Von Palos zur Insel Gomera

Freitag, 3. August 1492

Wir verließen am Freitag, den 3. August 1492 um acht Uhr die Saltesbank und fuhren bei oftmaligem Wenden bis zum Sonnenuntergang 60 Seemeilen gegen Süden, was 15 geographischen Meilen entspricht, dann nochmals in Richtung Süd-zu-West, also mit Kurs auf die Kanarischen Inseln.

Samstag, 4. August

Wir fuhren mit Kurs Südwesten zu Süden.

Sonntag, 5. August

In Tag- und Nachtfahrt haben wir mehr als 160 Seemeilen zurückgelegt.

Montag, 6. August

Das Steuerruder der Karavelle „Pinta“, die unter dem Befehl des Martin Alonso Pinzon stand, brach oder sprang heraus, was ein gewisser Gomez Rascon dem allgemeinen Verdacht nach getan haben soll, auf Anstiftung des Christoph Quintero, des Eigentümers des Schiffes, der diese Reise nur ungern mitmachte. Vor der Abreise habe ich bemerkt, wie sie gewisse Betrügereien und Machenschaften anzettelten. Dieser Vorfall versetzte mich zwar in große Unruhe angesichts der Unmöglichkeit, der genannten Karavelle zu Hilfe zu eilen, ohne mich selbst in Gefahr zu begeben, jedoch gewährt mir der Gedanke einigermaßen Erleichterung, zu wissen, dass Martin Alonso Pinzon Mut und Geistesgegenwart besitzt. Trotz alledem legten wir in 24 Stunden 116 Seemeilen zurück.

Dienstag, 7. August

Ein zweites Mal ereignete sich eine Steuerhavarie an Bord der „Pinta“; sie wurde ausgebessert, worauf wir Kurs auf die Insel Lanzarote, die zu den Kanarischen Inseln gehört, nahmen. In 24 Stunden brachten wir 100 Seemeilen hinter uns.

Mittwoch, 8. August

Zwischen mir und den Führern der drei Karavellen kam es zu einem Meinungsstreit wegen der Position, auf der sie sich befinden sollten – ich war mit meiner Ansicht der Wahrheit am nächsten. Ich wollte die Insel La Canaria anlaufen, um die Karavella „Pinta“ mit Rücksicht auf ihr mangelhaftes Steuerruder, und weil sie leck war, dort zurückzulassen und sie durch ein anderes Schiff zu ersetzen, falls eines aufzutreiben wäre. Allein an diesem Tag gelang es uns nicht, La Canaria anzulaufen.

Donnerstag, 9. August, bis Mittwoch, 5. September

Bis zur Sonntagnacht des 12. vermochte ich es nicht, La Gomera anzulaufen, und da die „Pinta“ mit Martin Alonso nicht mehr seetüchtig war, hielt man sich auf meinen Befehl hin längs der Küste der Gran Canaria. Später liefen wir diese Insel (oder Teneriffa) an; mit viel Mühe und Fleiß, den ich selbst, Martin Alonso und die andern aufbrachten, gelang es uns, die „Pinta“ wieder dichtzumachen. Schließlich legten wir in La Gomera an. Hier sahen wir aus der gewaltigen Bergkette der Insel Teneriffa hohe Flammen emporlodem. Das lateinische Segel der „Nina“ wurde durch ein rundes Segel ersetzt. Alsdann kehrte ich am Sonntag, den 2. September, mit der ausgebesserten „Pinta“ nach La Gomera zurück.

Hierauf berichtet der Admiral, dass viele ehrenhafte Spanier, die auf der Insel Ferro wohnten und die sich nun mit Donna Ines Peraca, der Mutter jenes Wilhelm Peraca, der in der Folgezeit der erste Graf von La Gomera war, auf letztgenannter aufhielten, versicherten, Jahr um Jahr im Westen der Kanarischen Inseln ein bestimmtes Land zu sichten; auch andere Bewohner von La Gomera beteuerten, dasselbe gesehen zu haben.

Ich kann mich wohl entsinnen, daß, als ich mich im Jahre 1484 in Portugal aufgehalten habe, ein Mann von der Insel Madeira beim König dieses Landes erschienen sei, um ihn zu bitten, ihm eine Karavelle zu verschaffen, mit welcher er nach einem Lande fahren könne, das er jahraus jahrein an der nämlichen Stelle liegen sehen habe. Überdies kann ich mich sehr gut erinnern, daß die gleiche Erscheinung auch auf den Azoren beobachtet worden sei. Alle diese Aussagen stimmten hinsichtlich der Größenverhältnisse, der Einzelheiten und der Lage im Ozean des betreffenden Landes vollkommen überein.

Nachdem man Wasser, Holz, Fleisch und alle sonstigen Vorräte an Bord genommen, die jene Männer besorgt hatten, welche ich in La Gomera zurückgelassen hatte, als ich mich nach der Insel Canaria begab, um die Karavella „Pinta“ wieder instand zu setzen, ging ich endlich am Donnerstag, den 6. September, mit meinen drei Karavellen von der obenerwähnten Insel Gomera aus in See.