

Von da aus setzten wir unsere Fahrt nach Kuba fort, in der Meinung, daß es sich nach den Berichten der Indianer über ihre Größe und ihren Reichtum an Gold und Perlen um die gesuchte Insel, nämlich um Cipango, handle.

Samstag, 27. Oktober

Bei Sonnenaufgang lichteten wir die Anker in der Nähe jener Inseln, die ich „Sandinseln“ benannte wegen der geringen Meerestiefe, die sie im Süden bis auf 24 Seemeilen gegen das offene Meer zu hatten. Bis ein Uhr fuhren wir mit einer Stundengeschwindigkeit von acht Seemeilen in süd-südwestlicher Richtung, wobei wir 40 Seemeilen zurücklegten. Bis zum Anbruch der Dunkelheit brachten wir weitere 28 Seemeilen stets in der gleichen Kursrichtung hinter uns.

Noch vor völliger Dunkelheit sichteten wir Land. Über Nacht, in der ein starker Regen niederging, suchten wir einen Zufluchtsort auf. Am Samstag hatten wir bis Sonnenuntergang 68 Seemeilen gegen Süd-Südwesten zurückgelegt.